Marktentwicklung: Schuhoberteile "auch an Sohlen befestigt, nicht jedoch an Laufsohlen" und Teile davon (ausg. Verstärkungen sowie allgemein Teile aus Asbest) (CN 640610) — 2015–2025
Einleitung
Der vorliegende Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Schuhoberteilen und Teilen davon (KN-Code 640610) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Diese Warengruppe umfasst sowohl Schuhoberteile aus Leder (64061010) als auch solche aus anderen Materialien (64061090) und bildet einen zentralen Vorleistungssektor der europäischen Schuhindustrie. Die Analyse basiert auf Handelsdaten der EU gegenüber Drittländern und berücksichtigt Werte, Mengen, Preise, Partnerländerstrukturen sowie makroökonomische Vulnerabilitätsindikatoren.
Eine detaillierte Produktübersicht finden Sie unter Scope & Definitions.
1. Steigende Werte bei sinkenden Mengen: Eine strukturelle Preisanhebung prägt den EU-Handel
Der EU-Importmarkt zeigt ein ambivalentes Bild aus Wertwachstum und Mengenrückgang
Die EU-Importe von Schuhoberteilen entwickelten sich im Betrachtungszeitraum keineswegs homogen. Der Einfuhrwert stieg von 839,98 Mio. Euro im Jahr 2015 auf 1,036 Mrd. Euro im Jahr 2025, was einer Zunahme von 23,3 Prozent entspricht. Gleichzeitig sank die importierte Menge von 25.435 auf 22.464 Tonnen, ein Rückgang um 11,7 Prozent. Der durchschnittliche Importpreis legte dementsprechend von 33.025 Euro pro Tonne auf 46.104 Euro pro Tonne zu, eine Steigerung um 39,6 Prozent. Die höchsten Importwerte wurden mit 1,234 Mrd. Euro im Jahr 2022 verzeichnet, gefolgt von einem leichten Rückgang in den Jahren 2023 bis 2025.
| Kennzahl | 2015 | 2020 | 2022 | 2025 | Veränderung 2015–2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. Euro) | 840,0 | 846,0 | 1.233,5 | 1.035,7 | +23,3 % |
| Importmenge (t) | 25.435 | 22.996 | 29.682 | 22.464 | −11,7 % |
| Importpreis (Euro/t) | 33.025 | 36.801 | 41.560 | 46.104 | +39,6 % |
Auch die EU-Ausfuhren verteuerten sich merklich
Die EU exportierte im Jahr 2015 Schuhoberteile im Wert von 113,58 Mio. Euro und erreichte 2025 einen Wert von 163,89 Mio. Euro, was einem Plus von 44,3 Prozent entspricht. Die exportierte Menge fiel jedoch von 4.994 Tonnen auf 4.525 Tonnen, ein Minus von 9,4 Prozent. Der Exportpreis erhöhte sich von 22.744 Euro pro Tonne auf 36.211 Euro pro Tonne, eine Zunahme um 59,2 Prozent. Es fällt auf, dass die Exportpreisentwicklung die Importpreisentwicklung sogar noch übertraf, was auf eine qualitative Aufwertung der EU-Ausfuhren hindeuten könnte. Dennoch blieb das Handelsbilanzdefizit erheblich: es verschlechterte sich von minus 726,4 Mio. Euro im Jahr 2015 auf minus 871,8 Mio. Euro im Jahr 2025.
| Kennzahl | 2015 | 2020 | 2022 | 2025 | Veränderung 2015–2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. Euro) | 113,6 | 107,6 | 175,2 | 163,9 | +44,3 % |
| Exportmenge (t) | 4.994 | 4.061 | 5.950 | 4.525 | −9,4 % |
| Exportpreis (Euro/t) | 22.744 | 26.515 | 29.438 | 36.211 | +59,2 % |
| Handelsbilanz (Mio. Euro) | −726,4 | −738,4 | −1.058,4 | −871,8 | −20,0 % |
Weitere Handelsübersichten stehen unter General Overview bereit.
