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Marktentwicklung: Herbizide, Keimhemmungsmittel und Pflanzenwuchsregulatoren, in Formen oder Aufmachungen für den Einzelverkauf oder als Zubereitungen oder Waren (ausg. Waren der Unterpos. 3808.59) (CN 380893) — 2015–2025

Einleitung

Der Markt für Herbizide, Keimhemmungsmittel und Pflanzenwuchsregulatoren (KN 380893) hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend gewandelt. Die Europäische Union hat ihre Position als Nettoexporteur in diesem Segment kontinuierlich ausgebaut, wobei sich gleichzeitig die Handelspartnerschaften, Preisstrukturen und Lieferketten erheblich verschoben haben. Der Bericht analysiert die wichtigsten Marktdynamiken anhand von Handelsdaten der EU mit Drittländern und beleuchtet die strukturellen Veränderungen, geopolitischen Einflüsse sowie die Preis- und Mengenentwicklungen.

Übersicht der Handelsdaten


1. Konsolidierung der EU als starker Nettoexporteur: Exportwachstum bei sinkenden Importen

Der Handelsüberschuss hat sich zwischen 2015 und 2025 deutlich vergrößert

Die EU verzeichnete im gesamten Betrachtungszeitraum einen positiven Handelsbilanzüberschuss bei KN 380893. Dieser stieg von 685 Mio. EUR im Jahr 2015 auf rund 887 Mio. EUR im Jahr 2025, was einem Anstieg von 29,5 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2022 mit 1,29 Mrd. EUR erreicht — getrieben von einem starken Exportjahr mit außergewöhnlich hohen Preisen.

Kennzahl 2015 2022 (Peak) 2025 Veränderung 2015→2025
Exportwert (Mio. EUR) 1.371 1.876 1.372 +0,1 %
Importwert (Mio. EUR) 686 589 485 −29,3 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) 685 1.286 887 +29,5 %
Nettoimportabhängigkeit (%) −6,8 −54,2 −55,9 −727 %

Handelsbilanz und Nettoimportabhängigkeit

Mengenrückgang bei Exporten wird durch Preissteigerungen kompensiert

Die exportierte Menge sank von 190.458 Tonnen (2015) auf 155.323 Tonnen (2025), ein Rückgang von 18,4 %. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Exportpreis von 7.197 EUR/t auf 8.833 EUR/t (+22,7 %). Dies deutet auf eine qualitative Aufwertung oder eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produktformulierungen hin. Der Exportwert blieb damit nahezu stabil (1.372 Mio. EUR).

Auch bei den Importen zeigt sich ein gegenläufiges Bild: Die importierte Menge sank von 78.105 auf 67.312 Tonnen (−13,8 %), während der Importpreis von 8.779 EUR/t auf 7.202 EUR/t fiel (−18,0 %). Der Importwert sank somit deutlich stärker als die Mengenreduktion allein erklären würde.

Die EU-Nachfrage ist zunehmend exportgetrieben

Der Exportanteil an der Gesamtproduktion (Export Propensity) stieg von 22,1 % (2015) auf 49,9 % (2025), was einer Verdopplung entspricht. Die Handelsintensität erhöhte sich von 32,7 % auf 56,1 %. Diese Dynamik spiegelt wider, dass die EU-Pflanzenschutzindustrie in zunehmendem Maße auf Drittmärkte ausgerichtet ist.

Binnenproduktion zeigt Preisstabilität bei volatilen Mengen

Der Produktionswert der EU blieb zwischen 2015 und 2024 weitgehend stabil (3,13 Mrd. EUR bzw. 2,93 Mrd. EUR, +3,0 %). Die Produktionsmenge schwankte hingegen erheblich — von 505 Mio. Tonnen (2015) auf 425 Mio. Tonnen (2024), mit einem Höchstwert von 641 Mio. Tonnen (2022). Die Schwankungen in der Produktionsmenge bei gleichzeitig stabilem Wert deuten auf erhebliche Preisschwankungen im Inlandsmarkt hin.

Produktionsvolumen


2. Tektonische Verschiebungen in den Handelspartnerschaften: Geopolitik und Strukturwandel

Die Schweiz als Importquelle ist praktisch verschwunden

Der dramatischste Strukturwandel im Importmarkt vollzog sich bei der Schweiz. Die Importe aus der Schweiz fielen von 149 Mio. EUR (2015) auf unter 1 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 99,5 % entspricht. Der Variationskoeffizient (CV) von 1,88 ist der höchste aller Importpartner und belegt die extreme Volatilität dieses Zusammenbruchs. Die Schweiz war 2015 der drittgrößte Importpartner der EU; heute ist sie quantitativ bedeutungslos.

