Marktentwicklung: Mandeln, frisch oder getrocknet, ohne Schale (CN 080212) — 2015–2025
Einleitung
Die Europäische Union ist der weltweit größte Importeur geschälter Mandeln. Im Zeitraum 2015 bis 2025 bewegte sich die Netto-Importabhängigkeit der EU konstant zwischen 78 % und 84 %, bei einer Handelsintensität von über 90 %. Innerhalb dieses Zeitraums prägten drei zentrale Dynamiken die Marktentwicklung: ein anhaltender globaler Preisverfall bei gleichzeitig wachsenden Importmengen, eine zunehmende Konzentration der Importquellen auf die Vereinigten Staaten, sowie erhebliche geopolitisch bedingte Umstrukturierungen der Handelsströme — insbesondere durch den Brexit und das Aufkommen neuer Märkte im Mittelmeerraum. Der vorliegende Bericht untersucht diese Entwicklungen auf Grundlage der verfügbaren Handelsdaten.
1. Strukturelle Preiserosion trotz Mengenwachstum
Der Importwert sank um fast ein Fünftel, obwohl die Einfuhrmengen um ein Viertel stiegen
Die zentrale Paradoxie des EU-Mandelmarkts zwischen 2015 und 2025 liegt in der gegenläufigen Entwicklung von Mengen und Werten. Die Importvolumina stiegen von 222.592 t auf 276.465 t (+24,2 %), während die Importpreise von 8.301 €/t auf 5.406 €/t fielen (−34,9 %). Der Nettoeffekt war ein Rückgang des Importwerts von 1,85 Mrd. € auf 1,50 Mrd. € (−19,1 %). Der Tiefstpreis wurde 2023 mit rund 3.821 €/t erreicht; seither haben sich die Preise teilweise erholt, liegen aber weiter deutlich unter dem Ausgangsniveau.
| Kennzahl | 2015 | 2019 | 2021 | 2023 | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Importwert (Mrd. €) | 1.848 | 1.470 | 1.153 | 1.046 | 1.495 | −19,1 % |
| Importmenge (t) | 222.592 | 265.089 | 298.340 | 273.812 | 276.465 | +24,2 % |
| Importpreis (€/t) | 8.301 | 5.544 | 3.865 | 3.821 | 5.406 | −34,9 % |
Quelle: Übersicht Handelsströme
Die Exportpreise folgten dem gleichen Abwärtstrend, während die Exportmengen weitgehend stabil blieben
Auch auf der Exportseite sanken die Preise erheblich — von 10.041 €/t (2015) auf 6.951 €/t (2025), ein Rückgang von 30,8 %. Die Exportvolumina blieben mit rund 24.000 t nahezu unverändert (+2,2 %), sodass der Exportwert von 235 Mio. € auf 167 Mio. € sank (−29,2 %). Der Exportpreis-Tiefpunkt wurde 2024 bei 5.698 €/t erreicht. Bemerkenswert ist, dass 2019 mit 36.454 t und 260 Mio. € der stärkste Exportjahrgang der gesamten Periode war — ein Niveau, das seitdem nicht wieder erreicht wurde.
| Kennzahl | 2015 | 2019 | 2021 | 2023 | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. €) | 235 | 260 | 125 | 111 | 167 | −29,2 % |
| Exportmenge (t) | 23.451 | 36.454 | 19.848 | 18.711 | 23.978 | +2,2 % |
| Exportpreis (€/t) | 10.041 | 7.118 | 6.296 | 5.920 | 6.951 | −30,8 % |
Quelle: Übersicht Handelsströme
Das Handelsbilanzdefizit hat sich verbessert, bleibt aber erheblich
Die EU verzeichnete in allen Jahren ein deutliches Handelsbilanzdefizit bei Mandeln. Dennoch verbesserte sich das Defizit von −1,61 Mrd. € (2015) auf −1,33 Mrd. € (2025), eine Verbesserung um 17,6 %. Die Exportquote sank jedoch von 58,7 % auf 52,2 %, was darauf hindeutet, dass die EU trotz leichter Verbesserung der Handelsbilanz langfristig eine geringere Fähigkeit entwickelt, ihre Produktion auf dem Weltmarkt abzusetzen.
