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Marktentwicklung: Tafeln, Platten, Folien, Filme, Bänder und Streifen, aus ungeschäumten Polymeren des Propylens, weder verstärkt noch geschichtet "laminiert" oder auf ähnl. Weise mit anderen Stoffen verbunden, ohne Unterlage, unbearbeitet oder nur mit Oberflächenbearbeitung oder nur quadratisch oder rechteckig zugeschnitten (ausg. selbstklebend sowie Bodenbeläge und Wand- und Deckenverkleidungen der Pos. 3918) (CN 392020) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Drittländern für den Zolltarifcode 392020 — ungeschäumte Polypropylen-Folien, -Platten, -Tafeln und -Streifen — im Zeitraum von 2015 bis 2025. Dieses Produktsegment umfasst biaxial orientierte Folien (BOPP), andere dünne Folien (≤ 0,10 mm) sowie dickere Platten und Folien (> 0,10 mm) und findet breite Anwendung in der Verpackungsindustrie, im Lebensmittelsektor sowie in technischen Anwendungen.

Die EU ist in diesem Markt sowohl ein bedeutender Produzent als auch ein aktiver Akteur im Welthandel. Im analysierten Zeitraum vollzog sich ein fundamentaler Strukturwandel: Die EU entwickelte sich von einem Überschussmarkt mit einem Handelsbilanzüberschuss von 224 Mio. € im Jahr 2015 hin zu einem nahezu ausgeglichenen Markt mit einem leichten Defizit von 75 Mio. € im Jahr 2025. Dieser Wandel wurde durch ein Zusammenspiel aus steigenden Importen, geopolitischen Schocks, Preisvolatilität und sich verlagernden Handelsströmen geprägt.

Weitere Informationen zu Produktdefinition und Marktüberblick finden sich unter Overview.


1. Vom Überschussmarkt zum Defizit: Die fundamentale Neuausrichtung der EU-Handelsbilanz

1.1 Importe wachsen deutlich stärker als Exporte

Der auffälligste Trend im Untersuchungszeitraum ist das divergierende Wachstum von Importen und Exporten. Während die EU-Exporte nominal um lediglich 2,8 % stiegen — von 1.038 Mio. € (2015) auf 1.067 Mio. € (2025) — wuchsen die Importe um 40,4 % von 814 Mio. € auf 1.142 Mio. €. Das Exportwachstum fiel damit rein preisbedingt aus: Mengenmäßig sanken die Exporte sogar um 6,7 % (von 327.477 auf 305.558 Tonnen), während die Exportpreise um 10,2 % stiegen (von 3.168 €/t auf 3.492 €/t).

Indikator 2015 2025 Veränderung
Exportwert 1.038 Mio. € 1.067 Mio. € +2,8 %
Exportmenge 327.477 t 305.558 t −6,7 %
Exportpreis 3.168 €/t 3.492 €/t +10,2 %
Importwert 814 Mio. € 1.142 Mio. € +40,4 %
Importmenge 303.485 t 379.552 t +25,1 %
Importpreis 2.682 €/t 3.010 €/t +12,2 %
Handelsbilanz +224 Mio. € −75 Mio. € −133,7 %

Quelle: Handelsentwicklung

1.2 Der Übergang zur Importabhängigkeit vollzog sich schrittweise

Die Nettoumportquote (net import reliance), die das Verhältnis von (Importen minus Exporten) zur Produktion misst, dokumentiert diesen Strukturwandel eindrücklich. Im Jahr 2015 lag sie bei −18,3 %, was einer ausgeprägten Exportstärke der EU entsprach. Bis 2024 sank sie kontinuierlich auf −1,6 % — die EU stand damit kurz dvor, zum Nettimporteur zu werden. Die Nettoumportquote bewegte sich dabei nicht linear, sondern zeigte eine Phase der Stagnation zwischen 2017 und 2019 (rund −10 %), gefolgt von einem beschleunigten Rückgang ab 2020.

