Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Haselnusskerne (CN 080222) — 2015–2025

Einführung

Die Europäische Union ist der weltweit größte Verarbeitungs- und Konsummarkt für Haselnüsse. Der Zollcode CN 080222 erfasst Haselnüsse der Gattung Corylus, frisch oder getrocknet, ohne Schale — also die für die Lebensmittelindustrie relevante Rohware. Im Zeitraum 2015–2025 blieb die EU mit einer Netto-Importabhängigkeit von rund 83–84 % ein ausgeprägter Nachfragemarkt. Gleichzeitig vollzogen sich tiefgreifende Verschiebungen bei den Lieferländern, den Handelsströmen und der inländischen Produktion. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Dynamiken anhand verfügbarer Handels- und Produktionsdaten.


1. Importwachstum bei fallenden Preisen — Türkei verliert Marktanteile

1.1 Das Importvolumen stieg deutlich, der Wert stagnierte

Die EU-Importe von Haselnusskernen entwickelten sich mengenmäßig positiv, blieben aber preislich unter Druck:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Menge (t) 120.423 149.967 +24,5 %
Wert (Mrd. EUR) 1,20 1,27 +5,5 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 9.966 8.442 −15,3 %

Quelle: General Overview — trade

Die Diskrepanz zwischen dem Mengenwachstum (+24,5 %) und dem Wertwachstum (+5,5 %) spiegelt einen deutlichen Preisrückgang wider. Der durchschnittliche Importpreis fiel von 9.966 EUR/t auf 8.442 EUR/t. Der Importwert erreichte seinen Tiefpunkt 2020 mit 721 Mio. EUR, was auf die COVID-19-Pandemie und eine schwache Nachfrage aus der Süßwarenindustrie zurückzuführen ist, bevor er sich bis 2025 wieder erholte.

1.2 Die Türkei bleibt Hauptlieferant, verliert aber dramatisch an Gewicht

Türkische Haselnüsse dominieren traditionell den EU-Markt. Im Zeitraum 2015–2025 vollzog sich jedoch eine bemerkenswerte Diversifizierung:

Lieferland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Türkiye 986,7 743,2 −24,7 %
Chile 12,6 288,2 +2.187 %
Georgien 130,2 83,0 −36,3 %
Aserbaidschan 61,1 58,2 −4,7 %
USA 1,9 80,5 +4.136 %

Quelle: General Overview — top_partners_by_value

Die Türkei büßte im Beobachtungszeitraum fast ein Viertel ihres Exportwerts an die EU ein. Gleichzeitig stiegen Chile und die USA zu bedeutenden Lieferanten auf: Chile erhöhte seine Ausfuhren von 12,6 Mio. EUR auf 288,2 Mio. EUR, die USA von 1,9 Mio. EUR auf 80,5 Mio. EUR. Dies spiegelt den Aufbau neuer Produktionskapazitäten — insbesondere in Chile (Regionen um Santiago und Concepción) — sowie US-amerikanische Veredelungsexporte wider. Georgien verlor ebenfalls deutlich an Boden (−36,3 %), während Aserbaidschan weitgehend stabil blieb.

1.3 Die Importkonzentration nahm spürbar ab

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 6.903 auf 4.070 (−41,0 %):

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI (Wert) 6.903 4.070 −41,0 %
HHI (Menge) 6.639 4.217 −36,5 %

Quelle: Konzentration — HHI

Ein HHI von über 2.500 gilt als hochkonzentriert. Die EU-Importe für CN 080222 blieben auch 2025 hochkonzentriert — die Abhängigkeit von der Türkei ist nach wie vor strukturell bedeutsam. Dennoch markiert der Rückgang um 41 % einen klaren Trend zur Lieferanten-Diversifizierung, der die Versorgungsresilienz der EU erhöht.


2. Struktureller Exportrückgang der EU

2.1 EU-Exporte halbierten sich nahezu

Während die Importe wuchsen, verloren die EU-Haselnussexporte im selben Zeitraum erheblich an Dynamik:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Menge (t) 4.107 1.928 −53,1 %
Wert (Mio. EUR) 43,6 17,6 −59,5 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 10.615 9.152 −13,8 %

Quelle: General Overview — trade

Die Exporte halbierten sich mengenmäßig von 4.107 t auf 1.928 t. Auch die Preise fielen, wenn auch weniger stark als bei den Importen (−13,8 % vs. −15,3 %). Die EU war 2025 mit einem Exportanteil von nur 1,3 % am Gesamthandel (Importe + Exporte) praktisch ein Netto-Importeur ohne nennenswerte Ausfuhrgewichtung.

2.2 Alle wichtigen Exportmärkte schrumpften

Keiner der sieben wichtigsten Exportpartner konnte im Zeitraum 2015–2025 ein positives Wachstum verzeichnen:

Zielland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 8,8 1,1 −87,2 %
Schweiz 14,2 6,4 −54,9 %
Türkiye 3,2 3,4 +4,0 %
USA 0,7 0,2 −70,0 %
Brasilien 2,5 0,6 −77,6 %
Venezuela 1,9 1,2 −33,8 %

Quelle: General Overview — top_partners_by_value (exports)

Der Rückgang war beim Vereinigten Königreich am stärksten (−87,2 %), was teilweise auf den Brexit und veränderte Handelsabkommen zurückzuführen sein kann. Selbst die traditionell wichtige Schweiz als Zielmarkt halbierte ihre EU-Importe nahezu. Lediglich die Türkei — selbst der größte globale Produzent — importierte 2025 geringfügig mehr aus der EU als 2015.

