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Marktentwicklung: Damenwäsche (CN 6208) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode CN 6208 umfasst Damen- und Mädchenunterwäsche, Nachthemden, Schlafanzüge, Negligées, Bademäntel, Hausmäntel und ähnliche Waren — ausgenommen Wirk- und Strickwaren sowie Büstenhalter, Korsetts und Hüftgürtel. Das Segment gliedert sich in acht sechsstellige Unterpositionen, die nach Faserart (Baumwolle, Chemiefasern, sonstige Spinnstoffe) und Produktgruppe (Unterkleider/Unterröcke, Nachthemden/Schlafanzüge, sonstige Unterwäsche) differenzieren.

Im Beobachtungszeitraum 2015 bis 2025 entwickelte sich der EU-Außenhandel mit Damenwäsche dynamisch: Die Einfuhren stiegen um 63 % auf rund 421 Mio. EUR, während die Ausfuhren um 61 % auf rund 103 Mio. EUR wuchsen. Das Handelsdefizit vertiefte sich entsprechend. Gleichzeitig vollzog sich ein tiefgreifender Strukturwandel — sowohl bei den Lieferantenländern als auch bei der inländischen Produktionsbasis der EU.


1. Importwachstum und ein sich vertiefendes Handelsdefizit

1.1 Die EU-Importe übertrafen 2025 die Marke von 420 Mio. EUR

Die Gesamteinfuhren der EU im Bereich CN 6208 entwickelten sich über den gesamten Zeitraum aufwärts. Der Importwert stieg von 258 Mio. EUR (2015) auf 421 Mio. EUR (2025), was einem Plus von 63 % entspricht. Die importierte Menge wuchs im gleichen Zeitraum von 18.979 Tonnen auf 25.432 Tonnen (+34 %). Das Minimum lag bei 17.874 Tonnen, das Maximum bei den 25.432 Tonnen des Jahres 2025. Auch die durchschnittlichen Einfuhrpreise legten zu: von 13.592 EUR/t auf 16.526 EUR/t (+21,6 %).

Die EU-Ausfuhren stiegen ebenfalls — von 64 Mio. EUR auf 103 Mio. EUR (+61 %) —, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Die exportierte Menge wuchs moderater von 2.974 Tonnen auf 3.230 Tonnen (+8,6 %), wobei der Exportpreis von 21.470 EUR/t auf 31.759 EUR/t (+47,9 %) anstieg. Die EU exportiert also tendenziell weniger Mengen zu höheren Preisen — ein Hinweis auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 258 Mio. EUR 421 Mio. EUR +63 %
Importmenge 18.979 t 25.432 t +34 %
Importpreis (EUR/t) 13.592 16.526 +21,6 %
Exportwert 64 Mio. EUR 103 Mio. EUR +61 %
Exportmenge 2.974 t 3.230 t +8,6 %
Exportpreis (EUR/t) 21.470 31.759 +47,9 %

1.2 Das Handelsdefizit vertiefte sich um über 60 %

Da die Importe auf wesentlich höherem Niveau wuchsen als die Exporte, vergrößerte sich das Handelsdefizit von rund 194 Mio. EUR (2015) auf rund 318 Mio. EUR (2025). Das entspricht einer Vertiefung um 63,7 %. Das maximale Defizit im Beobachtungszeitraum lag bei 342 Mio. EUR, das minimale bei 174 Mio. EUR. Die Schere zwischen Import- und Exportentwicklung blieb über den gesamten Zeitraum bestehen und unterstreicht die strukturelle Abhängigkeit der EU von Drittlandlieferanten in diesem Warensegment.

1.3 Nachthemden und Schlafanzüge sind die stärksten Wachstumstreiber

Die Segmentanalyse zeigt, dass das Wachstum innerhalb von CN 6208 sehr ungleich verteilt war. Besonders auffällig ist der Aufschwung der Nachthemden- und Schlafanzug-Teilsegmente:

Segment Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
620821 — Nachthemden/Schlafanzüge, Baumwolle 40,0 Mio. EUR 86,4 Mio. EUR +116 %
620822 — Nachthemden/Schlafanzüge, Chemiefasern 34,7 Mio. EUR 81,4 Mio. EUR +135 %
620891 — Sonstige Unterwäsche, Baumwolle 84,7 Mio. EUR 130,2 Mio. EUR +54 %
620892 — Sonstige Unterwäsche, Chemiefasern 60,1 Mio. EUR 66,1 Mio. EUR +10 %
620899 — Sonstige Unterwäsche, sonst. Spinnstoffe 13,7 Mio. EUR 25,5 Mio. EUR +87 %
620829 — Nachthemden/Schlafanzüge, sonst. Spinnstoffe 11,4 Mio. EUR 16,2 Mio. EUR +42 %
620811 — Unterkleider/Unterröcke, Chemiefasern 7,6 Mio. EUR 3,8 Mio. EUR −50 %

