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Marktentwicklung: Verbundglas für Kraftfahrzeuge (CN 70072120) — 2015–2025

Einleitung

Der Markt für Mehrschichten-Sicherheitsglas (Verbundglas) in Kfz-Abmessungen (KN-Code 70072120) hat sich zwischen 2015 und 2025 tiefgreifend verändert. Obwohl die EU in diesem Segment weiterhin Nettoexporteur bleibt, hat sich der einst kräftige Handelsüberschuss erheblich verkleinert: von rund 260 Mio. EUR im Jahr 2015 auf nur noch 56 Mio. EUR im Jahr 2025 — ein Rückgang um 78,4 %. Gleichzeitig sind die Einfuhren um über 50 % gestiegen, während die Ausfuhren in Volumen und Wert unter Druck gerieten. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Marktdynamiken und beleuchtet die zugrunde liegenden Treiber dieses Strukturwandels, darunter den Aufstieg Chinas als dominierender Lieferant, geopolitische Schocks sowie eine regionale Neuausrichtung der Handelsströme.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die zentralen Handelsindikatoren im Zeitverlauf:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. EUR) 0,51 0,43 −15,0 %
Exportmenge (t) 91.252 53.660 −41,2 %
Exportpreis (EUR/t) 5.605 8.104 +44,6 %
Importwert (Mrd. EUR) 0,25 0,38 +50,3 %
Importmenge (t) 70.777 99.404 +40,4 %
Importpreis (EUR/t) 3.559 3.810 +7,0 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) 259,5 56,1 −78,4 %

Gesamtübersicht: Handelsentwicklung


1. Schrumpfender Exportüberschuss: Volumenrückgang trotz Preissteigerung

Die EU-Ausfuhren von Verbundglas für Kraftfahrzeuge sind im betrachteten Zeitraum sowohl mengen- als auch wertmäßig unter Druck geraten. Auffällig ist jedoch, dass der Rückgang des Exportvolumens durch erhebliche Preissteigerungen teilweise kompensiert wurde — ein Muster, das auf eine qualitative Aufwertung der europäischen Produktion hindeutet.

1.1 Deutlicher Volumenrückgang bei Exporten

Das Exportvolumen sank von 91.252 Tonnen (2015) auf 53.660 Tonnen (2025) — ein Rückgang um 41,2 %. Der Tiefpunkt wurde mit 53.660 Tonnen im letzten Berichtsjahr erreicht. Parallel dazu sank der Exportwert von 511,5 Mio. EUR auf 434,9 Mio. EUR (−15,0 %). Der maximale Exportwert wurde 2017 mit 512,9 Mio. EUR erreicht.

Diese Diskrepanz zwischen Volumen- und Wertrückgang erklärt sich durch eine signifikante Preisanhebung: Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 5.605 EUR/t (2015) auf 8.104 EUR/t (2025), was einem Anstieg von 44,6 % entspricht. Der niedrigste Exportpreis wurde 2016 mit 5.359 EUR/t verzeichnet.

Handelsentwicklung im Detail

1.2 Steigende Importe bei moderater Preisentwicklung

Im Gegensatz zu den Exporten verzeichneten die EU-Einfuhren ein robustes Wachstum: Der Importwert stieg von 251,9 Mio. EUR auf 378,7 Mio. EUR (+50,3 %), die Importmenge von 70.777 Tonnen auf 99.404 Tonnen (+40,4 %). Der Importpreis hingegen entwickelte sich mit einem Anstieg von nur 7,0 % (von 3.559 EUR/t auf 3.810 EUR/t) deutlich moderater als der Exportpreis.

Die Preisdifferenz zwischen Exporten (8.104 EUR/t) und Importen (3.810 EUR/t) im Jahr 2025 unterstreicht den Qualitätsunterschied: Europäisches Verbundglas wird im Schnitt zu mehr als dem Doppelten des Importpreises verkauft, was auf eine Spezialisierung auf höherwertige Produkte (z. B. für Premiumfahrzeuge) hindeutet.

