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Marktentwicklung: Petrolkoks, nichtcalciniert (CN 271311) — 2015–2025

Einleitung

Petrolkoks (nichtcalciniert) ist ein wichtiges Nebenprodukt der Erdölveredelung und findet vor allem in der Aluminium-, Stahl- und Energieindustrie Verwendung. Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollcode 271311 im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Daten zeigen eine bemerkenswerte Transformation: Die EU entwickelte sich von einem Nettoimporteur mit einem Handelsdefizit von 222 Mio. € (2015) zu einem Nettoexporteur mit einem Überschuss von 329 Mio. € (2025). Diese Veränderung wurde durch mehrere Schocks und Strukturverschiebungen geprägt, die im Folgenden analysiert werden.

Weitere Informationen zum Produkt und den Definitionen finden sich im Scope & Definitions-Bereich.


I. Vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur — Eine strukturelle Handelswende

Der auffälligste Befund der gesamten Betrachtungsperiode ist die fundamentale Verschiebung der EU-Handelsbilanz bei Petrolkoks. Während die EU zu Beginn des Zeitraums noch signifikante Mengen importierte und einen deutlichen Handelsdefizit aufwies, hat sich das Bild bis 2025 vollständig gewandelt.

Die Handelsbilanz kehrte sich um über 220 Mio. €

Im Jahr 2015 betrug der Importwert 420 Mio. € bei einem Exportwert von lediglich 198 Mio. €, was einem Defizit von rund 222 Mio. € entsprach. Bis 2025 sank der Importwert auf 375 Mio. €, während der Exportwert auf 704 Mio. € anstieg — ein Überschuss von 329 Mio. €.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. €) 198 704 +255,5 %
Importwert (Mio. €) 420 375 −10,6 %
Saldo (Mio. €) −222 +329 +248,2 %

Die Exportmengen verdoppelten sich nahezu, während die Importmengen stark schrumpften

Die Exportmenge stieg von knapp 2,0 Mio. Tonnen (2015) auf 3,9 Mio. Tonnen (2025), eine Zunahme um 95,7 %. Parallel dazu sank die Importmenge von 6,5 Mio. Tonnen auf 3,7 Mio. Tonnen (−42,7 %). Die EU hat also nicht nur ihre Exporte ausgeweitet, sondern gleichzeitig ihre Importabhängigkeit erheblich reduziert.

Die durchschnittlichen Exportpreise überstiegen erstmals die Importpreise

Bemerkenswert ist auch die Preisentwicklung: Die durchschnittlichen Exportpreise lagen 2015 bei rund 100 €/t und stiegen bis 2025 auf 182 €/t (+81,7 %). Die Importpreise begannen bei 65 €/t und erreichten 101 €/t (+56,1 %). In den Krisenjahren 2021–2022 lagen die Exportpreise zeitweise deutlich über den Importpreisen — ein Hinweis auf steigende Wertschöpfung und Knappheit auf den Weltmärkten.


II. Radikale Umstrukturierung der Handelspartner

Parallel zur handelsbilanziellen Wende vollzog sich eine tiefgreifende Neuorientierung sowohl bei den Import- als auch bei den Exportpartnern der EU. Alte Lieferanten verschwanden, neue Märkte gewannen enorm an Bedeutung.

China wurde zum wichtigsten Exportmarkt — mit einem Zuwachs von fast 7.000 %

Die dramatischste Veränderung auf der Exportseite betraf China. Die Exporte dorthin stiegen von lediglich 2,6 Mio. € (2015) auf 180 Mio. € (2025), ein Anstieg von 6.918 %. Im Krisenjahr 2022 wurde mit 212 Mio. € sogar ein Spitzenwert erreicht. China war 2025 mit Abstand der größte einzelne Exportpartner der EU bei diesem Produkt.

Exportpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
China 2,6 180 +6.918 %
Bahrain 16 64 +289 %
Ägypten 38 80 +110 %
Türkei 2,0 24 +1.102 %
Tunesien 26 25 −1,2 %
USA 28 5,5 −80 %

Die venezolanischen und russischen Importe brachen vollständig ein

Auf der Importseite sind zwei Kollaps besonders hervorzuheben. Venezuela, das 2015 noch Importe im Wert von 53 Mio. € lieferte, verschwand ab 2020 vollständig (−96,7 %). Die russischen Importe stiegen zwar bis 2022 temporär auf 60 Mio. € an, fielen jedoch nach der Verhängung von EU-Sanktionen ebenfalls auf null. Norwegen (+1.602 %) und das Vereinigte Königreich (+334 %) konnten ihre Lieferungen dagegen deutlich ausweiten.

Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
USA 353 340 −3,7 %
Venezuela 53 0 −97 %
Russland 3,7 0* entfallen
Norwegen 0,6 9,6 +1.602 %
Vereinigtes Königreich 2,8 12 +334 %

*Russland: keine Daten für 2024/2025 nach Sanktionen

Spanien und die Niederlande sind die treibenden EU-Mitgliedstaaten

Betrachtet man die EU-internen Handelsströme, dominieren Spanien und die Niederlande sowohl bei Importen als auch bei Exporten. Spanien exportierte 2025 Petrolkoks im Wert von 300 Mio. € (2015: 118 Mio. €) und war damit der mit Abstand größte Exporteur innerhalb der EU. Die Niederlande verzeichneten bei den Exporten ein Wachstum von 1.422 % und bei den Importen von 115 %. Weitere relevante Exportländer sind Rumänien und Belgien, deren Exporte ebenfalls stark wuchsen.

