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Marktentwicklung: Folien und dünne Bänder, aus Aluminium, auf Unterlage, mit einer Dicke (ohne Unterlage) von <= 0,2 mm (ausg. Prägefolien der Pos. 3212 sowie als Christbaumschmuck aufgemachte Folien) (CN 760720) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union für CN 760720 — Aluminiumfolien und -bänder auf Unterlage mit einer Dicke (ohne Unterlage) von ≤ 0,2 mm — im Zeitraum 2015 bis 2025. Die analysierte Produktgruppe umfasst drei Unterpositionen: dünne Folien (< 0,021 mm), Aluminium-Verbundplatten und Folien im Dickenbereich von 0,021 bis 0,2 mm. Die EU ist in diesem Segment traditionell ein Nettoexporteur mit einer eigenen Produktionsbasis, die 2024 ein Volumen von rund 1,05 Mrd. kg und einen Produktionswert von ca. 5 Mrd. EUR erreichte. Im Untersuchungszeitraum vollzog sich jedoch ein bemerkenswerter Strukturwandel: Während die Exporte mengenmäßig deutlich schrumpften, stiegen die Importe nahezu exponentiell an. Die nachfolgenden drei Hauptabschnitte beleuchten die zentralen Triebkräfte dieser Entwicklung.


1. Vom Nettoexporteur zum gefährdeten Markt: Das Schrumpfen des EU-Handelsüberschusses

1.1 Die Exporte verlieren an Volumen, gewinnen aber an Preis

Die EU-Ausfuhren von CN 760720 sanken im Betrachtungszeitraum mengenmäßig um 32,5 % — von 114.228 Tonnen (2015) auf 77.085 Tonnen (2025). Gleichzeitig stieg der Durchschnittspreis um 44,0 % (von 5.433 EUR/t auf 7.823 EUR/t). Der Exportwert blieb daher vergleichsweise stabil und verzeichnete lediglich einen Rückgang von 2,8 % (von 620,6 Mio. EUR auf 603,1 Mio. EUR). Die Exportpreisentwicklung spiegelt eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten wider — möglicherweise bedingt durch steigende Aluminiumrohstoffpreise und eine qualitative Aufwertung der europäischen Produktion.

1.2 Importe verdoppeln sich nahezu — getrieben durch China und das Vereinigte Königreich

Dem exportseitigen Volumenrückgang steht ein dramatischer Anstieg der Einfuhren gegenüber. Die Importmenge wuchs um 94,8 % — von 31.942 Tonnen (2015) auf 62.237 Tonnen (2025) —, der Importwert stieg um 88,1 % (von 157,9 Mio. EUR auf 296,9 Mio. EUR). Bemerkenswert ist, dass der durchschnittliche Importpreis über den gesamten Zeitraum sogar leicht sank (−3,5 %), was auf preisgünstigere Quellmärkte hindeutet. Die wichtigsten Importpartner waren:

Herkunftsland Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung (%)
China 17,4 72,7 +317,2
Vereinigtes Königreich 20,9 68,7 +229,3
Schweiz 60,1 49,9 −17,0
Türkei 24,9 37,0 +48,3
Japan 0,9 13,4 +1.400,2
Südkorea 2,7 24,7 +829,4
USA 17,4 17,0 −2,0

1.3 Der Handelsüberschuss schmilzt zusammen

Die Konvergenz von schrumpfenden Exportvolumina und wachsenden Importen führte zu einer drastischen Reduktion des Handelsbilanzüberschusses. Dieser sank von 462,7 Mio. EUR (2015) auf 306,1 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 33,8 % entspricht. Die Netto-Importabhängigkeit verbesserte sich zwar rein rechnerisch von −37,4 % auf −10,7 % — doch diese scheinbar positive Entwicklung spiegelt nicht eine Stärkung wider, sondern vielmehr die Erosion des Überschusses. Die EU bewegt sich in Richtung einer ausgeglichenen Handelsbilanz, allerdings aus der „falschen" Richtung: Nicht die Exporte wachsen, sondern die Importe holen auf.