1.3 Strukturelle Veränderung der EU-Produktion

Die EU-Produktion blieb mengenmäßig nahezu stabil (von 365.201 t auf 364.000 t; −0,3 %), doch der Produktionswert stieg deutlich von 1,15 Mrd. EUR auf 1,80 Mrd. EUR (+56,9 %). Dies deutet darauf hin, dass die europäische Industrie ihre Wertschöpfung trotz stagnierender Mengen erheblich steigern konnte — vermutlich durch die Produktion hochwertiger, technologisch anspruchsvoller Gläser (z. B. HUD-kompatible Frontscheiben, integrierte Sensorik).

Gleichzeitig sank der Exportanteil an der Produktion: Lag die Exportquote 2015 noch bei rund 25 % der Produktionsmenge, so sank sie bis 2025 auf etwa 15 %. Dies legt nahe, dass ein wachsender Teil der EU-Produktion im Binnenmarkt verbleibt oder dass importierte Gläser zunehmend die Exporte ersetzen.

Produktionsentwicklung (Mengen) · Produktionsentwicklung (Werte)


2. China als dominanter Importpartner: Konzentration und wachsende Abhängigkeit

Die mit Abstand auffälligste Entwicklung im untersuchten Zeitraum ist der dramatische Aufstieg Chinas als Lieferant von Verbundglas für die EU. Dieser Trend geht einher mit einer stark steigenden Konzentration der Importe, die potenzielle Risiken für die europäische Lieferkette birgt.

2.1 Explosionsartiges Wachstum der chinesischen Einfuhren

Die EU-Importe aus China stiegen von 60,9 Mio. EUR (2015) auf 265,3 Mio. EUR (2025), was einer Steigerung von 335,8 % entspricht. China hat sich damit zum mit Abstand wichtigsten Importpartner entwickelt und macht 2025 rund 70 % des gesamten EU-Importwerts aus. Der niedrigste Wert wurde 2015 mit 55,7 Mio. EUR verzeichnet, der höchste 2025 mit 265,3 Mio. EUR.

Die übrigen Top-Lieferanten erreichen bei weitem nicht dieses Volumen: Die Türkei folgt mit 40,4 Mio. EUR, Marokko mit 14,9 Mio. EUR, Indien mit 9,0 Mio. EUR und das Vereinigte Königreich mit 12,7 Mio. EUR.

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 60,9 265,3 +335,8 %
Türkei 36,4 40,4 +10,9 %
Marokko 0,9 14,9 +1.525,2 %
Vereinigtes Königreich 44,0 12,7 −71,2 %
Russische Föderation 7,1 0,1 −98,6 %
Indien 6,0 9,0 +51,4 %
Südafrika 11,8 4,1 −65,0 %

Importpartner nach Werten

2.2 Steigende Konzentration der Importstruktur

Die zunehmende Dominanz Chinas spiegelt sich im Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) wider, dem gängigen Maß für Markt-Konzentration. Der HHI für Importe nach Wert stieg von 1.511 (2015) auf 5.069 (2025) — ein Anstieg um 235,3 %. Auch der HHI nach Volumen verzeichnete einen Zuwachs von 2.124 auf 6.367 (+199,7 %). Werte über 2.500 gelten als Hinweis auf eine moderate bis hohe Konzentration; der aktuelle Wert von über 5.000 signalisiert eine ausgeprägte Abhängigkeit von wenigen Lieferanten.

