Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Modeschmuck (CN 7117) — 2015–2025

Einleitung

Fantasieschmuck (KN-Code 7117) umfasst Schmuck aus unedlen Metallen (auch versilbert, vergoldet oder platiniert), Manschettenknöpfe sowie sonstigen Modeschmuck aus anderen Materialien. Der Markt für dieses Segment hat sich im Zeitraum 2015–2025 strukturell erheblich verändert: Während die EU-Exporte an Wert um über 60 % stiegen, sanken die physischen Handelsvolumina sowohl bei Im- als auch bei Exporten teils drastisch. Gleichzeitig verschob sich die Produktionsstruktur der EU hin zu hochwertigeren Erzeugnissen. Der folgende Bericht analysiert die wichtigsten Handelsdynamiken, die Partnerländerstruktur sowie die sich wandelnde Wettbewerbsposition der EU.

Die Analyse basiert auf den jährlichen Extra-EU-Handelsdaten von 2015 bis 2025, wie sie im Gesamtüberblick dargestellt sind.


1. Vom Mengen- zum Wertschmuck: Die fundamentale Preisverschiebung im EU-Handel

1.1 Exportpreise vervierfachen sich, Importpreise bleiben moderat

Die auffälligste Entwicklung im EU-Handel mit Modeschmuck ist die massive Diskrepanz zwischen Wert- und Mengenentwicklung, insbesondere bei den Exporten. Der Exportwert stieg von 755 Mio. EUR (2015) auf 1.209 Mio. EUR (2025), ein Plus von 60,1 %. Gleichzeitig sank das Exportvolumen von 9.958 t auf 3.378 t (−66,1 %). Daraus ergibt sich ein Anstieg des durchschnittlichen Exportpreises von 75.786 EUR/t auf 357.604 EUR/t — eine Steigerung um 371,9 %.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 755 1.209 +60,1 %
Exportmenge (t) 9.958 3.378 −66,1 %
Exportpreis (EUR/t) 75.786 357.604 +371,9 %
Importwert (Mio. EUR) 1.422 1.351 −5,0 %
Importmenge (t) 31.853 27.931 −12,3 %
Importpreis (EUR/t) 44.636 48.331 +8,3 %

Quelle: Gesamtüberblick

1.2 Handelsbilanz verbessert sich deutlich — hin zur Ausgeglichenheit

Das EU-Handelsdefizit bei Modeschmuck schrumpfte von 667 Mio. EUR (2015) auf nur noch 142 Mio. EUR (2025) — eine Verringerung um 78,7 %. In einem Jahr (2022) wurde sogar ein leichter Überschuss von rund 5 Mio. EUR erzielt. Ursache hierfür ist die Kombination aus stark wachsenden Exportwerten bei gleichzeitig leicht rückläufigen Importen.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Handelsbilanz (Mio. EUR) −667 −142 +78,7 %
Netto-Importabhängigkeit (%) 44,7 1,6 −96,4 %

Quelle: Netto-Importabhängigkeit

1.3 Produktionsvolumen kollabiert, Produktionswerte steigen

Parallel zum Handel zeigt sich auch in der EU-eigenen Produktion ein dramatischer Strukturwandel. Die Produktionsmenge sank von 54.484 t (2015) auf 7.426 t (2025), ein Rückgang von 86,4 %. Der Produktionswert hingegen stieg im selben Zeitraum von 742 Mio. EUR auf 928 Mio. EUR (+25,1 %). Dies belegt eine klare Verschiebung hin zu hochwertigeren, preisintensiveren Produkten — die EU produziert deutlich weniger Tonnen, aber erzielt höhere Umsätze.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (t) 54.484 7.426 −86,4 %
Produktionswert (Mio. EUR) 742 928 +25,1 %

Quelle: Produktionsvolumen


2. China dominiert die Importseite — steigende Konzentration und geringe Volatilität

2.1 China als unangefochtener Hauptlieferant

China war 2015 mit 887 Mio. EUR bereits der mit Abstand wichtigste Importpartner der EU und steigerte seinen Anteil bis 2025 auf 1.005 Mio. EUR (+13,3 %). Mit einem Spitzenwert von 1.005 Mio. EUR im letzten Jahr und einem Koeffizienten der Variation (CV) von lediglich 0,14 ist die chinesische Lieferung sowohl in Bezug auf das Volumen als auch die Beständigkeit herausragend. Kein anderer Partner kommt auch nur annähernd an dieses Volumen heran.

Rang Partner Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung CV
1 China 887 1.005 +13,3 % 0,14
2 Thailand 172 87 −49,5 % 0,52
3 Indien 43 40 −6,6 % 0,48
4 Vietnam 31 31 −1,6 % 0,41
5 Vereinigtes Königreich 94 22 −76,6 % 0,97
6 Hongkong 48 20 −59,0 % 0,46

Quelle: Handelspartner

2.2 Rückgang der Importe aus Thailand und dem Vereinigten Königreich

Thailand, der zweitgrößte Lieferant, verlor nahezu die Hälfte seines Exportvolumens in die EU (172 Mio. → 87 Mio. EUR, −49,5 %). Der Rückgang des Vereinigten Königreichs von 94 Mio. EUR auf 22 Mio. EUR (−76,6 %) ist vermutlich vor allem auf den Brexit und die damit verbundenen Handelsbarrieren ab 2021 zurückzuführen. Die hohe Volatilität bei den UK-Importen (CV von 0,97) unterstreicht diese strukturelle Diskontinuität.

