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Marktentwicklung: gestrickte Stoffe über 30 cm (CN 6006) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode CN 6006 umfasst Gewirke und Gestricke mit einer Breite von über 30 cm — ausgenommen Kettengewirke, Elastomerwaren, Samt/Plüsch sowie beschichtete oder getränkte Stoffe. Diese Warengruppe ist ein zentraler Bestandteil der europäischen Textil- und Bekleidungswertschöpfungskette und wird sowohl für die Konfektionierung innerhalb der EU als auch für die Wiederausfuhr in Drittländer genutzt. Der vorliegende Marktbericht analysiert die Handelsentwicklung der EU-27 mit Drittländern über den Zeitraum 2015 bis 2025 anhand von Importen, Exporten, Partnerstrukturen und Produktsegmenten. Dabei zeigt sich ein Bild, das von drei zentralen Dynamiken geprägt ist: rückläufige Handelsvolumina bei gleichzeitig steigenden Preisen, eine tiefgreifende Umstrukturierung der Handelspartnerschaften sowie ein sich wandelndes Produktportfolio und eine wachsende Exportorientierung der EU.


1. Schrumpfende Volumina bei steigenden Preisen: Eine qualitative Neuausrichtung des Handels

Der Rückgang der Handelsvolumina ist breit angelegt

Sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite sind die physischen Handelsvolumina im Betrachtungszeitraum spürbar gesunken. Die Importmengen fielen von 133.597 t (2015) auf 121.672 t (2025), was einem Rückgang von −8,9 % entspricht. Die Exportmengen gingen sogar stärker zurück: von 48.832 t auf 46.617 t (−4,5 %). Bemerkenswert ist, dass die Exportmengen bereits 2021 mit 74.635 t ihr Maximum erreichten — ein Jahr, das im Zeichen der post-pandemischen Nachfrageerholung stand — bevor sie in den Folgejahren kontinuierlich absanken.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importe (Wert, Mio. €) 644,8 617,4 −4,2 %
Importe (Menge, t) 133.597 121.672 −8,9 %
Exporte (Wert, Mio. €) 567,9 570,1 +0,4 %
Exporte (Menge, t) 48.832 46.617 −4,5 %
Handelsbilanz (Mio. €) −76,8 −47,3 +38,4 %

Steigende Preise kompensieren den Mengenrückgang teilweise

Während die physischen Volumina sanken, stiegen die durchschnittlichen Handelspreise auf beiden Seiten um jeweils +5,1 %: Die Importpreise erhöhten sich von 4.826 €/t auf 5.075 €/t, die Exportpreise von 11.630 €/t auf 12.229 €/t. Der strukturelle Preisaufschlag zwischen Aus- und Einfuhr ist erheblich: Die EU exportiert CN-6006-Waren im Schnitt zu mehr als dem Doppelten des Einfuhrpreises. Dies deutet auf eine klare Wertschöpfungslogik hin — die EU importiert überwiegend günstigere Vorprodukte und Rohwaren und führt höherwertig veredelte oder spezialisierte Stoffe aus.

Die Handelsbilanz verbessert sich spürbar

Der strukturelle Handelsbilanzdefizit der EU bei CN 6006 verringerte sich von 76,8 Mio. € (2015) auf 47,3 Mio. € (2025). Dies entspricht einer Verbesserung um 38,4 %. Die Netto-Importabhängigkeit sank von −18,3 % auf −8,5 %. Parallel dazu stiegen sowohl die Handelsintensität (von 52,4 % auf 83,8 %) als auch die Exportneigung (von 40,5 % auf 73,2 %) markant. Die EU ist also trotz sinkender Volumina enger in den globalen Handel eingebunden und exportiert einen wachsenden Anteil ihrer Produktion.