Der Coronavirus-Schock von 2020 hinterließ deutliche Spuren
Das Jahr 2020 markiert einen deutlichen Einschnitt: Sowohl Importe als auch Exporte brachen mengenmäßig ein. Die importierte Menge sank auf 22.996 Tonnen, den niedrigsten Wert im gesamten Zeitraum, und auch die exportierte Menge fiel auf 4.061 Tonnen. Der Importwert sank auf 846,0 Mio. Euro und näherte sich damit dem Niveau von 2015. Die Erholung erfolgte bereits 2021 mit einem sprunghaften Anstieg der Importe auf 973,1 Mio. Euro, bevor 2022 mit 1.234 Mrd. Euro ein Rekordhoch erreicht wurde. Die Erholung bei den Exporten verlief langsamer und blieb unter dem Niveau von 2018 und 2019.
2. Nahost- und Osteuropa als Lieferanten dominieren, während die Abhängigkeit von traditionellen Partnern teilweise sinkt
Indien, Albanien und Vietnam bilden die Drehscheibe der EU-Zulieferung
Die EU bezieht Schuhoberteile aus einer Reihe von Drittländern, wobei sich die Zusammensetzung der Hauptlieferanten im Zeitverlauf veränderte. Indien war 2015 mit 152,4 Mio. Euro das wichtigste Importland und blieb dies auch 2025 mit 158,7 Mio. Euro, ein bescheidenes Wachstum von nur 4,1 Prozent. Albanien wuchs von 108,4 Mio. Euro auf 131,5 Mio. Euro (+21,3 Prozent). Vietnam hingegen verzeichnete das stärkste Wachstum unter den Top-Lieferanten: von 88,9 Mio. Euro auf 146,5 Mio. Euro, ein Plus von 64,8 Prozent. Tunesien entwickelte sich ähnlich dynamisch von 93,9 Mio. Euro auf 148,7 Mio. Euro (+58,4 Prozent).
| Partnerland | Importwert 2015 (Mio. Euro) | Importwert 2025 (Mio. Euro) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Indien | 152,4 | 158,7 | +4,1 % |
| Tunesien | 93,9 | 148,7 | +58,4 % |
| Vietnam | 88,9 | 146,5 | +64,8 % |
| Albanien | 108,4 | 131,5 | +21,3 % |
| Bosnien und Herzegowina | 76,0 | 88,0 | +15,8 % |
| Marokko | 47,8 | 52,6 | +10,1 % |
| Ukraine | 45,0 | 28,6 | −36,3 % |
Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sind handelsstatistisch sichtbar
Besonders auffällig ist der Rückgang der EU-Importe aus der Ukraine. Zwischen 2015 und 2021 stiegen diese noch moderat von 45,0 Mio. Euro auf 50,0 Mio. Euro an. Ab 2022, dem Beginn des russischen Angriffskriegs, sanken sie drastisch auf 35,1 Mio. Euro und erreichten mit 24,8 Mio. Euro im Jahr 2024 den Tiefststand. Auch die Mengenentwicklung zeigt einen kontinuierlichen Rückgang von 2.738 Tonnen auf 843 Tonnen im Jahr 2025. Bosnien und Herzegowina verzeichnete ebenfalls einen deutlichen Rückgang der EU-Importe von ihrem Höchststand mit 164,7 Mio. Euro im Jahr 2023 auf 88,0 Mio. Euro im Jahr 2025, was einen Rückgang um 46,6 Prozent bedeutet.
Die EU-Exportmärkte sind stärker konzentriert als die Importstruktur
Auf der Exportseite konzentrieren sich die EU-Ausfuhren in noch stärkerem Maße auf wenige Partnerländer. Tunesien und Marokko sind die mit Abstand wichtigsten Exportziele mit zusammen rund 115,7 Mio. Euro im Jahr 2025, was etwa 70,6 Prozent des Gesamtwerts der EU-Drittländer-Exporte entspricht. Marokko verzeichnete mit einem Anstieg von 22,9 Mio. Euro auf 47,1 Mio. Euro das stärkste Wachstum aller Exportpartner (+105,2 Prozent). Albanien folgt als drittwichtigstes Exportziel mit 18,8 Mio. Euro, einem Plus von 47,9 Prozent gegenüber 2015.
