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Marktentwicklung: Sonstige Herbizide (CN 38089327) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015–2025 für die Zollposition CN 38089327 — ein Residualcode, der Herbizide in Einzelverkaufsformen oder als Zubereitungen erfasst, die nicht auf den in den Unterpositionen 38089311–38089323 genannten Wirkstoffgruppen (Phenoxyphytohormone, Triazine, Amide, Carbamate, Dinitroanilinderivate, Harnstoff-/Uracil-/Sulfonylharnstoffderivate) basieren. Diese Position deckt somit eine heterogene Palette alternativer Herbizidwirkstoffe und -formulierungen ab. Im Beobachtungszeitraum zeichnen sich drei zentrale Dynamiken ab: eine markante Stärkung der EU-Exportposition, gravierende Verschiebungen bei den Handelspartnern sowie zunehmende Preisschwankungen und markante Preisschocks.


1. Vom nahezu ausgeglichenen Handel zur starken Exportdominanz

Die EU hat ihre Position im Handel mit sonstigen Herbiziden über den gesamten Zeitraum hinweg erheblich ausgebaut. War die Handelsbilanz 2015 noch relativ moderat, so hat sich der Überschuss bis 2025 mehr als verdoppelt.

Der Exportüberschuss hat sich mehr als verdoppelt

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte (Mrd. EUR) 689,7 732,0 +6,1 %
Exporte (t) 109.904 106.127 −3,4 %
Exportpreis (EUR/t) 6.275 6.898 +9,9 %
Importe (Mio. EUR) 327,6 164,4 −49,8 %
Importe (t) 40.228 23.049 −42,7 %
Importpreis (EUR/t) 8.142 7.134 −12,4 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) 362,1 567,6 +56,7 %

(Quelle: Gesamtübersicht)

Die Importe sind um fast die Hälfte eingebrochen

Die Importe in die EU sind im Betrachtungszeitraum sowohl mengenmäßig (−42,7 %) als auch wertmäßig (−49,8 %) drastisch gesunken. Dies deutet auf eine zunehmende Eigenversorgung der EU hin, möglicherweise verstärkt durch die Verlagerung von Formulierungsaktivitäten in die EU oder den Rückgang bestimmter Zulieferketten. Bemerkenswert ist, dass der Importpreis ebenfalls um 12,4 % gefallen ist — ein Hinweis darauf, dass verbliebene Importe tendenziell aus günstigeren Quellen bezogen werden.

Die Exporte blieben mengenäßig stabil, profitierten aber von höheren Preisen

Die exportierte Menge sank lediglich um 3,4 %, doch der durchschnittliche Exportpreis stieg um fast 10 % auf 6.898 EUR/t. Die EU exportiert also ähnlich viel, erzielt aber deutlich höhere Erlöse. Der Exportwert erreichte seinen Höhepunkt mit 1.050,4 Mio. EUR (im Zeitraum 2015–2025), bevor er sich wieder auf das Ausgangsniveau zurückbewegte — ein Muster, das auf einen vorübergehenden Preisboom (vermutlich 2021/2022) hindeutet.

Die Nettostellung der EU hat sich fundamental gewandelt

Indikator 2015 2025 Veränderung
Nettoimportabhängigkeit −1,6 % −51,6 % −3.108 %
Exportquote 16,5 % 45,7 % +176,1 %
Handelsintensität 27,4 % 51,3 % +87,3 %

Die negative Nettointportabhängigkeit (−1,6 % → −51,6 %) zeigt, dass die EU 2015 noch kaum Nettoexporteur war, 2025 jedoch eine ausgeprägte Exportüberschuss-Position erreicht hat. Die Exportquote hat sich von 16,5 % auf 45,7 % nahezu verdreifacht — die EU exportiert also einen steigenden Anteil ihrer Produktion.

