Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Haarkämme und Haarspangen (CN 9615) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarif CN 9615 umfasst ein breites Sortiment an Haarpflegeartikeln: Frisierkämme, Einsteckkämme, Haarspangen, Haarnadeln, Frisiernadeln, Haarklammern, Lockenwickler sowie verwandte Waren und deren Teile — ausgenommen Elektrowärmegeräte der Position 8516. Der Code gliedert sich in drei Unterpositionen: 961511 (aus Hartkautschuk oder Kunststoff), 961519 (aus anderen Stoffen) und 961590 (Haarnadeln, Klammer, Lockenwickler etc.) (Scope & Definitions).

Die Europäische Union ist in diesem Markt in erster Linie ein Netto-Importeur. Im Jahr 2025 belief sich der Nettoimportanteil auf 76,3 % — gegenüber 59,8 % im Jahr 2015. Die Importe stiegen im Betrachtungszeitraum um 82,2 % auf 282,3 Mio. EUR, während die Exporte mit 64,2 % auf 82,5 Mio. EUR nachzogen. Der Handelsbilanzdefizit verschärfte sich damit von −104,7 Mio. EUR auf −199,8 Mio. EUR. Im Folgenden werden die zentralen Dynamiken dieses Marktes in drei Dimensionen analysiert.


1. Die Dominanz Chinas und die Umstrukturierung der Importstruktur

China als wachsender Monopol-Anbieter

Der mit Abstand bedeutendste Handelspartner der EU bei den Importen ist China. Zwischen 2015 und 2025 stiegen die chinesischen Lieferungen von 113,2 Mio. EUR auf 256,0 Mio. EUR — ein Zuwachs von 126,2 %. China stellte damit im Jahr 2025 rund 90,7 % aller EU-Importe aus Drittländern (Top-Partner nach Wert). Diese Konzentration hat sich über den Zeitraum deutlich verstärkt: Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 5.599 auf 8.611 — eine Zunahme um 53,8 %. Werte über 2.500 gelten bereits als hoch konzentriert; die EU bewegt sich im Importmarkt für CN 9615 somit in einem Bereich erheblicher Lieferantenabhängigkeit.

Volumenwachstum zu niedrigen Preisen

Bemerkenswert ist, dass das Importwachstum primär volumen- und nicht preisgetrieben war. Die eingeführten Mengen erhöhten sich von 12.768 t (2015) auf 21.767 t (+70,5 %), während der durchschnittliche Einfuhrpreis lediglich von 12.132 EUR/t auf 12.964 EUR/t stieg (+6,9 %). Dies deutet auf eine fortgesetzte Verlagerung der Produktion kostengünstiger Massenware nach Asien hin — ein Trend, der die Preise trotz steigender Nachfrage moderat hielt (Allgemeine Übersicht).

Rückgang der britischen Lieferungen nach dem Brexit

Der zweitgrößte ehemalige Importpartner, das Vereinigte Königreich, verlor dramatisch an Bedeutung: Die Lieferungen sanken von 24,1 Mio. EUR (2015) auf 2,1 Mio. EUR (2025) — ein Rückgang um 91,2 %. Dieser Einbruch korreliert mit dem Austritt des VK aus dem EU-Binnenmarkt und den damit verbundenen Handelsbarrieren ab 2021. Gleichzeitig nahmen die Importe aus dem Posten „nicht näher bezeichnete Länder und Gebiete" stark zu (von 3.231 EUR auf 6,2 Mio. EUR), was auf veränderte Meldemuster oder Umleitungen hindeuten könnte.

Segmentspezifische Importmuster

Auf Produktebene zeigt sich, dass die Unterposition 961511 (Kämme und Spangen aus Kunststoff/Hartkautschuk) das mit Abstand größte Importsegment darstellt. Die Mengen stiegen von 5.294 t auf 10.848 t (+104,9 %), die Werte von 56,4 Mio. EUR auf 132,8 Mio. EUR (+135,3 %). Die Segmente 961519 (andere Materialien) und 961590 (Nadeln, Klammern, Lockenwickler) wiesen ebenfalls Zuwächse auf, blieben aber mit jeweils rund 5.500 t und 5.400 t im Jahr 2025 deutlich kleiner (Produktsegment-Aufschlüsselung).