| Exportpartner | Exportwert 2015 (Mio. Euro) | Exportwert 2025 (Mio. Euro) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Marokko | 22,9 | 47,1 | +105,2 % |
| Tunesien | 41,4 | 58,6 | +41,5 % |
| Albanien | 12,7 | 18,8 | +47,9 % |
| Bosnien und Herzegowina | 8,8 | 10,2 | +15,6 % |
| Serbien | 7,5 | 9,7 | +29,1 % |
| Ukraine | 5,0 | 3,3 | −33,5 % |
| Moldau | 1,3 | 0,3 | −79,8 % |
Italien ist innerhalb der EU der dominierende Importeur
Unter den EU-Mitgliedstaaten war Italien mit Abstand der größte Importeur von Schuhoberteilen aus Drittländern. Der italienische Importwert belief sich 2025 auf 440,0 Mio. Euro, nach 327,3 Mio. Euro im Jahr 2015, was einer Zunahme von 34,5 Prozent entspricht. Italien damit für rund 42,5 Prozent der EU-Gesamtimporte verantwortlich. Deutschland stieg von 89,9 Mio. Euro auf 144,2 Mio. Euro und übernahm damit den zweiten Rang, den zuvor die Slowakei mit 106,9 Mio. Euro (2015) innehatte. Die Slowakei fiel hingegen auf 98,7 Mio. Euro zurück. Rumänien verlor mit einem Rückgang von 51,5 Mio. Euro auf 28,3 Mio. Euro (−45,0 Prozent) an Bedeutung, was den allgemeinen Abbau von Schuhproduktionskapazitäten in dem Land widerspiegeln dürfte.
Detaillierte Partnerländeranalysen finden Sie unter Top Partners und Top Reporters.
3. Wachsende Importabhängigkeit und Fragilität einzelner Lieferketten kennzeichnen die Marktlage
Die Nettostrom-Importabhängigkeit der EU hat sich fast verdoppelt
Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist der starke Anstieg der Nettostrom-Importabhängigkeit der EU bei diesem Produkt. Der entsprechende Indikator stieg von 31,6 Prozent im Jahr 2015 auf 52,3 Prozent im Jahr 2025, was einer Zunahme von 65,6 Prozent entspricht. Dies bedeutet, dass die EU im Laufe des Jahrzehnts ihre Eigenproduktion von Schuhoberteilen zunehmend durch Importe ersetzte. Die EU-Produktionswerte zeigen einen langfristigen Rückgang von 1,323 Mrd. Euro im Jahr 2015 auf 810 Mio. Euro im Jahr 2024, eine Reduktion um etwa 30,6 Prozent. Damit steigt die strukturelle Verflechtung mit Drittlandlieferanten kontinuierlich an.
| Indikator | 2015 | 2019 | 2022 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|
| Nettostrom-Importabhängigkeit (%) | 31,6 | 38,7 | 49,6 | 52,3 | +65,6 % |
| Exportquote (%) | 7,9 | 10,3 | 16,3 | 20,6 | +159,9 % |
Preisschwankungen bei Schlüssellieferanten schaffen zusätzliche Unsicherheiten
Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass einzelne Lieferanten eine überdurchschnittliche Schwankungsintensität aufweisen. Für die Ukraine beträgt der Variationskoeffizient der Importmengen 0,42, was auf erhebliche Instabilität hindeutet. Bosnien und Herzegowina weist einen Wert von 0,23 auf, Brasilien sogar von 0,73. Zwei markante Preisschocks wurden im Untersuchungszeitraum identifiziert. Beim Import aus Marokko sank der Preis im Jahr 2020 um 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt, verbunden mit einem ebenfalls rückläufigen Mengenanteil. Dieses Muster deutet auf die besondere Verwundbarkeit der Lieferkette gegenüber dem pandemiebedingten Nachfrageeinbruch hin. Beim Import aus Vietnam wurde 2018 ein abnormaler Preisanstieg von 14,1 Prozent gegenüber der Basislinie festgestellt, der sich in den Folgejahren bei einem Preisniveau von über 121 Prozent der Basislinie fortsetzte.
