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Marktentwicklung: Herbizide (CN 380893) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015–2025 für den Zolltarifcode 380893, der Herbizide, Keimhemmungsmittel und Pflanzenwuchsregulatoren in Fertigpackungen oder Zubereitungen umfasst. Die Daten zeigen einen tiefgreifenden Strukturwandel: Die EU hat sich von einem nahezu ausgeglichenen Handelspartner zu einem starken Nettoexporteur entwickelt, wobei sich gleichzeitig die geografische Ausrichtung der Handelsströme und die Preisstrukturen erheblich verändert haben. Der Bericht gliedert sich in drei zentrale Erkenntnisbereiche.


1. Vom Ausgleich zur Exportdominanz: Die EU als globaler Nettoexporteur

1.1 Der Handelsbilanzüberschuss hat sich mehr als vervielfacht

Die Handelsbilanz entwickelte sich im Betrachtungszeitraum drastisch zugunsten der EU. Im Jahr 2015 betrug der Überschuss noch 685 Mio. EUR; bis 2025 stieg er auf 916 Mio. EUR — ein Plus von 33,6 %. Der Höchstwert wurde 2022 mit rund 1,29 Mrd. EUR erreicht.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 1.371 Mio. EUR 1.400 Mio. EUR +2,1 %
Importwert 686 Mio. EUR 485 Mio. EUR −29,3 %
Handelsbilanz 685 Mio. EUR 916 Mio. EUR +33,6 %

1.2 Mengenrückgang bei Exporten wird durch Preissteigerungen überkompensiert

Bemerkenswert ist die Gegenläufigkeit von Mengen- und Wertentwicklung bei den Exporten. Die Exportmenge sank von 190.459 t (2015) auf 155.378 t (2025), ein Rückgang von 18,4 %. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Exportpreis von 7.200 EUR/t auf 9.013 EUR/t (+25,2 %). Der Exportwert blieb damit trotz des volumenseitigen Rückgangs nahezu stabil. Bei den Importen verlief die Dynamik spiegelbildlich: Sowohl Mengen (−13,8 %) als auch Preise (−18,0 %) fielen, was den Importwert um 29,3 % schrumpfen ließ.

Kennzahl Exporte 2015 Exporte 2025 Δ Importe 2015 Importe 2025 Δ
Volumen (t) 190.459 155.378 −18,4 % 78.105 67.312 −13,8 %
Wert (EUR) 1.371 Mio. 1.400 Mio. +2,1 % 686 Mio. 485 Mio. −29,3 %
Preis (EUR/t) 7.200 9.013 +25,2 % 8.780 7.202 −18,0 %

1.3 Die EU hat ihre Exportquote massiv ausgeweitet

Die Exportneigung stieg von 22,1 % auf 49,9 % — eine Verdopplung um 126,1 %. Die Handelsintensität erhöhte sich von 32,7 % auf 56,1 % (+71,7 %). Der Nettoimportreliance-Indikator verschob sich von −6,8 % auf −55,9 %, was die EU als zunehmend unabhängigen und exportstarken Akteur markiert.

1.4 Die innereuropäische Produktion blieb wertstabil, verlagerte sich aber mengenmäßig

Der Produktionswert lag 2015 bei 2,84 Mrd. EUR und 2025 bei 2,93 Mrd. EUR (+3,0 %). Die in Kilogramm Wirkstoff gemessene Produktionsmenge fiel jedoch von 3,37 Mrd. kg auf 425 Mio. kg. Diese Diskrepanz deutet auf eine Verlagerung hin: entweder hin zu höherwertigen Wirkstoffen mit geringerer benötigter Menge oder auf eine veränderte Berichterstattungsmethodik.


2. Geografische Neuordnung: Verschiebungen bei Handelspartnern und Mitgliedstaaten

2.1 Der Importmarkt: Schweiz und USA verloren, China und Argentinien gewannen

Die größten Importpartner der EU haben sich im Zeitraum 2015–2025 deutlich verschoben:

Partner Importe 2015 (Mio. EUR) Importe 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Israel 219 182 −17,0 %
Vereinigtes Königreich 186 160 −14,3 %
Schweiz 149 0,7 −99,5 %
USA 54 31 −43,1 %
China 40 71 +76,2 %
Indien 2,9 6,6 +129,8 %
Argentinien 0,2 9,9 +4.210 %

Der dramatischste Rückgang betraf die Schweiz: von 149 Mio. EUR auf unter 1 Mio. EUR. Dies ist wahrscheinlich auf die Verlagerung von Konzernlogistikströmen und die Neubewertung der Handelsstatistik nach dem Brexit-verwandten Muster zurückzuführen, wobei Schweizer Lieferketten zunehmend direkt statt über Umwege abgewickelt wurden. China hingegen stieg zum drittgrößten Importlieferanten auf — ein Hinweis auf die zunehmende Bedeutung asiatischer Wirkstoffproduzenten. Argentinien verzeichnete das stärkste prozentuale Wachstum: ein Zuwachs von lediglich 231.000 EUR auf fast 10 Mio. EUR (+4.210 %), was mit dem Ausbau der argentinischen Agrochemie-Produktionskapazitäten zusammenhängen dürfte.

