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Marktentwicklung: Rohsonnenblumenöl (CN 15121191) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU für rohes Sonnenblumenöl (KN-Code 15121191) im Zeitraum 2015 bis 2025. Das Produkt, eingruppiert unter Kapitel 15 – Tierische, pflanzliche oder mikrobielle Fette und Öle, ist ein zentraler Rohstoff für die europäische Lebensmittel- und Futtermittelindustrie. Der Untersuchungszeitraum umfasst elf Jahre und wurde bereits auf vollständige Jahresperioden bereinigt. Im Mittelpunkt stehen drei zentrale Dynamiken: das außergewöhnliche Wachstum der Importe, die zunehmende Konzentration auf wenige Lieferländer sowie die sich verändernde Wettbewerbsposition der EU im globalen Handel.


1. Massive Importexpansion und ein sich vertiefendes Handelsdefizit

1.1 Die Importe haben sich mehr als verdreifacht

Die EU-Importe von Rohsonnenblumenöl stiegen im Betrachtungszeitraum drastisch an. Der Einfuhrwert wuchs von 615,5 Mio. EUR (2015) auf rund 2.195 Mio. EUR (2025) – eine Steigerung um 256,6 %. Noch eindrucksvoller ist die Mengenentwicklung: Die importierte Menge erhöhte sich von 787.360 Tonnen auf 1.957.756 Tonnen (+148,6 %). Damit hat sich die Einfuhrmenge in gut einem Jahrzehnt mehr als verdoppelt.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. EUR) 615,5 2.194,9 +256,6 %
Importmenge (t) 787.360 1.957.756 +148,6 %
Durchschnittlicher Einfuhrpreis (EUR/t) 781,7 1.121,1 +43,4 %

(Quelle: General Overview – Trade)

1.2 Die Ukraine wurde zum dominierenden Lieferanten

Hinter dieser Entwicklung steht vor allem ein Akteur: die Ukraine. Der ukrainische Anteil an den EU-Importen stieg von 467 Mio. EUR (2015) auf über 2.061 Mio. EUR (2025) – eine Steigerung um 341,3 %. Damit entfielen 2025 rund 93,8 % des gesamten EU-Importwerts auf die Ukraine. Im Vergleich dazu blieben andere Lieferländer weit zurück: Moldawien (63,4 Mio. EUR, +25,3 %), Serbien (19,8 Mio. EUR, +364 %) und Argentinien (43,4 Mio. EUR, −43,4 %) spielten mengenmäßig eine untergeordnete Rolle.

Lieferland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Ukraine 467,0 2.060,9 +341,3 %
Moldawien 50,6 63,4 +25,3 %
Argentinien 76,7 43,4 −43,4 %
Serbien 4,3 19,8 +364,0 %
Russische Föderation 9,0 0,3 −96,8 %

(Quelle: Top Partners by Value)

1.3 Das Handelsdefizit hat sich von 372 Mio. auf fast 1,8 Mrd. EUR ausgeweitet

Da die Exporte der EU bei Weitem nicht mit dem Importwachstum Schritt hielten, weitete sich das bilaterale Handelsdefizit erheblich aus. Der negative Saldo verschlechterte sich von −371,7 Mio. EUR (2015) auf −1.782,4 Mio. EUR (2025), was einer Verschlechterung um 379,5 % entspricht. Die EU ist damit in zunehmendem Maße Nettoimporteur dieses Rohstoffs.

(Quelle: General Overview – Trade)


2. Wachsende Abhängigkeit und steigende Importkonzentration

2.1 Die Importkonzentration hat deutlich zugenommen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg im Wert von 5.983 (2015) auf 8.830 (2025) – eine Zunahme um 47,6 %. Auch mengenmäßig war ein ähnlicher Anstieg zu beobachten (von 6.406 auf 8.872, +38,5 %). Ein HHI von über 8.000 deutet auf eine hoch konzentrierte Importstruktur hin, die durch die Dominanz der Ukraine als Hauptlieferant verursacht wird. Die Konkonzentrationsanalyse bestätigt diesen Trend.

Index 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 5.983 8.830 +47,6 %
HHI Exporte (Wert) 1.916 1.209 −36,9 %

(Quelle: Concentration – HHI)

2.2 Die Nettostrom-Importabhängigkeit blieb hoch

Die Netto-Importabhängigkeit lag 2015 bei 41,0 % und erreichte 2025 mit 43,7 % einen nur leicht erhöhten Wert. Allerdings schwankte dieser Indikator im Zeitverlauf erheblich: Der tiefste Wert lag bei 16,8 %, der höchste bei 46,6 %. Der Saldo zeigt, dass die EU trotz gesteigerter Inlandsproduktion dauerhaft auf Importe angewiesen bleibt.

2.3 Preis- und Lieferländer-Volatilität als strukturelles Risiko

Die Analyse der Volatilität zeigt, dass sich die Lieferländer stark in ihrer Preisstabilität unterscheiden. Während Ukraine (Variationskoeffizient 0,31) und Moldawien (0,39) relativ stabile Lieferbeziehungen aufweisen, sind die Handelsströme mit Russland (VK 1,61), den Philippinen (2,45) und den USA (2,63) hochvolatil. Besonders auffällig ist ein Preisschock bei Importen aus der Ukraine im Jahr 2021 mit einer Abnormalität von 12,5 und einem Preisanstieg von 62,8 %. Dieser Schock hatte einen Anteil von 100 % am Importwert der Ukraine in diesem Jahr und spiegelt die globalen Agrarpreisspitzen wider, die durch die COVID-19-Nachwirkungen und Lieferkettenunterbrechungen verursacht wurden.

