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Marktentwicklung: Kaltgewalztes Stahlband (CN 72091690) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union für das Produkt CN 72091690 – kaltgewalztes Flachstahlband (Coils) mit einer Dicke zwischen 1 und 3 mm – im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die allgemeine Produktspezifikation umfasst ein breites Anwendungsspektrum in der Industrie. Die untersuchte Dekade war von bedeutenden strukturellen Verschiebungen gekennzeichnet: Die EU entwickelte sich von einem Nettoimporteur mit ausgewogenem Handel zu einem Markt mit einem erheblichen Handelsdefizit, begleitet von einer deutlichen Diversifizierung der Lieferantenketten bei gleichzeitiger Volatilität auf den Weltmärkten.

1. Strukturelles Ungleichgewicht: Wachsendes Handelsdefizit und sinkende Exporte

Über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg hat sich das Handelsbilanzdefizit der EU bei diesem Stahlprodukt fast verdoppelt. Dies ist das Ergebnis einer Gegenläufigkeit zwischen steigenden Importwerten und fallenden Exportvolumina.

Das Handelsdefizit der EU hat sich von 2015 bis 2025 fast verdoppelt

Der Gesamthandel zeigt eine klare Verschiebung: Der Saldo (Wert in EUR) verschlechterte sich von -311,8 Mio. EUR im Jahr 2015 auf -616,9 Mio. EUR im Jahr 2025, was einer Verschlechterung um 97,9 % entspricht. Diese Entwicklung wurde durch zwei gegenläufige Trends angetrieben:

  • Steigende Importe: Der Wert der EU-Importe stieg um 34,8 % von 610,7 Mio. EUR auf 823,0 Mio. EUR.
  • Fallende Exporte: Der Wert der EU-Exporte sank um 31,0 % von 298,9 Mio. EUR auf 206,1 Mio. EUR.

Die EU exportiert weniger als die Hälfte der Menge aus dem Jahr 2015

Die Volumenentwicklung (Tonnen) ist noch deutlicher als die Wertentwicklung. Die exportierte Menge halbierte sich nahezu (-51,7 %), von 534.804 t auf 258.457 t. Im Gegensatz dazu blieb das Importvolumen mit einer leichten Abnahme von -4,9 % (von 1,36 Mio. t auf 1,29 Mio. t) relativ stabil. Dies deutet darauf hin, dass der EU-Binnenmarkt die nachfragende Konstante blieb, während die EU ihre Rolle als Exporteur auf dem Weltmarkt für dieses Produkt deutlich verlor.

Steigende Preise erhöhten den Importwert trotz leicht sinkender Mengen

Ein wesentlicher Faktor für den Anstieg des Importwerts waren steigende Durchschnittspreise. Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich um 41,7 % (von 449 EUR/t auf 636 EUR/t). Auch die Exportpreise stigen (um 42,7 %), konnten aber den Rückgang der exportierten Mengen nicht kompensieren.

2. Radikale Umstrukturierung der Handelsströme und Lieferketten

Die Analyse der Top-Handelspartner enthüllt die dramatischste Veränderung: die fast vollständige Neuordnung der Lieferanten für die EU-Importe.

Der Importanteil Chinas ist eingebrochen, während neue Lieferanten dominieren

Die Zusammensetzung der wichtigsten Importpartner hat sich komplett verändert:

Partnerland Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung (%) Anteil am Trend
Indien 26,8 128,9 +380 % Neuer Hauptlieferant
Südkorea 31,8 158,8 +399 % Neuer Hauptlieferant
Taiwan 0,9 121,8 +14.048 % Spektakuläres Wachstum
Türkei 3,7 68,6 +1.736 % Deutliches Wachstum
China 254,7 25,4 -90 % Dramatischer Rückgang
Vereinigtes Königreich 61,6 2,5 -96 % Brexit-Effekt

Die Importkonzentration (HHI) bestätigt diese Diversifizierung: Der Index sank von 2.524 (2015) auf 1.212 (2025), was auf eine weniger konzentrierte, breiter gestreute Importbasis hinweist.

Die EU-Exportmärkte sind konzentrierter geworden

Auf der Exportseite zeigte sich ein gegenläufiger Trend. Während die Türkei (+31 %) und die USA (-20 %) ihre Position als Hauptabnehmer relativ stabil hielten, verringerte sich die exportierte Menge in andere Märkte wie das Vereinigtes Königreich (-37 %), die Schweiz (-46 %) oder China (-92 %) stark. Die Konzentration der Exporte nahm zu (HHI stieg von 1.049 auf 1.719), was bedeutet, dass die EU-Exporte zunehmend von wenigen Schlüsselmärkten abhängig waren.