Jahr Nettoumportquote
2015 −18,3 %
2017 −9,6 %
2019 −10,1 %
2020 −9,6 %
2021 −7,2 %
2022 −3,1 %
2024 −1,6 %

Quelle: Nettoumportquote

1.3 Die EU-Produktion wächst, reicht aber nicht aus, um den Importanstieg zu kompensieren

Die inländische EU-Produktion von Polypropylen-Folien und -Platten stieg mengenmäßig um 54 % — von 937 Mio. kg (2015) auf 1.443 Mio. kg (2025) — und im Wert sogar um 85,5 % von 2,25 Mrd. € auf 4,17 Mrd. €. Dieses beachtliche Produktionswachstum konnte jedoch den noch stärkeren Anstieg der Importnachfrage nicht ausgleichen. Gleichzeitig sank die Exportneigung (export propensity) der EU leicht von 27,1 % auf 26,8 %, während die Handelsintensität (trade intensity) von 34,7 % auf 41,6 % anstieg — ein Zeichen dafür, dass der EU-Markt zunehmend in den globalen Handel eingebunden ist.

Quelle: Produktionsvolumen, Handelsintensität


2. Geopolitische Umbrüche und die Neuordnung der Handelsströme

2.1 Russlands vollständiger Rückzug als Handelspartner

Das dramatischste Ereignis im Untersuchungszeitraum war der Zusammenbruch des Handels mit Russland. Als Importquelle sank Russland von 34 Mio. € (2015) auf praktisch null (2023–2025) — ein Rückgang um 99,7 %. Mengenmäßig betrug der Rückgang ebenfalls fast 100 %: von 22.786 Tonnen (2015) auf 54 Tonnen (2023) und danach null. Die Analyse zeigt einen klaren supply exit: Nach einem kontinuierlichen Anstieg der russischen Lieferungen bis 2021 (72 Mio. €) folgte 2022 ein drastischer Einbruch auf 55 Mio. € und 2023 der vollständige Rückgang.

Auf der Exportseite war das Bild ähnlich: Die EU exportierte 2015 noch Polypropylen-Folien im Wert von 94 Mio. € nach Russland, 2024 waren es nur noch 20 Mio. € und 2025 keine messbaren Lieferungen mehr. Dieser Rückgang von 78,3 % entspricht der russischen Importmenge, die von 23.671 Tonnen (2015) auf 5.327 Tonnen (2024) sank.

2.2 Die Türkei als neuer dominanter Importeur

Die Türkei entwickelte sich zum mit Abstand wichtigsten Importpartner der EU und ersetzte damit teilweise die Lücke, die andere Partner hinterließen. Die türkischen Importe in die EU stiegen von 191 Mio. € (2015) auf 368 Mio. € (2025) — ein Zuwachs von 92,2 %. Mengenmäßig wuchsen die Lieferungen von 69.420 auf 127.683 Tonnen (+84 %). Die türkischen Importe machten 2025 rund 32 % aller EU-Importe aus.

Auffällig war ein Preis-Schock im Jahr 2022, als die Importpreise aus der Türkei um 28,5 % auf 3.459 €/t anstiegen, was den globalen Preisdruck in der Folge der COVID-19-Pandemie und der Energiekrise widerspiegelte. Danach normalisierten sich die Preise wieder auf rund 2.881 €/t (2025).

Quelle: Preis-Schocks

2.3 China und Indien als wachsende Lieferanten mit hoher Volatilität

China steigerte seine Lieferungen an die EU von 38 Mio. € (2015) auf 99 Mio. € (2025) — ein Anstieg von 162,8 %. Besonders bemerkenswert war der starke Preisanstieg 2021 (+39,3 %), als die Importpreise aus China von durchschnittlich 2.222 €/t auf 3.096 €/t sprangen. Dieses Ereignis wurde als abnormaler Preisschock mit einer Abnormalität von 14,0 identifiziert. Die chinesischen Lieferungen sind mengenmäßig von 17.748 Tonnen auf 45.563 Tonnen gewachsen, was auf eine zunehmende Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Produzenten hindeutet.

Indien zeigte ein volatileres Muster: Nach einem Anstieg auf 121 Mio. € im Krisenjahr 2022 (bedingt durch hohe Preise von 2.875 €/t bei 41.992 Tonnen) sank der Wert 2025 wieder auf 59 Mio. €. Der Variationskoeffizient der indischen Importmengen beträgt 0,20 — ein mittleres Volatilitätsniveau.

