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Marktentwicklung: Therapiegeräte (CN 9019) — 2015–2025

Einführung

Der Zollcode 9019 umfasst ein breites Spektrum an Therapiegeräten — von Massageapparaten und Geräten für Mechanotherapie über psychotechnische Apparate bis hin zu Beatmungsgeräten und Atemtherapiegeräten. Der Zeitraum 2015–2025 war für diese Produktgruppe von außergewöhnlicher Dynamik geprägt: Die COVID-19-Pandemie ab 2020 verursachte einen beispiellosen Nachfrageschock für Atemtherapiegeräte, während gleichzeitig langfristige strukturelle Trends wie die wachsende Importabhängigkeit der EU und die zunehmende Konzentration der Lieferketten auf China deutlich wurden.

Im Folgenden werden drei zentrale Entwicklungslinien analysiert: erstens der pandemiebedingte Nachfrage-Schock und seine Nachwirkungen, zweitens die zunehmende Abhängigkeit der EU von Drittlandsimporten — insbesondere aus China — und drittens die europäische Produktions- und Spezialisierungsreaktion auf diese Veränderungen.


1. Der pandemiebedingte Nachfrage-Schock und seine langfristigen Auswirkungen

2020 markierte einen historischen Wendepunkt im EU-Handel mit Therapiegeräten

Die COVID-19-Pandemie führte 2020 zu einer sprunghaften Nachfrage nach Beatmungs- und Atemtherapiegeräten (CN 901920). Die Importe dieses Segments stiegen im Wert von 1.198 Mrd. EUR (2019) auf 2.981 Mrd. EUR (2020) — ein Anstieg von rund 149 %. Parallel dazu explodierten die Preise: Der durchschnittliche Importpreis für CN 901920 lag 2020 bei 92.983 EUR/t, verglichen mit 48.979 EUR/t im Vorjahr. Die mengenmäßige Importsteigerung betrug 31 %, was verdeutlicht, dass der Preisanstieg den Volumenanstieg weit übertraf.

Kennzahl CN 901910 (2019) CN 901910 (2020) Δ CN 901920 (2019) CN 901920 (2020) Δ
Importwert (Mrd. EUR) 0,868 1,091 +26 % 1,198 2,981 +149 %
Importmenge (t) 104.461 128.563 +23 % 24.455 32.059 +31 %
Importpreis (EUR/t) 8.306 8.488 +2 % 48.979 92.983 +90 %

Quelle: Produktsegment-Vergleich

Preis-Schocks konzentrierten sich auf wenige Handelspartner

Ein analytisch festgestellter Preis-Schock bei den Importen aus China im Jahr 2020 weist eine Abnormalität von 37,4 und eine Preisschiebung von +135,3 % auf. Dieser Schock war mit einem Anteil von 77,8 % am Gesamtwert der erfassten Anomalien der dominierende Preisschock im gesamten Betrachtungszeitraum. Auch bei den Exporten aus der EU traten 2020 Preis-Schocks auf — so stiegen die Exportpreise nach Australien um 181,5 % und nach Kanada um 160,9 %, was auf eine globale Verknappung und das Bestreben der EU-Länder hindeutet, eigene Bestände zu sichern.

Die Nachfrage normalisierte sich nach 2021, blieb aber über Vor-Corona-Niveau

Nach dem Höchstjahr 2021 — als die Gesamtimporte 4,072 Mrd. EUR erreichten — sanken die Importwerte wieder. Dennoch lagen die Importe 2025 mit 2,735 Mrd. EUR um 74,0 % über dem Niveau von 2015 (1,572 Mrd. EUR). Der Handelsbilanzdefizit verschärfte sich von −508 Mio. EUR (2015) auf −978 Mio. EUR (2025), was einer Verschlechterung um 92,3 % entspricht. Dies legt nahe, dass die Pandemie zwar einen kurzfristigen Nachfrageausbruch verursachte, aber zugleich dauerhafte strukturelle Veränderungen im Handelsmuster verstärkte.


