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Marktentwicklung: Polyethylen mit einer relativen Dichte von < 0,94, in Primärformen (CN 390110) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Produkt CN 390110 — Polyethylen mit einer relativen Dichte von < 0,94, in Primärformen — über den Zeitraum 2015 bis 2025. Dieses Produkt, das sowohl lineares Polyethylen (39011010) als auch nicht-lineares Polyethylen (39011090) umfasst, stellt einen bedeutenden Rohstoff für die Kunststoffindustrie dar. Die Analyse stützt sich auf die verfügbaren Handelsdaten der EU im Zeitraum 2015–2025 und beleuchtet Import- und Exportströme, Handelspartner, Marktstruktur sowie die Verwundbarkeit der EU gegenüber externen Schocks.

Produktübersicht und Definitionen


1. Struktureller Rückgang von Importen und Exporten bei steigender Eigenständigkeit

Die EU verzeichnet über den gesamten Zeitraum einen deutlichen Rückgang beider Handelsströme

Sowohl die EU-Importe als auch die Exporte von CN 390110 haben zwischen 2015 und 2025 signifikant abgenommen. Die Einfuhren sanken im Wert von 2,183 Mrd. € auf 1,676 Mrd. € (−23,2 %), die Ausfuhren von 1,889 Mrd. € auf 1,530 Mrd. € (−19,1 %). Auch mengenmäßig ist ein Rückgang zu beobachten: Die Importmengen fielen von 1,817 Mio. Tonnen auf 1,529 Mio. Tonnen (−15,9 %), die Exportmengen von 1,347 Mio. Tonnen auf 1,112 Mio. Tonnen (−17,4 %). Die Handelsentwicklung im Zeitverlauf zeigt, dass dieser Trend nicht linear verlief, sondern von starken Schwankungen geprägt war — insbesondere 2020 (COVID-19-Pandemie) und 2022 (Energiekrise).

Indikator 2015 2020 2022 2025 Veränderung 2015→2025
Importwert (Mrd. €) 2,183 1,186 2,703 1,676 −23,2 %
Importmenge (Mio. t) 1,817 1,387 1,683 1,529 −15,9 %
Exportwert (Mrd. €) 1,889 1,437 2,019 1,530 −19,1 %
Exportmenge (Mio. t) 1,347 1,445 1,073 1,112 −17,4 %
Handelsbilanz (Mrd. €) −0,294 −0,684 +0,251 −0,147 +50,0 %

Die Handelsbilanz der EU hat sich trotz Importüberschuss verbessert

Die EU weist im betrachteten Zeitraum überwiegend ein Handelsdefizit bei CN 390110 auf, das sich jedoch von −293,6 Mio. € (2015) auf −146,8 Mio. € (2025) verbesserte — eine Verbesserung um 50,0 %. Besonders bemerkenswert ist das Jahr 2022, in dem die EU erstmals einen positiven Handelsbilanzsaldo von +251,1 Mio. € verzeichnete, getrieben von einem Exportpreisanstieg auf 1.881 €/t bei gleichzeitig schwächeren Importmengen. Der Netto-Importabhängigkeitsindikator bestätigt diese Entwicklung: Er stieg von −1,88 % (2015) auf +0,73 % (2025), was auf eine leichte, aber messbare Verschiebung hin zu einer importabhängigen Position hindeutet.

Die Preisdynamik spiegelt globale Rohstoffmarktzyklen wider

Die durchschnittlichen Exportpreise lagen 2015 bei 1.403 €/t und sanken bis 2025 auf 1.375 €/t (−1,9 %), mit einem Tiefpunkt von 995 €/t im Jahr 2020 und einem Höchststand von 1.881 €/t im Jahr 2022. Die Importpreise folgten einem ähnlichen Muster: Von 1.201 €/t (2015) über 855 €/t (2020) bis 1.606 €/t (2022), mit einem Endwert von 1.096 €/t (2025). Diese Preiszyklen korrelieren eng mit den globalen Ethylen- und Erdgaspreisen und spiegeln die typische Zyklenhaftigkeit petrochemischer Märkte wider.


