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Marktentwicklung: Schuhe mit Laufsohlen und Oberteil aus Kautschuk oder Kunststoff, den Knöchel bedeckend (ausg. wasserdichte Schuhe der Pos. 6401, Sportschuhe, orthopädische Schuhe sowie Schuhe mit Spielzeugcharakter) (CN 640291) — 2015–2025

Einleitung

Der Markt für Schuhe mit Laufsohlen und Oberteil aus Kautschuk oder Kunststoff, die den Knöchel bedecken (KN-Code 640291), umfasst Arbeitsschuhe mit Stahlkappen (Unterposition 64029110) sowie sonstige knöchelhohe Schuhe aus Kunststoff oder Kautschuk (64029190). Im Zeitraum 2015–2025 hat die EU in diesem Segment ein deutliches Handelsdefizit aufrechterhalten: Die Einfuhren beliefen sich im Jahr 2025 auf rund 1,028 Mrd. EUR, die Ausfuhren lediglich auf rund 193 Mio. EUR. Der Handelsbilanzsaldo blieb mit ca. −835 Mio. EUR erheblich negativ, wenn auch leicht verbessert gegenüber 2015 (−985 Mio. EUR). Die EU ist in diesem Segment hochgradig importabhängig: Die Nettoimportabhängigkeit stieg im Beobachtungszeitraum von 77,7 % auf 80,6 % an. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Marktdynamiken auf Basis der verfügbaren Handels- und Produktionsdaten und gliedert sich in drei Kernthemen.


1. Strukturwandel der Lieferantenbasis: Von China zu Südostasien und Nordafrika

China bleibt größter Lieferant, verliert aber erheblich an Marktanteil

China war im gesamten Beobachtungszeitraum mit Abstand der wichtigste Lieferant der EU in diesem Segment. Im Jahr 2015 importierte die EU chinesische Schuhe des Typs 640291 im Wert von rund 900 Mio. EUR (Importe nach Partnerländern). Bis 2025 sank dieser Wert jedoch auf rund 677 Mio. EUR – ein Rückgang von 24,7 %. Besonders markant war der Einbruch im Pandemiejahr 2020 auf 623 Mio. EUR, gefolgt von einem temporären Anstieg im Nachholeffekt-Jahr 2022 (1.111 Mio. EUR). Die Mengenentwicklung verlief parallel: Die importierte Menge sank von rund 82.392 Tonnen (2015) auf 67.382 Tonnen (2025). Chinas Anteil an den EU-Gesamtimporten verringerte sich damit über den Zeitraum deutlich.

Myanmar, Bangladesh und Kambodscha als neue Wachstumsmärkte

Gleichzeitig gewannen mehrere süd- und südostasiatische sowie nordafrikanische Lieferanten stark an Bedeutung. Am auffälligsten war die Entwicklung Myanmars: Die EU-Importe stiegen von lediglich 1,5 Mio. EUR (2015) auf 51,1 Mio. EUR (2025) – eine Steigerung von über 3.360 % (Volatilitätsanalyse). Allerdings wies Myanmar mit einem Variationskoeffizienten von 0,91 auch die höchste Mengenvolatilität aller Lieferanten auf – ein Indikator für ein noch junges und instabiles Lieferverhältnis. Bangladesh verzeichnete ein Plus von 173,5 % (von 12,6 Mio. EUR auf 34,5 Mio. EUR), Kambodscha von 113,1 % (von 8,8 Mio. EUR auf 18,8 Mio. EUR). Auch Tunesien und Marokko entwickelten sich zu relevanteren Zulieferern, insbesondere ab 2020.

Lieferant 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 899,7 677,4 −24,7 %
Vietnam 137,7 114,9 −16,6 %
Myanmar 1,5 51,1 +3.359,8 %
Bangladesh 12,6 34,5 +173,5 %
Kambodscha 8,8 18,8 +113,1 %
Türkei 4,9 7,3 +49,3 %
Vereinigtes Königreich 31,4 4,8 −84,6 %

Sinkende Konzentration der Importmärkte

Die Diversifizierung der Lieferantenbasis spiegelt sich auch im Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) wider. Der HHI für Importe nach Wert sank von 6.134 (2015) auf 4.602 (2025) – ein Rückgang von 25 %. Obwohl der Markt weiterhin als moderat konzentriert eingestuft werden kann (der Wert liegt oberhalb von 2.500), signalisiert der Trend eine zunehmende Verbreiterung der Lieferantenstruktur. Die Tabelle der Importpartner zeigt, dass insbesondere die Herkunftsländer Myanmar, Tunesien und Marokko im Zeitraum 2020–2022 stark an Anteilen gewannen, was auf eine geografische Verlagerung der Beschaffungsketten hindeutet.

