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Marktentwicklung: Schuhoberteile (CN 640610) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 640610 umfasst Schuhoberteile, die auch an Sohlen befestigt sind, jedoch nicht an Laufsohlen, sowie Teile davon — ausgenommen Verstärkungen und Asbestbestandteile. Dieses Produktsegment bildet eine wesentliche Vorstufe in der europäischen Schuhherstellung und ist eng mit den globalen Wertschöpfungsketten der Schuhindustrie verflochten. Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025 und beleuchtet die wichtigsten strukturellen Veränderungen, Preis- und Volumendynamiken sowie strategische Verschiebungen in der Liefergeografie. (Übersicht Dashboard)


1. Struktureller Bedeutungswandel: Vom Leder- zum Nicht-Leder-Oberteil

Der Lederanteil an den Importen schrumpft dramatisch

Die Segmentaufschlüsselung offenbart eine fundamentale Verschiebung in der Produktzusammensetzung. Während die Einfuhren von Schuhoberteilen aus Leder (CN 64061010) mengenmäßig von 19.948 Tonnen (2015) auf 14.069 Tonnen (2025) sanken — ein Rückgang von 29,5 % —, wuchsen die Einfuhren nicht-lederner Oberteile (CN 64061090) von 5.486 auf 8.390 Tonnen (+52,9 %).

Segment Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Veränderung Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
64061010 (Leder) 19.948 14.069 −29,5 % 722,2 709,2 −1,8 %
64061090 (sonstige) 5.486 8.390 +52,9 % 117,8 326,1 +176,8 %

(Produktvergleich)

Die EU-Produktion von Schuhoberteilen verliert an Volumen

Die heimische Produktionsentwicklung spiegelt diesen Wandel wider. Der Produktionswert sank von 1.168 Mio. EUR (2015) auf 810 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 30,6 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2017 mit 1.446 Mio. EUR erreicht, bevor ein anhaltender Rückgang einsetzte. Die europäische Schuhoberteil-Produktion verliert somit kontinuierlich an Gewicht — ein Trend, der mit der Verlagerung von Fertigungsstufen in Niedriglohnländer zusammenhängt.

(Produktionsvolumen)

Nicht-lederne Oberteile treiben den Wertanstieg im Export

Auch auf der Exportseite vollzieht sich derselbe Strukturwandel. Die Ausfuhren nicht-lederner Oberteile (64061090) stiegen von 30,7 Mio. EUR auf 95,5 Mio. EUR (+211 %), während die Leder-Oberteil-Exporte von 82,9 Mio. EUR auf 68,4 Mio. EUR (−17,5 %) fielen. Dies deutet auf eine verstärkte Einbindung osteuropäischer EU-Mitgliedstaaten in Lieferketten für synthetische und textile Oberteile hin.


2. Globale Preisanhebung trotz mengenmäßiger Kontraktion

Die Preise steigen über alle Handelsströme hinweg deutlich an

Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist die durchgängige Preiserhöhung sowohl bei Importen als auch bei Exporten — und zwar stärker als das Mengenwachstum. Die durchschnittlichen Importpreise stiegen von 33.025 EUR/t auf 46.104 EUR/t (+39,6 %), die Exportpreise sogar von 22.746 EUR/t auf 36.220 EUR/t (+59,2 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importpreis (EUR/t) 33.025 46.104 +39,6 %
Exportpreis (EUR/t) 22.746 36.220 +59,2 %
Importvolumen (t) 25.435 22.464 −11,7 %
Exportvolumen (t) 4.994 4.525 −9,4 %
Importwert (Mio. EUR) 840,0 1.035,7 +23,3 %
Exportwert (Mio. EUR) 113,6 163,9 +44,3 %

(Handelsübersicht)

Die Preisdynamik innerhalb der Segmente zeigt Premiumisierungseffekte

Besonders auffällig ist die Preisentwicklung im Ledersegment: Die Importpreise für Leder-Oberteile (64061010) stiegen von 36.201 EUR/t auf 50.404 EUR/t (+39,2 %), bei gleichzeitigem Mengenrückgang. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren, teureren Lederoberteilen — eine sogenannte Premiumisierung — oder auf generelle Kostensteigerungen in der Lederlieferkette. Auch im Nicht-Leder-Segment lag der Preisanstieg mit von 21.477 auf 38.867 EUR/t (+81,0 %) noch deutlich höher.

Der Wertzuwachs übersteigt das Mengenwachstum bei weitem

Trotz rückläufiger Mengen konnten die EU-Importeure den Gesamtwert ihrer Einfuhren um 23,3 % steigern, die Exporte sogar um 44,3 %. Dieses Muster — steigende Werte bei sinkenden Mengen — ist charakteristisch für eine Phase inflationärer Kostendrucks und aufwertender Produktmixe in der globalen Schuhzuliefererindustrie.