Der inländische Produktionsrückgang unterstreicht den Strukturwandel

Parallel zum Handel ist auch die inländische Produktion in der EU spürbar gesunken. Die Produktionsmenge fiel von 360.895 t (2015) auf 280.115 t (2025), ein Rückgang von 22,4 %. Noch deutlicher fiel der Rückgang bei Produktionswert aus: von 2,77 Mrd. € auf 1,99 Mrd. € (−28,0 %). Dies legt nahe, dass dieeuropäische Textilindustrie bei diesem Produktsegment insgesamt an Volumen verliert, sich aber — gestützt durch steigende Exportpreise und eine zunehmende Exportorientierung — auf höherwertige Nischen konzentriert.


2. Tiefgreifende Umstrukturierung der Handelspartnerschaften — Nahost und Zentralasien gewinnen, Korea und das Vereinigte Königreich verlieren

Die Dominanz der Türkei als Importpartner schwindet, China hält dagegen

Auf der Importseite zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung. Die Türkei, 2015 mit Abstand der größte Lieferant der EU (312,2 Mio. €), verlor über den gesamten Zeitraum hinweg an Boden und lag 2025 bei 281,3 Mio. € (−9,9 %). China hingegen, 2015 noch auf dem zweiten Platz (187,3 Mio. €), konnte seine Lieferungen auf 220,6 Mio. € steigern (+17,7 %) und nähert sich damit der Türkei an. Der Abstand zwischen den beiden Hauptlieferanten schrumpfte von 124,9 Mio. € auf 60,7 Mio. €.

Südkorea und das Vereinigte Königreich verlieren drastisch an Bedeutung

Die dramatischsten Rückgänge sind bei Südkorea und dem Vereinigten Königreich zu verzeichnen. Südkoreas Exporte in die EU sanken von 43,5 Mio. € auf 10,4 Mio. € (−76,0 %), was auf eine Verlagerung südkoreanischer Textilproduktion nach Südostasien und eine veränderte Spezialisierung hindeuten könnte. Beim Vereinigten Königreich fielen die Lieferungen an die EU von 35,9 Mio. € auf 7,5 Mio. € (−79,2 %) — ein Rückgang, der maßgeblich auf die Brexit-bedingten Handelsbarrieren (Zollerklärungen, Regulierungsunterschiede, Lieferkettenunterbrechungen) zurückzuführen ist.

Neue Akteure treten auf: Usbekistan und Ägypten wachsen rasant

Gleichzeitig etablieren sich neue Lieferanten. Usbekistan vergrößerte seine Lieferungen an die EU von lediglich 45.208 € (2015) auf 8,9 Mio. € (2025) — ein faktisch exponentielles Wachstum, das die zunehmende Integration Zentralasiens in die europäische Textillieferkette widerspiegelt. Ägypten steigerte seine Ausfuhren in die EU von 3,8 Mio. € auf 9,6 Mio. € (+149,2 %). Beide Länder profitieren von niedrigeren Produktionskosten und teilweise präferenziellen Handelsabkommen mit der EU.

Die Exportstruktur wird zunehmend auf das südliche Mittelmeer und Osteuropa fokussiert

Auf der Exportseite der EU dominieren klar die nordafrikanischen und osteuropäischen Nähpartnerländer. Marokko (127,2 Mio. € → 165,5 Mio. €, +30,1 %) und Tunesien (104,9 Mio. € → 117,6 Mio. €, +12,1 %) sind die beiden größten Exportziele und zusammen für rund die Hälfte aller EU-Ausfuhren verantwortlich. Dies spiegelt die etablierte „Näherverlagerung" (Nearshoring)-Struktur wider: Die EU liefert Halbfertigprodukte (Rohschnittteile, zugeschnittene Stoffe) in nordafrikanische Werkstätten, wo sie kostengünstig konfektioniert werden. Die Türkei als Exportziel wuchs ebenfalls kräftig (+49,4 % auf 37,8 Mio. €), während die Ukraine (+31,0 % auf 33,9 Mio. €) trotz des Kriegsausbruchs 2022 ein stabiler Abnehmer blieb.