Importvolatilität nach Partnerländern

China gewinnt als Lieferant stark an Bedeutung — mit hoher Volatilität

Die Importe aus China stiegen von 40 Mio. EUR (2015) auf 71 Mio. EUR (2025, +76,2 %), mit einem dramatischen Spitzenwert von 144 Mio. EUR im Jahr 2022. Der CV von 0,29 unterstreicht die Schwankungsanfälligkeit dieser Handelsbeziehung. China hat sich damit vom fünftgrößten zum drittgrößten Importpartner entwickelt.

Israel bleibt der wichtigste Lieferant — mit Preisanstieg 2023

Israel blieb throughout den gesamten Zeitraum der größte einzelne Importpartner der EU (182 Mio. EUR in 2025). Allerdings wurde 2023 ein signifikanter Preisschock von +14,0 % gegenüber der Baseline festgestellt, mit einer abnormality von 9,3. Der Mengenanteil Israels an den EU-Importen liegt bei rund 50 % des Werts.

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Israel 219 182 −17,0 %
Vereinigtes Königreich 186 160 −14,3 %
China 40 71 +76,2 %
Vereinigte Staaten 54 31 −43,1 %
Indien 3 7 +129,8 %
Argentinien 0,2 10 +4.210 %
Schweiz 149 0,7 −99,5 %

Top-Importpartner nach Werten

Russland-Exporte eingebrochen — Ukraine als Wachstumsmarkt

Die Exporte in die Russische Föderation sanken von 109 Mio. EUR (2015) auf 54 Mio. EUR (2025, −50,4 %). Der CV von 0,65 zeigt hohe Volatilität, die mit geopolitischen Ereignissen korreliert. Parallel dazu stiegen die Exporte in die Ukraine von 149 Mio. EUR auf 191 Mio. EUR (+28,8 %). Die Ukraine ist damit zum zweitgrößten Exportmarkt der EU aufgestiegen — ein bemerkenswerter Wandel, der teilweise auch durch die Umleitung von Handelsströmen infolge des Konflikts erklärt werden kann.

Deutschland und Frankreich dominieren den EU-Export, Ungarn wächst dynamisch

Innerhalb der EU bleibt Deutschland der mit Abstand größte Exporteur (454 Mio. EUR in 2025), gefolgt von Frankreich (346 Mio. EUR) und Belgien (245 Mio. EUR). Allerdings sanken die deutschen Exporte um 24,8 % gegenüber 2015. Der bemerkenswerteste Wachstumstrend zeigt sich bei Ungarn: Die Exporte stiegen von 24 Mio. EUR auf 97 Mio. EUR (+307,5 %). Dies spiegelt die wachsende Rolle Ungarns als Produktionsstandort wider — auch unterstützt durch eine hohe Spezialisierung (RSCA von 0,46).

EU-Mitgliedstaat Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Deutschland 603 454 −24,8 %
Frankreich 337 346 +2,6 %
Belgien 264 245 −7,1 %
Ungarn 24 97 +307,5 %
Italien 53 62 +17,1 %
Polen 15 25 +69,2 %
Österreich 14 21 +58,0 %

Top-Reporter nach Exportwerten

Exportkonzentration bleibt niedrig, Importkonzentration steigt

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte lag 2025 bei 766 — ein Wert, der auf einen gut diversifizierten Exportmarkt hinweist. Im Zeitverlauf blieb er relativ stabil (789 in 2015). Bei den Importen hingegen stieg der HHI von 2.340 auf 2.759 (+17,9 %), was eine zunehmende Konzentration auf wenige Lieferanten signalisiert. Angesichts des Wegfalls der Schweiz als Quelle und des Wachstums von Israel und China als Hauptlieferanten steigt die Abhängigkeit von einzelnen Partnern.

Konzentrationsanalyse (HHI)


3. Preisvolatilität und Schocks: Die Jahre 2022/2023 als Wendepunkt

Globale Preisschocks prägten den Zeitraum 2022–2023

Die Analyse der Preisvolatilität identifiziert mehrere signifikante Schockereignisse, die sich auf den EU-Handel mit KN 380893 auswirkten:

Schock Typ Fluss Abnormalität Preissprung Zeitpunkt
China Preis Importe 29,4 +124,8 % 2022
Chile Preis Exporte 17,7 +111,0 % 2022
Vereinigte Staaten Preis Exporte 15,8 +30,9 % 2023
Israel Preis Importe 9,3 +14,0 % 2023

Top-Schockereignisse

Der China-Importpreis-Schock 2022 war das gravierendste Ereignis

Die Importpreise für Herbizide aus China explodierten 2022 um 124,8 % gegenüber der Baseline (2020–2021). Der durchschnittliche Preis stieg von 4.304 EUR/t auf 9.677 EUR/t. Gleichzeitig erhöhte sich die importierte Menge um 64,5 %, was auf eine massive Nachfrageverschiebung oder Lieferengpässe hindeutet. Nach dem Schock normalisierten sich die Preise 2023–2024 wieder auf 5.643 EUR/t, lagen damit aber immer noch 31 % über der Baseline.

