Marktentwicklung: Kleidung für Frauen oder Mädchen aus Geweben, kautschutiert oder mit Kunststoff oder anderen Stoffen getränkt, bestrichen, überzogen oder laminiert (ausg. Kleidung von der Art der in Pos. 6202 genannten Waren, Kleidung für Kleinkinder sowie Bekleidungszubehör) (CN 621050) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 621050 umfasst Kleidung für Frauen oder Mädchen aus Geweben, die kautschutiert oder mit Kunststoff oder anderen Stoffen getränkt, bestrichen, überzogen oder laminiert sind — eine Produktkategorie, die unter anderem Funktionskleidung, Schutzkleidung und modische Bekleidung mit Beschichtungen einschließt. Diese Nische des Textilmarkts unterlag im Zeitraum 2015 bis 2025 erheblichen strukturellen Veränderungen: Pandemie-bedingte Nachfrageeinbrüche, geopolitische Umbrüche, Lieferkettenverlagerungen und eine zunehmende Importabhängigkeit der EU haben das Marktbild grundlegend verändert. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Handelsströme, Partnerländer und strukturellen Dynamiken auf Basis der verfügbaren EU-Trade-Dashboard-Daten.
1. Struktureller Rückgang von Handelsvolumen und -wert bei steigenden Einheitspreisen
1.1 Die EU-Importe halbierten sich nahezu — von über 730 Mio. € auf unter 370 Mio. €
Die EU-Importe von Waren des Codes 621050 verzeichneten im gesamten Betrachtungszeitraum einen dramatischen Rückgang. Der Importwert sank von 734,8 Mio. € (2015) auf 368,6 Mio. € (2025), was einem Rückgang von 49,8 % entspricht. Besonders auffällig ist der kontinuierliche Einbruch ab 2020, als die COVID-19-Pandemie den Welthandel erschütterte. Lag der Importwert 2019 noch bei 846,5 Mio. €, so fiel er 2020 trotz eines leichten Rückpralls auf 882,0 Mio. € (dem höchsten Wert im gesamten Zeitraum), um dann ab 2021 stark zu sinken.
| Jahr | Importwert (Mio. €) | Veränderung gg. Vorjahr |
|---|---|---|
| 2015 | 734,8 | — |
| 2016 | 735,9 | +0,1 % |
| 2017 | 769,1 | +4,5 % |
| 2018 | 786,0 | +2,2 % |
| 2019 | 846,5 | +7,7 % |
| 2020 | 882,0 | +4,2 % |
| 2021 | 811,8 | −8,0 % |
| 2022 | 640,0 | −21,2 % |
| 2023 | 460,4 | −28,1 % |
| 2024 | 405,1 | −12,0 % |
| 2025 | 368,6 | −9,0 % |
Quelle: Allgemeiner Überblick – Handel
1.2 Die Mengenentwicklung zeigt einen noch steileren Rückgang als der Wertverlauf
Die importierte Menge fiel von 30.551 Tonnen (2015) auf 14.296 Tonnen (2025), ein Rückgang von 53,2 % — also stärker als der Wertverlust. Dies bedeutet, dass die durchschnittlichen Importpreise trotz der Mengenkontraktion gestiegen sind: von 24.052 €/t (2015) auf 25.777 €/t (2025), was einem Anstieg von 7,2 % entspricht. Die Preissteigerung spiegelt sowohl Inflationseffekte als auch eine Verschiebung hin zu qualitativ hochwertigeren oder teureren Beschaffungsquellen wider.
1.3 Auch die EU-Ausfuhren erlitten deutliche Verluste
Die EU-Exporte von 621050 sanken von 465,8 Mio. € (2015) auf 278,0 Mio. € (2025), ein Rückgang von 40,3 %. Die exportierte Menge ging sogar noch stärker zurück: von 6.116 Tonnen auf 3.281 Tonnen (−46,4 %). Im Gegensatz zu den Importen stiegen die Exportpreise jedoch deutlich stärker — um 11,2 % von 76.166 €/t auf 84.699 €/t. Dies legt nahe, dass die EU zunehmend hochwertige, preisintensive Spezialprodukte exportiert, während das Volumengeschäft an Drittländer verloren geht.
