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Marktentwicklung: Filz- und Vlieskleidung (CN 621010) — 2015–2025

Einführung

Der Zolltarifcode 621010 umfasst Kleidung aus Filz oder Vliesstoffen — einschließlich getränkter, bestrichener oder überzogener Varianten — mit Ausnahme von Kleinkinderkleidung und Bekleidungszubehör. Die Produktgruppe gliedert sich in drei Unterpositionen: Filzbekleidung (62101010), chirurgische Einmalbekleidung aus Vliesstoffen (62101092) sowie sonstige Vlieskleidung (62101098). Der untersuchte Zeitraum 2015–2025 ist durch einschneidende Ereignisse wie den Brexit, die COVID-19-Pandemie und geopolitische Spannungen geprägt. Dieser Bericht analysiert die Handelsströme der EU mit Drittländern, identifiziert die wesentlichen strukturellen Veränderungen und ordnet die beobachtbaren Dynamiken ein.


1. Strukturelle Verschiebung: Von Exportnähe zu Importabhängigkeit

1.1 Der dramatische Einbruch der EU-Exporte

Die EU-Exporte von Filz- und Vlieskleidung haben im Zeitraum 2015–2025 einen erheblichen Wertverlust erlitten. Der Exportwert sank von 297,0 Mio. EUR (2015) auf 94,2 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 68,3 % entspricht. Auch die exportierte Menge ging um 16,6 % zurück — von 7.112 Tonnen auf 5.933 Tonnen — doch die durchschnittlichen Exportpreise verloren sogar 62,0 % (von 41.757 EUR/t auf 15.872 EUR/t).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 297,0 94,2 −68,3 %
Exportmenge (t) 7.112 5.933 −16,6 %
Exportpreis (EUR/t) 41.757 15.872 −62,0 %

Quelle: General Overview — Trade

1.2 Stetig wachsende Importe trotz preislicher Korrektur

Im Gegensatz zu den Exporten verzeichneten die EU-Importe einen moderaten Wertzuwachs von 16,5 % (von 363,5 Mio. EUR auf 423,4 Mio. EUR). Die importierte Menge stieg sogar um 27,2 % — von 62.168 auf 79.060 Tonnen. Die durchschnittlichen Importpreise sanken leicht um 8,4 % von 5.847 EUR/t auf 5.355 EUR/t, was auf zunehmende Wettbewerbsdrucks aus Niedriglohnländern hindeutet.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. EUR) 363,5 423,4 +16,5 %
Importmenge (t) 62.168 79.060 +27,2 %
Importpreis (EUR/t) 5.847 5.355 −8,4 %

Quelle: General Overview — Trade

1.3 Handelsbilanz und wachsende Importabhängigkeit

Die Handelsbilanz verschlechterte sich drastisch: von einem Defizit von 66,5 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 329,2 Mio. EUR im Jahr 2025 — eine Verschlechterung um 394,9 %. Die Netto-Importabhängigkeit stieg im selben Zeitraum von 42,5 % auf 88,7 % an. Der Höhepunkt wurde 2020 mit 94,6 % erreicht — ein unmittelbarer Effekt der COVID-19-Pandemie, die sowohl die europäische Produktion als auch die Exporte stark traf.


2. Geografische Umstrukturierung der Handelsbeziehungen

2.1 China als dominierender Importpartner mit Pandemie-Schock

China blieb über den gesamten Zeitraum der mit Abstand wichtigste Importeur in die EU. Der Importwert schwankte zwischen 195,7 Mio. EUR und einem Spitzenwert von 2.346,8 Mio. EUR (2020). Im Jahr 2025 lagen die Einfuhren aus China bei 234,3 Mio. EUR (+12,5 % gegenüber 2015). Der extrem hohe Wert im Jahr 2020 erklärt sich durch die massive Nachfrage nach Einmalbekleidung und Schutzkleidung während der Pandemie — ein preislicher Schockereignis mit einer Abnormalität von 110,5 und einem Preisanstieg von 415,1 %. Der Variationskoeffizient der chinesischen Importe liegt mit 0,38 auf einem moderaten Niveau, was die grundsätzliche Stabilität der Handelsbeziehung unterstreicht.

