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Marktentwicklung: Papiere und Pappen von der Art wie sie als Schreibpapiere, Druckpapiere oder zu anderen grafischen Zwecken verwendet werden, mit einem Gehalt an Fasern, in einem mechanischen oder chemisch-mechanischen Aufbereitungsverfahren gewonnen, von > 10 GHT, bezogen auf die Gesamtfasermenge, ein- oder beidseitig mit Kaolin oder anderen anorganischen Stoffen gestrichen, in Rollen oder quadratischen oder rechteckigen Bogen, jeder Größe (ausg. leichtgewichtiges gestrichenes Papier [sog." LWC-Papier"]) (CN 481029) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit gestrichenen Papieren und Pappen (CN 481029) für den Zeitraum 2015 bis 2025. Die Warengruppe umfasst Schreib- und Druckpapiere mit einem Gehalt an mechanisch gewonnenen Fasern von mehr als 10 % der Gesamtfasermenge, die ein- oder beidseitig mit Kaolin oder anderen anorganischen Stoffen gestrichen sind (ausgenommen LWC-Papier). Der CN-Code 481029 wird dabei als Sammelposition geführt und bündelt zwei Unterpositionen: Rollenware (48102930) und Bogenware (48102980).

Der Untersuchungszeitraum ist durch zwei fundamentale Umbrüche gekennzeichnet: einen anhaltenden strukturellen Niedergang der Exporte, der den Handelsbilanzüberschuss der EU erheblich schmälerte, sowie einen drastischen Preisschock im Jahr 2022, der die Märkte aller Handelspartner der EU nachhaltig traf. Die vorliegende Analyse stützt sich ausschließlich auf die im Trade Dashboard verfügbaren Daten.


1. Strukturelle Erosion der EU-Exportposition: Von der Nettoexporteur-Überlegenheit zum schrumpfenden Überschuss

Die EU hat im Zeitraum 2015–2025 ihre historisch starke Exportposition bei gestrichenen grafischen Papieren erheblich eingebüßt. Die Exporte sind sowohl in Wert als auch in Volumen stark zurückgegangen, während die Importe um ein Vielfaches gestiegen sind.

Die EU-Exporte sind um fast die Hälfte eingebrochen

Der Exportwert sank von 824 Mio. € im Jahr 2015 auf 431 Mio. € im Jahr 2025, was einem Rückgang von 47,7 % entspricht. Die exportierte Menge verringerte sich im selben Zeitraum sogar um 52,9 % — von 1,12 Mio. Tonnen auf 526.000 Tonnen. Damit fielen die Exportmengen 2023 und 2025 auf historische Tiefststände im Beobachtungszeitraum. Der Höchstwert wurde 2018 mit 942 Mio. € bzw. 1,31 Mio. Tonnen erreicht; seither setzte ein fast ununterbrochener Rückgang ein.

Kennzahl 2015 2018 (Peak) 2020 (Corona) 2022 2025 Veränderung 2015→2025
Exportwert (Mio. €) 824 942 580 903 431 −47,7 %
Exportmenge (t) 1.116.013 1.306.392 875.435 820.918 525.852 −52,9 %
Exportpreis (€/t) 739 720 662 1.100 819 +10,9 %

Quelle: General Overview – Trade

Auffällig ist, dass die Exportpreise zeitweise stiegen (2022: 1.100 €/t), die mengenmäßigen Rückgänge aber nicht aufhielten. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend in weniger wettbewerbsfähigen Preissegmenten operiert und Marktanteile an Drittländer verliert.

Die EU-Importe haben sich mehr als vervierfacht

Dem exportseitigen Rückgang steht ein dramatischer Anstieg der Importe gegenüber. Der Importwert stieg von 51 Mio. € (2015) auf 174 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 241,3 % entspricht. Die importierte Menge wuchs sogar um 271,9 % — von 52.735 Tonnen auf 196.100 Tonnen. Die Importpreise fielen im selben Zeitraum um 8,2 % (von 966 €/t auf 887 €/t).

