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Marktentwicklung: Atemtherapiegeräte (CN 901920) — 2015–2025

Einleitung

Der CN-Code 901920 umfasst ein breites Spektrum medizintechnischer Produkte: Apparate und Geräte für Ozon-, Sauerstoff- oder Aerosoltherapie, Beatmungsapparate zum Wiederbeleben sowie andere Apparate und Geräte für Atmungstherapie, einschließlich Teile und Zubehör. Die Warengruppe untergliedert sich dabei in invasive Beatmungsgeräte (90192010), nicht-invasive Beatmungsgeräte (90192020) sowie sonstige Atemtherapiegeräte und Zubehör (90192090). Im Beobachtungszeitraum 2015 bis 2025 durchlief der EU-Außenhandel mit diesen Produkten eine Phase des strukturellen Wandels, die von der COVID-19-Pandemie gravierend geprägt wurde. Der vorliegende Bericht analysiert die wesentlichen Handelsdynamiken, die geografischen Verschiebungen der Partnerstruktur sowie die binnenwirtschaftlichen Entwicklungen innerhalb der EU.


1. Pandemiegetriebener Boom und Normalisierung: Der übergeordnete Handelsverlauf

1.1 Stabiles Grundwachstum bei Importen und Exporten

Über den gesamten Betrachtungszeitraum verzeichnete die EU ein deutliches Wachstum im Außenhandel mit Atemtherapiegeräten. Die EU-Exporte stiegen von rund 818 Mio. EUR (2015) auf ca. 1.364 Mio. EUR (2025), was einem Zuwachs von 66,8 % entspricht. Die EU-Importe entwickelten sich ähnlich, von rund 952 Mio. EUR auf ca. 1.511 Mio. EUR (+58,7 %). In Mengenintonnen wuchsen die Exporte um 51,3 % (von 10.641 t auf 16.102 t), die Importe sogar um 60,6 % (von 23.983 t auf 38.525 t).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 818 Mio. € 1.364 Mio. € +66,8 %
Exportmenge 10.641 t 16.102 t +51,3 %
Importwert 952 Mio. € 1.511 Mio. € +58,7 %
Importmenge 23.983 t 38.525 t +60,6 %

1.2 Der COVID-19-Schock als prägendes Ereignis

Die Daten zeigen ein extremes Ausschlagsjahr: Sowohl der Importwert als auch der Exportwert erreichten im Zeitraum Maximalwerte von 2.981 Mio. EUR bzw. 2.112 Mio. EUR — beides erheblich über den Werten von 2015 und 2025. Dieser Spitzenwert ist dem Pandemiejahr 2021 zuzuordnen, als die globale Nachfrage nach Beatmungsgeräten und Atemtherapieausrüstung explodierte. Die Handelsbilanz verschlechterte sich in jenem Zeitraum drastisch auf einen Tiefststand von rund −869 Mio. EUR, was darauf hindeutet, dass die EU in der akuten Krisenphase deutlich mehr importieren musste als exportieren konnte.

1.3 Von Nettexporteur zu Nettimporteur: Die Handelsbilanz kehrt sich um

Die Nettoimportabhängigkeit der EU bei CN 901920 hat sich im Beobachtungszeitraum fundamental verschoben. Lag sie 2015 bei −14,7 % — d. h. die EU war Nettoexporteur —, so pendelte sie 2025 bei +6,0 %. Der Höchstwert von 12,3 % wurde ebenfalls in der Pandemiephase erreicht. Diese Entwicklung signalisiert eine strukturelle Veränderung: Die EU hat ihre relative Selbstversorgungsfähigkeit in diesem Segment eingebüßt. Die steigende Importmenge (+60,6 %) wuchs dabei stärker als die Exportmenge (+51,3 %), was die zunehmende Importabhängigkeit erklärt.


2. Globale Umbrüche: Verschiebungen in der geografischen Partnerstruktur

2.1 China als dominierender Importpartner — mit extremer Volatilität

China entwickelte sich im Betrachtungszeitraum zum wichtigsten Importpartner der EU für Atemtherapiegeräte. Die Importe aus China stiegen von 110 Mio. EUR (2015) auf 269 Mio. EUR (2025), was einem Zuwachs von 144,2 % entspricht. Der absolute Spitzenwert lag bei über 1.521 Mio. EUR — ein Wert, der erneut auf die Pandemiephase zurückzuführen ist. Die erkannte Preisschock-Ereignis bei China-Importen im Jahr 2020 (Anormalität: 291,8, Preissprung: +675,2 %) unterstreicht die außergewöhnliche Marktsituation zu Beginn der Pandemie. Trotz der Normalisierung blieb China auch 2025 mit großem Abstand der wichtigste Lieferant.