2. Wachsende Importabhängigkeit und Chinas dominante Rolle

Die EU-Importe wachsen deutlich schnelter als die Exporte

Im Zeitraum 2015–2025 stiegen die EU-Importe um 74,0 % (von 1,572 Mrd. EUR auf 2,735 Mrd. EUR), während die Exporte im gleichen Zeitraum um 65,2 % wuchsen (von 1,064 Mrd. EUR auf 1,758 Mrd. EUR). Die Netto-Importabhängigkeit — gemessen als Verhältnis des Handelsbilanzdefizits zur Produktion — stieg von 6,3 % (2015) auf 31,0 % (2025), was einem Anstieg von 392,4 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2020 mit 75,8 % erreicht, als die Pandemie-bedingte Nachfrage das Defizit dramatisch ausweitete.

Indikator 2015 2020 2025 Veränderung 2015–2025
Importe (Mrd. EUR) 1,572 4,072 2,735 +74,0 %
Exporte (Mrd. EUR) 1,064 2,454 1,758 +65,2 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −508 −1.618 −978 −92,3 %
Netto-Importabhängigkeit (%) 6,3 75,8 31,0 +392,4 %

Quelle: Gesamtübersicht und Netto-Importabhängigkeit

China hat seine Position als wichtigster Lieferant massiv ausgebaut

China stellte 2025 mit 1,300 Mrd. EUR den mit Abstand größten Anteil an den EU-Importen — ein Anstieg von 153,0 % gegenüber 2015 (514 Mio. EUR). Der Höchstwert wurde 2021 mit 2,375 Mrd. EUR erreicht. Im Gegensatz dazu sanken die Importe aus den USA von 301 Mio. EUR auf 246 Mio. EUR (−18,2 %). Die Konzentration der Importe, gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index (HHI), stieg von 1.758 auf 2.632 (+49,7 %). Ein HHI über 2.500 gilt als hochkonzentriert — die EU ist bei Therapiegeräten also in zunehmendem Maße von wenigen Lieferanten abhängig.

Partnerland Importe 2015 (Mio. EUR) Importe 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 514 1.300 +153,0 %
Vereinigte Staaten 301 246 −18,2 %
Vereinigtes Königreich 167 206 +23,0 %
Singapur 99 303 +205,4 %
Mexiko 51 138 +169,5 %
Australien 166 173 +4,7 %
Kanada 37 35 −7,1 %

Quelle: Top-Handelspartner

Die EU hält gleichzeitig ihre Exportposition, besonders zu den USA und dem UK

Während die Importseite von China dominiert wird, sind die Exportziele breiter gestreut. Die Exporte in die USA stiegen von 188 Mio. EUR auf 429 Mio. EUR (+128,1 %), die in das Vereinigte Königreich von 162 Mio. EUR auf 324 Mio. EUR (+99,8 %). Die Exportkonzentration blieb mit einem HHI von 1.117 (2025) moderat — deutlich niedriger als bei den Importen. Dies spiegelt die Wettbewerbsstärke europäischer Hersteller in der Segment der hochwertigen Atemtherapiegeräte wider.


3. Produktionswachstum und Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die EU-Produktion verzeichnete ein exponentielles Wachstum

Die Produktionsmenge in der EU stieg von 1,22 Mio. Stück (2015) auf 474,34 Mio. Stück (2025) — ein Anstieg von 38.938 %. Der Produktionswert wuchs im gleichen Zeitraum von 240 Mio. EUR auf 1,634 Mrd. EUR (+581 %). Der Höchstwert wurde 2022 mit 1,953 Mrd. EUR erreicht. Dieses massive Wachstum — bei dem ein erheblicher Teil der Produktionssteigerung auf das Segment CN 901910 (Massagegeräte, Consumer-Produkte) entfällt — deutet auf eine zunehmende Verlagerung der Fertigung in Richtung kostengünstiger Konsumgüter hin, während bei den hochwertigen medizinischen Geräten (CN 901920) die Importabhängigkeit weiter bestehen bleibt.

