Marktentwicklung: Regenkleidung (CN 621040) — 2015–2025
Einleitung
Der Zollcode CN 621040 erfasst Kleidung für Männer oder Knaben aus Geweben, die kautschutiert oder mit Kunststoff oder anderen Stoffen getränkt, bestrichen, überzogen oder laminiert sind — im Wesentlichen Regenkleidung und wetterfeste Schutzkleidung aus beschichteten Geweben. Der analysierte Zeitraum von 2015 bis 2025 umfasst elf vollständige Handelsjahre und schließt die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, des Brexits sowie geopolitischer Spannungen ein. Die Daten beziehen sich auf den Handel der EU mit Nicht-EU-Ländern und werden in Euro (Wert), Tonnen (Menge) und Euro pro Tonne (Preis) ausgewiesen.
Dieser Bericht untersucht die wesentlichen Marktdynamiken entlang drei zentraler Themen: den generellen Volumenrückgang bei gleichzeitig steigenden Preisen, die geografische Neuausrichtung der Handelsströme sowie die zunehmende strukturelle Verwundbarkeit der EU hinsichtlich ihrer Importabhängigkeit.
1. Schrumpfende Handelsvolumina bei steigenden Einheitspreisen
Der EU-Außenhandel ist sowohl mengen- als auch wertmäßig deutlich geschrumpft
Sowohl die Einfuhren als auch die Ausfuhren von Regenkleidung der Kategorie 621040 haben im Betrachtungszeitraum erheblich abgenommen. Die Importmengen sanken von 29.137 Tonnen (2015) auf 18.674 Tonnen (2025), was einem Rückgang von 35,9 % entspricht. Der Importwert fiel im gleichen Zeitraum von 731 Mio. € auf 518 Mio. € (−29,2 %). Auf der Exportseite war der Rückgang sogar noch steiler: Die Ausfuhrmengen halbierten sich nahezu von 5.419 Tonnen auf 3.202 Tonnen (−40,9 %), während der Exportwert von 274 Mio. € auf 224 Mio. € sank (−18,2 %).
| Kennzahl | 2015 (Anfangswert) | 2025 (Endwert) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert | 731 Mio. € | 518 Mio. € | −29,2 % |
| Importmenge | 29.137 t | 18.674 t | −35,9 % |
| Exportwert | 274 Mio. € | 224 Mio. € | −18,2 % |
| Exportmenge | 5.419 t | 3.202 t | −40,9 % |
| Handelsbilanz | −457 Mio. € | −294 Mio. € | +35,8 % (Defizit gesunken) |
Der Außenhandelsüberschuss der EU war in diesem Segment durchgehend negativ, d. h. die EU ist Nettoimporteur von Regenkleidung. Das Handelsdefizit verbesserte sich jedoch von 457 Mio. € auf 294 Mio. €, da die Importe stärker zurückgingen als die Exporte.
Die Einheitspreise stiegen gegen den Trend der schrumpfenden Volumina
Ein bemerkenswerter Befund ist, dass die Preise pro Tonne trotz — oder gerade wegen — der sinkenden Volumina erheblich gestiegen sind. Die durchschnittlichen Exportpreise erhöhten sich von 50.592 €/t auf 70.050 €/t (+38,5 %), die Importpreise von 25.104 €/t auf 27.732 €/t (+10,5 %).
| Preisindikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importpreis (€/t) | 25.104 | 27.732 | +10,5 % |
| Exportpreis (€/t) | 50.592 | 70.050 | +38,5 % |
Die EU exportiert im Vergleich zu ihren Importen grundsätzlich deutlich teurere Regenkleidung pro Tonne — ein Hinweis auf eine höhere Wertschöpfung der in der EU produzierten Ware. Die Exportpreise lagen 2025 etwa 2,5-mal so hoch wie die Importpreise. Der stärkere Preisanstieg bei Exporten (+38,5 %) gegenüber Importen (+10,5 %) deutet darauf hin, dass die EU sich zunehmend auf hochwertigere Produktsegmente konzentriert, während die günstigeren Volumina aus Drittländern bezogen werden.