Im Gegensatz dazu sank der HHI für Ausfuhren: von 2.871 auf 1.937 (−32,5 %), was bedeutet, dass sich die EU-Exportziele im Zeitverlauf diversifiziert haben.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI-Importe (Wert) 1.511 5.069 +235,3 %
HHI-Importe (Volumen) 2.124 6.367 +199,7 %
HHI-Exporte (Wert) 2.871 1.937 −32,5 %
HHI-Exporte (Volumen) 4.088 2.291 −44,0 %

Konzentration der Handelsströme

2.3 Spezialisierung innerhalb der EU

Die Analyse der komparativen Vorteile zeigt, dass innerhalb der EU vor allem mittel- und osteuropäische Länder eine herausragende Spezialisierung im Segment Verbundglas aufweisen. Polen (RSCA: 0,56, RCA: 3,52) und Tschechien (RSCA: 0,50, RCA: 2,98) sind die bedeutendsten Spezialisten unter den großen Produzenten. Luxemburg und Estland weisen zwar hohe Spezialisierungswerte auf, ihr absoluter Anteil an der EU-Produktion ist jedoch marginal.

Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Länder wie Irland (RSCA: −1,00), Griechenland (RSCA: −0,99) und Dänemark (RSCA: −0,99), die praktisch keine nennenswerte inländische Produktion in diesem Segment haben.

Spezialisierung nach Ländern


3. Geopolitische Schocks und regionale Neuausrichtung der Handelsströme

Neben der allgemeinen Wachstums- und Konzentrationstwicklung haben geopolitische Ereignisse die Handelsströme für Verbundglas in den letzten Jahren erheblich verändert. Brexit, Sanktionen gegen Russland und ein auffälliger Preisschock im Handel mit der Türkei haben die traditionellen Partnerschaften nachhaltig umgezeichnet.

3.1 Brexit: Rückgang des Handels mit dem Vereinigten Königreich

Das Vereinigte Königreich war 2015 mit Abstand der wichtigste EU-Exportmarkt für Verbundglas (260,2 Mio. EUR, entsprechend über 50 % der EU-Ausfuhren). Bis 2025 sank dieser Wert auf 154,6 Mio. EUR (−40,6 %). Auch die Importe aus dem Vereinigten Königreich gingen von 44,0 Mio. EUR auf 12,7 Mio. EUR zurück (−71,2 %). Die hohe Volatilität des UK-Handels (Variationskoeffizient 0,84 bei Importen) unterstreicht die anhaltende Unsicherheit.

Dennoch bleibt das Vereinigte Königreich nach wie vor der größte einzelne Exportmarkt der EU, wenngleich sein Anteil deutlich gesunken ist.

3.2 Russland-Sanktionen: Nahezu vollständiger Handelskollaps

Der Handel mit der Russischen Föderation ist seit 2022 nahezu zum Erliegen gekommen. Die EU-Importe sanken von 7,1 Mio. EUR (2015) auf lediglich 0,1 Mio. EUR (2025), ein Rückgang um 98,6 %. Die Exporte brachen von 21,7 Mio. EUR auf 0,3 Mio. EUR ein (−98,4 %). Im Bereich der Importe wurde 2023 ein vollständiger Einbruch (−100 %) als Schockereignis identifiziert. Dies ist eine direkte Folge der EU-Sanktionen nach dem Überfall auf die Ukraine.

Identifizierte Schockereignisse

3.3 Neue Handelskorridore: Türkei und Marokko

Zwei Länder haben im untersuchten Zeitraum als neue oder deutlich aufgewertete Handelspartner an Bedeutung gewonnen:

  • Türkei: Die EU-Exporte in die Türkei stiegen von 16,4 Mio. EUR (2015) auf 99,4 Mio. EUR (2025) — eine Steigerung von 506,3 %. 2023 wurde zudem ein signifikanter Preisschock bei den Exporten in die Türkei festgestellt (Anstieg um 34,5 %, Abnormalitäts-Score 5,6). Dies könnte mit vertraglichen Neuvereinbarungen, Qualitätsanforderungen oder Wechselkurseffekten zusammenhängen. Die Türkei ist damit zum zweitgrößten Exportmarkt der EU aufgestiegen.