Innerhalb der EU sind Belgiens und Polens Importbedeutung gewachsen

Die EU-internen Importeure spiegeln industrielle Schwerpunkte wider. Belgien (+107 %) und Polen (+158 %) verzeichneten das stärkste Wachstum, während die Niederlande (-99 %) ihre Rolle nahezu vollständig verloren. Deutschland, der größte EU-Produzent, importierte 2025 trotz der eigenen hohen Produktion noch immer für 16,7 Mio. EUR.

3. Preisvolatilität und geopolitische Schocks

Der Zeitraum 2015-2025 war durch erhebliche Preisinstabilität und von externen Schocks ausgelöste Handelsströmungen geprägt.

Die Preise für Importe und Exporte stiegen, allerdings mit hoher Volatilität

Der durchschnittliche Preis lag 2025 sowohl für Importe (636 EUR/t) als auch für Exporte (797 EUR/t) deutlich über dem Niveau von 2015. Der Höhepunkt wurde 2022 erreicht, als Importpreise über 1.000 EUR/t und Exportpreise über 1.140 EUR/t stiegen. Dies reflektiert globale Angebotsverknappungen und steigende Energiekosten in den Jahren nach der COVID-19-Pandemie.

Einige Handelsströme waren extrem volatil, wie Daten für China und Russland zeigen

Die Volatilitätsanalyse (Variationskoeffizient) zeigt, dass einige Handelsbeziehungen äußerst instabil waren. Importe aus China (CV: 2,10) und Russland (CV: 2,71) waren am stärksten schwankend, was mit Sanktionen und Handelsstreitigkeiten zusammenhängt. Auf der Exportseite waren Ströme nach China (CV: 0,74) und Algerien (CV: 1,13) unvorhersehbar.

Preisschocks im Jahr 2018 bei China-Importen und 2021 bei US-Exporten

Die analyse der Schocks identifiziert zwei bedeutende Ereignisse:

  1. 2018 – Preisschock bei Importen aus China: Der durchschnittliche Importpreis aus China sprang 2018 um 1.350 % (!) und hatte einen abnormalen Wert von 82,4. Dies korrespondiert mit der Einführung von EU-Schutzmaßnahmen gegen Stahlimporte in der Folge der US-Sektion-232-Zölle.
  2. 2021 – Preisschock bei Exporten in die USA und Türkei: Die EU-Exportpreise in die USA und die Türkei stiegen 2021 um 82 % bzw. 51 %. Dies geschah in einem Umfeld globaler Lieferkettenprobleme und hoher Nachfrage nach der Pandemie.

Fazit

Zwischen 2015 und 2025 durchlief der EU-Markt für kaltgewalztes Stahlband eine tiefgreifende Transformation. Die wichtigsten Erkenntnisse sind:

  1. Ergebnis offener Märkte: Die EU hat sich von einer Position eines relativ ausgeglichenen Handels zu einem Markt mit einem strukturellen Handelsdefizit entwickelt, da steigende, diversifizierte Importe auf schrumpfende Exporte treffen.
  2. Strategische Umorientierung der Lieferantenketten: Die einseitige Abhängigkeit von chinesischen Importen wurde durch eine radikale Diversifizierung zu Lieferanten in Asien (Indien, Südkorea, Taiwan) und der Türkei ersetzt. Dies erhöhte die Resilienz der EU-Versorgung, machte sie aber anfälliger für geopolitische Spannungen in mehreren Regionen.
  3. Preis als dominanter Faktor: Trotz leicht rückläufiger Importmengen führten signifikante Preissteigerungen zu höheren Gesamtkosten für die EU-Industrie. Hohe Volatilität und diskrete Preisschocks, oft verbunden mit politischen Interventionen (Zölle) oder globalen Krisen, kennzeichneten den gesamten Zeitraum.
  4. Binnenmarktliche Umverteilung: Innerhalb der EU verlagerte sich die Importnachfrage traditionell exportorientierter Volkswirtschaften (Deutschland, Niederlande) zu Volkswirtschaften mit wachsenden industriellen Kapazitäten (Belgien, Polen).

Die künftige Entwicklung wird von der Stabilität der neuen Lieferketten, der Handelspolitik der EU (u.a. CBAM), der globalen Stahlnachfrage und der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Produktion bestimmt werden.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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