Die Zahl der wichtigsten Handelspartner blieb konzentriert, aber die Partnerstruktur veränderte sich
Die Importkonzentration (HHI) nach Wert halbierte sich nahezu von 3.969 auf 1.981 (−50,1 %), was eine signifikante Diversifizierung der Importquellen bedeutet. Die Exportkonzentration sank ebenfalls, wenn auch weniger stark, von 1.642 auf 1.141 (−30,5 %). Beide Werte zeigen, dass sich die Handelsbeziehungen im Segment Regenkleidung über den Zeitraum deutlich verbreitert haben.
2. Geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme
China verlor mehr als die Hälfte seiner EU-Importanteile — Südostasien rückt nach
Die mit Abstand bedeutendste Verschiebung im Importmarkt war der dramatische Bedeutungsverlust Chinas. Der Importwert aus China sank von 445 Mio. € (2015) auf 198 Mio. € (2025), was einem Rückgang von 55,5 % entspricht. China blieb zwar der größte Einzellieferant, doch sein Anteil an den EU-Importen fiel erheblich.
Gleichzeitig gewannen mehrere südostasiatische Länder deutlich an Boden:
| Lieferant | Importwert 2015 | Importwert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 445 Mio. € | 198 Mio. € | −55,5 % |
| Bangladesch | 64 Mio. € | 55 Mio. € | −13,5 % |
| Vietnam | 92 Mio. € | 58 Mio. € | −36,9 % |
| Myanmar | 9,6 Mio. € | 27,5 Mio. € | +186,3 % |
| Indonesien | 25,5 Mio. € | 8,0 Mio. € | −68,5 % |
| Kambodscha | 0,98 Mio. € | 3,2 Mio. € | +227,5 % |
| Vereinigtes Königreich | 27,2 Mio. € | 7,1 Mio. € | −74,0 % |
Während Myanmar (+186,3 %) und Kambodscha (+227,5 %) ihre EU-Exporte in diesem Segment kräftig ausbauten, verloren Indonesien (−68,5 %) und das Vereinigte Königreich (−74,0 %) erheblich an Bedeutung. Der Einbruch beim Vereinigten Königreich ist größtenteils auf den Brexit und die damit verbundene Verlagerung der Handelsströme zurückzuführen.
Die EU-Exportlandschaft wurde neu geordnet — Albanien als neuer Schlüsselpartner
Auf der Exportseite fanden noch gravierendere Verschiebungen statt. Der bemerkenswerteste Befund ist der meteorische Aufstieg Albaniens als Exportziel für EU-Regenkleidung:
| Bestimmungsland | Exportwert 2015 | Exportwert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Albanien | 3,3 Mio. € | 44,0 Mio. € | +1.221,6 % |
| Norwegen | 9,3 Mio. € | 23,7 Mio. € | +154,9 % |
| Schweiz | 24,0 Mio. € | 32,7 Mio. € | +36,6 % |
| Vereinigtes Königreich | 86,4 Mio. € | 40,2 Mio. € | −53,5 % |
| USA | 55,2 Mio. € | 17,9 Mio. € | −67,6 % |
| Türkei | 28,4 Mio. € | 2,0 Mio. € | −92,9 % |
Albanien stieg von einem Randakteur zum möglicherweise größten einzelnen Exportziel der EU in diesem Segment auf. Dies ist wahrscheinlich mit der Rolle Albaniens als Niedriglohnstandort für die Bekleidungsindustrie zu erklären: Die EU liefert hochwertige Vorprodukte und Halbfertigwaren zur Weiterverarbeitung und Montage. Gleichzeitig fielen traditionelle Märkte wie die Türkei (−92,9 %), die USA (−67,6 %) und das Vereinigte Königreich (−53,5 %) erheblich zurück.
Die Volatilität variiert stark je nach Handelspartner
Die Preisvolatilität, gemessen am Variationskoeffizienten (CV), unterscheidet sich erheblich zwischen den Handelspartnern. Besonders auffällig sind die extremen Werte bei Exporten in die Türkei (CV: 1,58) und nach Tunesien (CV: 1,88), was auf stark schwankende Handelsbeziehungen hindeutet. Bei den Importen weisen Albanien (CV: 1,17) und Armenien (CV: 1,25) die höchste Volatilität auf, was die geringe Beständigkeit der Handelsbeziehungen mit diesen kleineren Partnern widerspiegelt.
