Marktentwicklung: Teigwaren, weder gekocht oder gefüllt noch in anderer Weise zubereitet, keine Eier enthaltend (CN 190219) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU für den Zolltarifcode CN 190219 — Teigwaren, weder gekocht oder gefüllt noch in anderer Weise zubereitet, keine Eier enthaltend im Zeitraum 2015–2025. Die Position umfasst zwei Unterpositionen: Teigwaren ohne Weichweizenmehl/-grieß (19021910) sowie solche mit Weichweizenmehl oder -grieß (19021990) — jeweils ohne Eier und ohne Zubereitung.
Die EU ist in diesem Segment ein Nettoexporteur mit einem erheblichen Handelsbilanzüberschuss. Die Produktion belief sich 2024 auf rund 4,8 Mio. Tonnen (Wert: ca. 6,6 Mrd. €), wobei Italien mit einem RCA-Wert von 8,54 und einem Anteil von 68,4 % an der EU-Produktion den Sektor dominiert. Im Folgenden werden drei zentrale Dynamiken herausgearbeitet: das überproportionale Exportwachstum, die strukturelle Verschiebung der Importpartnerlandschaft sowie die Preis- und Schockdynamik ab 2022.
Starkes Exportwachstum und steigende Preise als Haupttreiber
Die Exporte wuchsen stärker im Wert als im Volumen
Die EU-Exporte entwickelten sich im Betrachtungszeitraum äußerst dynamisch. Der Exportwert stieg von 959,8 Mio. € (2015) auf 1.748,0 Mio. € (2025), was einem Plus von 82,1 % entspricht. Im selben Zeitraum legte das Exportvolumen von 897.494 t auf 1.266.254 t zu (+41,1 %). Die Differenz zwischen Wert- und Volumenwachstum erklärt sich durch einen durchschnittlichen Exportpreisanstieg von 1.069 €/t auf 1.380 €/t (+29,1 %).
| Kennzahl | 2015 | 2020 | 2022 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. €) | 959,8 | 1.374,0 | 1.718,2 | 1.748,0 | +82,1 % |
| Exportmenge (t) | 897.494 | 1.337.983 | 1.152.755 | 1.266.254 | +41,1 % |
| Exportpreis (€/t) | 1.069 | 1.027 | 1.491 | 1.380 | +29,1 % |
| Importwert (Mio. €) | 54,3 | 63,0 | 120,6 | 131,0 | +141,0 % |
| Handelsbilanz (Mio. €) | 905,4 | 1.311,0 | 1.597,6 | 1.617,0 | +78,6 % |
Der Covid-19-Effekt und die Preisschocks ab 2022 prägten die Dynamik
Das Jahr 2020 markiert einen Wendepunkt: Die Exportmengen erreichten mit 1.337.983 t ihren Höchststand — vermutlich ein Nachfrageeffekt der Pandemie (Hamsterkäufe weltweit). 2021 sanken die Mengen wieder auf 1.120.712 t, bevor sie sich danach stabilisierten. Der eigentliche Strukturbruch liegt jedoch im Preis: Die Exportpreise stiegen 2022 sprunghaft auf 1.491 €/t (Vorjahr: 1.088 €/t), was einem Anstieg von 37 % entspricht. Dies ist auf die globalen Getreidepreisschocks infolge des Ukraine-Krieges und gestiegener Energiekosten zurückzuführen. Auch die Exportpreise blieben danach auf erhöhtem Niveau.
Italien dominiert die Exportseite, aber neue EU-Akteure gewinnen an Bedeutung
Italien exportierte 2025 Teigwaren im Wert von 1.536,8 Mio. € und liegt damit bei einem Anteil von ca. 88 % an den gesamten EU-Exporten. Der italienische Exportwert stieg um 82 % (von 844,6 Mio. € in 2015). Auffällig ist jedoch das Wachstum anderer EU-Länder:
| EU-Land | Exporte 2015 (Mio. €) | Exporte 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Italien | 844,6 | 1.536,8 | +82,0 % |
| Deutschland | 7,8 | 37,6 | +380,3 % |
| Griechenland | 16,8 | 36,3 | +116,2 % |
| Belgien | 12,0 | 30,5 | +155,1 % |
| Polen | 5,3 | 11,0 | +109,1 % |
Deutschland verfünffachte seine Exporte nahezu, was auf zunehmende Re-Exporte oder den Aufbau neuer Produktionskapazitäten hindeuten könnte.
Wachsende Importe und eine sich diversifizierende Partnerstruktur
Die EU-Importe haben sich mehr als verdoppelt
Obwohl die EU ein starker Nettoexporteur bleibt (Netto-Importabhängigkeit 2025: −33,6 %), sind die Importe im gleichen Zeitraum erheblich gestiegen:
- Importwert: von 54,3 Mio. € (2015) auf 131,0 Mio. € (2025) → +141 %
- Importmenge: von 42.890 t auf 74.421 t → +73,5 %
- Importpreis: von 1.267 €/t auf 1.760 €/t → +38,9 %
Der Importpreis überstieg 2025 erstmals deutlich den Exportpreis (1.760 €/t vs. 1.380 €/t), was auf die Herkunft aus höherpreisigen Nischen oder Qualitätsunterschiede hindeuten kann.