Die EU-Produktion zeigt ein ambivalentes Bild

Die inländische Produktion gemessen in Kilogramm Wirkstoff sank von 3.000.000 kg auf 260.000 kg (−91,3 %), während der Produktionswert von 1.382 Mio. EUR auf 1.609 Mio. EUR stieg (+16,4 %). Dieses scheinbare Paradox — massiv weniger Mengeneinheiten, aber höhere Wertschöpfung — könnte auf eine Verschiebung von der Produktion von Grundchemikalien hin zu hochwertigen Formulierungen und Spezialherbiziden hindeuten, auf Veränderungen in der Berichtsmethodik oder darauf, dass die EU verstärkt Wirkstoffe importiert und diese zu hochwertigen Zubereitungen verarbeitet.


2. Gravierende Umbrüche bei den Handelspartnern

Die geografische Struktur des EU-Handels mit CN 38089327 hat sich zwischen 2015 und 2025 teilweise radikal verändert — sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite.

Der Zusammenbruch der Schweizer Importe prägt die Importseite

Herkunftsland Importe 2015 (Mio. EUR) Importe 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Schweiz 119,4 0,3 −99,8 %
Vereinigtes Königreich 85,6 49,5 −42,2 %
Israel 62,6 66,9 +6,9 %
China 29,7 23,1 −22,3 %
Vereinigte Staaten 18,9 5,4 −71,6 %
Argentinien 0,2 9,9 +4.255,9 %
Serbien 0,2 5,0 +2.508,9 %

(Quelle: Top-Handelspartner)

Die Schweiz war 2015 mit Abstand der wichtigste Importlieferant (119,4 Mio. EUR). Der fast vollständige Rückgang um 99,8 % auf lediglich 0,3 Mio. EUR ist das gravierendste Einzelereignis auf der Importseite. Die Schweiz beherbergt mit dem Syngenta-Konzern (seit 2017 Teil der ChemChina/Syngenta Group) einen der weltweit führenden Agrochemiehersteller. Der Rückgang könnte mit Umstrukturierungen der Lieferketten — etwa der Verlagerung von Produktions- oder Vertriebsaktivitäten — zusammenhängen.

Das Vereinigte Königreich als zweitgrößter Importeur verlor ebenfalls deutlich (−42,2 %), was teilweise mit den Auswirkungen des Brexits auf Handelsströme erklärbar sein könnte.

Argentinien und Serbien sind zu neuen, relevanten Lieferanten aufgestiegen

Besonders auffällig ist das Wachstum zweier Länder, die 2015 nahezu keine Rolle spielten: Argentinien (+4.256 %) und Serbien (+2.509 %). Argentinien ist einer der weltweit größten Agrarproduzenten und verfügt über eine wachsende Agrochemie-Industrie. Serbien profitiert möglicherweise von niedrigeren Produktionskosten und der geografischen Nähe zur EU. Beide Entwicklungen deuten auf eine Diversifizierung der EU-Importquellen hin, wobei günstigere Lieferanten traditionelle Quellen ersetzen.

Auf der Exportseite verschiebt sich das Gewicht nach Osteuropa

Zielland Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 117,8 122,5 +4,0 %
Südafrika 55,8 51,5 −7,8 %
Ukraine 57,1 117,8 +106,3 %
Japan 32,9 45,0 +36,9 %
Russische Föderation 67,0 28,9 −56,8 %
Türkei 21,5 37,2 +72,8 %
Kasachstan 15,5 3,4 −77,8 %

(Quelle: Top-Handelspartner)

Die Ukraine hat sich mit einem Plus von 106,3 % vom fünftgrößten zum zweitgrößten Exportmarkt der EU entwickelt. Angesichts der Rolle der Ukraine als einer der weltgrößten Getreideexporteure ist die steigende Nachfrage nach Herbiziden nachvollziehbar — sowohl im Zuge der landwirtschaftlichen Intensivierung als auch möglicherweise als strategische Vorratsbildung. Bemerkenswert ist, dass dieser Anstieg trotz des Kriegsausbruchs 2022 stattfand, was auf die kritische Bedeutung von Pflanzenschutzmitteln für die ukrainische Landwirtschaft schließen lässt.