Quelle: General Overview — Top Partners (Imports)

2.2 Aufstieg südostasiatischer und nordafrikanischer Lieferanten

Während der kambodschanische Importwert um 28,8 % sank (von 66,6 Mio. EUR auf 47,4 Mio. EUR), gewannen andere Herkunftsländer stark an Bedeutung:

Partnerland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Myanmar 0,0003 21,7 +65.987 %
Vietnam 2,7 10,7 +300,8 %
Türkei 1,1 13,9 +1.174,9 %
Tunesien 16,3 28,5 +74,7 %
Kambodscha 66,6 47,4 −28,8 %

Quelle: General Overview — Top Partners (Imports)

Der rasanteste Aufstieg gelang Myanmar, das von praktisch null auf 21,7 Mio. EUR anwuchs. Die Türkei (+1.175 %) und Vietnam (+301 %) entwickelten sich ebenfalls zu wesentlichen Lieferanten. Diese Diversifizierung spiegelt zum einen die Verlagerung von Produktionskapazitäten im asiatischen Raum wider, zum anderen die geografische und handelspolitische Attraktivität der Türkei als EU-Nachbarland. Tunesien profitiert dabei vermutlich von der räumlichen Nähe und bestehenden Assoziierungsabkommen.

2.3 Brexit-Effekt: Der Zusammenbruch der UK-Handelsströme

Ein besonders markanter Strukturbruch betrifft das Vereinigte Königreich. Die EU-Importe aus dem UK sanken um 94,5 % — von 22,6 Mio. EUR auf 1,3 Mio. EUR. Ebenso brachen die EU-Exporte in das UK um 44,1 % ein (von 29,3 Mio. EUR auf 16,4 Mio. EUR). Der Variationskoeffizient der UK-Importe beträgt 1,56 und signalisiert eine hohe Volatilität, die den Brexit-Übergang widerspiegelt. Nach dem Austritt des UK aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion zum 1. Januar 2021 wurden Handelsbarrieren wirksam, die den bilateralen Warenverkehr nachhaltig dämpften.

Quelle: Volatility — Volatility Bars

2.4 Russland-Sanktionen: Nahezu vollständiger Exporteinbruch

Die EU-Exporte in die Russische Föderation fielen um 99,3 % — von 40,3 Mio. EUR (2015) auf lediglich 0,3 Mio. EUR (2025). Russland war 2015 noch das zweitwichtigste Exportziel der EU für diese Produktgruppe. Der Zusammenhang mit den nach 2022 verhängten Sanktionen infolge des Ukraine-Konflikts ist offensichtlich und zeigt die unmittelbare handelspolitische Durchschlagkraft dieser Maßnahmen.

Quelle: General Overview — Top Partners (Exports)


3. Pandemie-Effekte, Produktsegmente und innereuropäische Spezialisierung

3.1 COVID-19 als Katalysator: Der außergewöhnliche Nachfrage-Schock 2020

Das Jahr 2020 stellt den mit Abstand außergewöhnlichsten Zeitpunkt im gesamten Beobachtungszeitraum dar. Die Segmente-Analyse zeigt, dass die Importe von chirurgischer Einmalbekleidung (62101092) sprunghaft anstiegen:

Unterposition 2019 Menge (t) 2020 Menge (t) Anstieg
62101092 (Einmalbekleidung) 32.835 93.720 +185 %
62101098 (Vlieskleidung) 39.180 79.876 +104 %
62101010 (Filzbekleidung) 1.117 3.141 +181 %

Quelle: Product Segment Breakdown — Imports

Die Preise explodierten: Die chirurgische Einmalbekleidung verzeichnete einen Preisanstieg von 5.412 EUR/t (2019) auf 20.347 EUR/t (2020) — ein Plus von 276 %. Die Analyse der Schockereignisse bestätigt einen massiven Preisschock bei den chinesischen Importen im Jahr 2020 (Abnormalität: 110,5). Gleichzeitig explodierten auch die EU-Exporte in die Philippinen im Jahr 2019 mit einem Preisanstieg von 19.253 %, was ebenfalls auf pandemievorlaufende Nachfrageeffekte hindeuten könnte.