Rumänien und Bulgarien zeigen eine hohe Spezialisierung auf dieses Segment
Die Analyse der komparativen Vorteile im Jahr 2025 zeigt ein klar differenziertes Bild innerhalb der EU. Rumänien weist mit einem RCA-Wert von 23,59 und einem RSCA-Wert von 0,92 die höchste Spezialisierung unter allen Mitgliedstaaten auf. Bulgarien folgt mit einem RSCA von 0,90 und Kroatien mit 0,88. Diese drei Länder haben jeweils einen Anteil von 39,4 Prozent, 11,5 Prozent bzw. 6,5 Prozent an der EU-Produktion in diesem Segment. Demgegenüber stehen Länder wie Irland (RSCA: −1,00), Finnland (RSCA: −1,00) und Schweden (RSCA: −1,00) am anderen Ende der Skala. Portugal (RSCA: 0,48) und Österreich (RSCA: 0,27) bilden eine mittlere Gruppe mit nennenswerter, aber nicht überproportionaler Spezialisierung.
| EU-Mitgliedstaat | RSCA | RCA | Produktionsanteil |
|---|---|---|---|
| Rumänien | 0,92 | 23,59 | 39,4 % |
| Bulgarien | 0,90 | 18,23 | 11,5 % |
| Kroatien | 0,88 | 16,01 | 6,5 % |
| Portugal | 0,48 | 2,87 | 4,0 % |
| Österreich | 0,27 | 1,75 | 5,8 % |
| Italien | 0,01 | 1,02 | 8,2 % |
| Deutschland | −0,15 | 0,73 | 15,5 % |
Lederoberteile dominieren die Importstruktur, nicht-lederne Segmente wachsen schneller
Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt, dass Schuhoberteile aus Leder (64061010) sowohl mengen- als auch wertmäßig den größten Teil der EU-Importe ausmachen. Im Jahr 2025 lag der Importwert bei 709,2 Mio. Euro und die Menge bei 14.069 Tonnen. Das Wachstum des Preises war jedoch moderat von 36.201 Euro pro Tonne auf 50.404 Euro pro Tonne, entsprechend +39,2 Prozent. Der Anteil der nicht-ledernen Schuhoberteile (64061090) stieg im gleichen Zeitraum von 117,8 Mio. Euro auf 326,1 Mio. Euro, was einer Zunahme von 176,8 Prozent und damit einem überproportionalen Wachstum entspricht. Im Exportbereich dominierten 2025 die nicht-ledernen Erzeugnisse mit 95,5 Mio. Euro gegenüber 68,4 Mio. Euro für Lederoberteile.
Weitere Segmentdetails stehen unter Product Segment Breakdown zur Verfügung. Konzentrationsindikatoren finden Sie unter Concentration HHI und Vulnerabilitätskennzahlen unter Net Import Reliance.
Schlussfolgerung
Die Analyse des EU-Handels mit Schuhoberteilen (KN 640610) im Zeitraum von 2015 bis 2025 offenbart einen Markt im tiefgreifenden Strukturwandel. Die drei zentralen Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Erstens vollzog sich eine deutliche qualitative Verschiebung: Während die Handelsmengen sowohl bei Importen als auch bei Exporten rückläufig waren, stiegen die Werte und insbesondere die Preise erheblich an. Dies deutet auf eine Verlagerung hin zu hochwertigeren Erzeugnissen oder auf inflationsbedingte Kostensteigerungen in den Lieferketten hin.
Zweitens hat sich die geographische Struktur der Handelsbeziehungen verschoben. Vietnam und Tunesien gewannen als Importquellen erheblich an Bedeutung, während die Ukraine als Folge des Krieges an Relevanz verlor. Auf der Exportseite entwickelte sich Marokko zum dynamischsten Wachstumsmarkt. Innerhalb der EU verschob sich die Importdominanz klar zugunsten Italiens und Deutschlands, während Rumänien seine Rolle als Spezialisierungsstandort trotz sinkender Gesamtproduktion beibehielt.
Drittens ist die strukturelle Abhängigkeit der EU von Drittlandimporten signifikant gestiegen. Mit einer Nettostrom-Importabhängigkeit von über 52 Prozent im Jahr 2025 und einer EU-Produktion, die gegenüber 2019 um mehr als 40 Prozent eingebrochen ist, ergibt sich eine erhöhte Vulnerabilität gegenüber externen Schocks. Die identifizierten Preisschocks bei Lieferanten wie Marokko und Vietnam verdeutlichen, dass sowohl pandemiebedingte Nachfrageeinbrüche als auch Lieferantenpreisanpassungen den Markt substanziell beeinflussen können.