Der russische Markt ist stark geschrumpft

Die EU-Exporte in die Russische Föderation sanken um 56,8 % von 67,0 Mio. EUR auf 28,9 Mio. EUR. Die Sanktionen und Handelsbeschränkungen infolge des Ukraine-Konflikts seit 2022 haben hier deutliche Spuren hinterlassen, auch wenn die Agrochemie nicht vollständig sanktioniert ist. Russland hat zudem verstärkt eigene oder chinesische Lieferanten erschlossen.

Die Türkei gewinnt als Exportmarkt an Bedeutung

Die Exporte in die Türkei stiegen um 72,8 % auf 37,2 Mio. EUR. Die Türkei ist ein bedeutender Agrarproduzent und verfolgt eine Strategie der landwirtschaftlichen Modernisierung, was die Nachfrage nach Pflanzenschutzmitteln erhöht.

Die Konzentration des EU-Marktes hat zugenommen

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 2.497 2.817 +12,8 %
HHI Exporte (Wert) 649 850 +30,9 %

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt, dass die Importe deutlich konzentrierter sind als die Exporte. Der Import-HHI von 2.817 liegt im Bereich mäßiger Konzentration, wobei der Wert gestiegen ist — die EU bezieht ihre Importe aus weniger, aber größeren Quellen. Der Export-HHI von 850 (geringe Konzentration) ist ebenfalls angestiegen, was darauf hindeutet, dass sich die Exporte zunehmend auf einige Hauptmärkte wie das Vereinigte Königreich und die Ukraine fokussieren.

Innerhalb der EU sind Deutschland, Belgien und Frankreich die dominierenden Exporteure

EU-Mitgliedstaat Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Deutschland 264,1 148,4 −43,8 %
Belgien 222,5 210,9 −5,2 %
Frankreich 140,7 172,5 +22,6 %
Ungarn 13,1 57,7 +339,6 %
Italien 17,0 34,5 +103,4 %
Irland 3,8 19,8 +426,9 %

(Quelle: EU-Mitgliedstaaten (Exporte))

Deutschland, traditionell der größte EU-Exporteur, verlor deutlich an Anteilen (−43,8 %), während Frankreich, Ungarn und Italien erheblich zulegten. Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass Irland (RSCA: 0,51), Ungarn (0,50) und Belgien (0,42) 2025 am stärksten auf diesen Produktbereich spezialisiert sind — ein Indikator für die Ansiedelung entsprechender Produktions- oder Vertriebsstrukturen in diesen Ländern.


3. Steigende Preise, Volatilität und markante Preisschocks

Neben den strukturellen Veränderungen bei Handelsvolumen und Partnern zeigt die Periode 2015–2025 auch eine zunehmende Preisdynamik mit mehreren markanten Schocks.

Exportpreise stiegen, Importpreise fielen — die Preisschere öffnet sich

Die Gegenläufigkeit der Preisentwicklungen ist bemerkenswert: Während die EU für ihre Exporte im Durchchnitt 9,9 % mehr erzielte (6.275 → 6.898 EUR/t), sanken die Importpreise um 12,4 % (8.142 → 7.134 EUR/t). Die EU importiert also tendenziell günstigere Waren, exportiert aber zu höheren Preisen. Dies könnte auf eine Qualitäts- oder Wertschöpfungsdifferenz hindeuten: Die EU spezialisiert sich auf hochwertigere Formulierungen im Export, während verbleibende Importe zunehmend Commodity-Produkte umfassen.

Bemerkenswert ist, dass die Exporte im Spitzenjahr einen durchschnittlichen Preis von 9.064 EUR/t erreichten — fast 45 % über dem Niveau von 2015. Dieser Preisspitzenwert fiel vermutlich in die Jahre 2021/2022.

