Marktentwicklung: Regenbekleidung (CN 621050) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der EU im Bereich CN 621050 — Damen- und Mädchenbekleidung aus kautschutierten oder mit Kunststoff beschichteten Geweben — über den Zeitraum 2015 bis 2025. Die Position umfasst im Wesentlichen Regen- und Wetterschutzkleidung aus beschichteten oder laminierten Geweben. Der Beobachtungszeitraum ist von tiefgreifenden Veränderungen geprägt: einer anhaltenden Volumenkontraktion, einer bemerkenswerten Umschichtung der Lieferländer sowie einer wachsenden strukturellen Abhängigkeit der EU von Drittlandimporten. Die Analyse stützt sich ausschließlich auf die vorliegenden Handelsdaten und interpretiert die zentralen Dynamiken entlang der Achsen Volumen, Preis, Partnerstruktur und Verwundbarkeit.
1. Anhaltende Schrumpfung bei steigenden Stückpreisen
1.1 Importe und Exporte sind über den gesamten Zeitraum deutlich gesunken
Sowohl die EU-Importe als auch die Exporte von Regenbekleidung haben zwischen 2015 und 2025 erheblich an Volumen verloren. Die Einfuhren sanken im Wert von 734,9 Mio. € auf 368,6 Mio. € (−49,8 %), bei einer Mengenkontraktion von 30.551 t auf 14.296 t (−53,2 %). Die Ausfuhren entwickelten sich vergleichbar: von 465,9 Mio. € auf 278,1 Mio. € (−40,3 %) bzw. von 6.116 t auf 3.281 t (−46,3 %). Die Handelsübersicht zeigt, dass dieser Rückgang weitgehend kontinuierlich verlief.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert | 734,9 Mio. € | 368,6 Mio. € | −49,8 % |
| Importmenge | 30.551 t | 14.296 t | −53,2 % |
| Exportwert | 465,9 Mio. € | 278,1 Mio. € | −40,3 % |
| Exportmenge | 6.116 t | 3.281 t | −46,3 % |
| Handelsbilanz | −269,0 Mio. € | −90,4 Mio. € | +66,4 % (Verbesserung) |
1.2 Die Preise pro Tonne sind trotz Mengenrückgang gestiegen
Ein zentrales Muster: Während die Mengen schrumpften, stiegen die durchschnittlichen Exportpreise um 11,3 % (von 76.169 €/t auf 84.747 €/t) und die Importpreise um 7,2 % (von 24.053 €/t auf 25.779 €/t). Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produktsegmenten oder auf allgemeine Kostensteigerungen in der Beschichtungstechnik und Rohstoffbasis hin. Die Differenz zwischen Export- und Importpreis — Exporte liegen im Schnitt über dem Dreifachen der Importpreise — legt nahe, dass die EU primär hochwertige, markenorientierte Regenbekleidung exportiert und günstigere Massenware importiert.
1.3 Die EU-Produktion zeigt ein widersprüchliches Bild
Laut den Produktionsvolumen ist die Produktionsmenge in Stück von 105,3 Mio. auf 280,0 Mio. gestiegen (+165,9 %), während der Produktionswert von 401,1 Mio. € auf 197,3 Mio. € sank (−50,8 %). Dieser Widerspruch — mehr Stücke bei weniger Wert — deutet auf eine starke Verlagerung der inländischen Produktion hin zu günstigeren, volumenorientierten Segmenten oder auf eine zunehmende Verlagerung von Näh- und Konfektionierungsschritten in Niedriglohnländer hin, wobei die EU lediglich Zwischenprodukte (beschichtete Gewebe) exportiert und Fertigprodukte wieder einführt.
2. Dramatische Umschichtung der Handelspartner
2.1 China hat seine dominante Stellung als Importpartner massiv verloren
Der auffälligste strukturelle Wandel betrifft die Herkunft der EU-Importe. China, 2015 mit 514,3 Mio. € mit Abstand größter Lieferant, verlor bis 2025 zwei Drittel seines Exportwerts an die EU (−66,3 %, auf 173,5 Mio. €). Dieser Rückgang ist Teil des breiteren Trends der Diversifizierung der Bekleidungsimporte der EU weg von China — ein Phänomen, das in der Fachliteratur als „China Plus One"-Strategie beschrieben wird.
| Lieferland | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 514,3 | 173,5 | −66,3 % |
| Bangladesh | 50,3 | 61,2 | +21,6 % |
| Vietnam | 57,7 | 36,7 | −36,4 % |
| Myanmar | 4,3 | 13,4 | +209,4 % |
| Kambodscha | 2,8 | 9,7 | +250,9 % |
| Vereinigtes Königreich | 25,7 | 5,8 | −77,3 % |
| Indien | 16,4 | 5,4 | −66,9 % |
2.2 Südostasiatische Länder sind zu wichtigen Alternativlieferanten aufgestiegen
Während China und Indien an Boden verloren, stiegen Myanmar (+209,4 %) und Kambodscha (+250,9 %) zu relevanten Lieferanten auf. Bangladesh konnte seine Position als zweitgrößter Partner leicht ausbauen (+21,6 %). Diese Verschiebung spiegelt zum einen die niedrigeren Arbeitskosten in diesen Ländern wider, zum anderen die Handelspräferenzen, die der EU-Allgemeine Präferenzenzollsystem (APS) einigen dieser Länder gewährt. Die Partneranalyse bestätigt diese Umverteilung.