2.2 Südostasien und Lateinamerika als neue Beschaffungsregionen

Neben China gewannen insbesondere Singapur, Mexiko und Malaysia als Importpartner stark an Bedeutung:

Partnerland 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Singapur 97 300 +209,9 %
Mexiko 38 115 +205,5 %
Malaysia 4 21 +370,8 %

Diese Entwicklung deutet auf eine Diversifizierung der Lieferketten hin. Singapur fungiert dabei vermutlich als Handelsdrehscheibe für die gesamte asiatische Region. Die USA als zweitgrößter Importpartner verloren hingegen leicht an Gewicht (−17,3 %, von 212 Mio. EUR auf 176 Mio. EUR), während das Vereinigte Königreich nach dem Brexit seine Lieferungen an die EU um 35,5 % auf 194 Mio. EUR steigerte.

2.3 Exportmärkte: USA und UK als tragende Säulen

Die wichtigsten Absatzmärkte für EU-Exporteure waren 2025 die USA (348 Mio. EUR, +116,1 %), das Vereinigte Königreich (258 Mio. EUR, +143,3 %) und die Schweiz (110 Mio. EUR, +100,7 %). Bemerkenswert ist der Rückgang der Exporte nach China (von 66 Mio. EUR auf 36 Mio. EUR, −46,3 %) und in die Russländische Föderation (von 38 Mio. EUR auf 28 Mio. EUR, −26,1 %). Letzteres ist vermutlich auf die Sanktionspolitik nach 2022 zurückzuführen.

2.4 Zunehmende Exportkonzentration

Die Konzentration der Exporte (gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index, HHI) nahm im Zeitraum deutlich zu: von 802 (2015) auf 1.186 (2025), ein Anstieg um 47,8 %. Die EU exportiert also zunehmend konzentriert auf wenige Schlüsselmärkte — vor allem USA, UK und Schweiz. Die Importkonzentration sank hingegen leicht von 1.358 auf 1.277 (−6,0 %), was die oben beschriebene Diversifizierung der Bezugsquellen bestätigt. Trotz dieser Entgegenentwicklung bleiben die HHI-Werte im moderaten Bereich und deuten auf keinen monopolistischen Markt hin.


3. Produktion im Wandel: Spezialisierung und Segmentstruktur innerhalb der EU

3.1 Rückläufige EU-Produktion bei Atemtherapiegeräten

Die EU-Produktion von CN 901920 entwickelte sich im Zeitraum rückläufig. Die Produktionsmenge sank von 696 Mio. Stück auf 464 Mio. Stück (−33,3 %), der Produktionswert ging von 1.593 Mio. EUR auf 1.334 Mio. EUR zurück (−16,2 %). Der geringere Rückgang beim Wert gegenüber der Menge deutet auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten hin, ersetzt aber den Gesamtrückgang nicht. Angesichts der gleichzeitig stark gestiegenen Importe (insbesondere der Mengen) ergibt sich ein Bild zunehmender Verlagerung von Produktionskapazitäten außerhalb Europas.

3.2 Heterogene Spezialisierung der EU-Mitgliedstaaten

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt ein heterogenes Bild innerhalb der EU:

Land RSCA RCA Anteil am EU-Produktexport Anteil am EU-Gesamtexport
Irland 0,47 2,79 5,8 % 2,1 %
Niederlande 0,42 2,42 35,2 % 14,5 %
Tschechien 0,28 1,77 8,5 % 4,8 %
Rumänien 0,23 1,59 2,6 % 1,7 %
Schweden 0,20 1,50 3,6 % 2,4 %

Irland und die Niederlande weisen die höchste Spezialisierung auf. Die Niederlande dominieren dabei mit einem Anteil von 35,2 % an den gesamten EU-Produktexporten in diesem Segment. Deutschland, obwohl mit 417 Mio. EUR der größte EU-Exporteur absolut, zeigt keine überproportionale Spezialisierung im Verhältnis zu seiner gesamten Exportwirtschaft.