Zudem wurden einzelne Preisschocks identifiziert, insbesondere bei Exporten in die Vereinigten Arabischen Emirate (Preisanstieg von 1.823,8 % im Jahr 2021) und nach Tunesien (+4.550,1 % im Jahr 2020). Diese isolierten Spitzen deuten auf Einmaleffekte hin — etwa Sondersendungen, Liefervertragsänderungen oder pandemiebedingte Anomalien — und weniger auf nachhaltige Markttrends.
Die Spezialisierungsmuster innerhalb der EU sind heterogen
Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) zeigt für 2025 ein deutliches Gefälle zwischen den EU-Mitgliedstaaten:
| Mitgliedstaat | RSCA | RCA | Anteil am EU-Export |
|---|---|---|---|
| Griechenland | 0,87 | 14,20 | 9,6 % |
| Estland | 0,62 | 4,21 | 1,4 % |
| Kroatien | 0,60 | 3,98 | 1,6 % |
| Schweden | 0,58 | 3,80 | 9,1 % |
| Malta | −1,00 | 0,00 | 0,0 % |
| Irland | −0,96 | 0,02 | 0,0 % |
Griechenland zeigt mit einem RCA-Wert von 14,20 eine extreme Exportspezialisierung in diesem Segment — übereinstimmend mit dem zuvor beobachteten explosionsartigen Anstieg der griechischen Exporte (von 3,9 Mio. € auf 64,3 Mio. €, +1.563,8 %). Dagegen weisen Malta, Irland und Luxembourg praktisch keine Exportaktivität in diesem Segment auf.
3. Zunehmende Importabhängigkeit trotz expandierender Inlandsproduktion
Die Nettimportabhängigkeit der EU hat sich mehr als verdoppelt
Der vielleicht besorgniserregendste Trend im betrachteten Zeitraum ist der drastische Anstieg der Nettoimportabhängigkeit der EU im Segment Regenkleidung. Der Anteil der Nettoeinfuhren am scheinbaren Verbrauch stieg von 42,5 % (2015) auf 88,7 % (2025) — eine Steigerung um 108,5 %. Im gesamten Zeitraum schwankte der Wert zwischen einem Minimum von 23,8 % und einem Maximum von 94,6 %.
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Nettoimportabhängigkeit | 42,5 % | 88,7 % | +108,5 % |
| Handelsintensität | 110,0 % | 130,6 % | +18,8 % |
| Exportneigung | 130,5 % | 535,3 % | +310,3 % |
Dieser Anstieg ist umso bemerkenswerter, da er zusammen mit sinkenden absoluten Importvolumen stattfand. Die Interpretation lautet: Die inländische Produktionsbasis der EU ist im Verhältnis zum Gesamtverbrauch so stark geschrumpft, dass selbst die zurückgehenden Importe nun einen weit größeren Anteil des Marktes abdecken.
Die Exportneigung stieg sprunghaft — ein Zeichen veränderter Produktionslogik
Die Exportneigung stieg von 130,5 % auf 535,3 % — ein Anstieg um 310,3 %. Ein Wert über 100 % bedeutet, dass die EU mehr exportiert als sie insgesamt produziert, was auf eine signifikante Re-Exportaktivität oder eine verteilte Wertschöpfungskette hindeutet. Der sprunghafte Anstieg der Exportneigung — insbesondere verbunden mit dem Aufstieg Albaniens als Exportziel — legt nahe, dass die EU zunehmend als Zwischenstation in globalen Bekleidungslieferketten fungiert: Einfuhr von Vorprodukten, Weiterverarbeitung und Re-Export.
