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Marktentwicklung: Lineares Polyethylen (CN 39011010) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015–2025 für lineares Polyethylen mit einer relativen Dichte von unter 0,94 in Primärformen (KN-Code 39011010). Das Produkt gehört zur Gruppe der Polymere des Ethylens und findet breite Anwendung in der Folien- und Verpackungsindustrie. Der Analysezeitraum umfasst elf vollständige Berichtsjahre und ermöglicht die Betrachtung längerfristiger struktureller Veränderungen im EU-Außenhandel. Die Daten beziehen sich ausschließlich auf den Handel der EU mit Nicht-EU-Ländern.

Überblick über den Produktcode 39011010


1. Ein Jahrzehnt der Schrumpfung: Rückläufige Handelsvolumina in Import und Export

1.1 Der EU-Außenhandel hat sich nahezu halbiert

Der mit Abstand auffälligste Trend im untersuchten Zeitraum ist der anhaltende Rückgang sowohl der Import- als auch der Exportvolumina. Die EU-Importe von linearem Polyethylen sanken im Wert von rund 1,19 Mrd. EUR (2015) auf rund 669 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 43,9 % entspricht. Mengenmäßig reduzierten sich die Einfuhren von 1,03 Mio. Tonnen auf 653.473 Tonnen (−36,3 %). Die Exporte entwickelten sich noch schwächer: Der Wert fiel von 497 Mio. EUR auf 208 Mio. EUR (−58,1 %), die Menge von knapp 340.000 Tonnen auf 162.391 Tonnen (−52,2 %). Damit schrumpfte das Handelsvolumen (Importe plus Exporte) über den gesamten Zeitraum um fast die Hälfte.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 1.193.183.601 669.289.592 −43,9 %
Importmenge (t) 1.026.173 653.473 −36,3 %
Importpreis (EUR/t) 1.163 1.024 −11,9 %
Exportwert (EUR) 497.388.803 208.382.120 −58,1 %
Exportmenge (t) 339.861 162.391 −52,2 %
Exportpreis (EUR/t) 1.464 1.283 −12,3 %

Handelsübersicht

1.2 Die Handelsbilanz hat sich leicht verbessert

Trotz des generellen Rückgangs hat sich das Handelsbilanzdefizit der EU bei diesem Produkt moderat verringert. Der Nettodefizit ging von rund 696 Mio. EUR (2015) auf 461 Mio. EUR (2025) zurück, eine Verbesserung um 33,8 %. Da die Exporte jedoch stärker schrumpften als die Importe (−58,1 % vs. −43,9 % im Wert), ist diese Verbesserung primär auf den insgesamt reduzierten Handelsumfang zurückzuführen und nicht auf eine substantielle Stärkung der EU-Exportposition.

1.3 Die inländische Produktion zeigt eine Gegenläufigkeit zwischen Menge und Wert

Die EU-Produktion von linearem Polyethylen sank mengenmäßig von 2,33 Mrd. kg (2015) auf 2,00 Mrd. kg (2025, −14,3 %). Der Produktionswert hingegen stieg leicht von 2,13 Mrd. EUR auf 2,26 Mrd. EUR (+6,0 %). Diese Gegenläufigkeit deutet darauf hin, dass steigende Preise die rückläufigen Volumina kompensierten — ein Muster, das sich auch in den Handelspreisen widerspiegelt. Der Mindestproduktionswert lag bei 1,58 Mrd. EUR (2020), was mit den Pandemie-effekten korreliert, während der Höchstwert von 3,13 Mrd. EUR im Zeitraum der Rohstoffpreisspitze 2021–2022 erreicht wurde.

Produktionsvolumen


2. Geopolitische Neuausrichtung: Verschiebungen bei den Handelspartnern

2.1 Saudi-Arabien als traditioneller Hauptlieferant verliert massiv an Bedeutung

Die gravierendste Verschiebung auf der Importseite betrifft Saudi-Arabien, das 2015 mit rund 561 Mio. EUR der mit Abstand wichtigste Lieferant der EU war. Bis 2025 sank der Wert auf nur noch 74 Mio. EUR (−86,7 %). Der prozentuale Anteil Saudi-Arabiens an den EU-Importen wurde damit drastisch reduziert. Gleichzeitig wuchsen die Importe aus den Vereinigten Staaten von 100 Mio. EUR auf 229 Mio. EUR (+129,7 %), sodass die USA zum wichtigsten Einzellieferanten aufstiegen. Auch Ägypten verzeichnete ein bemerkenswertes Wachstum von 7 Mio. EUR auf 34 Mio. EUR (+404,7 %), allerdings auf einem niedrigeren absoluten Niveau.

Importpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Saudi-Arabien 560.514.379 74.481.988 −86,7 %
USA 99.784.325 229.187.915 +129,7 %
Vereinigtes Königreich 117.269.605 12.965.906 −88,9 %
Katar 102.157.792 82.129.270 −19,6 %
Südkorea 105.442.892 59.991.674 −43,1 %
Brasilien 96.670.655 27.796.833 −71,2 %
Ägypten 6.681.356 33.717.516 +404,7 %

Top-Handelspartner nach Wert

2.2 Exporte in die Nachbarschaft brechen ein — China gewinnt an Bedeutung

Auf der Exportseite zeigt sich ein vergleichbarer Strukturwandel. Das Vereinigtes Königreich, 2015 mit 204 Mio. EUR das wichtigste Exportziel, verlor bis 2025 rund 71 % seines Werts auf 59 Mio. EUR. Dies ist teilweise auf den Austritt des VK aus dem EU-Binnenmarkt (Brexit) zurückzuführen, der ab 2021 zusätzliche Handelsbarrieren schuf. Die Exporte in die Russische Föderation brachen von 56 Mio. EUR auf unter 1,4 Mio. EUR (−97,6 %) zusammen — ein unmittelbares Ergebnis der nach 2022 verhängten EU-Sanktionen. Demgegenüber stiegen die Exporte nach China von 9 Mio. EUR auf 18 Mio. EUR (+96,6 %), was die zunehmende Bedeutung des asiatischen Marktes für europäische Chemieexporte widerspiegelt.

Exportpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 203.567.031 59.454.906 −70,8 %
Türkei 60.065.581 25.135.134 −58,2 %
Russische Föderation 56.445.172 1.360.591 −97,6 %
China 8.944.870 17.583.714 +96,6 %
USA 36.964.891 30.353.316 −17,9 %

Top-Exportpartner nach Wert

2.3 Die Konzentration der Handelsbeziehungen hat deutlich abgenommen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe fiel von 3.020 auf 1.944 (−35,6 %), für Exporte von 2.050 auf 1.302 (−36,5 %). Werte über 2.500 gelten als Zeichen hoher Konzentration. Die EU-Importe bewegten sich damit von einem hochkonzentrierten zu einem moderat konzentrierten Markt — ein klares Indiz für eine Diversifizierung der Lieferantenstruktur. Besonders der Wegfall der dominierenden Rolle Saudi-Arabiens und des Vereinigten Königreichs trug zu dieser Entflechtung bei.

Konzentration (HHI) 2015 2025 Veränderung
Importe (Wert) 3.020 1.944 −35,6 %
Importe (Menge) 2.954 2.176 −26,3 %
Exporte (Wert) 2.050 1.302 −36,5 %
Exporte (Menge) 2.090 1.291 −38,2 %

Konzentrationsanalyse (HHI)

2.4 Binnenmarktliche Verschiebungen: Von Nordwesteuropa nach Osteuropa

Innerhalb der EU zeigen sich ebenfalls bemerkenswerte Verschiebungen bei den Importeuren. Die Niederlande, 2015 mit 236 Mio. EUR der zweitgrößte Importeur, verloren 89,3 % ihres Importwerts auf nur noch 25 Mio. EUR. Belgien sank von 442 Mio. EUR auf 169 Mio. EUR (−61,8 %). Demgegenüber stiegen die polnischen Importe von 23 Mio. EUR auf 64 Mio. EUR (+177,7 %). Diese Verschiebung spiegelt möglicherweise die Verlagerung von Verarbeitungskapazitäten in mittel- und osteuropäische Mitgliedstaaten wider. Auch Italien konnte seine Importe leicht steigern (+12,0 %).

Top-Importländer innerhalb der EU


3. Preischocks und Volatilität: Die EU auf dem Weg zu größerer Handelsautonomie

3.1 Der Preisschock von 2021 markiert einen Wendepunkt

Im Jahr 2021 wurden signifikante Preisschocks bei mehreren Handelspartnern festgestellt. Der auffälligste Schock betraf die Importe aus dem Vereinigten Königreich mit einer Anomaliebewertung von 10,8 und einem Preisanstieg von 116,9 %. Auch bei Importen aus Ägypten (Anomalie 7,3, +51,9 %) und Exporten in die Schweiz (Anomalie 8,8, +38,2 %) wurden extreme Preisausschläge beobachtet. Diese Ereignisse fallen in die Phase der globalen Rohstoffpreisspitze 2021, die durch Nachholeffekte nach der COVID-19-Pandemie, Lieferkettenstörungen und den starken Anstieg der Energiepreise verursacht wurde.

