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Marktentwicklung: Sojabohnen, auch geschrotet (ausg. Samen zur Aussaat) (CN 120190) — 2015–2025

Einleitung

Die Europäische Union ist einer der weltweit größten Importeure von Sojabohnen. Der Zollcode CN 120190 erfasst Sojabohnen und Sojabohnenschrot — ausgenommen Saatgut — und bildet damit den Kern des EU-Futtermittel- und Ölsaatenhandels. Im Beobachtungszeitraum 2015 bis 2025 bewegt sich der jährliche Importwert der EU zwischen rund 4,7 Mrd. EUR (2017) und 8,3 Mrd. EUR (2022), bei einem Exportvolumen, das nur einen Bruchteil davon ausmacht. Die vorliegende Analyse beleuchtet drei zentrale Dynamiken: die strukturelle Importabhängigkeit und deren Preisempfindlichkeit, den tiefgreifenden Wandel in der Zusammensetzung der Lieferantenländer sowie auftretende Preisschocks und Volatilitäten auf den Exportmärkten.


1. Stabile Importvolumina bei stark schwankenden Werten — Die strukturelle Abhängigkeit der EU

Die EU importiert jährlich rund 13–15 Mio. Tonnen Sojabohnen

Das Importvolumen blieb über den gesamten Zeitraum bemerkenswert stabil. Zwischen 2015 und 2025 schwankte die importierte Menge zwischen 12,96 Mio. Tonnen (2017) und 15,06 Mio. Tonnen (2020), wobei 2025 mit 14,21 Mio. Tonnen nur leicht über dem Niveau von 2015 (13,51 Mio. Tonnen) lag (+5,1 %). Dies spiegelt die fundamentale Rolle von Soja als Protein- und Öllieferant in der europäischen Futtermittel- und Lebensmittelindustrie wider.

Der Importwert wurde maßgeblich von globalen Preisschocks getrieben

Während die Mengen relativ konstant blieben, schwankte der Importwert erheblich:

Jahr Importwert (Mrd. EUR) Importmenge (Mio. t) Durchschnittspreis (EUR/t)
2015 4,99 13,51 368,9
2017 4,66 12,96 333,9
2020 5,11 15,06 339,5
2021 6,64 14,62 454,1
2022 8,32 14,00 594,0
2023 7,16 13,30 538,3
2024 6,39 14,64 436,6
2025 5,59 14,21 393,2

Der Durchschnittspreis verdankt seinen Spitzenwert im Jahr 2022 (594,0 EUR/t) den globalen Agrarmarktturbulenzen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und den gestörten Lieferketten nach der COVID-19-Pandemie. Im Vergleich dazu lag der Preis 2017 mit 333,9 EUR/t auf dem niedrigsten Stand des Beobachtungszeitraums.

Das Handelsdefizit bleibt strukturell enorm

Die EU exportierte 2025 Sojabohnen im Wert von lediglich 145,1 Mio. EUR — gegenüber Importen von 5.585 Mio. EUR. Das Handelsdefizit belief sich damit auf −5.440 Mio. EUR und hat sich gegenüber 2015 (−4.899 Mio. EUR) sogar vertieft. Im Krisenjahr 2022 erreichte es mit −8.187 Mio. EUR seinen historischen Höchststand. Die Exporte der EU sind mengenmäßig mit 309.119 Tonnen (2025) marginal und dienen vor allem regionalen Nischenmärkten in Südosteuropa und Nordeuropa.

Die großen EU-Importländer konzentrieren sich auf drei Staaten

Innerhalb der EU werden die Sojabohnenimporte von wenigen Mitgliedstaaten dominiert:

EU-Mitgliedstaat Import 2015 (Mio. EUR) Import 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Niederlande 1.578 1.462 −7,4 %
Spanien 1.305 1.218 −6,7 %
Deutschland 938 936 −0,2 %
Italien 345 855 +148,1 %
Portugal 285 336 +17,9 %
Frankreich 222 302 +36,1 %
Belgien 81 122 +50,6 %

Besonders auffällig ist das Wachstum Italiens, dessen Importe sich von 345 Mio. EUR auf 855 Mio. EUR mehr als verdoppelten, sowie Frankreichs (+36 %). Die Niederlande und Spanien bleiben die mit Abstand größten Importeure, verzeichneten aber leichte Rückgänge.


2. Tektonische Verschiebungen in der Lieferantenlandschaft

Brasilien und die USA dominieren, aber mit wechselnden Anteilen

Die Herkunftsländer der EU-Sojabohnenimporte haben sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verschoben:

Partnerland Import 2015 (Mio. EUR) Import 2025 (Mio. EUR) Veränderung Anteil 2025
Brasilien 1.957 2.297 +17,4 % 41,1 %
USA 1.670 2.186 +30,9 % 39,1 %
Ukraine 135 627 +363,6 % 11,2 %
Kanada 387 352 −9,0 % 6,3 %
Paraguay 429 0 −100,0 % 0,0 %
Uruguay 296 0 −100,0 % 0,0 %
Serbien 24 4 −82,7 % 0,1 %

Brasilien und die USA vereinigten 2025 zusammen rund 80 % aller EU-Sojabohnenimporte auf sich — ein außerordentlich hohes Maß an Konzentration.