EU-Reporter (Exporte) 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Spanien 118 300 +153 %
Niederlande 12 176 +1.422 %
Rumänien 10 83 +738 %
Belgien 4,4 92 +2.000 %
Polen 0 34 n/a

Die Spezialisierung innerhalb der EU ist stark asymmetrisch

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Spanien mit einem RSCA-Wert von 0,755 und einem RCA von 7,16 bei weitem am stärksten auf Petrolkoks spezialisiert ist. Belgien (RSCA 0,58) und Ungarn (RSCA 0,51) folgen. Länder wie Frankreich (RSCA −1,00), Italien (−0,98) und Tschechien (−1,00) sind dagegen praktisch nicht spezialisiert — sie importieren überproportional und exportieren kaum.


III. Preis- und Mengenschocks in der Energiekrise 2021–2022

Die Jahre 2021 und 2022 stellten einen Wendepunkt für den gesamten Petrolkoksmarkt dar. Globale Lieferkettenstörungen, steigende Energiepreise und geopolitische Ereignisse führten zu beispiellosen Preisausschlägen bei gleichzeitig volatilen Mengenbewegungen.

Die Energiekrise 2021/2022 verursachte extreme Preisschocks bei den Exporten

Die Analyse der Preisschocks identifiziert mehrere signifikante Ereignisse. Die Exportpreise in die USA stiegen 2022 um 296 % gegenüber dem Vorjahres-Niveau — der extremste Preisschock im gesamten Zeitraum. In Bahrain, Marokko und Tunesien lagen die Preissteigerungen 2021 bei 83–89 %.

Schock-Event Land Jahr Preisverschiebung Abnormalität
Preis USA (Export) 2022 +296 % 8,4
Preis Marokko (Export) 2021 +90 % 10,9
Preis Tunesien (Export) 2021 +83 % 5,3
Preis Bahrain (Export) 2021 +88 % 4,9

Die US-Importpreise verdoppelten sich nahezu

Auch auf der Importseite waren die Preisbewegungen dramatisch. Der durchschnittliche Importpreis aus den USA — dem mit Abstand wichtigsten Lieferanten — stieg von 56 €/t (2020) auf 203 €/t (2022), eine Steigerung von 259 % gegenüber dem Vor-Corona-Niveau. Parallel dazu sanken die US-Liefermengen von 5,4 Mio. Tonnen (2015) auf 3,5 Mio. Tonnen (2025). Der Preisschock bei US-Importen hatte eine Abnormalität von 3,1 und einen Shift von 68 % gegenüber der Basislinie.

Die Handelspartner mit den höchsten Mengenvolatilitäten zeigen strukturelle Unsicherheit

Die Volatilitätsanalyse (Variationskoeffizient der Mengen) zeigt, dass die Importe aus Kolumbien (CV 1,33), der Türkei (1,32) und Serbien (1,18) am stärksten schwankten. Auf der Exportseite war China trotz seines enormen Wachstums mit einem CV von 0,93 relativ volatil, während Tunesien (0,18) und Kanada (0,27) als stabile Absatzmärkte fungierten.

Richtung Stabilste Partner (CV) Volatilste Partner (CV)
Importe USA (0,18), Vereinigtes Königreich (0,47) Kolumbien (1,33), Türkei (1,32), Ägypten (1,68)
Exporte Tunesien (0,18), Kanada (0,27), Marokko (0,36) China (0,93), Oman (0,60), Indien (0,55)

Die Importkonzentration nahm zu, während die Exporte diversifiziert blieben

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg von 7.209 (2015) auf 8.204 (2025), was auf eine zunehmende Konzentration der Importquellen hindeutet — vor allem bedingt durch das Verschwinden Venezuelas und Russlands. Die Exportkonzentration blieb mit einem HHI von 1.160 (2025) deutlich niedriger und damit diversifizierter, was auf eine breitere Absatzmarktbasis hindeutet. Die höchste Importkonzentration wurde 2019 mit einem HHI von 9.570 erreicht, als die USA zeitweise fast den gesamten EU-Import deckten.


Schlussfolgerung

Die Handelsentwicklung der EU bei Petrolkoks (nichtcalciniert) im Zeitraum 2015–2025 lässt sich als Geschichte dreier zusammenhängender Dynamiken zusammenfassen:

Erstens vollzog die EU eine fundamentale Transformation vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur. Die Handelsbilanz verbesserte sich um über 550 Mio. €, was sowohl auf gestiegene Exporte als auch auf gesunkene Importe zurückzuführen ist.

Zweitens führten geopolitische Ereignisse — der Kollaps Venezuelas, die EU-Sanktionen gegen Russland und die globale Energiekrise 2021/2022 — zu einer radikalen Umstrukturierung der Handelsbeziehungen. China wurde zum wichtigsten Exportmarkt, während traditionelle Lieferanten wie Venezuela und Russland komplett ausfielen.

Drittens zeigte die Analyse der Preis- und Mengenschocks, dass der Petrolkoksmarkt trotz seiner Grundstoffnatur erheblichen Preisschwankungen unterliegt, die eng mit der globalen Energiepreisentwicklung verknüpft sind. Die extreme Preisvolatilität der Jahre 2021–2022 ist dabei ein Ausdruck der damaligen globalen Energiekrise.

Die zukünftige Entwicklung wird wesentlich davon abhängen, ob die EU ihre neue Rolle als Nettoexporteur stabilisieren kann und wie sich die Handelsbeziehungen mit China — dem mit Abstand größten Exportmarkt — weiterentwickeln.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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