  • Marokko: Die EU-Importe aus Marokko wuchsen von 0,9 Mio. EUR auf 14,9 Mio. EUR (+1.525,2 %), was zwar prozentual beeindruckend ist, aber absolut noch ein Nischenmarktvolumen darstellt. Marokko profitiert vermutlich von Automotive-Investitionen (Renault, Stellantis) und der Nähe zum europäischen Markt.

Handelspartner Exporte 2015 Exporte 2025 Veränderung
Türkei 16,4 Mio. EUR 99,4 Mio. EUR +506,3 %
Marokko (Importe) 0,9 Mio. EUR 14,9 Mio. EUR +1.525,2 %
Russland 21,7 Mio. EUR 0,3 Mio. EUR −98,4 %

Exportpartner nach Werten

3.4 Volatilitätsmuster und Abhängigkeiten

Die Analyse der Volatilität (Variationskoeffizient, CV) zeigt, dass einige Handelsbeziehungen über den gesamten Zeitraum hinweg besonders schwankungsanfällig waren:

Partner CV (Importe) CV (Exporte)
Vereinigtes Königreich 0,84 0,43
Marokko 0,75 1,37
Russische Föderation 0,68 0,76
China 0,40 0,51
Türkei 0,19 0,52
Indien 0,15
Norwegen 0,09
Schweiz 0,15

Volatilitätsanalyse

Auffällig stabil sind die Handelsbeziehungen mit Norwegen (CV: 0,09) und der Schweiz (CV: 0,15) bei Exporten sowie mit Indien (CV: 0,15) und der Türkei (CV: 0,19) bei Importen — allesamt Märkte mit etablierten Lieferbeziehungen und geografischer bzw. regulatorischer Nähe.


Fazit

Der EU-Markt für Verbundglas (KN 70072120) durchlebt einen tiefgreifenden Strukturwandel. Die Kernentwicklungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Schwindender Handelsüberschuss: Die EU bleibt Nettoexporteur, doch der Überschuss ist von 260 Mio. EUR auf 56 Mio. EUR geschrumpft. Die Nettorelianz auf Importe verbesserte sich zwar von −6,0 % auf −2,1 %, nähert sich aber der Nulllinie an. Sollte der Trend anhalten, könnte die EU in den kommenden Jahren zum Nettoimporteur werden.

  2. China-Dominanz und Konzentrationsrisiko: Chinas Importanteil ist auf rund 70 % gestiegen, der HHI der Importe hat sich mehr als verdreifacht. Diese Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten stellt ein erhebliches strategisches Risiko dar — insbesondere angesichts möglicher Handelskonflikte oder Lieferunterbrechungen.

  3. Preisgetriebene Exportentwicklung: Obwohl die Exportmengen stark gesunken sind (−41 %), konnten die Exportpreise um fast 45 % gesteigert werden. Die EU scheint sich im Segment der hochwertigen, wertschöpfungsstarken Verbundgläser zu positionieren, während Mengenvolumen zunehmend durch Importe — insbesondere aus China — gedeckt werden.

  4. Geopolitische Umstrukturierung: Brexit, Russland-Sanktionen und der Aufstieg der Türkei als Exportmarkt haben die Handelslandschaft nachhaltig verändert. Die Diversifizierung der Exportziele (sinkender HHI) ist ein positiver Trend, steht aber im Gegensatz zur steigenden Importkonzentration.

Nettoimport-Abhängigkeit · Handelsintensität · Exportneigung

Die europäische Verbundglasindustrie steht damit vor der Herausforderung, ihre Wettbewerbsfähigkeit im Premiumsegment zu sichern und gleichzeitig die wachsende Importabhängigkeit — insbesondere von China — strategisch zu managen. Die steigende Handelsintensität (von 32,4 % auf 41,5 %) und Exportneigung (von 21,6 % auf 26,9 %) unterstreichen die zunehmende Verflechtung des europäischen Sektors mit dem globalen Markt.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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