Der Aufstieg der Ukraine als dritter Hauptlieferant

Die Ukraine entwickelte sich vom Nischenlieferanten (135 Mio. EUR / 2015) zum drittgrößten Sojabohnenexporteur in die EU (627 Mio. EUR / 2025). Die importierte Menge stieg von 361.504 Tonnen (2015) auf 1.487.849 Tonnen (2025) — eine Vervierfachung. Der Anstieg verlief nahezu kontinuierlich, mit einem besonderen Sprung ab 2022, als die EU im Kontext des Krieges ihre Handelsbeziehungen mit der Ukraine intensivierte und Zolllockerungen gewährte. Dies machte die Ukraine sowohl mengen- als auch wertmäßig zum am stärksten wachsenden Lieferanten.

Paraguay und Uruguay sind als EU-Lieferanten praktisch verschwunden

Ebenso bemerkenswert wie der Aufstieg der Ukraine ist der vollständige Rückgang der Lieferungen aus Paraguay und Uruguay. Paraguay exportierte 2015 noch Sojabohnen im Wert von 429 Mio. EUR (1,13 Mio. Tonnen) in die EU — 2025 waren es lediglich 1.429 EUR. Uruguay sank von 296 Mio. EUR (815.978 Tonnen) auf 398 EUR. Beide südamerikanischen Länder sind als EU-Lieferanten praktisch vom Markt verschwunden. Die Gründe hierfür liegen vermutlich in der verstärkten Ausrichtung dieser Länder auf den asiatischen Markt (insbesondere China) sowie in wettbewerbsbedingten Verlagerungen der Handelsströme.

Togo als neuer afrikanischer Akteur

Ein kleinerer, aber bemerkenswerter Trend ist das Auftreten Togos als Sojabohnenlieferant. Die EU importierte 2015 Sojabohnen im Wert von 5,8 Mio. EUR aus Togo; 2022 erreichten die Lieferungen mit 102,3 Mio. EUR ihren Höchststand, bevor sie 2025 auf 52,2 Mio. EUR zurückgingen. Togo fungiert hierbei vermutlich als Transit- und Umschlagplatz für westafrikanische Sojabohnenproduktion.

Die Exportkonzentration der EU hat sich deutlich verschärft

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importe stieg von 2.840 (2015) auf 3.391 (2025, +19,4 %), was eine zunehmende Konzentration auf wenige Lieferanten signalisiert. Auf der Exportseite war der Anstieg noch steiler: Der HHI kletterte von 2.270 auf 3.580 (+57,7 %), was darauf hindeutet, dass die EU-Exporte zunehmend auf wenige Zielmärkten — vor allem Serbien und Norwegen — konzentriert sind.

Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Gemäß dem Spezialisierungsindex (RSCA) weisen folgende EU-Staaten 2025 die höchste komparative Exportvorteile bei Sojabohnen auf:

Land RSCA RCA Anteil am EU-Sojaexport
Slowenien 0,685 5,34 1,0 %
Kroatien 0,600 3,99 0,4 %
Slowakei 0,540 3,35 2,1 %
Rumänien 0,444 2,60 1,7 %
Ungarn 0,440 2,57 2,7 %

Es handelt sich dabei um mittel- und südosteuropäische Staaten mit wachsender einheimischer Sojaproduktion. Die Niederlande (RSCA: 0,416) spielen als Handelsdrehscheibe ebenfalls eine Rolle. Grosse Volkswirtschaften wie Deutschland (RSCA: −0,723), Spanien (−0,650) und Italien (−0,496) sind hingegen klar netto-importorientiert.


3. Preisschocks, Volatilität und regionale Handelsverschiebungen auf den Exportmärkten

Die EU-Exportmärkte sind klein, konzentriert und volatil

Die EU-Exporte von Sojabohnen (CN 120190) sind mengenmäßig gering, weisen aber bei einzelnen Handelspartnern extreme Schwankungen auf. Die wichtigsten Exportziele der EU im Jahr 2025:

Zielland Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung gg. 2015 Variationskoeffizient (Menge)
Serbien 81,6 +145,1 % 0,91
Norwegen 23,6 +8.064 % 1,74
Vereinigtes Königreich 9,3 −40,1 % 0,50
Schweiz 6,6 +40,2 % 0,31

Norwegen verzeichnete das spektakulärste Wachstum: von lediglich 289.173 EUR (2015) auf 23,6 Mio. EUR (2025). Die Exportmengen dorthin blieben jedoch hochgradig instabil (CV = 1,74) und konzentrierten sich auf einzelne Jahre (2021: 30.920 Tonnen; 2024: 72.950 Tonnen; 2025: 49.044 Tonnen).