Indikator 2015 2025 Veränderung
Importe China (Mio. EUR) 113,2 256,0 +126,2 %
Importe VK (Mio. EUR) 24,1 2,1 −91,2 %
HHI Importe (Wert) 5.599 8.611 +53,8 %
Importmenge gesamt (t) 12.768 21.767 +70,5 %
Importpreis Ø (EUR/t) 12.132 12.964 +6,9 %

2. Europäische Exporte: Steigende Wertschöpfung bei stagnierenden Mengen

Wertsteigerung trotz mengenmäßiger Stagnation

Die EU-Exporte in Drittländer stiegen im Wert von 50,2 Mio. EUR (2015) auf 82,5 Mio. EUR (2025), wobei die exportierte Menge mit 1.821 t praktisch unverändert blieb (−0,0 %). Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich dementsprechend von 27.541 EUR/t auf 45.145 EUR/t (+63,9 %). Diese Entwicklung legt nahe, dass sich die EU im Exportsegment zunehmend auf höherwertige Produkte konzentriert — ein Muster, das mit einer Spezialisierung auf Qualitäts- und Markenprodukte vereinbar ist (Allgemeine Übersicht).

Segmentanalyse: Nicht-Kunststoff-Produkte als Preistreiber

Besonders auffällig ist die Preisentwicklung im Segment 961519 (Kämme und Spangen aus anderen Materialien als Kunststoff). Der Exportpreis hier stieg von 31.866 EUR/t (2015) auf 57.972 EUR/t (2025), mit einem Spitzenwert von 92.101 EUR/t im Jahr 2024. Gleichzeitig stieg der Wert dieses Segments von 16,3 Mio. EUR auf 43,0 Mio. EUR (+164,7 %). Dies deutet auf eine zunehmende Spezialisierung der europäischen Hersteller auf hochwertige Materialien (z. B. Metall, Holz, Horn) hin, die höhere Preise erzielen als Kunststoffprodukte. Im Gegensatz dazu blieb der Exportpreis für Kunststoffprodukte (961511) mit 33.067 EUR/t im Jahr 2025 moderater (Produktsegment-Aufschlüsselung).

Diversifizierung der Exportmärkte

Die Exportzielmärkte zeigen ein heterogenes Bild:

Markt 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 6,3 18,7 +195,5 %
USA 4,8 8,0 +68,4 %
Schweiz 4,4 5,3 +20,9 %
Norwegen 1,8 3,9 +122,2 %
Russische Föderation 4,4 2,7 −38,5 %
Serbien 0,3 0,9 +213,6 %
VAEmirate 1,0 2,2 +112,6 %

Der stärkste absolute Zuwachs wurde beim VK verzeichnet — ein bemerkenswerter Gegenpart zum Importrückgang. Dies könnte darauf hindeuten, dass das VK nach dem Brexit verstärkt EU-Qualitätsprodukte nachfragt, die zuvor über Binnenmarktkanäle liefen. Russland verlor hingegen an Bedeutung (−38,5 %), was wahrscheinlich mit Sanktionen und geopolitischen Spannungen ab 2022 zusammenhängt (Top-Partner nach Wert — Exporte).

Spezialisierung innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Dänemark (RSCA: 0,535, RCA: 3,30), Griechenland (RSCA: 0,247) und Polen (RSCA: 0,237) die stärkste komparative Spezialisierung in CN 9615 aufweisen. Dänemark produziert überproportional viel — trotz seines kleinen Marktanteils an der gesamten EU-Produktion. Die großen Volkswirtschaften Frankreich und Deutschland sind ebenfalls leicht spezialisiert, aber in geringerem Maße. Auf der anderen Seite weisen Malta, Luxemburg und Litauen eine deutliche Unterproduktion auf.

EU-Mitgliedstaat RSCA (2025) Anteil an EU-Exporten
Dänemark 0,535 5,7 %
Griechenland 0,247 1,1 %
Polen 0,237 10,8 %
Spanien 0,139 7,7 %
Frankreich 0,107 9,7 %

3. Wachsende Abhängigkeit und Vulnerabilität der EU-Versorgung

Steigende Importabhängigkeit

Der Nettoimportanteil der EU stieg von 59,8 % (2015) auf 76,3 % (2025), mit einem Spitzenwert von 83,2 % im Jahr 2022. Im selben Zeitraum wuchs die Exportneigung von 143 % auf 183 %, während die Handelsintensität mit 111–114 % weitgehend stabil blieb. Die hohe Exportneigung bei gleichzeitig steigender Importabhängigkeit kennzeichnet ein Muster, in dem die EU zwar weiterhin international wettbewerbsfähige Spezialprodukte exportiert, die Versorgung mit Massenware jedoch zunehmend auslagert.