2.2 Der Exportmarkt: Russland brach ein, Osteuropa und Asien gewannen

Bei den Exporten zeigte sich eine vergleichbare Umstrukturierung:

Partner Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 293 239 −18,6 %
Ukraine 149 191 +28,8 %
Russische Föderation 109 54 −50,4 %
Südafrika 65 61 −6,0 %
Japan 47 62 +31,7 %
Türkei 54 63 +18,3 %
USA 87 52 −40,3 %

Der Rückgang der Exporte nach Russland (−50,4 %) ist der auffälligste Einbruch. Er spiegelt die Sanktions- und Handelsdynamik nach 2022 wider; die Exporte sanken von einem Höchststand von 248 Mio. EUR (2018) auf 54 Mio. EUR (2025). Ukraine wurde zum zweitgrößten Exportmarkt — trotz (oder wegen) des Krieges, der den Bedarf an Pflanzenschutzmitteln erhöhte. Die Exporte nach Japan stiegen um 31,7 %, was auf eine zunehmende Marktöffnung und Nachfrage nach EU-Herbizidprodukten in Ostasien hindeuten kann.

2.3 Deutschland und Frankreich dominieren, Ungarn wächst rasant

Auf der Mitgliedstaatenebene zeigt sich, dass Deutschland und Frankreich die beiden wichtigsten Exportländer blieben, sich aber unterschiedlich entwickelten:

Land Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Deutschland 603 454 −24,8 %
Frankreich 337 346 +2,6 %
Belgien 264 245 −7,1 %
Ungarn 24 97 +307,5 %
Italien 53 62 +17,1 %
Österreich 14 21 +58,0 %
Poland 15 25 +69,2 %

Ungarn sticht mit einem Anstieg von 24 Mio. EUR auf 97 Mio. EUR (+307,5 %) hervor. Der Höchstwert wurde 2022 mit 162 Mio. EUR erreicht. Dies deutet auf Investitionen in Produktionskapazitäten in Ungarn hin, möglicherweise begünstigt durch niedrigere Produktionskosten und die Zugehörigkeit zur EU. Ungarn wurde nach den Spezialisierungsindikatoren (RSCA 0,46) nach Frankreich (0,50) zum zweitspezialisiertesten Herbizidexporteur der EU.

2.4 Die Konzentration des Importmarktes nahm zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 2.340 auf 2.759 (+17,9 %). Ein HHI über 2.500 deutet auf einen hochkonzentrierten Markt hin. Die Konzentration bei Exporten blieb hingegen mit Werten zwischen 622 und 960 moderat und stabil. Die EU exportiert also breit gestreut in viele Märkte, importiert jedoch zunehmend aus wenigen Quellen — was potenzielle Lieferabhängigkeiten schafft.


3. Preisvolatilität und externe Schocks prägen das Marktbild

3.1 China-Importpreise verdoppelten sich 2022 schlagartig

Die Schockerkennung identifiziert den Preis-Schock bei Importen aus China im Jahr 2022 als das markanteste Ereignis: Die durchschnittlichen Importpreise stiegen um 124,8 %, mit einer abnormalen Abweichung von 29,4. China hatte 2022 einen Anteil von 13,1 % am Importwert. Dieser Schock ist auf die Kombination aus gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten, Störungen in der chinesischen Lieferkette und der allgemeinen Inflation nach der COVID-19-Pandemie zurückzuführen. In den Folgejahren normalisierten sich die Preise wieder teilweise.

3.2 Exportpreise in Drittmärkten zeigten ebenfalls extreme Schwankungen

Auch bei den Exporten traten Preis-Schocks auf. In Chile stiegen die Exportpreise 2022 um 111,0 % (Abnormalität 17,7), in den USA 2023 um 30,9 % (Abnormalität 15,8). Diese Ereignisse spiegeln die weltweite Preisinstabilität bei Agrarchemieprodukten wider, die durch die Energiekrise 2022 und die Unterbrechung globaler Lieferketten ausgelöst wurde.