3. Nahverlagerung und geopolitische Umorientierung der Lieferketten

Marokko, Tunesien und Albanien gewinnen als Exportmärkte der EU stark an Bedeutung

Auf der Exportseite zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung in Richtung nordafrikanischer und westbalkanischer Partner. Marokko verfünffachte seine EU-Importe von Schuhoberteilen nahezu: von 22,9 Mio. EUR auf 47,1 Mio. EUR (+105,2 %). Tunesien stieg von 41,4 Mio. EUR auf 58,6 Mio. EUR (+41,5 %), Albanien von 12,7 Mio. EUR auf 18,8 Mio. EUR (+47,9 %). Diese drei Länder profitieren offensichtlich von Nearshoring-Strategien europäischer Schuhhersteller, die ihre vorgelagerten Produktionsstufen näher an die Endmontage oder den Endmarkt verlagern.

(Partnerländer)

Vietnam wird zum wichtigsten Wachstumstreiber bei den Importen

Unter den Hauptimportlieferanten der EU ragt Vietnam mit einem Wertanstieg von 88,9 Mio. EUR auf 146,5 Mio. EUR (+64,8 %) besonders hervor. Vietnam hat sich damit vom fünftgrößten zum drittgrößten Importpartner entwickelt. Dies spiegelt die allgemeine Verlagerung von Schuhproduktion nach Südostasien wider — ein Trend, der durch Freihandelsabkommen (z. B. das EU-Vietnam-Freihandelsabkommen, in Kraft seit August 2020) zusätzlich befördert wird.

Ukraine und Moldawien verlieren an Bedeutung — geopolitische Risiken werden sichtbar

Demgegenüber verloren die Ukraine (Importe: −36,3 %, Exporte: −33,5 %) und Moldawien (Exporte: −79,8 %) stark an Bedeutung. Der Ukraine-Rückgang setzte bereits vor 2022 ein, wurde durch den Krieg aber verstärkt. Moldawien zeigt die mit Abstand höchste Exportvolatilität aller Partnerländer (Variationskoeffizient: 0,85), was auf eine fragile Handelsbeziehung hindeutet.

(Volatilitätsanalyse)

Italien dominiert die EU-Binnenverteilung der Importe

Innerhalb der EU ist Italien mit Abstand der größte Importeur von Schuhoberteilen (440 Mio. EUR im Jahr 2025, +34,5 % gegenüber 2015), gefolgt von Deutschland (144 Mio. EUR, +60,4 %). Italiens Dominanz ist konsistent mit seiner Rolle als europäisches Zentrum der Schuh- und Lederwarenproduktion. Bemerkenswert ist Deutschlands Exportanstieg bei Schuhoberteilen — von unter 1 Mio. EUR auf 52 Mio. EUR (+6.040 %) —, was auf eine Neupositionierung deutscher Unternehmen in der Wertschöpfungskette hindeuten könnte.

(EU-Reporterländer)


Fazit

Der Markt für Schuhoberteile (CN 640610) durchlebt zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel auf mehreren Ebenen:

  1. Produktmix-Verschiebung: Der Anteil nicht-lederner Oberteile wächst sowohl bei Importen als auch bei Exporten stark an, während das traditionelle Ledersegment mengenmäßig schrumpft — ein Spiegelbild der Veränderungen in der globalen Schuhmode und -fertigung.

  2. Preisinflation bei Mengenrückgang: Die Handelswerte steigen trotz rückläufiger Volumina, was auf erhebliche Kostensteigerungen und eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten hindeutet. Die Netto-Importabhängigkeit der EU erhöhte sich von 31,6 % auf 52,3 % (+65,6 %).

  3. Geopolitische Neuausrichtung: Die Lieferketten verschieben sich Richtung Nahverlagerung (Marokko, Tunesien, Albanien) und Südostasien (Vietnam), während osteuropäische Partner wie die Ukraine und Moldawien an Bedeutung verlieren. Dies unterstreicht die wachsende Sensibilität der europäischen Schuhzuliefererindustrie gegenüber geopolitischen Risiken und die strategische Neubewertung von Lieferantenbeziehungen.

Insgesamt zeigt die Entwicklung, dass die EU trotz ihrer bestehenden Spezialisierung in ausgewählten Mitgliedstaaten (allen voran Rumänien mit einem RCA von 23,6) zunehmend auf importierte Schuhoberteile angewiesen ist — bei gleichzeitig steigenden Kosten und sich verlagernden Handelsströmen.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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