Der Brexit als Zäsur im Handel mit dem Vereinigten Königreich

Das Vereinigte Königreich stellt einen Sonderfall dar: Als Importquelle verlor es 84,6 % seines Wertes (von 31,4 Mio. EUR auf 4,8 Mio. EUR). Die Mengenvolatilität war mit einem CV von 0,89 ebenfalls sehr hoch. Der dramatische Einbruch vollzog sich ab 2021, als das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem UK in Kraft trat. Gleichzeitig brachen die EU-Exporte in das UK noch stärker ein – von 67,9 Mio. EUR (2015) auf 20,9 Mio. EUR (2025), ein Minus von 69,2 %. Das UK war 2015 das wichtigste Exportziel der EU und verlor diese Position bis 2025 an die Schweiz.


2. Preisentwicklung und realwirtschaftliche Verschiebungen: Weniger Mengen, höhere Werte

Starke Preissteigerungen bei EU-Ausfuhren

Die durchschnittlichen Exportpreise (pro Tonne) der EU stiegen im Beobachtungszeitraum um 70,2 % – von 20.422 EUR/t (2015) auf 34.757 EUR/t (2025) (Gesamtübersicht). Parallel dazu sank die exportierte Menge um 37,0 % (von 8.810 Tonnen auf 5.555 Tonnen). Der Exportwert blieb trotz des Mengenrückgangs nahezu stabil und lag 2025 mit 193 Mio. EUR sogar 7,3 % über dem Niveau von 2015. Dieses Muster – fallende Mengen bei steigenden Werten – deutet auf eine qualitative Aufwertung des EU-Exportsortiments hin, möglicherweise verbunden mit einer Verlagerung hin zu höherwertigen oder spezialisierteren Produkten.

Produktion: Mengenrückgang bei massiver Wertsteigerung

Die EU-Produktionsdaten bestätigen diesen Trend auf Seiten der Herstellung: Die Produktionsmenge sank von rund 34,9 Mio. Paar (2015) auf 28,4 Mio. Paar (2024, letztes verfügbares Jahr) – ein Rückgang von 13,3 %. Gleichzeitig stieg der Produktionswert von 461 Mio. EUR auf 735 Mio. EUR – ein Plus von 196,9 %. Der durchschnittliche Produktionspreis pro Paar erhöhte sich damit von 13,23 EUR (2015) auf 25,91 EUR (2024). Dieser Anstieg übertrifft die allgemeine Inflation und lässt auf eine echte Verschiebung in der Produktmischung oder erhebliche Kostenerhöhungen schließen.

Importpreise relativ stabil, aber mit deutlichen Unterschieden je Herkunftsland

Die durchschnittlichen Importpreise der EU blieben mit 11.946 EUR/t (2015) bzw. 11.525 EUR/t (2025) weitgehend stabil (−3,5 %). Allerdings variierten die Preise je nach Herkunftsland erheblich. Die Preisanalyse nach Unterpositionen zeigt zudem, dass Arbeitsschuhe mit Stahlkappen (64029110) im Export mit 33.442 EUR/Paar (2025) deutlich höhere Preise erzielten als die Standardvariante 64029190 (34.960 EUR/t), wobei die Preisentwicklung bei beiden Segmenten stetig nach oben verlief.

Preis-Schocks bei Schlüsselhandelspartnern

Im Jahr 2022 wurden zwei signifikante Preis-Schocks bei EU-Exporten identifiziert:

Partnerland Schocktyp Abnormalität Preisänderung Zeitpunkt
Kanada Preis 8,8 +51,8 % 2022
Vereinigtes Königreich Preis 3,8 +21,7 % 2022

Der Kanada-Schock ging mit einer nur moderaten Mengensteigerung (+9,9 % gegenüber der Basislinie) einher, sodass der Preisanstieg im Vordergrund stand. Beim UK-Schock fielen die Mengen dagegen auf nur noch 50,6 % der Basislinie, während die Preise um 21,7 % stiegen – ein Muster, das auf ein Preis-Leistungs-Recoupling oder Lieferschwierigkeiten hindeuten könnte. In beiden Fällen normalisierten sich die Preise in den Folgejahren nur teilweise.