Die Volatilität variiert stark je nach Handelspartner

Partner (Importe) Variationskoeffizient Partner (Exporte) Variationskoeffizient
Schweiz 2,24 Kasachstan 0,84
Norwegen 1,77 Brasilien 0,85
Taiwan 1,73 Russland 0,72
Japan 1,10 Vereinigte Staaten 0,48
Serbien 1,07 Australien 0,42
Argentinien 0,52 Türkei 0,21

(Quelle: Volatilitätsanalyse)

Auf der Importseite weisen die Schweiz (CV: 2,24) und Norwegen (1,77) die höchste Volatilität auf — erklärbar durch die starken Schwankungen im Handelsvolumen (die Schweiz fiel von 119 Mio. EUR auf nahezu null). Auf der Exportseite sind Kasachstan (0,84), Brasilien (0,85) und Russland (0,72) am volatilsten — allesamt Märkte mit geopolitischen oder währungsbedingten Unsicherheiten.

Drei markante Preisschocks prägten den Zeitraum

Ereignis Typ Richtung Abnormalität Preisänderung Anteil am Exportwert
Norwegen, 2022 Preisschock Exporte 12,4 +79,1 % 1,6 %
Kasachstan, 2020 Preisschock Exporte 7,7 +71,6 % 2,5 %
Vereinigtes Königreich, 2022 Preisschock Exporte 7,4 +41,8 % 24,0 %

Alle drei Schocks betreffen den Exportbereich und fielen in oder um die Jahre 2020 und 2022 — Phasen, die von der COVID-19-Pandemie, Lieferkettenstörungen und dem Beginn des Ukraine-Konflikts geprägt waren. Der Schock beim Vereinigten Königreich 2022 ist besonders relevant, da dieser Markt 24 % des EU-Exportwertes ausmachte: Ein Preisprung von 41,8 % in diesem Volumenmarkt hatte erhebliche Auswirkungen auf die gesamte EU-Exportstatistik.

Die Post-COVID-Phase und der Ukraine-Konfliktpreisboom spiegeln sich in den Daten wider

Die Kombination aus den Preisdaten (Exportpreis-Maximum von 9.064 EUR/t), dem Exportwert-Maximum (1.050,4 Mio. EUR) und den identifizierten Preisschocks in 2020 und 2022 zeigt, dass die Jahre 2020–2022 eine Phase außergewöhnlicher Marktdynamik darstellten. Globale Lieferkettenprobleme, gestiegene Energiekosten und der Ukraine-Konflikt trieben die Preise für Agrochemikalien weltweit in die Höhe. Die EU profitierte hiervon als Nettoexporteur, während die Importe — möglicherweise aufgrund gestiegener Weltmarktpreise — an Attraktivität verloren.


Schluss

Der EU-Markt für sonstige Herbizide (CN 38089327) hat sich zwischen 2015 und 2025 in drei Dimensionen grundlegend gewandelt. Erstens hat sich die EU von einer Position nahe dem Handelsausgleich zu einem starken Nettoexporteur entwickelt: Die Importe halbierten sich nahezu, während die Exporte mengenäßig stabil blieben und preislich zulegten. Der Handelsüberschuss stieg um 57 % auf 567,6 Mio. EUR. Zweitens verschob sich die geografische Struktur des Handels dramatisch — der Zusammenbruch der Schweizer Importe (−99,8 %), das Aufkommen Argentiniens und Serbiens als neue Lieferanten, das Wachstum der Ukraine zum zweitgrößten Exportmarkt sowie der Rückgang der Exporte nach Russland spiegeln sowohl unternehmensstrategische als auch geopolitische Umbrüche wider. Drittens war der Zeitraum durch erhebliche Preisschwankungen gekennzeichnet, mit Spitzenwerten bei Exportpreisen und -werten in den Jahren 2020–2022, die auf die Pandemie, Lieferkettenprobleme und den Ukraine-Konflikt zurückzuführen sind. Insgesamt zeigt die Analyse einen Markt, in dem die EU ihre Wettbewerbsposition deutlich gestärkt hat — allerdings in einem Umfeld zunehmender Konzentration bei den Handelspartnern und anhaltender geopolitischer Unsicherheit.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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