Die Baumwoll-Nachthemden (620821) verzeichneten sowohl mengen- als auch preisbezogen das stärkste Wachstum: Die importierte Stückzahl stieg von 10,7 Mio. auf 15,3 Mio. Stück, der Importpreis pro Stück verdoppelte sich nahezu von 3,74 EUR auf 5,64 EUR. Dies deutet auf einen doppelten Effekt hin — sowohl steigende Mengen als auch eine Aufwertung der importierten Ware. Die Unterkleider und Unterröcke aus Chemiefasern (620811) waren das einzige Segment mit einem deutlichen Rückgang; hier halbierte sich der Importwert.


2. Umbruch in der geografischen Herkunft der Importe

2.1 Bangladesch und Pakistan verfünffachten ihren Exportwert in die EU

Die Partnerländeranalyse zeigt eine deutliche geografische Verschiebung der EU-Importquellen. China blieb mit 119 Mio. EUR (2025) der größte Einzellieferant, doch das Wachstum gegenüber 2015 (+17 %) blieb weit hinter dem der südasiatischen Konkurrenten zurück:

Lieferant Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
China 101,7 Mio. EUR 118,9 Mio. EUR +17,0 %
Türkei 54,7 Mio. EUR 67,0 Mio. EUR +22,6 %
Bangladesch 10,4 Mio. EUR 52,4 Mio. EUR +404 %
Indien 18,6 Mio. EUR 43,8 Mio. EUR +135 %
Pakistan 10,2 Mio. EUR 35,8 Mio. EUR +251 %
Vereinigtes Königreich 22,5 Mio. EUR 4,9 Mio. EUR −78 %
Vietnam 5,8 Mio. EUR 5,2 Mio. EUR −10 %

Bangladesch stieg vom siebenten zum viertgrößten Lieferanten auf — der Exportwert in die EU versechsfachte sich nahezu. Pakistan verfünffachte seinen Wert. Indien mehr als verdoppelte ihn. Diese Dynamik spiegelt die komparativen Kostenvorteile südasiatischer Textilproduzenten wider, die insbesondere im Damenwäschesegment profitieren.

2.2 Der Brexit ließ die Importe aus dem Vereinigten Königreich um 78 % einbrechen

Das Vereinigte Königreich war 2015 mit 22,5 Mio. EUR der sechstgrößte Lieferant der EU im Segment CN 6208. Bis 2025 sank dieser Wert auf 4,9 Mio. EUR — ein Rückgang um 78,1 %. Das Minimum lag bei 4,8 Mio. EUR. Dieser Einbruch ist eng mit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs zum 1. Februar 2020 und dem Ende der Zollfreiheit für Warenbewegungen verbunden. Die Volatilitätsanalyse bestätigt mit einem Variationskoeffizienten von 0,82 eine sehr hohe Schwankung der Importe aus dem Vereinigten Königreich — ein Wert, der nur von Myanmar (0,90) und Kambodscha (0,72) unter den wichtigsten Lieferanten übertroffen wird.

Auch bei den EU-Exporten in das Vereinigte Königreich war ein Rückgang zu verzeichnen: von 15,7 Mio. EUR auf 12,3 Mio. EUR (−21,5 %). Großbritannien blieb damit zwar wichtigster Exportmarkt der EU, verlor aber ebenfalls an Bedeutung.

2.3 Die Konzentration der Importquellen nahm deutlich ab

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Einfuhren sank von 2.195 auf 1.507 — ein Rückgang um 31,4 %. Auch mengenbezogen ging der HHI von 2.427 auf 1.788 zurück (−26,3 %). Die EU bezieht Damenwäsche also aus einer breiteren Palette von Lieferantenländern als noch 2015. Diese Diversifizierung reduziert grundsätzlich die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten, bringt aber auch eine komplexere Lieferkette mit sich.

Auf der Exportseite fiel der HHI von 1.071 auf 726 (−32,2 %), mengenbezogen sogar von 1.569 auf 859 (−45,3 %). Die EU exportiert Damenwäsche in zunehmend mehr Zielmärkte.


3. Verfall der EU-Produktion und gestiegene Abhängigkeit von Drittländern

3.1 Die EU-Produktion sank zwischen 2015 und 2025 um fast 93 % (Stückzahl)

Die EU-Produktionsdaten (Prodcom) zeigen einen dramatischen Rückgang der inländischen Fertigung:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Stück) 250,2 Mio. 18,3 Mio. −92,7 %
Produktionswert 710,9 Mio. EUR 73,7 Mio. EUR −89,6 %

Die EU produzierte 2015 noch rund 250 Mio. Stück Damenwäsche im Sinne von CN 6208; 2025 waren es nur noch 18,3 Mio. Stück. Der Produktionswert sank entsprechend von 711 Mio. EUR auf 74 Mio. EUR. Diese Entwicklung unterstreicht die massive Verlagerung der textilen Wertschöpfungskette außerhalb der EU, die über den gesamten Beobachtungszeitraum anhielt und sich insbesondere in den letzten Jahren beschleunigte.