2. Geopolitische Schocks und Partnerumstrukturierung: Russland raus, neue Märkte herein

2.1 Der Kollaps der Exporte nach Russland

Die dramatischste Einzelveränderung im Exportgefüge betraf die Russische Föderation. Die Ausfuhren sanken von 34,2 Mio. EUR (2015) auf nur noch 2,2 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 93,6 % entspricht. Die Exportmenge nach Russland brach von 9.000 Tonnen (2015) auf 244 Tonnen (2025) ein. Der Zeitpunkt des Einbruchs — ab 2022 — korreliert klar mit den Sanktionen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Die Daten zeigen ein klassisches Angebotschock-Ereignis: Im Basiszeitraum (2015–2022) lag die durchschnittliche Exportmenge bei 5.137 Tonnen; nach dem Schock (2023–2025) betrug sie nur noch 246 Tonnen — lediglich 4,8 % des Ausgangsniveaus. Der Exportpreis stieg im Gegenzug auf fast das Doppelte (+103,4 %), was auf eine Selektion hin zu hochwertigen Spezialprodukten schließen lässt.

2.2 Preis-Schocks 2022 auf mehreren Exportmärkten

Das Jahr 2022 markierte einen Wendepunkt für die Exportpreisentwicklung auf mehreren Schlüsselmärkten. Die stärksten Preisabweichungen wurden bei Exporten in die Ukraine (Abnormalität: 157,6, Preissteigerung +37,4 %), nach Armenien (Abnormalität: 138,4, +33,8 %) und nach Mexiko (Abnormalität: 104,3, +29,0 %) festgestellt. Auch bei Exporten in die Vereinigten Arabischen Emirate (Abnormalität: 10,3, +33,4 %) waren signifikante Preisauffälligkeiten zu beobachten. Diese simultanen Preis-Schocks auf verschiedenen Kontinenten deuten auf systemische Faktoren hin — insbesondere den starken Anstieg der Aluminiumrohstoffpreise im Zuge der Energiekrise 2022.

2.3 Wachstumsmärkte kompensieren den Russland-Verlust teilweise

Dem Wegfall des russischen Marktes standen beachtliche Zuwächse bei anderen Exportpartnern gegenüber. Die Exporte in die Türkei stiegen um 133,0 % (von 22,6 Mio. EUR auf 52,7 Mio. EUR), in die USA um 33,5 % (von 83,2 Mio. EUR auf 111,1 Mio. EUR). Die USA wurden damit zum zweitwichtigsten Exportmarkt nach dem Vereinigten Königreich. Algerien verzeichnete ebenfalls ein Wachstum (+35,6 %). Allerdings konnte der Russland-Verlust (−32,0 Mio. EUR) durch diese Zuwächse nur teilweise kompensiert werden. Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) für Exporte blieben mit Werten zwischen 732 und 847 relativ niedrig und stabil, was auf eine breite Diversifizierung der Absatzmärkte hindeutet.


3. Strukturwandel im Inneren: Neue Importquellen und veränderte Rollen der EU-Mitgliedstaaten

3.1 China und das Vereinigte Königreich als neue Importmächte

Auf der Importseite vollzog sich eine bemerkenswerte Neugewichtung. China stieg vom fünftgrößten zum größten Importpartner auf und verzeichnete einen Zuwachs von 317,2 % (von 17,4 Mio. EUR auf 72,7 Mio. EUR). Die Importmenge aus China vervierfachte sich nahezu (von 5.865 Tonnen auf 24.650 Tonnen). Ebenso bemerkenswert ist der Anstieg der Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich (von 20,9 Mio. EUR auf 68,7 Mio. EUR, +229,3 %) — ein Effekt, der teilweise auf den Brexit und die damit verbundene Umstrukturierung von Lieferketten zurückzuführen sein dürfte. Die Schweiz blieb zwar ein relevanter Partner, verlor aber an Bedeutung (−17,0 %). Die Importkonzentration (HHI) sank von 2.136 auf 1.702 (−20,3 %), was eine zunehmende Diversifizierung der Importquellen signalisiert.