3.3 Bestimmte Handelsbeziehungen weisen überdurchschnittliche Volatilität auf

Der Variationskoeffizient (CV) zeigt, welche Handelsbeziehungen besonders schwankungsanfällig waren:

Beziehung CV (Importe) CV (Exporte)
Schweiz 1,88
Taiwan 1,62
Argentinien 0,51
Indien 0,44
Russische Föderation 0,65
Brasilien 0,66
Kasachstan 0,76

Die extrem hohe Volatilität der Schweizer Importe (CV 1,88) bestätigt den oben beschriebenen Kollaps dieser Handelsbeziehung. Bei den Exporten war die Russische Föderation mit einem CV von 0,65 die instabilste Beziehung, was den geopolitischen Verwerfungen geschuldet ist. Die EU-exportseitig stabilsten Beziehungen bestanden nach Japan (CV 0,18), Chile (0,15) und Südafrika (0,19).

3.4 Die Produktsegmente entwickelten sich heterogen

Die Segmentanalyse zeigt, dass sich die einzelnen Wirkstoffgruppen unterschiedlich entwickelten:

Importe nach Segment (Volumen, Tonnen):

Segment 2015 2025 Veränderung
Sonstige Herbizide (38089327) 40.228 23.049 −42,7 %
Phenoxyphytohormone (38089311) 9.085 11.094 +22,1 %
Pflanzenwuchsregulatoren (38089390) 5.516 12.307 +123,1 %
Amide (38089315) 8.547 4.336 −49,3 %
Triazine (38089313) 3.232 6.813 +110,8 %
Dinitroanilinderivate (38089321) 3.091 5.353 +73,2 %
Harnstoff-/Sulfonylharnstoff-Derivate (38089323) 4.307 2.474 −42,6 %

Das Segment der Pflanzenwuchsregulatoren verzeichnete mengenmäßig das stärkste Wachstum (+123,1 %) — von 5.516 t auf 12.307 t — was auf eine steigende Nachfrage nach Präparaten zur Wachstumssteuerung in der Landwirtschaft hindeutet. Triazine verdoppelten sich nahezu (+110,8 %), während amide-basierte Herbizide und das Segment sonstige Herbizide mengenmäßig deutlich schrumpften. Letzteres bleibt mit 23.049 t und 164 Mio. EUR (2025) dennoch das mengen- und wertgrößte Einzelsegment.

Exporte nach Segment (Volumen, Tonnen):

Segment 2015 2025 Veränderung
Sonstige Herbizide (38089327) 109.904 106.127 −3,4 %
Pflanzenwuchsregulatoren (38089390) 19.008 17.904 −5,8 %
Amide (38089315) 15.495 8.521 −45,0 %
Dinitroanilinderivate (38089321) 16.317 4.534 −72,2 %
Phenoxyphytohormone (38089311) 13.932 6.392 −54,1 %
Harnstoff-/Sulfonylharnstoff-Derivate (38089323) 5.842 6.007 +2,8 %
Triazine (38089313) 4.401 2.716 −38,3 %

Bei den Exporten dominiert ebenfalls sonstige Herbizide mit 106.127 t (2025). Der mengenmäßige Rückgang bei Dinitroanilinderivaten (−72,2 %) und Phenoxyphytohormonen (−54,1 %) fällt besonders auf, während Triazine-exportseitig um 38,3 % sanken — trotz des Importwachstums desselben Segments. Dies deutet darauf hin, dass die EU Triazine zunehmend importiert statt selbst zu exportieren.


Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit Herbiziden (CN 380893) hat sich im Zeitraum 2015–2025 fundamental gewandelt. Drei zentrale Trends lassen sich zusammenfassen:

  1. Die EU festigte ihre Position als Nettoexporteur. Der Handelsüberschuss wuchs trotz sinkender Exportvolumina, weil steigende Preise den Wertverlust überkompensierten. Gleichzeitig fielen die Importe sowohl mengen- als auch wertmäßig.

  2. Die geografische Ausrichtung verschob sich erheblich. Traditionelle Handelspartner wie die Schweiz und die USA verloren an Bedeutung, während China, Argentinien und Indien als Importquellen aufstiegen. Exportseitig gewannen Ukraine, Japan und die Türkei, während Russland und die USA an Bedeutung verloren. Innerhalb der EU verlagerten sich Produktions- und Exportkapazitäten zunehmend nach Ungarn, Polen und Österreich.

  3. Preisvolatilität und externe Schocks waren prägend. Der China-Importpreis-Schock von 2022 (+124,8 %) und die geopolitischen Verwerfungen um Russland führten zu erheblichen Unsicherheiten. Die steigende Konzentration des Importmarktes (HHI von 2.340 auf 2.759) birgt zudem das Risiko zunehmender Lieferabhängigkeit von wenigen Quellen.

Insgesamt zeigt sich ein Markt im Umbruch, in dem die EU ihre Wettbewerbsfähigkeit im Exportbereich behauptet, sich aber zugleich neuen Herausforderungen durch geopolitische Unsicherheiten, regulatorische Entwicklungen im Pflanzenschutzrecht und eine sich verändernde globale Wettbewerbslandschaft stellen muss.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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