2.4 Der Ukraine-Krieg als Katalysator für Exportverschiebungen

Die Ukraine wurde zu einem stark wachsenden Exportmarkt der EU: Von 23 Mio. € (2015) auf 63 Mio. € (2025), ein Plus von 170,4 %. Mengenmäßig stiegen die Exporte von 8.326 auf 30.339 Tonnen — eine Vervierfachung. Parallel dazu sanken die Exportpreise in die Ukraine von 2.801 €/t auf 2.078 €/t (−25,8 %). Im Jahr 2023 wurde ein abnormaler Preisrückgang von −22,4 % bei gleichzeitig steigenden Mengen (+36,1 % gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt) als Schockereignis identifiziert, was auf eine Verschiebung hin zu günstigeren Produktvarianten oder auf veränderte Wettbewerbsbedingungen im Zuge des Krieges hindeuten könnte.

Gleichzeitig exportierte die EU zunehmend in die USA (+93,3 %, von 59 Mio. € auf 115 Mio. €), was teilweise den Rückgang bei traditionellen Märkten wie dem Vereinigten Königreich (−24,9 %) und Russland (−78,3 %) kompensierte.

2.5 Verschiebung der Exportkonzentration hin zu einer breiteren Basis

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte sank von 1.144 (2015) auf 837 (2025), was einer stärkeren Diversifizierung der Exportmärkte entspricht. Die wichtigsten Exportpartner 2025 waren:

Rang Partnerland Exportwert Veränderung zu 2015
1 Vereinigtes Königreich 224 Mio. € −24,9 %
2 Türkei 105 Mio. € +30,6 %
3 USA 115 Mio. € +93,3 %
4 Schweiz 80 Mio. € −4,0 %
5 China 65 Mio. € +9,9 %
6 Ukraine 63 Mio. € +170,4 %

Quelle: Handelspartner (Exporte)

Im Gegensatz dazu stieg der HHI für Importe von 1.206 auf 1.596 — die Importe konzentrieren sich zunehmend auf weniger Lieferanten, allen voran die Türkei.

Quelle: Konzentration (HHI)


3. Intra-EU-Strukturwandel und Produktsegmentverschiebungen

3.1 Deutschland konsolidiert seine Rolle als Handelsdrehscheibe

Innerhalb der EU blieb Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelsakteur. Deutschland exportierte 2025 Polypropylen-Folien im Wert von 363 Mio. € (34 % aller EU-Exporte) und importierte 209 Mio. € (18 % aller EU-Importe). Die deutschen Exporte wuchsen um 8,7 %, die Importe um 5,9 %. Deutschland wies mit einem RCA-Wert von 1,02 und einem RSCA von 0,008 eine nahezu neutrale Spezialisierung auf — der Markt ist im Gleichgewicht.

3.2 Italien und Portugal als spezialisierte Produzenten

Italien zeigte mit einem RCA von 2,28 und einem RSCA von 0,39 eine deutliche Exportkomparativ in diesem Segment. Der italienische Produktionsanteil an der EU-Gesamtproduktion beträgt 18,3 %, obwohl Italiens Anteil am EU-Gesamthandel nur 8,0 % ausmacht. Die italienischen Importe stiegen dabei besonders stark um 60,3 % (von 119 Mio. € auf 192 Mio. €), was auf eine wachsende inländische Nachfrage bei gleichzeitig steigender Exportorientierung hindeutet.

Portugal und Bulgarien sind die am stärksten spezialisierten EU-Mitgliedstaaten mit RSCA-Werten von 0,77 bzw. 0,76. Portugal produziert 10,7 % der EU-Gesamtmenge bei einem Anteil am Gesamthandel von lediglich 1,4 % — ein klares Zeichen für eine exportorientierte Produktionsbasis.

3.3 Belgiens dramatischer Exportrückgang

Belgiens Exporte brachen von 162 Mio. € (2015) auf nur noch 51 Mio. € (2025) ein — ein Rückgang von 68,7 %. Dieser drastische Einbruch machte Belgien vom drittgrößten EU-Exporteur zum fünftgrößten. Die Ursachen könnten in Produktionsverlagerungen, Standortentscheidungen multinationaler Unternehmen oder veränderten Handelsrouten liegen. Parallel dazu stiegen Belgiens Importe um 27,0 % von 46 Mio. € auf 58 Mio. €, was Belgiens Positionierung als Handelsdrehscheibe zunehmend unter Druck bringt.

