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Marktentwicklung: Kunststoffverpackungen (CN 3923) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit dem Warenkode CN 3923 – Transportmittel oder Verpackungsmittel, aus Kunststoffen; Stöpsel, Deckel, Kapseln und andere Verschlüsse, aus Kunststoffen im Zeitraum von 2015 bis 2025. Der betrachtete Warenkreis umfasst sieben Unterpositionen, darunter Säcke und Beutel aus Polyethylen (392321), Dosen und Kisten (392310), Flaschen und Flakons (392330), Verschlüsse (392350) sowie weitere Verpackungsmittel. Die Analyse basiert auf Jahresdaten der EU-Handelsstatistik gegenüber Drittländern und umfasst Werte (in EUR), Mengen (in Tonnen Netto) und Einheitspreise.


1. Preisgetriebenes Wachstum bei schrumpfendem Handelsüberschuss

1.1 Die Handelswerte stiegen deutlich stärker als die physischen Volumina

Im Zeitraum 2015–2025 wuchsen sowohl die EU-Exporte als auch die EU-Importe von CN-3923-Waren erheblich. Besonders auffällig ist jedoch, dass die Wertentwicklung die Mengenentwicklung bei Weitem übertraf, was auf einen erheblichen Preisanstieg hinweist:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte – Wert (Mrd. EUR) 4,46 6,59 +47,6 %
Exporte – Menge (Mio. t) 1,19 1,45 +22,5 %
Exporte – Preis (EUR/t) 3.758 4.528 +20,5 %
Importe – Wert (Mrd. EUR) 3,94 6,18 +56,8 %
Importe – Menge (Mio. t) 1,15 1,45 +26,8 %
Importe – Preis (EUR/t) 3.442 4.258 +23,7 %

Die Differenz zwischen dem Wertwachstum und dem Mengenwachstum (rund 25–30 Prozentpunkte bei Importen bzw. Exporten) ist nahezu vollständig auf Preissteigerungen zurückzuführen. Die Einheitspreise lagen 2022–2023 auf einem historischen Hoch – die Exportpreise erreichten 2022 mit 4.651 EUR/t ihr Maximum, die Importpreise 2023 mit 4.753 EUR/t. Dies korrespondiert mit dem weltweiten Rohstoffpreisanstieg in der petrochemischen Kette nach der COVID-19-Pandemie sowie dem Energiepreisschock infolge des Kriegs in der Ukraine.

1.2 Der Handelsüberschuss der EU schrumpfte um über ein Fünftel

Die EU weist im gesamten Betrachtungszeitraum einen positiven Handelsbilanzsaldo bei CN 3923 auf, doch dieser Handelsüberschuss verringerte sich spürbar:

Jahr Exporte (Mrd. EUR) Importe (Mrd. EUR) Saldo (Mio. EUR)
2015 4,46 3,94 +518
2018 5,25 4,48 +767
2020 5,08 4,37 +712
2022 6,84 6,53 +314
2024 6,62 5,91 +707
2025 6,59 6,18 +402

Der Saldo schwankte im Zeitverlauf erheblich: Er erreichte seinen Höchstwert 2019 mit rund 934 Mio. EUR und seinen Tiefstwert 2022 mit nur noch 314 Mio. EUR. Im Jahr 2025 betrug der Überschuss rund 402 Mio. EUR – ein Rückgang von 22,4 % gegenüber 2015. Die Importe wuchsen mit +56,8 % somit deutlich schneller als die Exporte (+47,6 %). Die Netto-Importabhängigkeit blieb dabei negativ (die EU ist Nettoexporteur), veränderte sich jedoch von −0,48 % (2015) auf −1,17 % (2025).

1.3 Segmentanalyse: Kisten, Beutel und Flaschen dominieren das Handelsvolumen

Die Unterpositionen von CN 3923 zeigen ein differenziertes Bild. Im Jahr 2025 verteilten sich die EU-Importe und -Exporte wie folgt:

Segment Beschreibung Importe 2025 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR)
392321 Säcke/Beutel aus PE 1.305 781
392310 Dosen, Kisten, Verschläge 1.295 1.842
392330 Flaschen, Flakons 1.033 1.010
392350 Stöpsel, Deckel, Verschlüsse 989 1.363
392390 Sonstige Verpackungsmittel 859 951
392329 Säcke/Beutel (ohne PE) 613 542
392340 Spulen, Warenträger 90 98

Bei den Exporten sind Kisten und Dosen (392310) mit 1.842 Mio. EUR das mit Abstand größte Segment, gefolgt von Verschlüssen (392350) mit 1.363 Mio. EUR. Bei den Importen dominieren PE-Beutel (392321) und Kisten (392310) in ähnlicher Größenordnung. Bemerkenswert ist, dass die EU bei Kisten und Verschlüssen einen deutlichen Exportüberschuss aufweist, während bei PE-Beuteln die Importe die Exporte weit übersteigen.