3.2 Post-Pandemie-Normalisierung und anhaltende Segmentunterschiede

Nach dem Pandemie-Höhewert normalisierten sich die Handelsströme rasch. Die Mengen sanken 2022/2023 wieder auf annähernd Vor-Pandemie-Niveau, bevor sie 2024–2025 erneut leicht anstiegen. Die Preise blieben jedoch durchgehend über dem Vor-COVID-Niveau. Die chirurgische Einmalbekleidung (62101092) behauptete sich als mengenmäßig größtes Segment: mit 38.861 Tonnen Importen im Jahr 2025 lag sie knapp unter dem Wert der sonstigen Vlieskleidung (62101098: 39.066 t). Die Filzbekleidung (62101010) blieb mit 1.125 Tonnen mengenmäßig unbedeutend, wies aber mit durchschnittlich 9.919 EUR/t die höchsten Importpreise auf.

Interessant ist die Exportentwicklung: Während die Exporte von Einmalbekleidung (62101092) relativ stabil blieben (2.202 t → 2.573 t), brachen die Filzbekleidungsexporte (62101010) drastisch ein — von 1.643 Tonnen auf nur noch 235 Tonnen (−85,7 %), was den Niedergang der europäischen Filzbekleidungsproduktion für den Export belegt.

3.3 Innereuropäische Spezialisierung: Belgien als Hub, Italiens Rückgang

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Belgien mit einem RSCA-Wert von 0,64 und einem RCA von 4,63 am stärksten auf diese Produktgruppe spezialisiert ist. Belgien hält einen Anteil von 39,2 % an den EU-Produktionsmengen, was auf die Funktion des Landes als Logistik- und Handelsdrehscheibe (z. B. Hafen Antwerpen) hindeutet. Bulgarien (RSCA: 0,59) und Rumänien (RSCA: 0,36) weisen ebenfalls eine positive Spezialisierung auf — ein Hinweis auf die Verlagerung von Bekleidungsproduktion in kostengünstigere EU-Mitgliedstaaten.

Besonders auffällig ist der Wandel in Italien: Italien war 2015 mit 228,5 Mio. EUR der mit Abstand größte EU-Exporteur dieser Warengruppe, sank aber 2025 auf nur noch 13,6 Mio. EUR (−94,0 %). Gleichzeitig stiegen Belgien (+287 %), die Niederlande (+348 %) und Frankreich (+204 %) als Exporteure auf. Diese Verschiebung deutet auf eine Reorganisation der europäischen Handelsstruktur hin — weg von traditionellen Produktionsländern hin zu Logistik- und Re-Export-Hubs.

Quelle: General Overview — Top Reporters (Exports)


Schlussfolgerung

Der Markt für Filz- und Vlieskleidung (CN 621010) in der EU hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend transformiert. Die drei zentralen Erkenntnisse lauten:

  1. Strukturelle Importabhängigkeit: Die EU hat sich von einer Position mit moderater Importabhängigkeit (42,5 %) zu einer hochgradigen Abhängigkeit (88,7 %) entwickelt. Die heimische Produktion konnte trotz eines mengenmäßigen Anstiegs (+166 % bei Stückzahlen) den Wertverlust (−50,8 %) nicht kompensieren — ein Hinweis auf eine Verlagerung hin zu volumenstarken, aber wertschöpfungsärmeren Produktionssegmenten (v. a. Einmalbekleidung).

  2. Geopolitische Prägung der Handelsströme: Der Brexit, COVID-19 und die Russland-Sanktionen haben die Handelsgeografie massiv umgestaltet. Der Zusammenbruch der UK-Handelsströme (−94,5 % Importe, −44,1 % Exporte), der pandemiebedingte Nachfrageboom 2020 und der nahezu vollständige Exportstopp nach Russland (−99,3 %) sind die prägenden Ereignisse des Jahrzehnts.

  3. Diversifizierung der Lieferantenbasis: Neben China als konstantem Hauptlieferanten haben sich Myanmar, Vietnam, die Türkei und Tunesien als relevante Bezugsquellen etabliert. Die Importkonzentration (HHI) sank leicht von 3.712 auf 3.312, was auf eine marginale Entspannung der Lieferantenkonzentration hindeutet — wenngleich die Abhängigkeit von China mit einem Anteil von über 55 % am Importwert nach wie vor erheblich bleibt.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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