2. US-amerikanische Dominanz und die Verdopplung der EU-Erzeugung
Die USA liefern über 90 % der EU-Mandelimporte nach Wert
Die Vereinigten Staaten dominieren die EU-Mandelimporte in einem Ausmaß, das in kaum einem anderen Agrarprodukt zu beobachten ist. Im Jahr 2015 beliefen sich die US-Importe auf 1,58 Mrd. € (85,5 % des Gesamtwerts); 2025 waren es 1,41 Mrd. € — was einem Anteil von 94,6 % entspricht, nachdem andere Lieferanten stärker an Bedeutung verloren. Die Importmengen aus den USA stiegen dabei von 188.260 t auf 261.095 t (+38,7 %), während die Preise von 8.393 €/t auf 5.416 €/t fielen (−35,5 %). Die USA sind damit der einzige Partner, bei dem trotz Preisverfall stabile und umfangreiche Volumina geliefert wurden.
Der Herfindahl-Index zeigt eine zunehmende Konzentration der Importquellen
Die Importkonzentration (gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index, HHI, nach Wert) stieg von 7.417 (2015) auf 8.964 (2025), ein Anstieg von 20,9 %. Werte über 2.500 gelten als hochkonzentriert; die EU liegt damit weit über dieser Schwelle. Der deutlichste Konzentrationsschub erfolgte 2021 (HHI 8.732), als die Importe aus dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit kollabierten und der Marktanteil der USA sprunghaft anstieg. Parallel dazu ging die Exportkonzentration von 2.678 auf 1.071 zurück (−60,0 %), was bedeutet, dass die EU ihre Mandel-Exporte heute deutlich breiter gestreut als noch 2015.
Die EU-eigene Mandelerzeugung hat sich 2024 nahezu verdoppelt
Ein bemerkenswerter Gegenpol zur Importabhängigkeit ist das Wachstum der EU-Produktion. Zwischen 2022 und 2024 verdoppelte sich die Erzeugungsmenge von 314.000 t auf rund 600.000 t (+91,1 %), während der Produktionswert nahezu unverändert bei rund 1 Mrd. € blieb (−1,0 %). Dies entspricht einem Einheitspreis-Rückgang von 3,18 €/kg (2022) auf 1,65 €/kg (2024). Die Produktion ist stark konzentriert: Spanien erzeugt 51,6 % der EU-Menge und ist mit einem RCA-Wert von 8,91 der einzige hochspezialisierte Erzeuger. Portugal folgt mit 5,7 % Anteil und einem RCA von 4,11. Dieses Produktionswachstum, vor allem in spanischen Neuanpflanzungen, die in den 2010er-Jahren begonnen haben, erklärt einen Teil des globalen Preisdrucks.
3. Geopolitische Umstrukturierung: Vom Brexit bis zu neuen Mittelmeer-Partnern
Der Brexit hat den bilateralen Mandelhandel mit dem Vereinigten Königreich weitgehend zum Erliegen gebracht
Die Brexit-Folgen sind im Mandelhandel besonders drastisch sichtbar. Die EU-Importe aus dem Vereinigten Königreich fielen von 63,6 Mio. € (2015) auf 1,3 Mio. € (2025), ein Rückgang von 98,0 %. Die Importmengen sanken von 7.478 t auf 157 t. Auch auf der Exportseite brach der Handel ein: Die EU-Ausfuhren in das Vereinigte Königreich fielen von 95,5 Mio. € auf 31,8 Mio. € (−66,7 %). Der Volatilitätskoeffizient der Importe aus dem Vereinigten Königreich liegt bei 0,91 — der höchste Wert aller Hauptlieferanten und Ausdruck der abrupten Handelsumlenkung durch den Austritt. Der Vereinigte Königreich war 2015 noch der drittgrößte Importeur in die EU und ist heute ein unbedeutender Lieferant.