2. Geopolitische Umwälzungen und sich verschiebende Handelspartnerstrukturen

Saudi-Arabien und der Nahe Osten verlieren an Bedeutung als Importquellen

Die Partnerländeranalyse zeigt eine dramatische Veränderung der Importpartnerstruktur. Saudi-Arabien, 2015 mit 610 Mio. € der größte Importpartner, reduzierte seinen Anteil auf nur noch 101 Mio. € im Jahr 2025 (−83,4 %). Der HHI-Importkonzentrationsindex sank von 1.616 (2015) auf 1.456 (2025), was eine Diversifizierung der Importquellen belegt.

Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Saudi-Arabien 610,4 101,4 −83,4 %
Vereinigtes Königreich 436,8 302,7 −30,7 %
Vereinigte Staaten 137,0 427,5 +212,1 %
Katar 175,9 175,0 −0,5 %
Südkorea 158,7 110,1 −30,6 %
Brasilien 121,3 91,9 −24,3 %
Norwegen 104,1 71,4 −31,4 %

Die USA werden zum dominanten Importpartner der EU

Der bemerkenswerteste strukturelle Wandel vollzieht sich bei den Importen aus den Vereinigten Staaten: Diese stiegen von 137 Mio. € (2015) auf 427,5 Mio. € (2025) — eine Steigerung um 212,1 %. Die Mengenentwicklung zeigt einen ähnlichen Trend: Von 96.022 Tonnen (2015) auf 431.220 Tonnen (2025). Dies spiegelt den massiven Ausbau der US-Ethylenproduktion auf Basis von Schiefergas (Shale Gas) wider, das den USA einen erheblichen Kostenvorteil verschafft hat.

Exporte nach Russland brachen nach 2022 ein — Türkei und China gewinnen

Auf der Exportseite zeigt die Partneranalyse eine geopolitisch bedingte Umstrukturierung. Die Exporte in die Russische Föderation sanken von 120,1 Mio. € (2015) auf 19,0 Mio. € (2025), was einem Rückgang von 84,2 % entspricht. Die Mengen fielen von 78.818 Tonnen auf 11.512 Tonnen. Dieser Einbruch ist klar mit den nach 2022 verhängten Sanktionen erklärbar. Gleichzeitig stiegen die Exporte in die Türkei (von 211,2 Mio. € auf 248,0 Mio. €, +17,5 %) und nach China (von 128,1 Mio. € auf 241,1 Mio. €, +88,2 %).

Exportpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigtes Königreich 474,7 198,4 −58,2 %
Türkei 211,2 248,0 +17,5 %
China 128,1 241,1 +88,2 %
Indien 80,7 81,3 +0,7 %
Russische Föderation 120,1 19,0 −84,2 %
Serbien 49,6 60,9 +22,7 %

Der Brexit spiegelt sich in den Handelsströmen mit dem Vereinigten Königreich wider

Das Vereinigtes Königreich bleibt sowohl auf Import- als auch Exportseite ein bedeutender Partner, verliert aber kontinuierlich an Gewicht. Die Exporte dorthin sanken von 474,7 Mio. € auf 198,4 Mio. € (−58,2 %), die Importe von 436,8 Mio. € auf 302,7 Mio. € (−30,7 %). Die Mengenentwicklung der Exporte zeigt einen kontinuierlichen Rückgang von 340.019 Tonnen (2015) auf 168.019 Tonnen (2025), was auf Handelsreibungseffekte nach dem Brexit hindeuten könnte.


3. Preisschocks und Volatilität prägen die Jahre 2021–2022

Das Jahr 2021 markiert einen globalen Preisschock im Polyethylenhandel

Die Schockerkennungsanalyse identifiziert das Jahr 2021 als zentralen Preisschockzeitraum. Bei den Importen stiegen die Preise für Lieferungen aus der Türkei um 79,6 % gegenüber dem Basiswert, aus Ägypten um 53,3 %, aus dem Vereinigten Königreich um 71,3 % und aus Norwegen um 56,4 %. Diese breit angelegten Preisanstiege sind auf die globale Energiekrise nach der COVID-19-Pandemie, gestörte Lieferketten und steigende Rohstoffkosten zurückzuführen.