Korea und Vietnam als neue, dynamische Importpartner
Die Importpartnerstruktur hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verschoben. Während traditionelle Lieferanten wie die Türkei (+43 %), Thailand (+19 %) und das Vereinigte Königreich (−3 %) moderat wuchsen, verzeichneten asiatische Partner ein überproportionales Wachstum:
| Partnerland | Importe 2015 (Mio. €) | Importe 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Türkei | 11,7 | 16,8 | +43,4 % |
| Thailand | 9,2 | 10,9 | +19,3 % |
| China | 9,4 | 14,4 | +53,2 % |
| Vietnam | 3,5 | 17,6 | +408,0 % |
| Südkorea | 1,2 | 33,1 | +2.579,2 % |
| Serbien | 1,9 | 5,5 | +184,2 % |
Südkorea entwickelte sich zum größten Einzelschock: Die Importe aus Südkorea stiegen von 1,2 Mio. € (2015) auf 33,1 Mio. € (2025) — ein Anstieg um das 26-fache. Die Mengen wuchsen von 608 t auf 8.125 t. Dies spiegelt die wachsende Popularität koreanischer Nudelprodukte (z. B. Ramyeon) auf dem europäischen Markt wider.
Die Importkonzentration nahm leicht ab
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 1.456 (2015) auf 1.282 (2025), was einer leichten Diversifizierung der Bezugsquellen entspricht. Auf der Exportseite stieg der HHI hingegen von 1.128 auf 1.391 — die EU-Exporte konzentrieren sich zunehmend auf wenige Schlüsselmärkte, insbesondere die USA und das Vereinigte Königreich.
Innerhalb der EU haben die Niederlande ihre Importe stark ausgebaut (von 7,5 Mio. € auf 44,7 Mio. €; +494 %) und sind damit zum wichtigsten EU-Importeur aufgestiegen, gefolgt von Deutschland (+206 %) und Frankreich (+61 %).
Preisschocks und Volatilität als strukturelle Herausforderung
Preis-Schocks 2022 auf den wichtigsten Exportmärkten
Die Analyse der Volatilität und der Schockereignisse zeigt, dass 2022 auf mehreren Schlüsselmärkten gleichzeitig Preis-Schocks auftraten:
| Markt | Schocktyp | Preissprung | Abnormalität | Anteil am Exportwert |
|---|---|---|---|---|
| USA | Preis (Exporte) | +42,4 % | 71,5 | 30,6 % |
| Japan | Preis (Exporte) | +35,9 % | 12,4 | 7,8 % |
| Südafrika | Preis (Exporte) | +53,7 % | 253,0 | 1,9 % |
| Saudi-Arabien | Preis (Exporte) | +51,1 % | 4,2 | 2,4 % |
Die Exportpreise in die USA stiegen 2022 von durchschnittlich 1.322 €/t auf 1.882 €/t und blieben auch 2023–2024 mit 1.768 €/t deutlich über dem Vor-Schock-Niveau. Die Mengen blieben hingegen weitgehend stabil — die Nachfrage war also relativ preisunelastisch.
Importpreise aus China zeigten ebenfalls einen Schock
Auf der Importseite wurde ein Preis-Schock bei Importen aus China im Jahr 2021 festgestellt: Der Preis stieg um 19,5 % über das Baseline-Niveau (Abnormalität: 71,3), bei gleichzeitigem Rückgang der Mengen auf 93,2 % des Baseline-Werts. Die Preise blieben auch danach erhöht (2022–2023: +20,9 % über Baseline).
Die Mengenvolatilität variiert stark nach Herkunftsland
Die Volatilitätskoeffizienten (CV) der Importmengen zeigen ein breites Spektrum:
- Sehr niedrige Volatilität: Türkei (CV 0,08), Vereinigtes Königreich (0,08), Thailand (0,11)
- Mittlere Volatilität: China (0,25), Serbien (0,20)
- Sehr hohe Volatilität: Südkorea (1,01), Ukraine (1,10), Ägypten (1,09), Vietnam (0,74)
Die hohen CV-Werte bei Südkorea und Ukraine erklären sich durch das rapide Wachstum dieser Handelsströme aus zuvor niedrigen Basiswerten — ein typisches Muster neu aufkommender Handelsbeziehungen.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für eifreie, unzubereitete Teigwaren (CN 190219) hat sich zwischen 2015 und 2025 durch drei zentrale Trends geprägt: Erstens ein robustes Exportwachstum, das stärker preis- als mengengetrieben war und die EU-Handelsbilanz auf über 1,6 Mrd. € Überschuss anhob. Zweitens eine signifikante Diversifizierung der Importpartnerlandschaft, angeführt vom außergewöhnlichen Aufstieg Südkoreas und des stärkeren Engagements von Vietnam. Drittens eine anhaltende Preiserhöhung nach den Schocks von 2022, die sich in den Exportpreisen bis 2025 nicht vollständig zurückgebildet hat.
Die EU bleibt ein starker Nettoexporteur mit einer Handelsintensität von 28,5 % (2024). Die zunehmende Exportkonzentration (steigender HHI) birgt jedoch ein gewisses Abhängigkeitsrisiko gegenüber den USA und dem Vereinigten Königreich, die zusammen über 40 % des EU-Exportwertes abnehmen. Für die Zukunft sind insbesondere die Handelsbeziehungen mit Asien — sowohl als Absatzmarkt als auch als Importquelle — von wachsender strategischer Bedeutung.