Volatilität und Lieferkettenrisiken

Die Volatilitätsanalyse nach Variationskoeffizient (CV) zeigt für die wichtigsten Importpartner eine gemischte Lage:

Importpartner CV (Wert)
USA 0,19
Indien 0,25
China 0,31
Taiwan 0,31
Thailand 0,40
Türkei 0,45
Hongkong 0,52
Vietnam 0,56
Südkorea 0,60
Vereinigtes Königreich 0,89
Tunesien 0,94
Malaysia 0,99

China als dominanter Lieferant zeigt mit einem CV von 0,31 eine moderate Volatilität — ein Hinweis darauf, dass die Lieferungen trotz der Pandemie und geopolitischer Spannungen relativ stabil blieben. Größere Schwankungen zeigen sich bei kleineren Lieferanten wie Malaysia (CV: 0,99) und Tunesien (0,94), deren Lieferungen stark schwankten.

Preis-Schocks in Exportmärkten

Im Exportbereich wurden signifikante Preis-Schocks festgestellt. Der auffälligste betraf Japan im Jahr 2021: Der Exportpreis stieg um 267,2 % (Abnormalität: 272,9), was auf pandemiebedingte Lieferengpässe und eine Nachfrageverschiebung hin zu hochwertigen EU-Produkten hindeuten könnte. Auch in Australien (2020, +109,1 %) und Tunesien (2020, +51,5 %) wurden ungewöhnliche Preisanstiege verzeichnet. Diese Ereignisse könnten mit den weltweiten Supply-Chain-Störungen zu Beginn der COVID-19-Pandemie zusammenhängen.

Europäische Produktion: Erholung nach Tiefpunkt

Die EU-Produktion zeigt nach einem deutlichen Einbruch eine bemerkenswerte Erholung. Der Produktionswert stieg von 13,0 Mio. EUR (2015) auf 39,8 Mio. EUR (2025), ein Zuwachs von 205,7 %. Die Produktionsmenge erhöhte sich von 944 t auf 1.407 t (+49,0 %). Allerdings lagen die Produktionsmengen in den Jahren 2020–2022 mit nur 210–370 t auf einem historischen Tief — ein deutlicher Pandemieeinbruch. Die anschließende Erholung auf 1.407 t im Jahr 2025 signalisiert eine Reaktivierung europäischer Kapazitäten, auch wenn die inländische Produktion nur einen Bruchteil der Importmenge (21.767 t) deckt.

Indikator 2015 2020 (Tief) 2025 Veränderung (2015→2025)
Produktion Menge (t) 944 210 1.407 +49,0 %
Produktion Wert (Mio. EUR) 13,0 4,6 39,8 +205,7 %

Fazit

Der Markt für CN 9615 in der EU ist zwischen 2015 und 2025 durch drei fundamentale Trends geprägt:

  1. Zunehmende Konzentration auf China als Lieferant: China hat seine Marktstellung bei den EU-Importen weiter ausgebaut und liefert heute über 90 % der importierten Waren. Gleichzeitig sind traditionelle Lieferanten wie das Vereinigte Königreich — infolge des Brexit — stark an Bedeutung verloren. Die steigende HHI-Konzentration unterstreicht die wachsende Lieferantenabhängigkeit.

  2. Qualitative Aufwertung der europäischen Exporte: Die EU exportiert zwar mengenmäßig nicht mehr als noch 2015, erzielt jedoch deutlich höhere Preise — insbesondere bei Nicht-Kunststoff-Produkten. Dies deutet auf eine Spezialisierung auf hochwertige Nischenprodukte hin, die im globalen Wettbewerb bestehen können.

  3. Wachsende strukturelle Verwundbarkeit: Der Nettoimportanteil von über 76 %, die hohe Konzentration der Lieferantenbasis und die Pandemie-induzierten Preis-Schocks in Exportmärkten zeigen, dass die EU-Versorgung mit Haarpflegeartikeln anfälliger für externe Störungen geworden ist. Die europäische Produktion zeigt zwar Erholungstendenzen, kann den Importbedarf bei Weitem nicht decken. Für die Handelspolitik ergibt sich daraus die Frage, ob und wie Diversifizierungsstrategien oder eine Stärkung der inländischen Produktion die Resilienz dieses Marktes verbessern könnten.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.