3.4 BOPP-Folien dominieren das Importwachstum

Die Produktsegmentanalyse zeigt, dass biaxial orientierte Polypropylenfolien (BOPP, CN 39202021) das mit Abstand größte Segment darstellen. Im Import machten BOPP-Folien 2025 rund 67 % des Gesamtwerts aus (769 Mio. € bei 274.602 Tonnen). Das Segment wuchs mengenmäßig um 15,7 % (von 237.356 auf 274.602 Tonnen) und im Wert um 36,5 %.

Segment Importmenge 2015 Importmenge 2025 Veränderung
39202021 (BOPP, ≤ 0,10 mm) 237.356 t 274.602 t +15,7 %
39202080 (> 0,10 mm) 39.103 t 66.451 t +69,9 %
39202029 (andere ≤ 0,10 mm) 27.027 t 38.484 t +42,4 %

Besonders bemerkenswert ist das Wachstum des Segments 39202080 (Platten und Folien über 0,10 mm Dicke), das mengenmäßig um fast 70 % stieg. Dies deutet auf eine wachsende Nachfrage nach dickeren Polypropylen-Materialien hin, möglicherweise bedingt durch Anwendungen in der Automobilindustrie oder im Bauwesen.

Auf der Exportseite ist die Struktur ähnlich, wobei die BOPP-Exportmengen leicht rückläufig waren (von 215.174 auf 163.108 Tonnen, −24,2 %), während die Exporte dickerer Folien stabil blieben.

Quelle: Produktsegmente

3.5 Preis-Schocks als strukturelle Herausforderung

Die Volatilitätsanalyse identifizierte mehrere signifikante Preisschocks im Untersuchungszeitraum:

Schock Land Typ Jahr Preisänderung Abnormalität
Import-Preisschock China Preis 2021 +39,3 % 14,0
Export-Preisschock Algerien Preis 2021 +29,5 % 21,5
Export-Preisschock Kanada Preis 2022 +57,5 % 8,7
Import-Schock Russland Supply exit 2023 −99,9 % Mengenrückgang 4,3

Die Häufung von Preisschocks im Zeitraum 2021–2022 korreliert mit der globalen Energiekrise und den Supply-Chain-Störungen nach der COVID-19-Pandemie. Polypropylen ist ein petrochemisches Produkt, und die Rohölpreisentwicklung spiegelt sich unmittelbar in den Handelspreisen wider. Die EU-Produktionspreise stiegen von 2,83 €/kg (2015) auf 2,89 €/kg (2025), mit einem Spitzenwert von 3,26 €/kg im Krisenjahr 2022.


Schlussfolgerung

Die EU hat sich im Zeitraum 2015–2025 von einem Überschussmarkt für Polypropylen-Folien und -Platten zu einem Markt im Gleichgewicht entwickelt. Dieser Strukturwandel wurde durch drei Hauptfaktoren getrieben:

Erstens führte das rasche Wachstum der Importe (+40,4 %) — insbesondere aus der Türkei, China und Indien — zu einer Verschiebung der Handelsbilanz. Die Importe wuchsen dabei sowohl mengen- als auch preisbedingt, was auf eine gestiegene globale Wettbewerbsfähigkeit außereuropäischer Produzenten hindeutet.

Zweitens veränderten geopolitische Ereignisse die Handelslandschaft nachhaltig. Der russische Markt brach für die EU vollständig weg, sowohl als Lieferant als auch als Abnehmer. Diese Lücke wurde teilweise durch das Wachstum bei der Ukraine (+170 % Exporte), den USA (+93 %) und der Türkei (+31 %) kompensiert, allerdings zu deutlich höheren Preisen und geringeren Volumina.

Drittens zeigt sich innerhalb der EU eine zunehmende Spezialisierung: Deutschland und Italien festigten ihre Rolle als Produktions- und Exportzentren, während kleinere Mitgliedstaaten wie Portugal und Bulgarien trotz ihres geringen Gesamthandelsanteils eine hohe Produktionskomparativ aufweisen. Der Verlust Belgiens als drittgrößtem Exporteur unterstreicht die dynamische Neuausrichtung innerhalb des Binnenmarktes.

Die Konzentration der Importe auf weniger Lieferanten (steigender HHI) und die gestiegene Handelsintensität (41,6 %) machen die EU in diesem Segment anfälliger für externe Schocks. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten und der Transformation der petrochemischen Industrie im Zuge der Energiewende wird die Diversifizierung der Lieferketten und die Stärkung der inländischen Wertschöpfung zu einer zentralen Herausforderung für die kommenden Jahre.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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