Ägypten und die Türkei sind zu den dynamischsten Exportwachstumsmärkten aufgestiegen
Während traditionelle Exportziele an Bedeutung verloren, wuchsen neue Märkte im Mittelmeerraum und Nahen Osten rasant. Die EU-Exporte nach Ägypten stiegen von 773.000 € (2015) auf 26,8 Mio. € (2025), eine Steigerung von 3.364 %. Die Exporte in die Türkei entwickelten sich von 2,0 Mio. € auf 17,1 Mio. € (+732 %). Albanien verzeichnete einen Anstieg von 594.000 € auf 4,8 Mio. € (+706 %). Diese Dynamik spiegelt die wachsende Verarbeitungsindustrie in diesen Ländern wider. Gleichzeitig verloren die USA als Exportziel stark an Bedeutung (von 72 Mio. € auf 10 Mio. €, −86,6 %). Die Schweiz blieb als stabiler Abnehmer mit 27 Mio. € (+50,8 %) ein wichtiger Partner.
| Exportziel | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 95,5 | 31,8 | −66,7 % |
| Ägypten | 0,8 | 26,8 | +3.364 % |
| Schweiz | 17,7 | 26,7 | +50,8 % |
| Türkei | 2,0 | 17,1 | +732 % |
| Albanien | 0,6 | 4,8 | +706 % |
Quelle: Handelspartner Exporte
Afghanistan und Vietnam sind als neue, volatile Importquellen hinzugekommen
Neben der US-Dominanz haben sich kleinere, aber wachsende Importquellen etabliert. Die Importe aus Afghanistan stiegen von 1,1 Mio. € auf 4,9 Mio. € (+337,5 %), sind aber mit einem Volatilitätskoeffizienten von 1,03 extrem schwankend — ein Spiegelbild der politischen Instabilität. Vietnam, das 2015 noch keine Rolle spielte, lieferte 2025 Mandeln im Wert von 5,7 Mio. € (CV 1,03). Australien hingegen verlor stark an Bedeutung: von 177 Mio. € auf 48 Mio. € (−73,2 %), was teilweise auf die Dürreperioden in Australien und die US-Dominanz zurückzuführen ist. Auch Marokko (−52,4 %) und Chile (−61,9 %) lieferten 2025 deutlich weniger als 2015. Innerhalb der EU verlagerten sich die Hauptimporteure: Belgien verlor 72 % seines Importvolumens, während die Niederlande (+56 %) und Italien (+31 %) als Verarbeitungs- und Verteilerzentren an Bedeutung gewannen.
Schluss
Der EU-Mandelmarkt hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 tiefgreifend verändert. Die dominierende Entwicklung ist ein struktureller Preisverfall um rund ein Drittel, der durch das weltweite Produktionswachstum — insbesondere in Kalifornien und zunehmend auch in Spanien — getrieben wird. Trotz steigender Mengen sanken die Handelswerte. Gleichzeitig hat sich die Abhängigkeit von den USA als Hauptlieferant weiter verfestigt: Der Import-HHI stieg auf fast 9.000, was eine extreme Konzentration darstellt. Auf der Exportseite zeigen sich hingegen positive Zeichen der Diversifizierung, mit neuen Wachstumsmärkten in Ägypten, der Türkei und Albanien. Der Brexit hat den bilateralen Handel mit dem Vereinigten Königreich nachhaltig gestört und bestehende Handelsmuster aufgebrochen. Die Verdopplung der EU-Produktion auf rund 600.000 t im Jahr 2024 — vor allem durch spanische Neuanpflanzungen — könnte mittelfristig die Importabhängigkeit verringern, setzt aber auch die europäischen Erzeuger dem globalen Preisdruck aus. Für die Handelspolitik bleibt die hohe Konzentration der Importquellen das zentrale Risiko, während die Exportdiversifizierung als positive Entwicklung zu werten ist.