2.3 Italien dominiert EU-weit als Exporteur und Importeur

Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Spezialisierungsstruktur:

EU-Land Exporte 2025 (Mio. EUR) Importe 2025 (Mio. EUR) RSCA
Italien 7,8 462,6 0,77
Deutschland 2,8 457,7
Spanien 2,0 51,8
Niederlande 2,0 41,6 0,04
Bulgarien 0,49

Quelle: General Overview — top_reporters_by_value und Spezialisierung

Italien ist mit einem RSCA-Wert von 0,77 das am stärksten spezialisierte EU-Land im Haselnusshandel — zugleich größter Importeur (462,6 Mio. EUR) und größter Exporteur (7,8 Mio. EUR). Dies unterstreicht Italiens Rolle als europäisches Verarbeitungszentrum (insbesondere Piemont, Hauptstadt der Haselnussverarbeitung für Schokolade und Nuss-Nougat-Cremes). Bemerkenswert ist Polands Importanstieg von 10,2 Mio. EUR auf 75,4 Mio. EUR (+637 %), was auf eine wachsende Lebensmittelverarbeitungsindustrie hindeutet.


3. Steigende EU-Produktion, anhaltende Importabhängigkeit und Volatilität

3.1 Die inländische Produktion verdoppelte sich mengenmäßig

Parallel zur Handelsentwicklung stieg die EU-Haselnussproduktion erheblich:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Mio. kg) 314 600 +91,1 %
Produktionswert (Mrd. EUR) 1,0 0,99 −1,0 %

Quelle: Produktionsvolumen

Die Produktionsmenge stieg von 314 Mio. kg auf 600 Mio. kg — ein Anstieg um über 91 %. Der Produktionswert blieb jedoch nahezu unverändert bei rund 1 Mrd. EUR, was auf sinkende Erzeugerpreise hindeutet. Dennoch blieb die EU-Produktion mengenmäßig deutlich unter dem Importniveau (149.967 t ≈ 150 Mio. kg Importe vs. 600 Mio. kg inländische Produktion), wobei ein erheblicher Teil der Produktion selbst exportiert oder verarbeitet wird.

3.2 Die Importabhängigkeit blieb trotz allem hoch

Trotz der Produktionssteigerung blieb die Netto-Importabhängigkeit nahezu unverändert:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Netto-Importabhängigkeit (%) 83,1 83,8 +0,9 %-Pkte
Handelsintensität (%) 93,6 92,9 −0,8 %-Pkte
Exportneigung (%) 58,7 52,2 −11,0 %-Pkte

Quelle: Net Import Reliance, Trade Intensity, Export Propensity

Die Netto-Importabhängigkeit stagnierte bei über 83 %, obwohl die inländische Produktion stieg. Dies erklärt sich dadurch, dass das Nachfragewachstum (getrieben durch die Süßwarenindustrie und den Trend zu gesunden Snacks) die Produktionssteigerung übertraf. Die Exportneigung sank um 11 Prozentpunkte auf 52,2 %, was bedeutet, dass ein wachsender Anteil der EU-Produktion im Binnenmarkt verbleibt.

3.3 Preisschocks und Lieferanten-Volatilität

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass einige Handelsbeziehungen deutlich stärker schwankten als andere:

Import-Volatilität (Variationskoeffizient, CV):

Lieferland CV
Türkiye 0,12
Chile 0,59
Georgia 0,39
Azerbaijan 0,19
USA 1,66
China 1,79

Quelle: Volatility Bars

Die Türkei als Hauptlieferant zeigte die niedrigste Volatilität (CV = 0,12), was ihre etablierte Rolle als zuverlässiger Großlieferant unterstreicht. Hingegen weisen die USA (CV = 1,66) und China (CV = 1,79) eine sehr hohe Schwankung auf — hier handelt es sich um Nischenlieferanten mit stark schwankenden Mengen.

Zwei Preisschock-Ereignisse wurden identifiziert:

Ereignis Jahr Typ Shift (%)
USA (Exporte) 2021 Preisschock +112,4 %
Azerbaijan (Exporte) 2019 Preisschock +171,1 %

Der US-Preisschock 2021 (Abnormalität: 7,2) könnte mit den Nachwirkungen der Pandemie, gestörten Lieferketten und einer temporären Knappheit auf dem US-Markt zusammenhängen. Der aserbaidschanische Schock 2019 blieb mengenmäßig begrenzter (Abnormalität: 2,1).


Fazit

Der EU-Markt für Haselnusskerne (CN 080222) durchlief zwischen 2015 und 2025 drei wesentliche Transformationen:

Erstens vollzog sich eine spürbare Diversifizierung der Importquellen. Die Türkei verlor als Monopollieferant deutlich an Anteilen, während Chile und die USA zu bedeutenden Lieferanten aufstiegen. Der HHI-Rückgang um 41 % signalisiert eine robustere, weniger konzentrierte Beschaffungsstruktur — wenngleich die Abhängigkeit von der Türkei strukturell weiterhin hoch bleibt.

Zweitens kollabierten die EU-Exporte nahezu vollständig (−59,5 %). Das Vereinigte Königreich als traditioneller Abnehmermarkt fiel weg, und die EU entwickelte sich zunehmend zu einem reinen Binnenmarkt- und Importmarkt für Haselnüsse.

Drittens stieg die inländische Produktion mengenmäßig um über 90 %, konnte die Importabhängigkeit jedoch nicht nennenswert senken. Das wachsende Nachfragevolumen — angetrieben durch die Süßwarenindustrie und veränderte Konsumgewohnheiten — überstieg die Produktionssteigerungen. Die anhaltende Netto-Importabhängigkeit von über 83 % macht den EU-Markt weiterhin anfällig für Lieferkettenunterbrechungen und Preisschwankungen auf den Weltmärkten.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.