3.3 Deutschland und Frankreich: Die großen Exporteure mit unterschiedlicher Dynamik

Innerhalb der EU heben sich zwei Entwicklungen besonders ab. Frankreichs Exporte stiegen von 50 Mio. EUR auf 209 Mio. EUR (+315,9 %), Tschechien verzeichnete sogar einen Anstieg von 12 Mio. EUR auf 55 Mio. EUR (+363,4 %). Deutschland als traditionell starker Medizintechnikstandort wuchs moderater (+38,5 %), blieb aber mit 417 Mio. EUR der mit Abstand größte Exporteur innerhalb der EU. Auf der Importseite dominieren die Niederlande (676 Mio. EUR, +107,8 %) und Deutschland (270 Mio. EUR, +21,1 %), was auf die Rolle der Häfen Rotterdam und Antwerpen als Einfuhrdrehkreuze sowie auf die Bedeutung Deutschlands als Binnenmarktdrehscheibe hindeutet.

3.4 Segmentaufteilung: Sonstige Atemtherapiegeräte dominieren

Die Produktssegmentanalyse für 2021–2025 zeigt, dass die Kategorie 90192090 (sonstige Atemtherapiegeräte, ausgenommen mechanische Beatmungsgeräte, einschließlich Teile und Zubehör) sowohl bei Importen als auch bei Exporten den mit Abstand größten Anteil stellt:

Importe nach Segment (2025):

Segment Wert (Mio. €) Menge (t)
90192090 — Sonstige Atemtherapiegeräte 1.196 33.237
90192020 — Nicht-invasive Beatmung 246 4.142
90192010 — Invasive Beatmung 69 1.144

Exporte nach Segment (2025):

Segment Wert (Mio. €) Menge (t)
90192090 — Sonstige Atemtherapiegeräte 876 13.733
90192010 — Invasive Beatmung 253 778
90192020 — Nicht-invasive Beatmung 234 1.591

Auffällig ist der starke Rückgang der Exportmengen bei invasiven Beatmungsgeräten (90192010) von 23.945 t (2021) auf lediglich 778 t (2025), was einen Rückgang von 96,7 % darstellt. Dies steht im direkten Zusammenhang mit der Pandemie: 2021 wurden massive Mengen invasiver Beatmungsgeräte exportiert, die nach Abklingen der Krise nicht mehr nachgefragt wurden. Die Preise pro Tonne waren dabei stark schwankend, was die Volatilitätsanalyse für Exporte nach China (Variationskoeffizient: 1,44) und in die USA (0,97) bestätigt.


Fazit

Der EU-Außenhandel mit Atemtherapiegeräten (CN 901920) wurde im Zeitraum 2015–2025 maßgeblich von drei Dynamiken geprägt:

Erstens hinterließ die COVID-19-Pandemie tiefe Spuren: Sie verursachte einen beispiellosen Nachfrageschock mit Preissprüngen von über 675 % bei China-Importen, einer temporären Verschlechterung der Handelsbilanz um rund 869 Mio. EUR und einer drastischen Ausweitung der Handelsvolumina, die sich in den Folgejahren wieder normalisierten.

Zweitens verschob sich die geografische Struktur der Handelspartner. Südostasiatische und lateinamerikanische Lieferanten (Singapur, Mexiko, Malaysia) gewannen erheblich an Bedeutung, während die Exporte in traditionelle Märkte wie China und Russland rückläufig waren. Die EU exportiert zunehmend konzentriert in wenige Schlüsselmärkte, importiert hingegen diversifizierter als zuvor.

Drittens deuten die rückläufige EU-Produktionsmenge (−33,3 %) und der Übergang der EU von einer Nettexportposition (−14,7 %) zu einer Nettoimportabhängigkeit (+6,0 %) auf eine strukturelle Verlagerung hin. Die Niederlande, Deutschland und Frankreich bleiben die zentralen Handelsakteure innerhalb der EU, wobei Tschechien und Frankreich die stärksten prozentualen Zuwächse bei den Exporten verzeichneten. Angesichts der anhaltenden Bedeutung von Atemtherapiegeräten in der altersenden europäischen Bevölkerung dürfte die strategische Frage der Versorgungssicherheit auch künftig im Fokus bleiben.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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