Die Einheitspreise variieren erheblich zwischen den Segmenten: Verschlüsse (392350) werden mit durchschnittlich 8.287 EUR/t importiert und 7.447 EUR/t exportiert, während PE-Beutel (392321) lediglich 2.431 EUR/t (Import) bzw. 3.802 EUR/t (Export) erzielen. Dies spiegelt den höheren Wertschöpfungsgrad von Verschlusssystemen wider.


2. Geopolitische Umbrüche und neue Handelspartner

2.1 China und die Türkei als starke Wachstumstreiber bei den EU-Importen

Die Partnerländeranalyse zeigt eine deutliche Verschiebung der Importquellen. China ist mit großem Abstand der wichtigste Lieferant und vergrößerte seinen Vorsprung erheblich:

Lieferant Importe 2015 (Mio. EUR) Importe 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 961 1.838 +91,2 %
Vereinigtes Königreich 766 809 +5,7 %
Schweiz 482 610 +26,5 %
Türkei 285 634 +122,8 %
Vietnam 252 367 +45,6 %
USA 349 591 +69,4 %
Serbien 59 233 +297,5 %

China nahezu verdoppelte seine Exporte in die EU – von 961 Mio. EUR auf 1.838 Mio. EUR – und machte 2025 rund 29,7 % aller EU-Importe bei CN 3923 aus. Die Türkei verzeichnete mit +122,8 % das zweitstärkste Wachstum und stieg von 285 Mio. EUR auf 634 Mio. EUR. Noch spektakulärer wuchs Serbien (+297,5 %), wenngleich es absolut gesehen eine kleinere Rolle spielt. Diese Dynamik deutet auf eine zunehmende Verlagerung von Produktionskapazitäten in Niedriglohnländer sowie auf die verstärkte Integration der westlichen Balkanstaaten in europäische Lieferketten hin.

2.2 Das Vereinigte Königreich blieb trotz Brexit größter Handelspartner

Sowohl bei Importen als auch bei Exporten ist das Vereinigte Königreich der wichtigste einzelne Handelspartner der EU für CN 3923. Dies ist bemerkenswert angesichts des Brexits (2020):

Richtung 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
EU → UK (Exporte) 1.240 1.520 +22,6 %
UK → EU (Importe) 766 809 +5,7 %

Die EU exportiert fast doppelt so viel Kunststoffverpackungen in das Vereinigte Königreich wie sie von dort importiert. Mit einem Volumen von 1.520 Mio. EUR machte der UK-Absatz 2025 rund 23 % der gesamten EU-Ausfuhren aus. Die Exporte in die Schweiz stiegen ebenfalls stark (+46,9 % auf 758 Mio. EUR), und Marokko verzeichnete mit +268,2 % das stärkste Exportwachstum aller Top-Partner (von 122 Mio. EUR auf 449 Mio. EUR).

Besonders auffällig ist das Wachstum der EU-Exporte nach Serbien: Diese stiegen um 313,3 % von 70 Mio. EUR auf 288 Mio. EUR. Dies unterstreicht die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung der EU mit dem westlichen Balkan.

2.3 Zunehmende Konzentration der Importe, Diversifizierung der Exporte

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt gegenläufige Trends bei Importen und Exporten:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 1.324 1.430 +8,0 %
HHI Exporte (Wert) 1.121 937 −16,4 %

Die Importe konzentrieren sich zunehmend auf wenige Lieferanten – vor allem China und die Türkei – was den HHI um 8 % ansteigen ließ. Gleichzeitig diversifizierten die EU-Exporteure ihre Absatzmärkte: Der Export-HHI sank von 1.121 auf 937 (−16,4 %). Während die EU also auf der Importseite abhängiger von einzelnen Herkunftsländern wird, erschließt sie auf der Exportseite neue Märkte. Die Volatilitätsanalyse bestätigt, dass die Lieferbeziehungen zu einigen Partnern erheblichen Schwankungen unterliegen – der Variationskoeffizient der Importe aus Malaysia beträgt beispielsweise 0,51, was auf eine instabile Handelsbeziehung hindeutet.


3. Robuste Binnenproduktion und steigende Exportneigung des Sektors

3.1 Die EU-Inlandsproduktion wuchs noch schneller als der Außenhandel

Neben dem Außenhandel entwickelte sich auch die EU-Binnenproduktion äußerst dynamisch:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Mrd. kg) 81,8 135,9 +66,1 %
Produktionswert (Mrd. EUR) 19,1 49,8 +160,3 %

Die Produktionsmenge stieg um 66,1 %, der Produktionswert sogar um 160,3 %. Der hohe Wertzuwachs reflektiert sowohl die allgemeine Preissteigerung als auch eine mögliche Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten. Die Produktion erreichte ihren mengenmäßigen Höhepunkt im Jahr 2023 mit rund 146,8 Mrd. kg. Angesichts einer Exportquote (Exportneigung) von lediglich 13,3 % im Jahr 2025 wird der überwiegende Teil der Produktion im Binnenmarkt konsumiert.