3.2 Die Netto-Importabhängigkeit stieg von 8 % auf über 80 %

Die Netto-Importabhängigkeit stieg im Beobachtungszeitraum von 8,1 % auf 80,3 % — eine Steigerung um 895 %. Die Handelsintensität erhöhte sich von 10,8 % auf 105,5 %, die Exportquote sogar von 1,6 % auf 135,5 %.

Die Exportquote von über 100 % bedeutet, dass die EU 2025 mehr Damenwäsche exportierte (103 Mio. EUR), als sie selbst produzierte (74 Mio. EUR). Dies ist nur möglich, wenn ein erheblicher Teil der Ausfuhren aus Wiederausfuhren importierter Ware besteht — ein klares Indiz dafür, dass die EU in diesem Segment primär als Handels- und Logistikdrehscheibe fungiert, nicht mehr als Produktionsstandort.

Gleichzeitig stiegen die Importpreise insbesondere 2022 sprunghaft an. Der Preis für Baumwoll-Nachthemdenimporte (620821) erreichte 2022 mit 21.397 EUR/t bzw. 6,09 EUR/Stück seinen Höchststand, bevor er 2025 auf 18.240 EUR/t bzw. 5,64 EUR/Stück zurückging. Preispreisschocks wurden auch bei Exporten festgestellt — etwa ein abnormaler Preisanstieg bei Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate (+1.282 %, 2022) und in die USA (+65,5 %, 2022).

3.3 Nur fünf EU-Länder halten eine komparative Spezialisierung im Segment

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA-Index, 2025) zeigt, dass innerhalb der EU nur fünf Länder eine positive Spezialisierung im Bereich Damenwäsche aufweisen:

Land RSCA RCA Anteil an EU-Produktion
Bulgarien 0,77 7,53 4,7 %
Kroatien 0,38 2,21 0,9 %
Polen 0,27 1,75 11,6 %
Frankreich 0,26 1,69 13,2 %
Portugal 0,22 1,57 2,2 %

Bulgarien weist mit einem RCA-Wert von 7,53 die höchste relative Spezialisierung auf, allerdings bei einem geringen Produktionsanteil. Polen und Frankreich sind die größten Produktionsstandorte unter den spezialisierten Ländern. Bei den EU-Exporten dominierten 2025 Italien (24,5 Mio. EUR), Frankreich (15,9 Mio. EUR) und Spanien (12,0 Mio. EUR). Polen (+246 %) und Portugal (+131 %) verzeichneten die stärksten Exportzuwächse seit 2015.

Demgegenüber weisen Malta (RSCA −0,82), Luxemburg (−0,80), Irland (−0,77), Ungarn (−0,76) und Estland (−0,75) eine ausgeprägte Despezialisierung auf — ein weiteres Indiz für die regionale Konzentration der verbleibenden EU-Produktion in wenigen Mitgliedstaaten.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Damenwäsche (CN 6208) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental gewandelt. Drei zentrale Dynamiken prägen die Entwicklung:

Erstens haben sich die Einfuhren sowohl mengen- als auch wertmäßig stark ausgeweitet, während das Handelsdefizit auf 318 Mio. EUR anwuchs. Die Hauptwachstumstreiber sind Nachthemden und Schlafanzüge aus Baumwolle und Chemiefasern, deren Importe sich mehr als verdoppelten.

Zweitens verschob sich die geografische Herkunft der Importe deutlich. Bangladesch, Pakistan und Indien gewannen als Lieferanten stark hinzu, während die Importe aus dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit einbrachen. Die Diversifizierung der Lieferantenbasis (sinkender HHI) bietet grundsätzlich mehr Resilienz, erhöht aber auch die Komplexität der Lieferketten.

Drittens — und am folgenreichsten — ist die EU-Produktion im Segment um über 90 % eingebrochen. Die Netto-Importabhängigkeit stieg auf über 80 %, und die Exportquote übersteigt die inländische Produktion, was auf umfangreiche Wiederausfuhren hindeutet. Die EU ist in diesem Warensegment von einer Produktions- zu einer Handels- und Logistikplattform geworden. Angesichts anhaltender geopolitischer Unsicherheiten und möglicher Handelshemmnisse birgt diese extreme Importabhängigkeit ein erhebliches strategisches Risiko für die Versorgungssicherheit des europäischen Marktes.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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