1.4 Das Handelsbilanzdefizit verbesserte sich, bleibt aber beträchtlich
Die negative Handelsbilanz verbesserte sich von −269,0 Mio. € (2015) auf −90,6 Mio. € (2025), eine Verbesserung um 66,3 %. Allerdings ist diese Verbesserung nicht auf steigende Exporte zurückzuführen, sondern primär auf den stärkeren Rückgang der Importe. Die EU bleibt in dieser Produktkategorie ein Nettoimporteur, wobei sich das Defizit zeitweise stark ausweitete (Maximum: −474,1 Mio. € im Jahr 2018).
2. Chinas Dominanz bricht ein — Südostasien gewinnt an Bedeutung, bleibt aber instabil
2.1 China verlor zwei Drittel seines EU-Exportmarktes
China war 2015 mit 514,3 Mio. € der mit Abstand wichtigste Lieferant der EU für Produkte des Codes 621050 und deckte rund 70 % des EU-Importwerts ab. Bis 2025 sank der chinesische Anteil auf 173,5 Mio. €, ein Rückgang von 66,3 %. Die importierte Menge aus China fiel von 23.710 Tonnen auf 8.141 Tonnen (−65,7 %). Der Anteil Chinas am Gesamtimportwert schrumpfte damit von etwa 70 % auf unter 47 %. Diese Entwicklung spiegelt die breitere Diversifizierungsstrategie der EU-Importeure wider, die durch Handelskonflikte, Lieferkettenprobleme während der Pandemie und geopolitische Spannungen beschleunigt wurde.
| Land | Importwert 2015 (Mio. €) | Importwert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 514,3 | 173,5 | −66,3 % |
| Bangladesh | 50,3 | 61,2 | +21,6 % |
| Vietnam | 57,7 | 36,7 | −36,4 % |
| Myanmar | 4,3 | 13,4 | +209,4 % |
| Kambodscha | 2,8 | 9,7 | +250,9 % |
| Vereinigtes Königreich | 25,7 | 5,8 | −77,3 % |
| Indien | 16,4 | 5,4 | −66,9 % |
Quelle: Top-Partner nach Handelswert
2.2 Südostasiatische Lieferanten etablierten sich als Alternativen — mit starken Schwankungen
Bangladesh, Vietnam, Myanmar und Kambodscha wurden im Zeitraum 2015–2025 als Alternative zu China zu wichtigen Lieferanten:
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Bangladesh zeigte das stabilste Wachstum: Der Importwert stieg von 50,3 Mio. € (2015) auf einen Spitzenwert von 107,4 Mio. € (2021) und lag 2025 bei 61,2 Mio. €. Der Koeffizient der Variation (CV) betrug lediglich 0,30, was eine vergleichsweise geringe Volatilität ausweist.
-
Vietnam erreichte 2019 einen Spitzenwert von 110,2 Mio. €, sank dann aber bis 2024 auf 29,3 Mio. € und erholte sich 2025 leicht auf 36,7 Mio. €. Die Volatilität war mit einem CV von 0,54 deutlich höher.
-
Myanmar verzeichnete das spektakulärste Wachstum: von 4,3 Mio. € (2015) auf 85,5 Mio. € (2020), gefolgt von einem dramatischen Rückgang auf 13,4 Mio. € (2025). Der CV von 0,86 signalisiert extreme Instabilität, die mit dem Militärputsch von 2021 und den damit verbundenen Sanktionen zusammenhängt.
-
Kambodscha wuchs von 2,8 Mio. € auf 25,8 Mio. € (2023), fiel dann auf 9,7 Mio. € (2025). Der CV von 0,44 deutet auf mittlere Volatilität hin.