Kennzahl 2015 2018 2020 2022 2025 Veränderung 2015→2025
Importwert (Mio. €) 51 65 100 114 174 +241,3 %
Importmenge (t) 52.735 74.595 123.439 105.103 196.100 +271,9 %
Importpreis (€/t) 966 877 810 1.084 887 −8,2 %

Quelle: General Overview – Trade

Die EU war 2015 mit einem Handelsbilanzüberschuss von 773 Mio. € klarer Nettoexporteur. Dieser Überschuss schrumpfte bis 2025 auf 257 Mio. € — ein Rückgang um 66,8 %. Die EU ist somit zwar weiterhin Nettoexporteur, doch die Margen werden zunehmend dünner.

Die EU-Produktion hat sich halbiert

Die zugrundeliegende EU-Produktion bestätigt den strukturellen Rückgang: Die Produktionsmenge sank von 3,87 Mrd. Tonnen (2015) auf 2,16 Mrd. Tonnen (2025) — ein Rückgang von 48,2 %. Der Produktionswert fiel von 2,50 Mrd. € auf 2,02 Mrd. € (−33,2 %). Die Produktionspreise stiegen im Gegenzug von 0,65 €/kg (2015) auf 0,94 €/kg (2025), was auf Kostendruck und steigende Energie- sowie Rohstoffpreise hindeutet.

Quelle: Production Volumes

Die Handelsintensität und Exportneigung sinken

Die Handelsintensität (gemessen als Anteil des Außenhandels an der Gesamtproduktion) sank von 23,2 % (2015) auf 28,6 % (2024) — wobei der Höchstwert 2012 bei 44,0 % lag. Die Netto-Importabhängigkeit verbesserte sich leicht (von −26,6 % auf −22,9 %), was jedoch nicht auf stärkere Exporte, sondern auf den Rückgang der Importe im Verhältnis zur Produktion zurückzuführen ist — ein trügerisches Signal, bedenkt man die schrumpfende Gesamtproduktion.


2. Geopolitischer Wandel der Handelspartnerschaften: Umorientierung weg von traditionellen Märkten

Die geografische Struktur des EU-Außenhandels mit CN 481029 hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite haben sich die wichtigsten Handelspartner verschoben, was auf tiefgreifende Veränderungen in Wettbewerbsfähigkeit, Nachfragestrukturen und geopolitischen Rahmenbedingungen hindeutet.

Das Vereinigte Königreich als Exportmarkt verliert dramatisch an Bedeutung

Das Vereinigte Königreich war 2015 mit 290 Mio. € der mit Abstand wichtigste Exportmarkt der EU und machte 35,2 % der gesamten EU-Exporte aus. Bis 2025 sank der Wert auf 132 Mio. € (−54,7 %). Damit verlor das UK zwar seinen Spitzenplatz nicht, doch sein Anteil an den Gesamtexporten fiel auf rund 30 %. Der Brexit hat hier offensichtlich nachhaltige Handelsbarrieren geschaffen. Die exportierte Menge sank sogar um 61,8 % — von 379.284 Tonnen auf 145.404 Tonnen.

Quelle: Top Partners by Value – Exports

Die Importseite wird von den USA und China dominiert

Auf der Importseite haben sich die Vereinigten Staaten und China zu den dominantesten Lieferanten entwickelt:

Herkunftsland Importwert 2015 (Mio. €) Importwert 2025 (Mio. €) Veränderung
USA 3,7 91,7 +2.375 %
China 6,4 44,2 +594 %
Brasilien 13,8 20,1 +46 %
Schweiz 11,1 2,8 −75 %
Vereinigtes Königreich 6,5 2,8 −57 %

Quelle: Top Partners by Value – Imports

Der spektakuläre Anstieg der US-Importe (+2.375 %) ist besonders bemerkenswert: Die USA sind von einem Randlieferanten (3,7 Mio. €) zum mit Abstand wichtigsten Importpartner aufgestiegen (91,7 Mio. €). Der Importkonzentrationsindex (HHI) stieg von 1.653 (2015) auf 3.589 (2025) — ein Anstieg von 117,1 %. Dies signalisiert eine zunehmende Abhängigkeit der EU von wenigen Lieferländern, insbesondere den USA und China.