3.2 Volatile Einfuhren aus Japan und Südkorea

Besonders volatil verliefen die Importe aus Japan (Variationskoeffizient: 1,05) und Südkorea (VK: 0,91). Japanische Einfuhren stiegen von unter 1 Mio. EUR (2015) auf einen Spitzenwert von 95,1 Mio. EUR (2022), um danach wieder auf 13,4 Mio. EUR (2025) zu fallen. Südkoreanische Importe wuchsen von 2,7 Mio. EUR auf 24,7 Mio. EUR. Diese Schwankungen könnten auf kurzfristige Lieferverträge, Produktionsengpässe bei europäischen Herstellern oder gezielte Marktstrategien asiatischer Anbieter zurückzuführen sein.

3.3 Polarisierung innerhalb der EU: Deutschland dominiert, osteuropäische Staaten holen auf

Innerhalb der EU zeigt sich eine deutliche Polarisierung der Handelsströme. Deutschland blieb der mit Abstand größte Exporteur (203,3 Mio. EUR in 2025), obwohl sein Anteil leicht rückläufig war. Die Exporte aus Spanien stiegen besonders stark (+66,3 %), ebenso wie die aus Belgien (+78,7 %). Auf der Importseite hingegen verzeichneten Polen (+422,8 %), Frankreich (+670,8 %) und die Niederlande (+202,1 %) die stärksten Zuwächse. Polen entwickelte sich dabei vom Nischenimporteur (7,9 Mio. EUR in 2015) zu einem der größten Importeure der EU (41,1 Mio. EUR in 2025), was auf die zunehmende Integration osteuropäischer Volkswirtschaften in globale Aluminiumlieferketten hindeutet. Die Spezialisierungsanalyse bestätigt: Griechenland (RSCA: 0,62), Frankreich (0,38) und Spanien (0,31) weisen die höchste komparative Spezialisierung auf, während Österreich (−0,999), Zypern (−0,999) und Irland (−0,97) praktisch keine Exportspezialisierung in diesem Segment besitzen.


Fazit

Der Markt für Aluminiumfolien auf Unterlage (CN 760720) durchlebte im Zeitraum 2015–2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Die drei zentralen Erkenntnisse lauten:

  1. Erosion des Überschusses: Der EU-Handelsüberschuss schrumpfte um ein Drittel, nicht weil die Exporte an Wert verloren, sondern weil die Importe mengen- und wertmäßig nahezu explodierten, während die Exportmengen um fast einen Drittel sanken.

  2. Geopolitische Umstrukturierung: Der Wegfall des russischen Marktes (−93,6 %) und die Preis-Schocks von 2022 führten zu einer signifikanten Neugewichtung der Handelsströme. Neue Wachstumsmärkte (Türkei, Algerien) und die USA gewannen an Bedeutung, konnten den Verlust jedoch nur teilweise ausgleichen.

  3. Asiatische Importoffensive: China, Japan und Südkorea etablierten sich als bedeutende Lieferanten auf dem EU-Markt. Die Importe aus China allein wuchsen um über 300 %, was die Wettbewerbsfähigkeit asiatischer Produzenten und die zunehmende Verflechtung globaler Aluminium-Lieferketten unterstreicht.

Die EU-Produktion blieb dabei mit rund 1 Mrd. kg und einem Produktionswert von ca. 5 Mrd. EUR (2024) relativ stabil — doch der wachsende Importdruck stellt die europäische Aluminiumfolienindustrie vor die Herausforderung, ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem sich rasch wandelnden globalen Umfeld zu sichern.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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