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Marktentwicklung: Edelmetallabfälle und Schrott (CN 7112) — 2015–2025

Einleitung

Der Handel der Europäischen Union mit Edelmetallabfällen und -schrott (KN-Code 7112) hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 fundamental verändert. Der Warenkorb umfasst Abfälle und Schrott von Gold, Platin, Silber sowie Edelmetallaschen, die hauptsächlich zur Wiedergewinnung von Edelmetallen bestimmt sind. Die EU ist in diesem Segment langfristig ein Nettoimporteur mit einer Importabhängigkeit von über 92 %, was den strategischen Charakter dieses Rohstoffsegments unterstreicht. Im analysierten Zeitraum stiegen die Importwerte um 181 % auf über 7,1 Mrd. EUR, während die Exportwerte sogar um 253 % auf rund 4,7 Mrd. EUR zunahmen — ein dynamischer Markt, dessen Entwicklung sich entlang dreier zentraler Achsen entfaltet.


1. Preisrevolution statt Mengenboom: Die Dominanz der Wertsteigerung

Die Handelswerte haben sich vervielfacht, während die Mengen moderater wuchsen

Die auffälligste Entwicklung im Markt für Edelmetallabfälle ist die massive Diskrepanz zwischen der Wert- und der Mengenentwicklung. Die Gesamtübersicht zeigt eindrücklich: Während die Exportmengen zwischen 2015 und 2025 lediglich um 13,9 % stiegen (von 22.778 t auf 25.940 t), explodierten die Exportwerte um 253,4 % (von 1,34 Mrd. EUR auf 4,73 Mrd. EUR). Der durchschnittliche Exportpreis verdreifachte sich nahezu von 58.808 EUR/t auf 182.514 EUR/t (+210,4 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte Wert 1.340 Mio. EUR 4.735 Mio. EUR +253 %
Exporte Menge 22.778 t 25.940 t +14 %
Exporte Preis 58.808 EUR/t 182.514 EUR/t +210 %
Importe Wert 2.544 Mio. EUR 7.150 Mio. EUR +181 %
Importe Menge 36.811 t 70.912 t +93 %
Importe Preis 69.067 EUR/t 100.821 EUR/t +46 %
Handelsbilanz −1.204 Mio. EUR −2.416 Mio. EUR −101 %

Die Preisdynamik differiert erheblich zwischen Import und Export

Bemerkenswert ist der asymmetrische Preisanstieg: Die Exportpreise stiegen mit +210 % weit stärker als die Importpreise mit +46 %. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend hochwertigere Edelmetallabfälle — insbesondere solche mit höherem Goldanteil — exportiert, während die Importe mengenmäßig vor allem durch volumenstarke, preisgünstigere Silber- und Platinabfälle getrieben werden.

Der Handelsbilanzdefizit hat sich trotz Exportwachstums vergrößert

Das strukturelle Defizit im Handel mit Edelmetallschrott hat sich von 1,2 Mrd. EUR (2015) auf 2,4 Mrd. EUR (2025) mehr als verdoppelt, obwohl die Exporte stärker wuchsen als die Importe. Der Tiefpunkt wurde 2022 mit einem Defizit von rund 5,9 Mrd. EUR erreicht, bevor sich die Bilanz 2023–2025 wieder verbesserte. Diese Volatilität spiegelt die starken Preisschwankungen auf den Edelmetallmärkten wider.


2. Geopolitische Neuaufstellung: Handelspartner und Konzentrationsrisiken

Die Importquellen haben sich deutlich verschoben

Die Partneranalyse zeigt eine erhebliche Umstrukturierung der Importströme. Die Vereinigten Staaten blieben mit Abstand der wichtigste Importpartner (2025: 1,98 Mrd. EUR), doch die bemerkenswerteste Dynamik zeigt Südafrika: Importe aus dem Land stiegen um 1.696 % von 33 Mio. EUR auf 595 Mio. EUR. Das Vereinigte Königreich (nach dem Brexit) etablierte sich als zweitwichtigster Importeur mit 1,92 Mrd. EUR, was einen Anstieg von 243 % gegenüber dem Ausgangswert darstellt.

Partnerland Importe 2015 (Mio. EUR) Importe 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigte Staaten 818 1.980 +142 %
Vereinigtes Königreich 558 1.915 +243 %
Schweiz 307 910 +196 %
Südafrika 33 595 +1.696 %
Brasilien 21 68 +216 %
Australien 14 68 +394 %
Peru 27 8 −69 %

Die Exportmärkte zeigen eine zunehmende Konzentration in Asien

Auf der Exportseite verlagerte sich der Schwerpunkt nach Ostasien. Japan wurde mit 328 Mio. EUR zum wichtigsten Exportziel (+216 %), dicht gefolgt von Südkorea, das ein explosives Wachstum von 4.411 % verzeichnete (von 2 Mio. EUR auf 96 Mio. EUR). Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte stieg von 2.274 auf 3.900 — ein Wert, der auf eine hochgradig konzentrierte Exportstruktur hindeutet. Demgegenüber blieb der Import-HHI mit rund 1.804 relativ stabil, was auf eine diversifiziertere Importbasis schließen lässt.