Die EU-Inlandsproduktion zeigt ein gespaltenes Bild
Die Produktionsdaten (ProdCom) offenbaren ein bemerkenswertes Paradoxon: Die Produktionsmenge stieg von 105 Mio. Stück auf 280 Mio. Stück (+165,9 %), während der Produktionswert im gleichen Zeitraum von 401 Mio. € auf 197 Mio. € sank (−50,8 %).
| Produktionsindikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Produktionsmenge (Stück) | 105 Mio. | 280 Mio. | +165,9 % |
| Produktionswert | 401 Mio. € | 197 Mio. € | −50,8 % |
Dies impliziert einen dramatischen Rückgang des durchschnittlichen Produktionswertes pro Stück — von etwa 3,81 € auf 0,70 €. Eine mögliche Erklärung ist die zunehmende Produktion von einfachen, günstigen Schutzkleidungsartikeln (z. B. Einweg- oder Basisschutzkleidung), die mengenmäßig stark zugelegt haben, aber nur geringen Wert pro Stück repräsentieren. Der Anstieg könnte teilweise auch pandemiebedingt sein, da die Kategorie 621040 beschichtete Gewebe umfasst, die auch für medizinische oder hygienische Schutzkleidung relevant sind.
Die wichtigsten EU-Importländer verloren an Bedeutung
Innerhalb der EU zeigt sich, dass die großen Volkswirtschaften ihre Importe von Regenkleidung erheblich reduzierten:
| EU-Mitgliedstaat | Importwert 2015 | Importwert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 184 Mio. € | 102 Mio. € | −44,7 % |
| Frankreich | 100 Mio. € | 82 Mio. € | −18,2 % |
| Niederlande | 68 Mio. € | 50 Mio. € | −27,3 % |
| Belgien | 80 Mio. € | 14 Mio. € | −82,4 % |
| Italien | 53 Mio. € | 30 Mio. € | −42,9 % |
| Spanien | 56 Mio. € | 20 Mio. € | −63,8 % |
Besonders Belgien (−82,4 %) und Spanien (−63,8 %) verzeichneten dramatische Rückgänge. Dies kann sowohl auf Nachfrageeffekte als auch auf logistische Umstrukturierungen (z. B. Verlagerung von Hafenumschlagsaktivitäten) zurückzuführen sein. Selbst Deutschland als größter EU-Importeur halbierte seine Importe nahezu.
Fazit
Die Analyse des EU-Außenhandels mit Regenkleidung (CN 621040) im Zeitraum 2015–2025 offenbart einen Markt im tiefgreifenden Strukturwandel. Fünf zentrale Ergebnisse lassen sich zusammenfassen:
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Schrumpfende Volumina, steigende Preise. Sowohl Import- als auch Exportmengen sind um 35–41 % zurückgegangen, während die Einheitspreise — insbesondere bei Exporten (+38,5 %) — deutlich stiegen. Dies deutet auf eine qualitative Aufwertung der EU-Ausfuhren und eine Verschiebung der Nachfrage hin zu hochwertigeren Produkten hin.
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Chinas Dominanz schwindet. China verlor mehr als die Hälfte seines EU-Marktes in diesem Segment. Die Diversifizierung der Importquellen — erkennbar an der Halbierung des HHI — schreitet voran, wobei Myanmar und Kambodscha als neue Akteure aufsteigen.
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Neue Handelsrouten entstehen. Albanien hat sich als wichtigstes Exportziel der EU in diesem Segment etabliert, was auf die Integration des Landes in europäische Bekleidungslieferketten als Niedriglohnfertigungsstandort hindeutet. Traditionelle Märkte wie die USA und die Türkei verloren massiv an Bedentung.
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Die Importabhängigkeit hat sich mehr als verdoppelt. Trotz sinkender absoluter Importvolumina stieg die Nettoimportabhängigkeit von 43 % auf 89 %. Die EU ist heute für nahezu neun Zehntel ihres Regenkleidungsbedarfs auf Importe angewiesen.
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Die Inlandsproduktion zeigt ein gespaltenes Bild. Produktionsmengen vervielfachten sich, doch der Produktionswert halbierte sich — ein Hinweis auf eine Verschiebung hin zu volumenstarker, wertarmer Produktion. Gleichzeitig stieg die Exportneigung auf über 500 %, was auf eine zunehmende Rolle der EU als Zwischenstation in globalen Lieferketten hindeutet.
Insgesamt zeigt sich ein Markt, in dem die EU ihre Rolle als Volumenproduzent und -importeur verloren hat, sich aber gleichzeitig als Drehscheube für hochwertige Weiterverarbeitung und Re-Export neu positioniert. Die steigende Importabhängigkeit birgt strategische Risiken, insbesondere angesichts zunehmender geopolitischer Unsicherheiten und möglicher Lieferkettenunterbrechungen.