3.2 Polen, Luxemburg und Litauen weisen die höchste Spezialisierung auf

Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 zeigt, welche Mitgliedstaaten eine überdurchschnittliche Exportkompetenz bei CN 3923 aufweisen (gemessen am Revealed Symmetric Comparative Advantage, RSCA):

Land RSCA Produktanteil an EU-Exporten Anteil am gesamten EU-Handelsvolumens
Luxemburg 0,70 1,8 % 0,3 %
Litauen 0,52 2,0 % 0,6 %
Malta 0,29 0,07 % 0,04 %
Polen 0,24 10,9 % 6,6 %
Österreich 0,19 4,8 % 3,3 %

Polen sticht hier hervor: Mit einem Produktanteil von 10,9 % an den EU-Exporten und einem positiven RSCA von 0,24 ist es der mit Abstand größte spezialisierte Produzent. Der polnische Export stieg im Betrachtungszeitraum um 84,1 % auf 469 Mio. EUR. Auf der anderen Seite weisen Belgien (RSCA: −0,21), Irland (RSCA: −0,75) und Zypern (RSCA: −0,84) eine negative Spezialisierung auf, das heißt, sie importieren überproportional viel im Verhältnis zu ihren Exporten in diesem Sektor.

3.3 Preisvolatilität und vereinzelte Schocks prägten die Handelsströme

Die Volatilitätsanalyse identifiziert mehrere Handelsbeziehungen mit hoher Schwankungsintensität (gemessen am Variationskoeffizienten, CV):

Handelspartner CV Importe CV Exporte
Vereinigtes Königreich 0,33 0,05
Malaysia 0,51
Russland 0,40
Serbien 0,24 0,25
Türkei 0,24 0,19

Besonders bemerkenswert ist die hohe Volatilität der EU-Importe aus Malaysia (CV: 0,51) sowie der Exporte nach Russland (CV: 0,40). Letztere ist wahrscheinlich mit den Sanktionen infolge des Ukraine-Konflikts ab 2022 erklärbar. Die drei wichtigsten identifizierten Preisschocks im Betrachtungszeitraum waren:

Partner Schocktyp Richtung Anomaliewert Zeitpunkt Anteil am Handelswert
Israel Preis Exporte 170,6 2022 1,5 %
Schweiz Preis Importe 8,5 2022 13,2 %
Südkorea Preis Exporte 3,3 2023 1,2 %

Der extrem hohe Anomaliewert bei den Exporten nach Israel (170,6) im Jahr 2022 deutet auf einen massiven Preisausschlag hin, während der Schweizer Import-Schock 2022 (Anomalie: 8,5) mit einem Wertanteil von 13,2 % handelspolitisch relevanter ist. Beide Ereignisse fallen in das Jahr 2022, das von Energiepreisschocks und Lieferkettenstörungen geprägt war.


Fazit

Der EU-Markt für Kunststoffverpackungen (CN 3923) hat sich im Zeitraum 2015–2025 durch ein robustes, wenn auch preisgetriebenes Wachstum ausgezeichnet. Die Handelswerte stiegen um fast 50 % (Exporte) bzw. über 55 % (Importe), wobei die physischen Volumina lediglich um 22–27 % wuchsen. Die EU blieb throughout Nettoexporteur, doch der Handelsüberschuss schrumpfte um 22 %, getrieben durch das rasante Wachstum der Importe aus China (+91 %) und der Türkei (+123 %).

Die strukturelle Widerstandsfähigkeit des Sektors ist beachtlich: Die EU-Binnenproduktion wuchs mengenmäßig um 66 % und wertmäßig um 160 %, die Exportneigung stieg von 8,3 % auf 13,3 %, und die Exportmärkte wurden zugleich diversifiziert (HHI-Rückgang um 16 %). Gleichzeitig erhöhte sich die Importkonzentration – eine Entwicklung, die angesichts geopolitischer Unsicherheiten und der Diskussion um Lieferkettenresilienz im EU-Rahmen aufmerksam beobachtet werden sollte.

Die wichtigsten Risikofaktoren für die kommenden Jahre sind die Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen, die Preisvolatilität in der petrochemischen Wertschöpfungskette sowie mögliche regulatorische Eingriffe im Zusammenhang mit der EU-Kunststoffstrategie und dem Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR)-Rahmen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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