Top-Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Türkei 312,2 281,3 −9,9 %
China 187,3 220,6 +17,7 %
Südkorea 43,5 10,4 −76,0 %
Ägypten 3,8 9,6 +149,2 %
Vereinigtes Königreich 35,9 7,5 −79,2 %
Usbekistan 0,05 8,9 +19.597 %
Top-Exportziele 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Marokko 127,2 165,5 +30,1 %
Tunesien 104,9 117,6 +12,1 %
Türkei 25,3 37,8 +49,4 %
Nordmazedonien 29,7 20,8 −30,0 %
Ukraine 25,9 33,9 +31,0 %
Vereinigtes Königreich 28,1 11,5 −59,1 %
Vereinigte Staaten 27,0 13,3 −50,9 %

Innerhalb der EU verschiebt sich die Gewichtung

Unter den EU-Mitgliedstaaten bleibt Italien der dominierende Akteur — sowohl bei den Importen (162,5 Mio. € → 197,0 Mio. €) als auch bei den Exporten (145,9 Mio. € → 148,7 Mio. €). Interessant ist der Aufstieg Polens als Importeur (+37,6 % auf 49,1 Mio. €) und der Bedeutungsgewinn Spaniens als Exporteur (+65,9 % auf 134,1 Mio. €), das damit Frankreich (−34,4 % auf 91,6 Mio. €) als zweitgrößten EU-Exporteur ablöste. Rumänien verlor als Importeur deutlich an Boden (−29,3 %), was mit der Verlagerung von Näharbeiten in noch kostengünstigere Länder zusammenhängen könnte.

Konzentration und Volatilität: Der Markt wird weniger diversifiziert

Die Importkonzentration (HHI-Wert) blieb mit 3.279 auf 3.385 relativ stabil und leicht steigend — ein Wert, der auf einen moderat konzentrierten Markt hinweist. Die Exportkonzentration hingegen nahm deutlich zu (1.031 → 1.418, +37,5 %), was bedeutet, dass sich die EU-Ausfuhren auf weniger Zielländer konzentrieren. Die Volatilitätsanalyse zeigt zudem, dass bestimmte Handelsbeziehungen — insbesondere mit Usbekistan (CV 0,74), Indien (CV 0,81) und dem Vereinigten Königreich (CV 0,70 bei Importen) — überdurchschnittlich schwankungsanfällig sind. Drei bemerkenswerte Preisschocks wurden 2022 identifiziert, darunter ein starker Preisanstieg bei Ausfuhren in die Ukraine (+23,5 %), nach Mexiko (+29,1 %) und nach Marokko (+16,3 %), was auf die durch den Ukraine-Krieg und die Energiekrise ausgelösten Kostensteigerungen in der Textilproduktion zurückzuführen ist.


3. Produktsegmentwandel: Synthetische Rohwaren gewinnen, bedruckte und künstliche Fasern verlieren

Synthetische, rohe oder gebleichte Gewirke (600631) verzeichnen das stärkste Wachstum

Innerhalb der Subprodukte von CN 6006 zeigt sich bei den Importen ein bemerkenswerter Strukturwandel. Das Segment 600631 (synthetische Chemiefasern, roh oder gebleicht) verzeichnete das mit Abstand stärkste Mengenwachstum: von 10.973 t (2015) auf 23.571 t (2025), was einem Plus von 115 % entspricht. Die Importwerte stiegen von 50,0 Mio. € auf 88,6 Mio. €. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend unveredelte synthetische Grundstoffe einführt, um sie im Inland zu färben, zu verarbeiten oder weiterzuverarbeiten — ein Indiz für eine stärkere Wertschöpfungskonzentration innerhalb der EU.

Die führenden Importsegmente bleiben volumenstark, aber rückläufig

Das mengenmäßig größte Importsegment bleibt 600632 (synthetische Chemiefasern, gefärbt) mit 54.298 t (2015) bzw. 42.381 t (2025), ein Rückgang von 22 %. Ähnlich verhielt es sich bei 600622 (Baumwolle, gefärbt): von 30.444 t auf 27.979 t (−8,1 %). Die Preise für diese beiden großen Segmente stiegen jedoch — bei 600632 von 3.981 €/t auf 4.084 €/t und bei 600622 von 5.696 €/t auf 6.406 €/t — was den Mengenrückgang teilweise abfederte.

