Marktentwicklung: Herrenhemden (CN 6205) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung für Herren- und Knabenhemden (nicht gewirkt oder gestrickt, ausgenommen Nachthemden und Unterhemden, Zolltarifnummer 6205) in der Europäischen Union im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Untersuchung basiert auf offiziellen Handelsdaten und beleuchtet die wichtigsten Trends, Partnerländer, Marktstrukturen und Abhängigkeiten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Preisentwicklungen, den Verschiebungen bei den Handelspartnern sowie den Auswirkungen des dramatischen Rückgangs der inländischen Produktion auf die Importabhängigkeit der EU.
Überblick über den Umfang und die Definitionen des Produkts CN 6205
1. Preisgetriebene Handelsströme bei sinkenden Volumina
Die Handelsströme im Zeitraum 2015–2025 sind durch ein gegenläufiges Muster gekennzeichnet: Während die physischen Volumina (in Tonnen und Stückzahlen) bei Importen und Exporten signifikant gesunken sind, sind die Handelswerte und insbesondere die Einheitspreise stark gestiegen. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten und/oder allgemeine Preissteigerungen in der Lieferkette hin.
1.1. Rückgang der Handelsvolumina bei gleichzeitigem Wachstum der Werte
Die Importmenge in Tonnen fiel von 104.360 t im Jahr 2015 auf 80.203 t im Jahr 2025 (-23,1 %). Noch stärker sank die Exportmenge von 12.996 t auf 8.222 t (-36,7 %). Dennoch blieb der Importwert mit 2.283,7 Mio. EUR im Jahr 2025 nur 10,8 % unter seinem Spitzenwert von 2015. Der Exportwert erreichte 2025 mit 934,6 Mio. EUR sogar ein höheres Niveau als 2015 (+2,9 %), was den Wert des Handelsdefizits von 1.652,5 Mio. EUR (2015) auf 1.349,1 Mio. EUR (2025) reduzierte (-18,4 %).
Trend von Handelsvolumen und -wert
1.2. Drastischer Preisanstieg bei Exporten
Die durchschnittlichen Einheitspreise für Exporte (in EUR pro Stück) stiegen im Zeitraum um 70,2 % von 19,98 €/Stück auf 34,02 €/Stück. Die Importpreise erhöhten sich im Vergleich dazu moderater um 18,1 % von 7,17 €/Stück auf 8,47 €/Stück. Diese Divergenz führte zu einer deutlichen Aufwertung der EU-Ausfuhren.
| Metrik | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportpreis (€/Stück) | 19,98 | 34,02 | +70,2 % |
| Importpreis (€/Stück) | 7,17 | 8,47 | +18,1 % |
| Handelswert Exporte (Mrd. €) | 0,91 | 0,93 | +2,9 % |
| Handelswert Importe (Mrd. €) | 2,56 | 2,28 | -10,8 % |
2. Strukturelle Verschiebungen bei den Handelspartnern
Die Zusammensetzung der wichtigsten Handelspartner sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten der EU hat sich über den betrachteten Zeitraum erheblich verändert. Ein dominanter Trend ist die Abnahme der Bedeutung des Vereinigten Königreichs nach dem Brexit und das Erstarken von Bangladesh als führendem Importlieferanten.
2.1. Bangladesh als neuer Hauptlieferant bei Importen
Bangladesh überholte China im Jahr 2025 als wichtigsten Importpartner der EU für Herrenhemden und verzeichnete ein Wachstum seines Exportwerts in die EU um 19,9 % auf 780,7 Mio. EUR. Der Importwert aus China sank im gleichen Zeitraum um 32,8 % auf 311,8 Mio. EUR. Die Importe aus dem Vereinigten Königreich brachen nach dem Austritt aus der EU um 77,1 % von 130,9 Mio. EUR (2015) auf 29,9 Mio. EUR (2025) ein.
2.2. Wachstumsmärkte bei EU-Exporten
Bei den Exporten der EU gewannen die Vereinigten Staaten (+46,0 % auf 144,1 Mio. EUR) und die Schweiz (+17,5 % auf 130,2 Mio. EUR) an Bedeutung. Die Exporte in die Türkei stiegen sogar um 60,1 % auf 43,0 Mio. EUR. Im Gegensatz dazu verloren traditionelle Märkte wie das Vereinigte Königreich (-45,4 %) und Albanien (-45,8 %) an Gewicht.
| Partnerland (Importe) | Wert 2015 (Mio. €) | Wert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Bangladesh | 650,8 | 780,7 | +19,9 % |
| China | 464,0 | 311,8 | -32,8 % |
| Türkei | 322,4 | 233,5 | -27,6 % |
| Indien | 245,2 | 260,8 | +6,4 % |
| Vereinigtes Königreich | 130,9 | 29,9 | -77,1 % |
3. Verfall der inländischen Produktion und wachsende Importabhängigkeit
Die vielleicht signifikanteste Entwicklung ist der Zusammenbruch der Herrenhemdenproduktion innerhalb der EU, der zu einer extrem gesteigerten Abhängigkeit von Importen geführt hat. Gleichzeitig zeigt sich, dass innerhalb der EU nur noch wenige Länder eine relevante Spezialisierung aufweisen.
3.1. Kollaps der EU-Produktion
Die inländische Produktionsmenge (in Stück) fiel um dramatische 78,3 % von 135,7 Mio. Stück (2015) auf 29,5 Mio. Stück (2025). Der Produktionswert sank entsprechend um 57,2 % von 1,51 Mrd. EUR auf 0,64 Mrd. EUR. Dieser Rückgang erklärt einen Großteil des steigenden Bedarfs an Importen.
3.2. Extreme Steigerung der Nettoreimportquote
Als direkte Folge des Produktionsrückgangs und trotz sinkender Importvolumina stieg die Nettoreimportquote (Anteil der Nettoumfänge am Gesamtkonsum) von 14,0 % im Jahr 2015 auf 66,9 % im Jahr 2025 – eine Steigerung um 378,5 %. Die EU bezieht nun mehr als zwei Drittel ihres Bedarfs an Herrenhemden aus dem Ausland.
Entwicklung der Nettoreimportquote
3.3. Spezialisierung und Konzentration in der EU
Die Daten zur Spezialisierung im Jahr 2025 zeigen, dass nur noch wenige EU-Länder einen komparativen Vorteil (RCA > 1) bei der Herstellung von Herrenhemden besitzen. Dänemark (RCA 3,61) und Italien (RCA 1,71) führen. Die Konzentration der Importe (gemessen am HHI-Index) nahm zu (von 1.331 auf 1.694), was eine stärkere Abhängigkeit von weniger Lieferantenländern signalisiert, während die Exporte weniger konzentriert wurden (HHI von 1.033 auf 801).
Spezialisierung der EU-Mitgliedstaaten
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Herrenhemden (CN 6205) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Er ist geprägt von einer Preissteigerung trotz rückläufiger Volumina, einer geopolitischen Neuordnung der Handelsströme mit Bangladesh als neuem Hauptlieferanten und dem Rückgang des Brexit-bedingten Handels mit dem Vereinigten Königreich. Am gravierendsten ist jedoch der Zusammenbruch der heimischen Produktion, der die EU in eine extreme Importabhängigkeit (Nettoreimportquote von ~67 %) gedrängt hat. Diese Entwicklung erhöht die Anfälligkeit der EU-Lieferketten, macht den Markt aber auch zu einem bedeutenden Absatzmarkt für globale Produzenten. Die Zukunft der Branche in der EU scheint sich auf hochwertige Nischenprodukte und Exporte zu konzentrieren, während der Massenmarkt fast vollständig importiert wird.