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Marktentwicklung: Goldschrott (CN 711291) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Bereich Goldschrott und Goldabfälle (KN-Code 711291) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Der betrachtete Zollcode umfasst Abfälle und Schrott von Gold – einschließlich Goldplattierungen – sowie andere Abfälle, die Gold oder Goldverbindungen enthalten und hauptsächlich zur Wiedergewinnung von Edelmetallen verwendet werden. Explizit ausgenommen sind Aschen, eingeschmolzener und zu Rohblöcken gegossener Abfall sowie Elektronikschrott (Pos. 8549).

Der Untersuchungszeitraum war von erheblichen strukturellen Veränderungen geprägt: Die EU entwickelte sich von einem Nettoimporteur zu einem deutlichen Nettoexporteur von Goldschrott. Diese Transformation spiegelt sowohl Veränderungen in der globalen Goldpreisdynamik als auch Verschiebungen in den Handelsströmen und der inner-EU-Verteilung wider.

Beschreibung und Definition des Produkts


1. Vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur: Die fundamentale Wende im EU-Handel

1.1 Der dramatische Rückgang der EU-Importe

Die Importe der EU aus Drittländern haben im Untersuchungszeitraum einen außerordentlich starken Rückgang erfahren. Sowohl in Bezug auf den Wert als auch auf die Menge sind die Importe massiv eingebrochen:

Kennzahl 2015 (Erster Wert) 2025 (Letzter Wert) Veränderung
Importwert 510,95 Mio. EUR 145,40 Mio. EUR −71,5 %
Importmenge 1.364,9 t 49,3 t −96,4 %
Importpreis 373.716 EUR/t 2.949.849 EUR/t +689,3 %

Die Mengenimporte sind dabei nahezu vollständig zusammengebrochen: Von rund 1.365 Tonnen im Basisjahr auf unter 50 Tonnen im letzten Jahr – ein Rückgang von über 96 %. Dies deutet darauf hin, dass die EU ihre Rolle als primärer Abnehmer von Goldschrott aus Drittländern fast vollständig aufgegeben hat.

Gleichzeitig ist der durchschnittliche Importpreis um fast das Achtfache gestiegen, was darauf hindeutet, dass die verbleibenden Importe zunehmend aus hochwertigen, goldreichen Materialien bestehen oder dass die steigenden Goldpreise den Preis treiben. Die Entwicklung der Importe zeigt diesen Trend eindrucksvoll.

1.2 Das exponentielle Wachstum der EU-Exporte

Im Gegensatz zu den Importen haben die Exporte der EU in Drittländer erheblich zugenommen:

Kennzahl 2015 (Erster Wert) 2025 (Letzter Wert) Veränderung
Exportwert 256,92 Mio. EUR 1.397,56 Mio. EUR +444,0 %
Exportmenge 726,6 t 944,2 t +30,0 %
Exportpreis 353.495 EUR/t 1.479.665 EUR/t +318,6 %

Besonders auffällig ist das Missverhältnis zwischen dem moderaten Mengenwachstum von 30 % und dem extremen Wertwachstum von 444 %. Dieser Befund erklärt sich maßgeblich durch den stark gestiegenen Exportpreis (Preisverdreifachung um +319 %), der seinerseits den weltweiten Goldpreisanstieg widerspiegelt.

1.3 Die Kehrtwende der Handelsbilanz

Die Handelsbilanz der EU im Bereich Goldschrott hat sich fundamental verändert:

Kennzahl 2015 (Erster Wert) 2025 (Letzter Wert) Veränderung
Saldo −254,03 Mio. EUR +1.252,17 Mio. EUR +592,9 %

Aus einem Defizit von rund 254 Mio. EUR wurde ein Überschuss von über 1,25 Mrd. EUR. Diese Entwicklung unterstreicht, dass die EU ihre Kapazitäten zur Aufbereitung und Wiedergewinnung von Gold erheblich ausgebaut und gleichzeitig ihre Position in der globalen Wertschöpfungskette des Goldrecyclings verändert hat.


2. Regionale Verschiebungen: Neue Handelspartner und veränderte Ströme

2.1 Die Schweiz als dominierender Handelspartner

Die mit Abstand wichtigste Entwicklung auf Seiten der Handelspartner ist die zunehmende Bedeutung der Schweiz für die EU-Exporte:

Partnerland Export 2015 Export 2025 Veränderung
Schweiz 161,97 Mio. EUR 1.356,24 Mio. EUR +737,3 %
Vereinigtes Königreich 2,00 Mio. EUR 13,94 Mio. EUR +596,1 %
Vereinigte Staaten 20,91 Mio. EUR 1,81 Mio. EUR −91,3 %
Türkei 12,32 Mio. EUR 0,92 Mio. EUR −92,6 %

Die Schweiz hat sich vom zweitgrößten zum mit Abstand dominanten Exportmarkt entwickelt. Im letzten Jahr entfielen auf die Schweiz über 97 % der EU-Exporte nach Drittländern (1,36 Mrd. EUR von insgesamt 1,40 Mrd. EUR). Die Schweiz als traditionelles Zentrum der Goldraffination und des Goldhandels absorbiert damit den Großteil des aus der EU exportierten Goldschrotts.