Indikator 2015 2020 2025 Veränderung 2015–2025
Produktionsmenge (Mio. Stück) 1,22 474,34 +38.938 %
Produktionswert (Mio. EUR) 240 1.634 +581 %

Quelle: Produktionsvolumen

Die Niederlande und Deutschland dominieren die EU-Handelsstruktur

Innerhalb der EU weisen die Niederlande mit einem RSCA-Wert von 0,415 die höchste Spezialisierung auf — sowohl bei Importen (948 Mio. EUR, +119,8 %) als auch bei Exporten (403 Mio. EUR, +89,1 %). Die Niederlande fungieren offenbar als zentraler Drehkreuz- und Logistikstandort für Therapiegeräte in Europa. Deutschland ist der größte EU-Exporteur (490 Mio. EUR, +30,9 %) und der zweitgrößte Importeur (484 Mio. EUR, +39,1 %), was auf eine ausgewogene Handelsstruktur mit hohem Mehrwert hinweist. Bemerkenswert ist das Wachstum der polnischen Exporte von 9 Mio. EUR auf 60 Mio. EUR (+595,2 %), was auf eine zunehmende Fertigungsverlagerung in mittelosteuropäische EU-Staaten schließen lässt.

EU-Staat Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Δ Importe 2015 (Mio. EUR) Importe 2025 (Mio. EUR) Δ
Deutschland 374 490 +30,9 % 348 484 +39,1 %
Niederlande 213 403 +89,1 % 432 948 +119,8 %
Frankreich 77 242 +215,4 % 257 339 +32,0 %
Irland 131 111 −15,5 %
Italien 50 80 +61,5 % 71 111 +55,9 %
Schweden 49 106 +116,7 % 67 67 −0,4 %
Polen 9 60 +595,2 %

Quelle: Top-Reporter

Die Exportneigung unterstreicht die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Sektors

Die Exportneigung — gemessen als Exportwert in Relation zum Produktionswert — stieg von 84,8 % (2015) auf 109,0 % (2025). Ein Wert über 100 % bedeutet, dass die EU mehr exportiert als sie produziert, was auf Re-Exporte oder Bestandsabbau hindeuten kann. Die Handelsintensität lag 2025 bei 103,5 % und bestätigt die hohe globale Integration des Sektors. Diese Kennzahlen zeigen, dass die EU trotz wachsender Importabhängigkeit bei Therapiegeräten weiterhin ein bedeutender globaler Anbieter bleibt — allerdings mit einer Verschiebung hin zu hochwertigen Nischenprodukten und einem Rückgang bei bestimmten Massenprodukten.


Schlussfolgerung

Die Analyse des EU-Handels mit Therapiegeräten (CN 9019) über den Zeitraum 2015–2025 zeigt drei zentrale Erkenntnisse:

Erstens war die COVID-19-Pandemie der dominierende Schock des Jahrzehnts. Sie verursachte 2020 eine Verdopplung der Import- und Exportwerte, extreme Preisspitzen (insbesondere bei Importen aus China mit +135 %) und einen kurzfristigen Anstieg der Netto-Importabhängigkeit auf 76 %. Obwohl sich die Märkte seit 2022 weitgehend normalisiert haben, liegen die Handelsvolumina dauerhaft über dem Vor-Corona-Niveau.

Zweitens hat sich die Importabhängigkeit der EU strukturell vertieft. Der Anstieg der Netto-Importabhängigkeit von 6 % auf 31 %, die zunehmende Konzentration der Lieferantenbasis (HHI von 1.758 auf 2.632) und das überproportionale Wachstum der chinesischen Lieferungen (+153 %) deuten auf eine wachsende geopolitische Abhängigkeit hin — ein Risikofaktor, der in der post-pandemischen Debatte um Lieferkettenresilienz zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Drittens reagiert die EU-Produktion auf diese Herausforderung mit robustem Wachstum (+581 % im Wert), allerdings vor allem im Segment der konsumnahen Produkte. Die Spezialisierungsmuster — angeführt von den Niederlanden als Drehkreuz und Deutschland als Hochtechnologie-Exporteur — sowie das dynamische Wachstum mittelosteuropäischer Exporteure wie Polen deuten auf eine europäische Anpassungsstrategie hin, die auf Diversifizierung und Wertschöpfung setzt. Die langfristige Herausforderung besteht darin, die Abhängigkeit von wenigen Drittländern zu reduzieren, ohne die Wettbewerbsfähigkeit im hochwertigen Segment zu gefährden.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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