Schockereignis Typ Richtung Anomalie Preisänderung Jahr
Vereinigtes Königreich Preis Import 10,8 +116,9 % 2021
Schweiz Preis Export 8,8 +38,2 % 2021
Ägypten Preis Import 7,3 +51,9 % 2021

Erkannte Angebots-Schocks

3.2 Hohe Volatilität bei geopolitisch exponierten Lieferanten

Die Volatilitätsanalyse (gemessen am Variationskoeffizienten, CV) zeigt, dass mehrere Lieferanten eine ungewöhnlich hohe Preisschwankung aufweisen. Iran (CV 0,99), Indien (CV 1,03) und Singapur (CV 0,95) weisen die höchsten Schwankungen auf. Aber auch etablierte Partner wie Saudi-Arabien (CV 0,73) und Brasilien (CV 0,72) zeigen erhebliche Volatilität. Auf der Exportseite sind die Schwankungen im Allgemeinen geringer, wobei die Russische Föderation (CV 0,73) und die Schweiz (CV 0,74) die höchsten Werte aufweisen. Die hohe Volatilität bei Lieferanten wie Iran und Russland ist mit geopolitischen Sanktionen und Handelsbeschränkungen erklärbar.

Volatilitätsanalyse

3.3 Die EU wird autarker — die Exportneigung sinkt jedoch stark

Die Nettimporteabhängigkeit der EU lag über den gesamten Zeitraum in einem moderaten Bereich und sank leicht von 16,7 % (2015) auf 15,7 % (2025, −6,2 %), mit einem Tiefstwert von lediglich 5,2 %. Die Handelsintensität (Handelsvolumen als Anteil der Produktion) sank von 44,3 % auf 29,9 % (−32,6 %). Am stärksten rückläufig war die Exportneigung: von 21,3 % auf nur noch 9,9 % (−53,5 %). Dies bedeutet, dass die EU einen wachsenden Teil ihrer Produktion im Binnenmarkt absorbiert und der Außenhandel relativ zur Produktion an Bedeutung verliert. Die EU entwickelt sich bei diesem Produkt tendenziell zu einer geschlosseneren Volkswirtschaft.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Nettimporteabhängigkeit (%) 16,7 15,7 −6,2 %
Handelsintensität (%) 44,3 29,9 −32,6 %
Exportneigung (%) 21,3 9,9 −53,5 %

Nettimporteabhängigkeit

3.4 Belgien bleibt der Spezialist, aber die Spezialisierung verteilt sich

Gemäß dem Standardisierten Balassa-Index (RSCA) ist Belgien mit einem Wert von 0,65 das mit Abstand am stärksten spezialisierte EU-Mitglied bei diesem Produkt, gefolgt von Finnland (0,39) und Spanien (0,35). Auf der Gegenseite weisen Zypern (−1,00), Rumänien (−0,96) und Luxemburg (−0,86) die niedrigsten Spezialisierungswerte auf — diese Länder sind reine Nettoimporteure. Die Existenz von Spezialisierung in wenigen Mitgliedstaaten bei gleichzeitiger Importabhängigkeit der Mehrheit unterstreicht die Heterogenität des EU-Binnenmarktes bei petrochemischen Grundstoffen.

Spezialisierungsanalyse


Fazit

Der EU-Außenhandel mit linearem Polyethylen (KN 39011010) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

Erstens haben sich die Handelsvolumina sowohl im Import als auch im Export nahezu halbiert. Dieser strukturelle Rückgang spiegelt eine Kombination aus gestiegener Binnenproduktion, veränderter Nachfrage und der zunehmenden Konkurrenz durch globale Überkapazitäten wider.

Zweitens haben geopolitische Ereignisse — insbesondere der Brexit, die Sanktionen gegen Russland und die globale Energiepreiskrise 2021 — die Handelsbeziehungen der EU bei diesem Produkt grundlegend umstrukturiert. Traditionelle Partner wie Saudi-Arabien und das Vereinigte Königreich haben stark an Bedeutung verloren, während die USA zum wichtigsten Lieferanten aufstiegen und neue Handelsströme (etwa nach China oder aus Ägypten) entstanden. Die Lieferantenkonzentration hat sich dabei deutlich verringert.

Drittens zeigt die EU eine wachsende Handelsautonomie bei diesem Produkt. Die Nettimporteabhängigkeit blieb moderat und leicht rückläufig, während die Exportneigung um mehr als die Hälfte sank. Die EU wird bei linearem Polyethylen zunehmend zum geschlossenen Markt. Gleichzeitig bleiben die Preisvolatilität und das Risiko von Lieferunterbrechungen bei bestimmten Partnerländern bestehen, was die Notwendigkeit einer diversifizierten Beschaffungsstrategie unterstreicht.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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