Die Volatilität unterscheidet sich erheblich zwischen den Handelspartnern

Der Variationskoeffizient (CV) der Importmengen variiert stark zwischen den Partnern. Iran weist mit 0,864 die höchste Volatilität auf, gefolgt von Saudi-Arabien (0,697) und den USA (0,533). Dagegen sind die Handelsströme mit Israel (0,197), Kuwait (0,189) und Serbien (0,217) deutlich stabiler. Auf der Exportseite ist die Volatilität generell geringer, mit Ausnahme der Russischen Föderation (0,502) und der Schweiz (0,413).

Handelspartner CV Importmengen CV Exportmengen
Iran 0,864
Saudi-Arabien 0,697 0,255
Vereinigte Staaten 0,533 0,185
Russische Föderation 0,502
Vereinigtes Königreich 0,324 0,279
Serbien 0,217 0,107
Türkei 0,302 0,136

Exportpreisschocks betreffen insbesondere die USA und China

Auf der Exportseite wurde 2020 ein markanter Preisschock bei den Ausfuhren in die Vereinigten Staaten festgestellt: Der Exportpreis sank um 56,4 % gegenüber dem Basiswert (Abnormalität: 11,0). Dies korreliert mit dem pandemiebedingten Einbruch der US-Nachfrage. 2022 stiegen die Exportpreise nach China um 89,2 % über den Basiswert, was auf die gestiegene chinesische Nachfrage und die globale Angebotsverknappung in Folge des Ukraine-Konflikts zurückzuführen ist.

Die EU-Produktion zeigt einen langfristigen Rückgangstrend

Die Produktionsdaten belegen einen strukturellen Rückgang der EU-Produktion: Die Produktionsmenge sank von 6,747 Mrd. kg (2015) auf 5,434 Mrd. kg (2025), was einem Rückgang von 19,5 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2017 mit 7,986 Mrd. kg erreicht. Der Produktionswert fiel von 6,997 Mrd. € auf 6,243 Mrd. € (−10,8 %). Dieser Rückgang spiegelt steigende Wettbewerbsdrücke aus dem Nahen Osten und den USA wider, wo die Produktionskosten aufgrund billigerer Rohstoffe (Erdgas) deutlich niedriger sind.


Schlussfolgerung

Die Handelsentwicklung der EU mit CN 390110 im Zeitraum 2015–2025 ist von drei zentralen Dynamiken geprägt:

Erstens vollzieht sich ein struktureller Bedeutungsverlust traditioneller Lieferanten aus dem Nahen Osten, insbesondere Saudi-Arabien, zugunsten der USA, die ihre Position als führender Exporteur von Polyethylen auf Basis von Schiefergas massiv ausgebaut haben.

Zweitens hat die geopolitische Neuordnung nach 2022 — namentlich der Ukraine-Konflikte und die damit verbundenen Sanktionen — die Handelsströme nachhaltig umstrukturiert, insbesondere den drastischen Rückgang der EU-Exporte nach Russland und den steigenden Exporten in die Türkei und nach China.

Drittens zeigen die Daten eine zunehmende Volatilität und Preissensitivität des Marktes, die sich in den massiven Preisschocks von 2021–2022 manifestierte. Die EU bleibt trotz leicht verbesserter Handelsbilanz grundsätzlich ein Nettoimporteur dieses Produkts, wobei die Eigenproduktion langfristig rückläufig ist. Die Abhängigkeit von wenigen, teils volatilen Lieferanten — gemessen am HHI-Index — bleibt ein potenzielles strategisches Risiko, auch wenn die Diversifizierung der Importquellen in den letzten Jahren zugenommen hat.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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