Ein drastischer Preisschock bei Serbien-Exporten im Jahr 2020

Das markanteste Schockereignis im Beobachtungszeitraum betraf die EU-Exporte nach Serbien im Jahr 2020:

  • Der Durchschnittspreis explodierte auf 2.041 EUR/t — 577 % über dem Basiswert von 354 EUR/t (2018–2019).
  • Gleichzeitig brach die exportierte Menge auf nur 8,95 Tonnen ein (0,2 % des Basiswerts von 5.092 Tonnen).
  • Die Abnormalität wurde mit 55,9 bewertet, die Wertverschiebung betrug +476,7 %.

Dieses Muster deutet auf eine hochpreisige Einzellieferung oder eine Nischenanwendung hin — möglicherweise Spezialitäten oder verarbeitete Sojaprodukte —, die aufgrund des extremen Preis-Mengen-Gefälles als Ausreißer zu werten ist. In den Folgejahren (2021–2025) erholten sich sowohl Volumina als auch Preise, wobei der Serbien-Export 2024 mit 97,0 Mio. EUR und 216.057 Tonnen seinen Höchststand erreichte.

Preisanstieg bei Exporten ins Vereinigte Königreich

Ein weiterer signifikanter Preisschock trat 2021 bei den EU-Exporten ins Vereinigte Königreich auf:

  • Der Preis stieg von 441 EUR/t (Basis 2019–2020) auf 815 EUR/t (+85 %).
  • Die Menge sank gleichzeitig von 41.886 Tonnen auf 12.334 Tonnen (−70,6 %).
  • Der Abnormalitätswert lag bei 9,5.

Dieses Ereignis fällt zeitlich mit den Handelsanpassungen nach dem Brexit und den globalen Preissteigerungen bei Agrarrohstoffen zusammen. Der Preis blieb auch in den Folgejahren auf erhöhtem Niveau (2024: 1.005 EUR/t; 2025: 934 EUR/t), während die Mengen nicht mehr auf das Vorkrisenniveau zurückkehrten.

Hohe Volatilität bei Lieferanten aus Südamerika und Afrika

Die mengenbasierte Volatilität der Importe variiert erheblich zwischen den Lieferanten:

Lieferant Variationskoeffizient (Menge) Einordnung
Vereinigtes Königreich 1,53 Sehr hoch
Paraguay 1,40 Sehr hoch
Uruguay 1,35 Sehr hoch
Serbien 0,92 Hoch
Indien 0,89 Hoch
Argentinien 0,87 Hoch
Togo 0,67 Mittel
Ukraine 0,53 Mittel
China 0,35 Moderat
Kanada 0,25 Moderat
Brasilien 0,22 Moderat
USA 0,17 Niedrig

Brasilien und die USA zeichnen sich durch die niedrigste Volatilität aus — ein Indikator für stabile, großvolumige Handelsbeziehungen. Demgegenüber stehen Lieferanten wie Paraguay und Uruguay, deren Lieferungen zwar inzwischen zum Erliegen gekommen sind, über den Gesamtzeitraum aber extreme Schwankungen aufwiesen. Die Ukraine zeigt trotz starken Wachstums eine moderate Volatilität (CV = 0,53), was auf eine zunehmend verlässliche Lieferbasis hindeutet.


Schlussbetrachtung

Der EU-Markt für Sojabohnen (CN 120190) ist zwischen 2015 und 2025 von drei prägenden Entwicklungen gekennzeichnet: Erstens bleibt die EU trotz leichter Volumenschwankungen strukturell hochgradig importabhängig, wobei der Marktwert stark durch globale Preiszyklen — insbesondere den Preisschock 2021/2022 — getrieben wird. Zweitens hat sich die Lieferantenlandschaft tektonisch verschoben: Paraguay und Uruguay sind als Quellen praktisch verschwunden, während die Ukraine mit einer Verdreifachung der Importwerte zum dritten Hauptlieferanten aufstieg. Brasilien und die USA dominieren weiterhin mit zusammen 80 % der EU-Importe. Drittens zeigen die EU-Exportmärkte zwar ein beachtliches Wachstum bei einzelnen Partnern (Serbien, Norwegen), bleiben aber mengenmäßig marginal und preislich hochvolatil.

Die zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Lieferantenländer (steigender HHI) sowie die anhaltende Abhängigkeit von transatlantischen und südamerikanischen Lieferketten stellen die EU vor die Herausforderung, ihre Versorgungssicherheit und Handelsresilienz langfristig zu sichern. Der Ausbau der einheimischen Sojaproduktion — wie er sich in den Spezialisierungsdaten osteuropäischer Mitgliedstaaten andeutet — sowie die Diversifierung der Bezugsquellen könnten hier als strategische Antworten dienen.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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