Gleichzeitig verloren traditionelle europäische Handelspartner wie die Schweiz und das Vereinigte Königreich an Boden. Israel als einstiger Lieferant ist praktisch vom Markt verschwunden (von 2,1 Mio. € auf 170.000 €).

EU-Mitgliedstaaten: Spanien und die Niederlande als neue Import-Hubs

Innerhalb der EU haben sich die Importmuster ebenfalls verschoben. Spanien (von 2,6 Mio. € auf 40,7 Mio. €, +1.453 %) und die Niederlande (von 0,9 Mio. € auf 33,5 Mio. €, +3.687 %) verzeichneten die stärksten Zuwächse bei den Einfuhren aus Drittländern. Dies könnte auf die zunehmende Rolle dieser Länder als Distributionszentren innerhalb der EU hindeuten.

Quelle: Top Reporters by Value – Imports

Die Export-Spezialisierung konzentriert sich auf wenige EU-Staaten

Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass nur wenige EU-Mitgliedstaaten eine relevante komparative Spezialisierung bei CN 481029 aufweisen. Finnland führt mit einem RSCA-Wert von 0,912 (RCA: 21,7) und einem Produktionsanteil von 21,8 % — gefolgt von Österreich (RSCA: 0,597, RCA: 3,96) und Italien (RSCA: 0,340, RCA: 2,03). Deutschland, obwohl mit einem Produktionsanteil von 21,8 % der größte Produzent, zeigt nur eine marginale Spezialisierung (RSCA: 0,014, RCA: 1,03). Die Mehrheit der EU-Staaten hat keine oder sogar eine negative Spezialisierung in diesem Segment.


3. Der Preisschock 2022 und seine Nachwirkungen: Pandemie-Erholung getroffen von Energie- und Rohstoffkosten

Das Jahr 2022 stellt einen Wendepunkt im Beobachtungszeitraum dar. Ein globaler Preisschock erfasste nahezu alle Handelspartner der EU gleichzeitig und führte zu drastischen Preisanstiegen, gefolgt von mengenmäßigen Anpassungen.

Der globale Preisschock traf alle Exportmärkte der EU

Im Jahr 2022 stiegen die EU-Exportpreise von durchschnittlich ~760 €/t auf ~1.100 €/t — ein Anstieg von rund 45 %. Die Daten zu einzelnen Handelspartnern zeigen, dass dieser Schock quasi universell auftrat:

Exportmarkt Preis 2021 (€/t) Preis 2022 (€/t) Preisanstieg 2022 (%) Preisanstieg vs. Baseline (%) Abnormalität
Schweiz 791 1.152 +45,6 % +44,5 % 39,6
Vereinigtes Königreich 727 1.108 +52,4 % +53,8 % 38,1
Saudi-Arabien 483 882 +82,6 % +78,7 % 26,7
Marokko 637 1.014 +59,1 % +62,1 % 23,4
USA 728 1.140 +56,6 % +53,3 % 17,6
Australien 656 897 +36,8 % +40,1 % 11,9
Türkei 598 924 +54,6 % +61,0 % 10,3

Quelle: Volatility & Shocks – Price Shocks

Die höchste Abnormalität (39,6) weist die Schweiz auf — hier war der Preisschock im Verhältnis zur historischen Volatilität am stärksten ausgeprägt. Das Vereinigte Königreich, als mit Abstand größter Exportmarkt, verzeichnete ebenfalls einen außergewöhnlich hohen Anstieg (Abnormalität: 38,1), der das Gesamtbild maßgeblich prägte.

Energie- und Rohstoffkosten als treibende Kraft

Der Preisschock 2022 lässt sich im Kontext der Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine sowie gestiegener Rohstoff- und Transportkosten interpretieren. Papierherstellung ist energieintensiv; steigende Gas- und Strompreise in der EU trieben die Produktionskosten. Gleichzeitig stiegen die Preise für Zellulose, Kaolin und andere Beschichtungsstoffe weltweit. Die Produktionspreise der EU-Produzenten stiegen von 0,65 €/kg (2015) auf 1,03 €/kg (2022) — ein Anstieg von 58 %.