2.3 Importkonzentration nimmt zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 4.118 (2015) auf 5.773 (2025), ein Anstieg von 40,2 %. Damit hat sich die Importseite der EU deutlich auf wenige Lieferanten — allen voran China — konzentriert. Dies birgt mittelfristig ein Diversifizierungsrisiko, zumal Chinas Marktanteil am EU-Importwert nun über 70 % beträgt.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 4.118 5.773 +40,2 %
HHI Exporte (Wert) 949 873 −8,0 %

Quelle: Konzentration (HHI)

Im Gegensatz dazu bleibt die Exportseite der EU mit einem HHI von unter 900 stark diversifiziert — die EU exportiert Modeschmuck in eine Vielzahl von Zielländern.


3. Frankreich und Italien als Exportmotoren — wachsende Spezialisierung der EU

3.1 Frankreich und Italien verdoppeln ihre Exporte

Innerhalb der EU haben sich Frankreich und Italien als die dominierenden Exporteure von Modeschmuck etabliert. Frankreichs Exporte stiegen von 269 Mio. EUR auf 561 Mio. EUR (+108,2 %), Italiens von 148 Mio. EUR auf 354 Mio. EUR (+138,8 %). Zusammen machen diese beiden Länder im Jahr 2025 rund 76 % aller EU-Modeschmuck-Exporte aus.

Rang EU-Mitgliedstaat Exportwert 2015 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
1 Frankreich 269 561 +108,2 %
2 Italien 148 354 +138,8 %
3 Deutschland 93 92 −1,5 %
4 Österreich 97 9 −90,6 %
5 Spanien 63 50 −20,8 %
6 Niederlande 13 29 +131,3 %

Quelle: Berichterstattende Länder

3.2 Spezialisierungsprofil: Italien und Frankreich mit klarer Wettbewerbsvorteil

Die Berechnung des Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) bestätigt die dominante Stellung beider Länder. Italien weist einen RSCA von 0,36 (RCA = 2,12) und Frankreich einen RSCA von 0,32 (RCA = 1,93) auf — beides klare Indikatoren für eine überdurchschnittliche Spezialisierung im Modeschmuck. Deutschland liegt mit einem RCA von 1,12 knapp über der Neutralitätsgrenze, was auf eine schwache, aber vorhandene Spezialisierung hindeutet.

Land RSCA RCA Spezialisierung
Italien 0,36 2,12 hoch
Frankreich 0,32 1,93 hoch
Portugal 0,17 1,42 mittel
Belgien 0,06 1,13 schwach
Deutschland 0,06 1,12 schwach

Quelle: Spezialisierung

3.3 Österreichs Sonderentwicklung und der Exportboom nach China

Ein bemerkenswerter Einzelbefund ist der fast vollständige Rückgang der österreichischen Im- und Exporte (jeweils −90 %). Dies könnte auf eine Neuzuordnung von Handelsströmen, Verlagerung von Aktivitäten oder statistische Revisionen zurückzuführen sein. Parallel dazu stiegen die EU-Exporte nach China von 21 Mio. EUR auf 115 Mio. EUR (+457 %) — ein Hinweis auf die wachsende Nachfrage nach westlichem Modeschmuck auf dem chinesischen Markt. Die USA als wichtigstes Exportziel der EU steigerten ihre Importe von EU-Modeschmuck ebenfalls deutlich von 135 Mio. EUR auf 222 Mio. EUR (+64,5 %).

3.4 Segmentaufschluss: Ungedelte Metalle dominieren

Innerhalb der drei Unterpositionen von CN 7117 dominiert die Position 711719 (Modeschmuck aus unedlen Metallen) sowohl bei Im- als auch Exporten. Bei den Exporten stieg der Wert von 457 Mio. EUR auf 857 Mio. EUR, bei gleichzeitigem Mengenrückgang. Die Position 711790 (sonstiger Modeschmuck, z. B. aus Kunststoff oder Textilien) blieb preislich relativ stabil. Die Position 711711 (Manschettenknöpfe) ist mengen- und wertmäßig marginal.

Segment Importwert 2025 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Beschreibung
711719 1.040 857 Modeschmuck aus unedlen Metallen
711790 302 342 Sonstiger Modeschmuck
711711 9 10 Manschettenknöpfe

Quelle: Produktvergleich


Schlussfolgerung

Der EU-Modeschmuckmarkt hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Die dominante Entwicklung ist der qualitative Aufstieg der europäischen Produktion und der Exporte: Während die physischen Mengen — sowohl bei Produktion als auch beim Export — drastisch gesunken sind, sind die Werte erheblich gestiegen. Die EU hat sich damit von einem mengenorientierten zu einem wertorientierten Modeschmuckakteur gewandelt.

Auf der Importseite besteht eine wachsende Abhängigkeit von China, dessen Anteil am EU-Importvolumen über 70 % liegt und dessen Lieferungen sich durch bemerkenswerte Stabilität auszeichnen. Der Wegfall des Vereinigten Königreichs als relevanter Lieferant nach dem Brexit und der Rückgang thailändischer Lieferungen haben die Konzentration weiter verstärkt.

Die Exportposition der EU wird zunehmend von Frankreich und Italien getragen, die beide eine klare komparative Spezialisierung aufweisen und ihre Absatzmärkte — insbesondere in den USA und zunehmend in China — erfolgreich ausgebaut haben. Die fast vollständige Aufhebung der EU-Netto-Importabhängigkeit (von 44,7 % auf 1,6 %) spiegelt diese Exportdynamik wider und deutet auf eine wachsende Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Modeschmuckindustrie im Hochpreissegment hin.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.