Gleichzeitig sind die Exporte in die USA (−91,3 %) und die Türkei (−92,6 %) drastisch zurückgegangen. Die Entwicklung der Exportpartner zeigt diese klare Konzentration auf die Schweiz.

2.2 Die Herkunft der verbleibenden Importe

Auch auf der Importseite haben sich die Strukturen verschoben:

Partnerland Import 2015 Import 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 328,44 Mio. EUR 441,85 Mio. EUR +34,5 %
Schweiz 99,12 Mio. EUR 390,72 Mio. EUR +294,2 %
Südafrika 0,51 Mio. EUR 15,86 Mio. EUR +3.030,9 %
Vereinigte Staaten 7,70 Mio. EUR 0,005 Mio. EUR −99,9 %
Türkei 0,04 Mio. EUR 0,0002 Mio. EUR −99,4 %

Das Vereinigte Königreich und die Schweiz dominieren die Importe und sind trotz des Gesamtrückgangs stabil geblieben bzw. gewachsen. Die Importe aus den USA und der Türkei sind hingegen fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die enorme Veränderung bei den Importen aus Südafrika (+3.031 %) ist bemerkenswert, auch wenn das absolute Niveau relativ gering bleibt. Südafrika als traditioneller Goldbergbau-Produzent scheint verstärkt Goldschrott in die EU zu liefern.

2.3 Veränderungen der inner-EU-Handelsströme

Innerhalb der EU haben sich die Exportströme ebenfalls stark verändert:

EU-Mitgliedstaat Export 2015 Export 2025 Veränderung
Finnland 20,35 Mio. EUR 734,60 Mio. EUR +3.509,8 %
Frankreich 25,63 Mio. EUR 384,83 Mio. EUR +1.401,3 %
Belgien 0,10 Mio. EUR 74,91 Mio. EUR +77.130,6 %
Deutschland 12,07 Mio. EUR 81,22 Mio. EUR +573,0 %
Italien 71,80 Mio. EUR 208,54 Mio. EUR +190,5 %
Schweden 35,03 Mio. EUR 94,42 Mio. EUR +169,6 %
Österreich 56,39 Mio. EUR 4,72 Mio. EUR −91,6 %

Finnland hat sich zum mit Abstand größten Exporteur innerhalb der EU entwickelt, mit einem Anstieg von über 3.500 %. Frankreich folgt mit einem Wachstum von über 1.400 %. Beide Länder profitieren offenbar von der Konsolidierung der Goldschrott-Verarbeitung in wenigen großen europäischen Standorten mit modernen Raffinerien.

Die Verteilung der EU-Exporter zeigt diese Konzentration.

Auch bei den Importen in die EU gibt es bemerkenswerte Verschiebungen:

EU-Mitgliedstaat Import 2015 Import 2025 Veränderung
Spanien 313,10 Mio. EUR 1.161,14 Mio. EUR +270,9 %
Deutschland 149,23 Mio. EUR 432,68 Mio. EUR +189,9 %
Belgien 416,45 Mio. EUR 260,17 Mio. EUR −37,5 %
Niederlande 1,46 Mio. EUR 19,46 Mio. EUR +1.229,8 %
Österreich 1,01 Mio. EUR 23,47 Mio. EUR +2.221,6 %

Spanien hat sich zum größten Importeur von Goldschrott in der EU entwickelt, was auf den Ausbau von Recycling- und Raffinationskapazitäten hindeuten könnte.


3. Preisexplosion, Konzentration und Volatilität

3.1 Goldpreiseffekte als zentraler Treiber

Der durchschnittliche Handelspreis für Goldschrott hat sich im Zeitraum 2015–2025 sowohl bei Exporten als auch bei Importen vervielfacht:

Kennzahl Exportpreis 2015 Exportpreis 2025 Veränderung
Exportpreis 353.495 EUR/t 1.479.665 EUR/t +318,6 %
Importpreis 373.716 EUR/t 2.949.849 EUR/t +689,3 %

Der Importpreis ist deutlich stärker gestiegen als der Exportpreis. Der enorme Sprung des Importpreises (+689 %) bei gleichzeitigem Rückgang der Importmenge (−96 %) legt nahe, dass die EU vor allem hochwertige, goldhaltige Materialien importiert, während geringwertiger Goldschrott zunehmend in der EU selbst verarbeitet oder in andere Regionen umgeleitet wird.

Der Exportpreis hingegen spiegelt primär den globalen Goldpreisanstieg wider: Gold notierte 2015 bei rund 1.060 USD/Unze und erreichte 2025 neue Höchststände über 3.000 USD/Unze. Diese Preisentwicklung erklärt einen Großteil des Wertwachstums bei weitgehend stabiler Menge.