3. Regionale Spezialisierung und Handelsautonomie der EU-Mitgliedstaaten

Polen als führender Spezialist innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 zeigt, dass innerhalb der EU fünf Mitgliedstaaten überdurchschnittlich auf diesen Produktbereich spezialisiert sind (RSCA > 0):

Mitgliedstaat RSCA RCA Anteil an EU-Produktion Anteil an EU-Gesamthandel
Polen 0,447 2,619 17,4 % 6,6 %
Slowakei 0,414 2,411 5,1 % 2,1 %
Portugal 0,189 1,467 2,0 % 1,4 %
Spanien 0,179 1,436 8,3 % 5,8 %
Italien 0,160 1,382 11,1 % 8,0 %

Polen zeichnet sich dabei durch die mit Abstand höchste Spezialisierung aus und hat seine Exporte im Zeitraum 2015–2025 um 135,5 % gesteigert (von 13,2 Mio. EUR auf 31,1 Mio. EUR). Gleichzeitig stiegen auch die polnischen Importe um 41,1 %. Deutschland, der größte EU-Importeur (2025: 337 Mio. EUR Importe), weist nur eine schwache Spezialisierung auf (RSCA = 0,086), hat seine Exporte jedoch ebenfalls um 49,1 % gesteigert.

Exportneigung als dynamischer Indikator

Die Exportneigung – das Verhältnis der EU-Exporte zur EU-Produktion – stieg im Zeitraum von 97,8 % auf 149,2 % an. Werte über 100 % bedeuten, dass die EU mehr exportiert als sie produziert, was auf Re-Exporte, Umschlagshandel oder Zeitverschiebungen in den Daten hindeuten kann. Der höchste Wert wurde 2022 mit 223,4 % erreicht, als die globalen Lieferketten sich von der Pandemie erholten und die EU als Drehkreuz fungierte. Die Handelsintensität lag im gesamten Zeitraum nahe oder über 100 %, was die hohe Offenheit des EU-Marktes für dieses Produktsegment unterstreicht.

Neue Exportmärkte kompensieren den Brexit-Verlust teilweise

Auf der Exportseite ersetzten die Schweiz, Norwegen und die Ukraine teilweise die Verluste beim Vereinigten Königreich. Die Exporte in die Schweiz stiegen von 18,3 Mio. EUR (2015) auf 64,7 Mio. EUR (2025) – ein Zuwachs von 252,6 %. Norwegen verzeichnete ein Plus von 402,7 %, die Ukraine von 323,4 %. Allerdings sanken die Exporte in die USA um 44,2 % (von 13,6 Mio. EUR auf 7,6 Mio. EUR) und nach Russland um 26,3 %. Die HHI-Analyse der Exporte zeigt eine leichte Dekonzentration (Rückgang von 1.803 auf 1.551, −14 %), was auf eine breitere Streuung der Exportziele hindeutet.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für knöchelhohe Schuhe aus Kautschuk oder Kunststoff (KN 640291) hat sich im Zeitraum 2015–2025 entlang mehrerer Achsen grundlegend verändert. Erstens vollzog sich eine bemerkenswerte Verlagerung der Importquellen: China verlor zwar seinen dominanten Status nicht, aber die stark wachsenden Lieferanten Myanmar, Bangladesh und Kambodscha sowie die nordafrikanischen Partner Tunesien und Marokko diversifizierten die Beschaffungsbasis spürbar – der HHI sank um 25 %. Zweitens führten steigende Preise bei gleichzeitig rückläufigen Mengen sowohl bei Importen als auch bei Exporten und der Produktion zu einer realwirtschaftlichen Aufwertung des Segments, die über die allgemeine Inflation hinausgeht. Drittens zerschnitt der Brexit die etablierten Handelsströme zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich sowohl bei Importen (−84,6 %) als auch bei Exporten (−69,2 %), wobei die Schweiz, Norwegen und die Ukraine als neue Wachstumsmärkte auf der Exportseite fungierten.

Die EU bleibt in diesem Segment hochgradig importabhängig (ca. 81 % Nettoimportabhängigkeit), mit einer weiterhin schwachen inländischen Produktionsbasis. Die Verlagerung der Beschaffungsketten birgt sowohl Chancen (Diversifizierung, geringeres Länderrisiko) als auch Risiken (höhere Volatilität bei neuen Lieferanten wie Myanmar). Die steigende Exportneigung (149 %) und die positive Spezialisierung einiger Mitgliedstaaten – insbesondere Polens – deuten darauf hin, dass die EU trotz des Defizits eine wettbewerbsfähige Nische in diesem Segment besetzt. Politisch relevant bleibt die Frage, wie sich Handelsmaßnahmen, Lieferkettenregulierung und die geopolitische Neuaufstellung der globalen Schuhindustrie auf diesen Markt auswirken werden.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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