2.3 Die Importkonzentration hat sich deutlich verringert
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe fiel von 5.035 auf 2.665 (−47,1 %), was die Konzentrationsanalyse belegt. Ein HHI unter 2.500 gilt als moderat konzentriert. Die EU hat ihre Importquellen somit erheblich diversifiziert — von einer starken Abhängigkeit von China hin zu einem breiteren Portfolio aus südostasiatischen Produzentenländern. Die Exportkonzentration blieb hingegen nahezu unverändert (HHI zwischen 834 und 1.041), was auf stabile Absatzmärkte für EU-Exporteure hindeutet.
2.4 Die wichtigsten Exportmärkte der EU schrumpfen ebenfalls
Die EU exportiert Regenbekleidung vor allem in die USA, die Schweiz und das Vereinigte Königreich. Alle drei Märkte verzeichneten erhebliche Rückgänge: USA −51,5 %, Schweiz −27,2 %, UK −43,6 %. Stark betroffen waren auch die Ausfuhren in die Türkei (−74,3 %), nach Norwegen (−73,0 %) und nach Marokko (−89,9 %). Die Länderanalyse der Berichterstatter zeigt, dass innerhalb der EU Italien mit Abstand der größte Exporteur bleibt (129,9 Mio. € in 2025), gefolgt von Frankreich (78,9 Mio. €). Beide Länder verloren jedoch erheblich an Exportvolumen.
3. Wachsende Importabhängigkeit und neue Verwundbarkeiten
3.3 Die Abhängigkeit von Drittlandimporten hat sich mehr als verdoppelt
Der Netto-Importabhängigkeitsindikator stieg von 42,5 % (2015) auf 88,7 % (2025) — eine Verdopplung um +108,5 %. Damit deckt die EU-Inlandsproduktion nur noch einen Bruchteil des inländischen Bedarfs. Der Exportanteil an der Produktion (Exportneigung) erreichte zuletzt 535,3 %, was bedeutet, dass die EU mehr als das Fünffache ihrer Produktionsmenge exportiert — ein Indiz für Re-Export- und Durchgangshandelsaktivitäten.
3.4 Preisvolatilität und einzelne Schocks machen die Lieferketten anfällig
Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass besonders die Importe aus Myanmar (CV 0,86) und Vietnam (CV 0,55) sowie Exporte in die Türkei (CV 1,01) und nach Algerien (CV 2,38) stark schwanken. Ein Preisschock bei Importen aus Vietnam im Jahr 2022 (Anomalie 84,6, Preissprung +48,5 %) betraf einen Lieferanten mit 13,6 % Importanteil. Ein weiterer extremer Preisschock betraf Exporte nach Algerien im Jahr 2023 (Anomalie 369,1, Preissprung +428,4 %). Solche Spitzenereignisse unterstreichen die Verwundbarkeit sowohl der Beschaffung als auch der Exportmärkte.
3.5 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU konzentrieren sich auf Nordeuropa und Italien
Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass innerhalb der EU Schweden (RSCA 0,60), Dänemark (0,50), Finnland (0,50) und Italien (0,38) die größte Spezialisierung auf Regenbekleidung aufweisen. Schweden und die nordischen Länder profitieren dabei von einer langen Tradition funktioneller Outdoor-Bekleidung, während Italien seine Stärke in der Textilveredelung und im beschichteten Gewebe einbringt. Demgegenüber weisen Malta (RSCA −0,99), Irland (−0,95) und Luxemburg (−0,95) eine extrem niedrige Spezialisierung auf.
Schlussfolgerung
Der Markt für Regenbekleidung (CN 621050) in der EU hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Drei zentrale Entwicklungen lassen sich zusammenfassen:
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Volumenkontraktion mit Preissteigerung: Sowohl Importe als auch Exporte sind mengenmäßig erheblich geschrumpft, während die Preise pro Tonne gestiegen sind. Dies deutet auf eine Marktbereinigung hin — günstige Massenware verliert an Bedeutung, hochwertige Segmente gewinnen.
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Lieferantenwechsel weg von China: Die Importabhängigkeit von China wurde um zwei Drittel reduziert. Südostasiatische Länder — insbesondere Myanmar und Kambodscha — haben Marktanteile übernommen, was die EU-Importe geografisch diversifizierter, aber gleichzeitig anfällig für politische Instabilität und Lieferkettenunterbrechungen in diesen Regionen macht.
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Steigende strukturelle Verwundbarkeit: Die Netto-Importabhängigkeit stieg auf fast 89 %. Trotz der Diversifizierung der Lieferanten ist die EU damit stärker denn je auf Drittlandimporte angewiesen. Kombiniert mit der hohen Volatilität einiger Schlüssellieferanten entsteht ein ambivalentes Bild: Die Lieferquellen sind breiter gestreut, die grundsätzliche Abhängigkeit von Importen jedoch deutlich gestiegen.
Für die kommenden Jahre dürften Faktoren wie Zollpolitik (insbesondere im Verhältnis zu China und ASEAN-Ländern), Nachhaltigkeitsanforderungen an beschichtete Textilien und geopolitische Risiken in Südostasien die weitere Marktentwicklung maßgeblich prägen.