3.2 Zunehmende Konzentration der Exporte, Entspannung bei Importen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt divergente Entwicklungen:

Handelsstrom HHI 2015 HHI 2025 Veränderung
Exporte (nach Wert) 4.516 7.161 +58,6 %
Importe (nach Wert) 4.590 2.831 −38,3 %

Die Exporte haben sich stärker konzentriert – hauptsächlich bedingt durch die Dominanz der Schweiz als Abnehmer. Die Exportkonzentration erreicht einen Wert von 7.161, was auf eine sehr hohe Konzentration hindeutet. Die Importe sind hingegen breiter gestreut worden (HHI-Rückgang von 4.590 auf 2.831), was auf eine Diversifizierung der Bezugsquellen schließen lässt.

3.3 Specialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Analyse der komparativen Vorteile innerhalb der EU zeigt ein differenziertes Bild:

Am stärksten spezialisiert RSCA RCA
Frankreich 0,651 4,729
Estland 0,472 2,786
Slowakei 0,379 2,222
Dänemark 0,282 1,785
Finnland 0,273 1,751
Am schwächsten spezialisiert RSCA RCA
Bulgarien −0,974 0,013
Griechenland −0,967 0,017
Slowenien −0,956 0,023
Italien −0,940 0,031
Belgien −0,913 0,046

Frankreich weist mit einem RCA von 4,73 und einem RSCA von 0,65 die stärkste Spezialisierung auf den Handel mit Goldschrott auf. Dies korrespondiert mit den stark gestiegenen Exportwerten Frankreichs. Finnland, das sich zum größten Exporteur entwickelt hat, zeigt ebenfalls eine positive Spezialisierung (RSCA 0,273). Interessanterweise ist Italien trotz erheblicher absoluter Handelsvolumen (Exporte: 208,5 Mio. EUR) nur schwach spezialisiert, was bedeutet, dass Goldschrott im Verhältnis zur gesamten Handelsstruktur Italiens nur eine untergeordnete Rolle spielt.

3.4 Volatilität und preisgetriebene Schocks

Die Volatilitätsanalyse zeigt erhebliche Schwankungen bei den Handelsströmen:

Exportpartner (Ausgewählte) Variationskoeffizient
Vereinigte Staaten 2,819
Schweiz 2,058
China 2,224
Türkei 1,778
Importpartner (Ausgewählte) Variationskoeffizient
Vereinigte Staaten 1,656
Brasilien 1,433
Südafrika 1,194
Türkei 1,246

Besonders auffällig sind die identifizierten preisgetriebenen Schockereignisse:

Schock Zeitpunkt Typ Abnormalitätsindex Preissprung Anteil am Wert
Südafrika 2018 Preis 2.236,3 +45.319,6 % 11,0 %
Brasilien 2018 Preis 187,4 +25.956,7 % 2,6 %
Israel 2019 Preis 81,7 +1.914,5 % 0,3 %

Das auffälligste Ereignis betrifft die Importe aus Südafrika im Jahr 2018, wo ein extrem anomaler Preisanstieg von über 45.000 % verzeichnet wurde. Dieses Ereignis könnte mit einer Umklassifizierung von Handelsströmen, der Lieferung von außergewöhnlich goldreichen Materialien oder statistischen Anomalien zusammenhängen. Die simultanen Preisschocks bei Brasilien im selben Jahr deuten möglicherweise auf eine gemeinsame Ursache hin, etwa Änderungen in den Deklarationspraktiken oder dem Goldpreis.


Schlussfolgerung

Die Handelsentwicklung im Bereich Goldschrott (KN 711291) zwischen 2015 und 2025 ist von drei fundamentalen Dynamiken geprägt:

Erstens hat sich die EU von einem Nettoimporteur (Defizit von 254 Mio. EUR in 2015) zu einem signifikanten Nettoexporteur (Überschuss von 1,25 Mrd. EUR in 2025) entwickelt. Diese Kehrtwende basiert auf einem massiven Importrückgang (−96 % mengenmäßig) bei gleichzeitigem Exportwachstum (+30 % mengenmäßig, +444 % wertmäßig). Die EU hat ihre Rolle in der globalen Goldrecycling-Kette grundlegend verändert.

Zweitens hat eine starke regionale Konzentration stattgefunden. Die Schweiz dominiert mit über 97 % der EU-Exporte den Abnahmemarkt, während die inner-EU-Produktion sich in wenigen Ländern (allen voran Finnland und Frankreich) konsolidiert hat. Die Exportkonzentration (HHI) ist um fast 59 % gestiegen.

Drittens sind die Preisentwicklungen der dominierende Faktor für die Wertentwicklung. Der globale Goldpreisanstieg hat die Handelswerte vervielfacht, ohne dass die physischen Mengen in gleichem Maße gestiegen wären. Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 353.495 EUR/t auf 1.479.665 EUR/t (+319 %), was den Einfluss des Goldpreises auf den Goldschrotthandel unterstreicht. Die Importpreise stiegen sogar um 689 %, was auf eine qualitative Veränderung der Importzusammensetzung hindeutet.

Die beobachteten Preis-Schocks, insbesondere bei Importen aus Südafrika und Brasilien im Jahr 2018, zeigen zudem, dass der Markt für Goldschrott trotz des klaren Langzeittrends erheblichen kurzfristigen Schwankungen unterworfen ist. Diese Volatilität spiegelt die inhärente Abhängigkeit des Goldschrotthandels von den globalen Goldmärkten wider.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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