Die Exportpreise in die USA und nach Australien reagierten ebenfalls stark

Die Exportpreise in die Vereinigten Staaten stiegen 2023 um 30,9 % auf 31.994 EUR/t, wobei die Mengen gleichzeitig um 45 % einbrachen. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu hochpreisigen Spezialprodukten oder auf Lieferengpässe hin. Die Exportpreise nach Australien verdoppelten sich 2022 sogar auf 15.990 EUR/t und stiegen 2023–2024 weiter auf 19.435 EUR/t bzw. 20.473 EUR/t — ein persistenter Anstieg, der über die Phase des globalen Preisschocks hinausgeht.

Importpreise aus Israel zeigen ungewöhnliche Stabilität

Trotz der globalen Preisturbulenzen blieben die Importpreise aus Israel bemerkenswert stabil (zwischen 9.543 und 11.836 EUR/t über den gesamten Zeitraum). Dies unterstreicht die Rolle Israels als zuverlässiger und preisstabiler Lieferant. Der 2023 festgestellte Preisschock (+14,0 %) war im Vergleich zu anderen Schocks moderat, aber angesichts des großen Mengenanteils (rund 50 % des Importwerts) dennoch relevant.

Produktsegmentanalyse: Sonstige Herbizide dominieren, Pflanzenwuchsregulatoren wachsen

Innerhalb der Unterpositionen dominieren die „sonstigen Herbizide" (KN 38089327) sowohl bei Importen als auch bei Exporten:

Produktsegment Importwert 2025 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Exportpreis 2025 (EUR/t)
38089327 – Sonstige Herbizide 164 732 6.898
38089390 – Pflanzenwuchsregulatoren 90 132 7.378
38089315 – Amide-Herbizide 47 114 13.336
38089323 – Harnstoff-/Sulfonylharnstoff-Herbizide 33 180 29.909
38089313 – Triazin-Herbizide 43 144 53.095
38089311 – Phenoxyphytohormon-Herbizide 35 30 4.697
38089321 – Dinitroanilin-Herbizide 40 38 8.461

Besonders auffällig ist der Preisanstieg bei Triazin-Herbiziden (KN 38089313): Der Exportpreis stieg von 19.074 EUR/t (2015) auf 53.095 EUR/t (2025, +178 %). Bei den Pflanzenwuchsregulatoren (KN 38089390) verdoppelten sich die Importmengen von 5.516 Tonnen auf 12.307 Tonnen, was auf eine wachsende Nachfrage nach Wachstumsregulatoren in der EU-Landwirtschaft hindeuten könnte.

Produktvergleich


Fazit

Der EU-Markt für Herbizide, Keimhemmungsmittel und Pflanzenwuchsregulatoren (KN 380893) hat sich zwischen 2015 und 2025 in drei zentralen Dimensionen gewandelt:

  1. Strukturelle Exportorientierung: Die EU hat ihre Position als Nettoexporteur kontinuierlich ausgebaut. Der Handelsüberschuss wuchs um fast 30 %, die Nettoexportabhängigkeit stieg von −7 % auf −56 %. Die Exportquote an der Produktion hat sich mehr als verdoppelt.

  2. Geostrategische Neuausrichtung der Handelsströme: Der Zusammenbruch der Schweizer Importe, das Wachstum Chinas als Lieferant, der Rückgang der russischen Exporte und der Aufstieg Ungarns als EU-Produktionsstandort sind die prägendsten Veränderungen. Die Importkonzentration nahm zu, während die Exportbasis diversifiziert blieb.

  3. Preisvolatilität und Schockanfälligkeit: Die Jahre 2022–2023 waren von erheblichen Preisschocks geprägt, insbesondere bei Importen aus China (+125 %) und Exporten nach Chile (+111 %). Die gestiegene Handelsintensität macht die EU gleichzeitig verwundbarer gegenüber externen Preisschwankungen, insbesondere bei hochkonzentrierten Importquellen wie Israel.

Die zunehmende Spezialisierung einzelner EU-Mitgliedstaaten — allen voran Frankreich (RSCA 0,50) und Ungarn (0,46) — sowie das Wachstum der Exportquote deuten auf eine Professionalisierung und Internationalisierung des europäischen Pflanzenschutzsektors hin. Gleichzeitig birgt die wachsende Importkonzentration Risiken für die Versorgungssicherheit, die eine Diversifizierung der Beschaffungsquellen erfordern.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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