Mengenanpassungen nach dem Preisschock

Die hohen Preise führten bei vielen Exportmärkten zu nachhaltigen mengenmäßigen Rückgängen:

Exportmarkt Menge 2021 (t) Menge 2022 (t) Menge 2025 (t) Veränderung 2021→2025
Vereinigtes Königreich 241.010 224.804 145.404 −39,7 %
Australien 33.601 18.739 8.908 −73,5 %
Türkei 95.014 68.220 60.621 −36,2 %
Mexiko 41.520 30.762 18.812 −54,7 %
Russland 35.605 11.472 0 −100 %
Ägypten 55.152 40.379 41.896 −24,1 %

Quelle: Volatility & Shocks

Besonders dramatisch ist der Fall Russlands: 2021 noch ein bedeutender Exportmarkt (35.605 t) fielen die Lieferungen 2023 auf 14.850 t und 2024/2025 auf praktisch null — bedingt durch die EU-Sanktionen nach dem Überfall auf die Ukraine.

Importseitige Preisanomalien spiegeln globale Angebotsverengung

Auch auf der Importseite wurden Preisschocks festgestellt. Insbesondere bei Importen aus Brasilien (Preisanstieg 2022: +35,4 % vs. Baseline) und China (+51,2 %) wurden signifikante Anomalien erkannt. Die importierten Mengen aus Brasilien fielen 2022 auf 12.802 t (nach 47.763 t im Pandemiejahr 2020), stiegen dann 2025 wieder auf 23.776 t. Die Importe aus China hingegen stiegen trotz der Preissteigerung kontinuierlich weiter — von 6.652 t (2015) auf 53.381 t (2025) — was auf eine zunehmende Preissensitivität und Verlagerung der Beschaffung hinweist.

Die Bogenware verdrängt zunehmend die Rollenware im Import

Die Unterpositionsanalyse zeigt eine bemerkenswerte Verschiebung innerhalb der Warengruppe. Bei den Importen überholte die Bogenware (48102980) die Rollenware (48102930) und erreichte 2025 ein Volumen von 156.905 t gegenüber 39.191 t für Rollen. Die importierte Bogenware stieg damit um 463 % (von 27.902 t auf 156.905 t), während die Rollenware nur um 58 % zunahm. Im Export dominiert nach wie vor die Rollenware (331.127 t vs. 194.726 t), doch beide Formate verzeichnen Rückgänge.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für gestrichene grafische Papiere (CN 481029) befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Der Zeitraum 2015–2025 ist durch drei zentrale Entwicklungen geprägt:

  1. Ein irreversibler Rückgang der EU-Exporte um rund die Hälfte, der mit der Digitalisierung von Medien und der veränderten Nachfrage nach grafischen Papieren zusammenhängt. Gleichzeitig hat sich die EU-Produktion nahezu halbiert, was auf Stilllegungen und Kapazitätsanpassungen in der europäischen Papierindustrie hindeutet.

  2. Eine dramatische Umorientierung der Handelsströme: Traditionelle Märkte wie das Vereinigte Königreich (post-Brexit), Russland (Sanktionen) und Australien verloren stark an Bedeutung, während sich die Importseite von der Schweiz und dem UK hin zu den USA und China verlagerte. Die US-Importe sind um das 25-Fache gestiegen — ein Indiz für die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit nordamerikanischer und asiatischer Produzenten.

  3. Ein globaler Preisschock im Jahr 2022, bedingt durch Energiekrise und Rohstoffpreisanstiege, der die ohnehin fragile Marktlage weiter destabilisierte. Die Preise haben sich bis 2025 teilweise normalisiert, verbleiben aber deutlich über dem Vorkrisenniveau. Die mengenmäßigen Verluste vieler Exportmärkte haben sich als nachhaltig erwiesen.

Insgesamt wird die EU bei CN 481029 von einem starken Nettoexporteur zu einem Markt, dessen Handelsbilanzüberschuss rapide schmilzt. Die zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Herkunftsländer birgt zudem strategische Risiken für die europäische Versorgungssicherheit mit grafischen Papieren.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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