2.3 Der Brexit reduzierte den Handel mit dem Vereinigten Königreich drastisch
Das Vereinigte Königreich war 2015 mit 25,7 Mio. € ein relevanter Importpartner der EU (indirekte Einfuhren über die EU oder Re-Exporte). Nach dem Brexit sank der Wert kontinuierlich auf 5,8 Mio. € (2025), ein Rückgang von 77,3 %. Die Importmengen fielen von 948 Tonnen auf 105 Tonnen. Diese Entwicklung spiegelt die veränderten Handelsbeziehungen und Zollformalitäten nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU wider.
2.4 Die Importkonzentration verringerte sich erheblich — die Diversifizierung schreitet voran
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 5.035 (2015) auf 2.665 (2025), ein Rückgang von 47,1 %. Ein HHI von über 2.500 deutet zwar immer noch auf einen moderat konzentrierten Markt hin, aber die Abnahme zeigt, dass die EU ihre Beschaffung deutlich diversifiziert hat. China wurde von einem dominanten Lieferanten zu einem von mehreren wichtigen Partnern, während gleichzeitig neue Akteure in Südostasien und der Türkei an Bedeutung gewannen.
Quelle: Konzentration (HHI)
3. EU-Exportmärkte unter Druck: Geopolitische Schocks und der Rückgang traditioneller Märkte
3.1 Die wichtigsten Exportziele verloren erheblich an Bedeutung
Die drei wichtigsten Exportmärkte der EU — die Vereinigten Staaten, die Schweiz und das Vereinigte Königreich — verzeichneten allesamt deutliche Rückgänge:
| Exportziel | Wert 2015 (Mio. €) | Wert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | 102,0 | 49,5 | −51,5 % |
| Schweiz | 56,1 | 40,8 | −27,2 % |
| Vereinigtes Königreich | 52,8 | 29,8 | −43,6 % |
| Türkei | 22,5 | 5,8 | −74,3 % |
| Norwegen | 25,4 | 6,9 | −73,0 % |
| Saudi-Arabien | 7,1 | 1,5 | −78,2 % |
| Marokko | 1,9 | 0,2 | −89,9 % |
Quelle: Top-Partner nach Handelswert
Der US-Markt, 2015 noch mit 102,0 Mio. € der größte Exportmarkt, sank bis 2025 auf 49,5 Mio. €. Besonders der Einbruch 2020 (51,3 Mio. €, bedingt durch die Pandemie) und die ausbleibende vollständige Erholung sind bemerkenswert.
3.2 Russland fiel als Exportmarkt nach 2022 praktisch weg
Die Exporte in die Russische Föderation kollabierten nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs und der Verhängung westlicher Sanktionen: von 23,4 Mio. € (2015) und einem Spitzenwert von 41,7 Mio. € (2018) auf lediglich 1,4 Mio. € (2025). Die exportierte Menge sank von 263 Tonnen auf 21 Tonnen. Dieser Einbruch war sowohl mengen- als auch wertmäßig drastisch und stellt einen der markantesten geopolitischen Schocks im betrachteten Zeitraum dar.
3.3 Preis-Schocks bei Exporten nach Algerien und in die Türkei
Die Analyse der Volatilitäts- und Schockereignisse zeigt mehrere bemerkenswerte Preis-Schocks bei EU-Exporten:
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Algerien (2023): Der Preis pro Tonne stieg um 428,4 % gegenüber dem Vorjahresniveau, bei gleichzeitigem Rückgang der exportierten Menge auf nur 2,7 % des Basiswerts. Die Anomalie betrug 369,1 — der höchste Wert aller identifizierten Schocks. Dies deutet auf einen Übergang zu extrem hochpreisigen Nischenexporten oder eine singuläre Transaktion hin.
-
Türkei (2017): Der Exportpreis stieg um 69,2 %, bei einem gleichzeitigen Mengeneinbruch auf 31,4 % des Basiswerts. Die Abnormalität lag bei 30,0.
-
Kanada (2022): Ein Preisanstieg von 82,9 % bei leicht steigenden Mengen.