Innerhalb der EU dominieren Deutschland, Belgien und Italien den Handel

Die Analyse der EU-Mitgliedstaaten offenbart eine bemerkenswerte Verschiebung: Belgien entwickelte sich von einem marginalen Importeur (160.000 EUR im Jahr 2015) zum zweitgrößten Importeur der EU (1,63 Mrd. EUR) — ein Zuwachs von über einer Million Prozent. Dies ist wahrscheinlich auf die Ansiedlung von Edelmetall-Raffinerien und Recyclingkapazitäten in Antwerpen zurückzuführen. Deutschland blieb der führende Importeur (2,21 Mrd. EUR) und Exporteur (1,87 Mrd. EUR). Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) zeigt Litauen (RSCA = 0,54), Belgien (0,45) und Frankreich (0,28) als die am stärksten auf Edelmetallschrott spezialisierten EU-Staaten.


3. Segmentanalyse: Silber dominiert die Mengen, Gold und Platin die Werte

Silberabfälle (711299) bleiben mengenmäßig das dominierende Segment

Die Produktsegmentaufschlüsselung zeigt, dass Silberabfälle mengenmäßig das mit Abstand größte Import- und Exportsegment darstellen. Die Importe von Silberschrott (711299) lagen 2025 bei 36.578 t im Wert von 2,64 Mrd. EUR. Damit sank das Importvolumen gegenüber dem Spitzenjahr 2018 (127.648 t) deutlich, doch die Preise stiegen von 17.707 EUR/t (2018) auf 72.125 EUR/t (2025). Die Exporte von Silberabfällen beliefen sich auf 16.529 t im Wert von 1,90 Mrd. EUR — ein Preisanstieg von 22.084 EUR/t (2015) auf 114.729 EUR/t (2025), was die generelle Aufwertung von Silberrecyclingmaterial widerspiegelt.

Platinabfälle (711292) verzeichneten das stärkste Mengenwachstum bei Importen

Das Segment der Platinabfälle durchlief eine bemerkenswerte Expansion: Die Importmengen stiegen von 3.428 t (2015) auf 33.620 t (2025), ein Zuwachs von 880 %. Im Wert wuchsen die Platinschrottimporte von 533 Mio. EUR auf 2,24 Mrd. EUR. Die Volatilitätsanalyse zeigt jedoch eine hohe Preisschwankung (Variationskoeffizient der Exportpreise: 0,78), was auf die zyklische Natur der Platin-Nachfrage — insbesondere durch die Automobilkatalysator-Industrie — zurückzuführen ist. Der identifizierte Preisschock bei Exporten in die USA im Jahr 2020 (Anstieg um 195,9 %) korreliert mit den pandemiebedingten Störungen der globalen Edelmetallketten.

Goldabfälle (711291) zeigen eine inverse Preis-Mengen-Dynamik

Das Segment der Goldabfälle weist die extremste Preisdynamik auf. Die Importmengen kollabierten regelrecht: von 1.365 t (2015) auf lediglich 49 t (2025). Gleichzeitig stiegen die Importpreise auf astronomische 2,95 Mio. EUR/t — was den hohen Goldpreis und die zunehmende Selektivität des Handels mit hochwertigem Goldschrott widerspiegelt. Im Exportbereich blieben die Mengen moderater (727 t auf 944 t), doch die Werte explodierten von 257 Mio. EUR auf 1,40 Mrd. EUR. Die Preisvolatilität bei Goldexporten war besonders hoch — einzelne Jahre (2018, 2023) zeigten Durchschnittspreise über 9 Mio. EUR/t, was auf den Handel mit besonders hochkarätigem Recyclingmaterial hindeutet.

Segment Imp. Menge 2015 (t) Imp. Menge 2025 (t) Imp. Preis 2015 (EUR/t) Imp. Preis 2025 (EUR/t) Exp. Wert 2015 (Mio. EUR) Exp. Wert 2025 (Mio. EUR)
Silber (711299) 30.846 36.578 44.000 72.125 326 1.896
Platin (711292) 3.428 33.620 155.360 66.532 682 929
Gold (711291) 1.365 49 373.716 2.949.849 257 1.398
Aschen (711230) 1.171 623 121.158 377.353 75 291

Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Edelmetallabfälle und -schrott (KN 7112) hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem mengengetriebenen zu einem preisgetriebenen Markt gewandelt. Die Handelswerte haben sich vervielfacht, während die physischen Volumen weit moderater wuchsen. Drei zentrale Erkenntnisse prägen die Marktbeurteilung:

Erstens ist die EU mit einer Nettoimportabhängigkeit von rund 92 % strukturell auf Importe von Edelmetallschrott angewiesen, insbesondere aus den USA, dem Vereinigten Königreich und zunehmend aus Afrika. Die hohen Exportpreise (182.514 EUR/t) deuten darauf hin, dass die EU hochwertiges Recyclingmaterial in globale Raffineriezentren — vor allem nach Japan und Südkorea — ausführt, was strategische Fragen zur Wertschöpfungstiefe im europäischen Recyclingsektor aufwirft.

Zweitens zeigt die zunehmende Exportkonzentration (HHI von 2.274 auf 3.900) ein wachsendes Abhängigkeitsrisiko von wenigen Abnehmerländern, während die Importseite diversifizierter bleibt. Drittens unterstreicht die explosive Preisentwicklung — insbesondere bei Goldabfällen mit Preisen über 2,9 Mio. EUR/t — die wachsende Bedeutung der urbanen Mine und der Kreislaufwirtschaft für Edelmetalle angesichts endlicher Primärressourcen und geopolitischer Unsicherheiten.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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