(Quelle: Volatility Bars, Top Shock Events)


3. Inlandsproduktion wächst, doch die Exportposition der EU erodiert

3.1 Die EU-Produktion hat sich fast verdoppelt

Die EU-Produktion von Rohsonnenblumenöl stieg mengenmäßig von 1,38 Mrd. kg auf 2,40 Mrd. kg (+73,6 %), wertmäßig sogar von 1,03 Mrd. EUR auf 2,40 Mrd. EUR (+133,0 %). Damit wuchs die inländische Erzeugung zwar kräftig, konnte aber mit dem noch schneller steigenden Importniveau nicht mithalten.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Mrd. kg) 1,38 2,40 +73,6 %
Produktionswert (Mrd. EUR) 1,03 2,40 +133,0 %

3.2 Die Exporte wuchsen nur moderat

Die EU-Exporte von Rohsonnenblumenöl stiegen im selben Zeitraum deutlich schwächer. Der Exportwert erhöhte sich von 243,8 Mio. EUR auf 412,5 Mio. EUR (+69,2 %), die Exportmenge von 279.896 Tonnen auf 365.054 Tonnen (+30,4 %). Besonders auffällig ist der Rückgang der Exportneigung von 27,8 % auf 19,7 % (−29,0 %). Dies bedeutet, dass ein immer geringerer Anteil der inländischen Produktion auf den Weltmarkt gelangt – ein Hinweis darauf, dass die steigende Binnennachfrage die Exporte verdrängt.

3.3 Zentral- und Osteuropa prägen die Exportlandschaft

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass die EU-Mitgliedstaaten mit der stärksten komparativen Spezialisierung bei Rohsonnenblumenöl vor allem in Mittel- und Osteuropa liegen. Bulgarien führt mit einem RCA von 23,88 und einem RSCA von 0,92, gefolgt von Slowenien (RCA 9,04), Ungarn (RCA 6,91) und Rumänien (RCA 4,69). Diese Länder profitieren von günstigen Anbaubedingungen und einer langen Tradition im Sonnenblumenanbau.

Im Gegensatz dazu weisen Irland, Estland, Finnland und Dänemark praktisch keine Spezialisierung auf (RSCA nahe −1,0).

Land RCA RSCA Produktionsanteil an EU-Produktion
Bulgarien 23,88 0,92 15,0 %
Slowenien 9,04 0,80 9,1 %
Ungarn 6,91 0,75 18,6 %
Rumänien 4,69 0,65 7,8 %
Frankreich 1,88 0,31 14,7 %

(Quelle: Most Specialised Reporters)

3.4 Die EU-Exporte gehen vor allem nach Großbritannien, Südafrika und in die Türkei

Auf der Abnehmerseite zeigt sich, dass die EU-Exporte 2025 vor allem nach Großbritannien (99,0 Mio. EUR, +35,5 %), Südafrika (60,3 Mio. EUR, −11,7 %) und in die Türkei (57,6 Mio. EUR, +418,8 %) gingen. Die Türkei stellte dabei das dynamischste Wachstum dar. Gleichzeitig gingen die Exporte in den Irak (−96,9 %) und nach Nordmazedonien (−35,6 %) deutlich zurück.

Zielland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Großbritannien 73,1 99,0 +35,5 %
Südafrika 68,3 60,3 −11,7 %
Türkei 11,1 57,6 +418,8 %
Marokko 10,8 20,4 +88,4 %
Nordmazedonien 26,4 17,0 −35,6 %

(Quelle: Top Partners by Value – Exports)


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Rohsonnenblumenöl hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend verändert. Die drei zentralen Ergebnisse lauten:

Erstens haben sich die Importe mehr als verdreifacht, wobei die Ukraine zum quasi-monopolistischen Lieferanten wurde. Die Importkonzentration (HHI von 8.830) ist auf ein Niveau gestiegen, das aus handelspolitischer Sicht als hochgradig konzentriert gilt.

Zweitens hat die EU trotz eines beachtlichen Produktionswachstums von 73,6 % ihre Importabhängigkeit nicht nennenswert reduzieren können. Die Nettostrom-Importabhängigkeit verharrte bei rund 41–44 %, was die strukturelle Lücke zwischen Binnennachfrage und -angebot offenbart.

Drittens erodiert die Exportposition der EU: Die Exportneigung sank von 27,8 % auf 19,7 %, und die EU verliert an Marktanteilen in wichtigen Drittmärkten. Gleichzeitig konzentrieren sich die Exporte zunehmend auf wenige Zielmärkte, insbesondere Großbritannien und die Türkei.

Die starke Abhängigkeit von der Ukraine als Lieferant stellt angesichts der geopolitischen Lage in der Region ein erhebliches Versorgungsrisiko dar. Preisvolatilität und vereinzelte Preisschocks (2021) unterstreichen die Notwendigkeit einer diversifizierteren Beschaffungsstrategie und einer Stärkung der inländischen Produktionskapazitäten.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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