Diese Schocks deuten auf eine zunehmende Segmentierung der EU-Exportmärkte hin: Während das Volumengeschäft mit vielen Partnern schrumpft, verbleiben hochpreisige Spezialtransaktionen.
3.4 Italien und Frankreich dominieren die EU-Ausfuhr, verlieren aber an Boden
Innerhalb der EU waren Italien (129,9 Mio. € in 2025, −31,3 % gegenüber 2015) und Frankreich (78,9 Mio. €, −45,4 %) die mit Abstand wichtigsten Exportländer. Deutschland rangierte mit 23,3 Mio. € (−26,4 %) an dritter Stelle. Auffällig ist der extreme Rückgang Belgiens von 19,8 Mio. € auf 1,7 Mio. € (−91,2 %) und der Niederlande von 17,7 Mio. € auf 4,4 Mio. € (−75,1 %).
| Reporterland | Exportwert 2015 (Mio. €) | Exportwert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Italien | 189,2 | 129,9 | −31,3 % |
| Frankreich | 144,5 | 78,9 | −45,4 % |
| Deutschland | 31,7 | 23,3 | −26,4 % |
| Spanien | 21,8 | 8,7 | −59,9 % |
| Schweden | 20,7 | 12,5 | −39,6 % |
| Belgien | 19,8 | 1,7 | −91,2 % |
| Niederlande | 17,7 | 4,4 | −75,1 % |
Quelle: Top-Reporter nach Handelswert
3.5 Die Importabhängigkeit der EU hat sich mehr als verdoppelt
Der Netto-Importabhängigkeitsindikator stieg von 42,5 % (2015) auf 88,7 % (2025), mit einem Spitzenwert von 94,6 % (2022). Dies bedeutet, dass die EU im Jahr 2025 nahezu vollständig auf Importe angewiesen war, um den inländischen Bedarf an dieser Produktkategorie zu decken. Gleichzeitig sank die EU-Produktionsmenge — wenngleich die Datenlage hier inkonsistent ist (mit einem sprunghaften Anstieg auf 280.000 Tonnen im Jahr 2024, der auf Schätzungen und Rundungen beruhen könnte). Die Exportquote fiel von 130,5 % (2015) auf 535,3 % (2025), wobei dieser Indikator schwankt und seine Interpretation Vorsicht erfordert.
Schlussbetrachtung
Der EU-Markt für Kleidung aus kautschutierten oder beschichteten Geweben (CN 621050) hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend gewandelt. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:
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Marktschrumpfung: Sowohl Importe als auch Exporte sind mengen- und wertmäßig deutlich zurückgegangen. Die EU exportiert zunehmend weniger, importiert ebenfalls weniger und wird dabei gleichzeitig abhängiger von ausländischen Lieferanten. Die Importpreise sind gestiegen, was auf Qualitätsverschiebungen oder Inflationseffekte hindeutet.
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Geopolitische Umstrukturierung: Der Rückgang Chinas als Lieferant, der Zusammenbruch des Russland-Handels, die Brexit-Effekte und die Instabilität in Myanmar zeigen, wie stark geopolitische Ereignisse den Handel mit dieser Produktkategorie prägen. Südostasiatische Länder haben zwar teilweise die Rolle Chinas übernommen, sind dabei aber selbst erheblichen Schwankungen unterworfen.
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Wachsende Verwundbarkeit: Die Netto-Importabhängigkeit der EU von fast 89 % bei gleichzeitigem Rückgang der Exporte deutet auf eine zunehmende strukturelle Verwundbarkeit hin. Die Diversifierung der Beschaffungsquellen ist zwar ein positives Signal (sinkender HHI), die Konzentration auf wenige große Lieferanten bleibt jedoch ein Risikofaktor. Für europäische Entscheidsträger stellt sich die Frage, ob und wie die heimische Produktionskapazität gestärkt werden kann, um diese Abhängigkeit zu reduzieren.