Bedruckte und künstliche Fasern schrumpfen am stärksten

Die bedruckten synthetischen Stoffe (600634) verloren bei den Importen fast die Hälfte ihres Volumens (4.466 t → 1.953 t, −56 %). Der Importwert sank von 25,3 Mio. € auf 13,2 Mio. €. Auch die gefärbten künstlichen Chemiefasern (600642) verzeichneten einen Rückgang von 10.275 t auf 7.960 t (−22,5 %). Diese Entwicklungen spiegeln möglicherweise sowohl Nachfrageverschiebungen (weniger bedruckte Stoffe, weniger Viskose) als auch die Verlagerung der Veredelung in die EU wider.

Auf der Exportseite dominieren gefärbte synthetische und Baumwollstoffe

Bei den EU-Exporten entfällt das größte Volumen auf 600632 (synthetisch, gefärbt) mit 12.728 t (2025), gefolgt von 600622 (Baumwolle, gefärbt) mit 11.336 t. Auffällig ist, dass die Exportpreise für buntgewirkte synthetische Stoffe (600633) stark stiegen (von 10.796 €/t auf 11.554 €/t), obwohl die Mengen sanken — ein Hinweis auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren, spezialisierteren Produkten. Das Segment 600642 (künstliche Fasern, gefärbt) verlor auf Exportseite ähnlich wie bei den Importen an Bedeutung (4.667 t → 1.845 t, −60 %).

Die Spezialisierung der EU-Mitgliedstaaten ist heterogen

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Portugal (RSCA 0,72, RCA 6,06) und Dänemark (RSCA 0,56, RCA 3,59) die stärkste komparative Spezialisierung bei CN 6006 aufweisen. Italien, obwohl mengen- und wertmäßig der größte Produzent und Exporteur, liegt nur auf dem vierten Platz der Spezialisierung (RSCA 0,48), da die italienische Textilindustrie breiter diversifiziert ist. Am anderen Ende des Spektrums weisen Irland, Zypern und Luxembourg praktisch keine Spezialisierung auf — hierbei handelt es sich um Volkswirtschaften mit kaum relevanter Textilproduktion.

Stärkste Spezialisierung (2025) RSCA RCA Produktionsanteil
Portugal 0,72 6,06 8,4 %
Dänemark 0,56 3,59 6,2 %
Griechenland 0,56 3,51 2,4 %
Italien 0,48 2,83 22,7 %
Rumänien 0,39 2,29 3,8 %

Fazit

Die Marktentwicklung von CN 6006 in der EU zwischen 2015 und 2025 lässt sich als ein Prozess der qualitativen Neuausrichtung charakterisieren. Trotz sinkender Handelsvolumina — bedingt durch den Rückgang der inländischen Produktion und globaler Nachfrageverschiebungen — hat sich der Markt in drei wesentlichen Dimensionen gewandelt:

Erstens kompensieren steigende Preise den Mengenrückgang auf der Exportseite vollständig, sodass die EU-Ausfuhren nominal stabil blieben. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen, spezialisierteren Produkten. Zweitens haben sich die Handelspartnerstrukturen grundlegend verändert: Das Vereinigte Königreich und Südkorea verloren massiv an Bedeutung, während China seine Position ausbaute und neue Lieferanten wie Usbekistan und Ägypten aufstiegen. Die nordafrikanischen Näherverlagerungspartner Marokko und Tunesien festigten ihre zentrale Rolle als Exportziele. Drittens vollzieht sich ein Wandel im Produktmix: unveredelte synthetische Grundstoffe gewinnen an Importvolumen, während bedruckte und künstliche Fasern an Bedeutung verlieren.

Insgesamt zeigt sich eine EU, die sich in diesem Segment zunehmend auf eine höhere Wertschöpfungskonzentration und Exportorientierung verlagert, während die gesamte Produktionsbasis schrumpft. Die steigende Exportneigung (40,5 % → 73,2 %) unterstreicht diesen Trend. Für die europäische Textilindustrie bedeutet dies, dass die Zukunftschancen in der Spezialisierung, Veredelung und qualitativen Differenzierung liegen — nicht mehr im Volumengeschäft.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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