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Marktentwicklung: Elastanbreitgewebe unter 30 cm (CN 6002) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 6002 erfasst Gewirke und Gestricke mit einer Breite von höchstens 30 cm und einem Anteil an Elastomergarnen oder Kautschukfäden von mindestens 5 Gewichtshundertstel. Diese Produkte sind vor allem für die Textil- und Bekleidungsindustrie relevant — etwa für Unterwäsche, Sportbekleidung oder medizinische Kompressionswaren. Der vorliegende Marktbericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Drittländern im Zeitraum von 2015 bis 2025 und beleuchtet die wichtigsten Trends auf Seiten der Exporte, Importe, der Handelspartnerstruktur sowie der inländischen Produktion. Die detaillierte Übersicht im Trade Dashboard bildet die Grundlage dieser Analyse.


1. Strukturelle Asymmetrie: Schrumpfende Ausfuhren bei wachsenden Einfuhren

Das dominierende Merkmal der Marktentwicklung von CN 6002 über den gesamten Beobachtungszeitraum ist eine zunehmende Asymmetrie zwischen Export- und Importentwicklung. Während die EU-Ausfuhren sowohl im Wert als auch im Volumen erheblich eingebrochen sind, stiegen die Importe moderat an — ein Muster, das auf eine graduelle Verlagerung des Produktions- und Exportprofils hindeutet.

1.1 Rückgang der EU-Exporte um ein Drittel im Wert und über die Hälfte im Volumen

Die EU-Ausfuhren von CN 6002-Produkten sanken im Betrachtungszeitraum deutlich:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 38,05 Mio. € 25,30 Mio. € −33,5 %
Exportmenge 2.513 t 1.098 t −56,3 %
Exportpreis 15.142 €/t 23.043 €/t +52,2 %

Details zu den Handelsströmen

Der Exportwert erreichte seinen Höhepunkt mit 45,10 Mio. € und seinen Tiefststand mit 25,30 Mio. €. Besonders bemerkenswert ist, dass die exportierte Menge mehr als halbiert wurde, während der durchschnittliche Exportpreis gleichzeitig um über 50 % stieg. Dies deutet darauf hin, dass sich die EU-Ausfuhren zunehmend auf hochwertigere Spezialgewebe konzentrieren, während Volumenprodukte verstärkt außerhalb der EU hergestellt und exportiert werden.

1.2 Moderate Zunahme der Einfuhren trotz Preisrückgang

Die Importe entwickelten sich gegenläufig zu den Exporten:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 11,89 Mio. € 13,43 Mio. € +13,0 %
Importmenge 1.036 t 1.345 t +29,9 %
Importpreis 11.461 €/t 9.981 €/t −12,9 %

Details zu den Handelsströmen

Die Importmenge wuchs um fast 30 %, während der Importpreis gleichzeitig um rund 13 % fiel. Diese Preisdynamik auf der Importseite — bei gleichzeitig steigenden Exportpreisen — verstärkt das Bild einer zunehmenden Segmentierung: Die EU importiert günstigere Standardprodukte und exportiert teurere Spezialerzeugnisse.

1.3 Der Handelsbilanzüberschuss halbiert sich

Die EU bleibt bei CN 6002 Nettoexporteur, doch der Überschuss schrumpfte erheblich:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Handelsbilanz +26,16 Mio. € +11,87 Mio. € −54,6 %

Netto-Importabhängigkeit

Die Netto-Importabhängigkeit verbesserte sich zwar von −18,3 % auf −8,5 % — was bedeutet, dass die EU weiterhin Überschuss erzielt, dieser sich aber verringert hat. Diese Entwicklung spiegelt den allgemeinen Trend der Textilindustrie wider, in dem die EU ihre Rolle als Volumenproduzent zugunsten von Nischen- und Hochwertprodukten aufgibt.


2. Verschiebung der Handelspartner: Von Nordafrika und der Schweiz zur Türkei und Osteuropa

Neben der mengenmäßigen Entwicklung zeigen sich auch tiefgreifende Veränderungen in der geografischen Struktur der Handelsbeziehungen — sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite. Traditionelle Partner verlieren an Bedeutung, während neue Handelsströme entstehen.

2.1 Exportseite: Zusammenbruch des tunesischen Geschäfts und Aufstieg Osteuropas

Die mit Abstand auffälligste Veränderung auf der Exportseite betrifft Tunesien, das 2015 mit 16,91 Mio. € das mit Abstand wichtigste Exportziel der EU war und 2025 nur noch 1,91 Mio. € auf sich vereinigte — ein Rückgang von 88,7 %. Ähnlich drastisch entwickelte sich Melilla (−99,8 %), das 2015 noch 0,64 Mio. € betrug.

Exportpartner 2015 2025 Veränderung
Tunesien 16,91 Mio. € 1,91 Mio. € −88,7 %
Marokko 2,41 Mio. € 3,40 Mio. € +40,9 %
Serbien 0,35 Mio. € 1,78 Mio. € +408,3 %
Bosnien-Herzegowina 1,49 Mio. € 2,09 Mio. € +40,5 %
Ukraine 0,96 Mio. € 1,59 Mio. € +66,3 %
USA 1,28 Mio. € 1,43 Mio. € +11,6 %

Exportpartner nach Wert

Der Zusammenbruch des tunesischen Exportgeschäfts — das einen Koeffizienten der Variation (CV) von 1,05 aufweist und damit hochvolatil ist — erklärt einen Großteil des EU-weiten Exportrückgangs. Tunesien war lange ein zentraler Standort für die Veredelungsbearbeitung (Outward Processing) der europäischen Textilindustrie; die Verschiebung spiegelt möglicherweise veränderte Lieferketten, politische Instabilität oder die Verlagerung von Produktionskapazitäten in andere Regionen wider. Gleichzeitig gewinnen westliche Balkanländer wie Serbien (+408,3 %) und Bosnien-Herzegowina (+40,5 %) sowie die Ukraine (+66,3 %) als Abnehmer europäischer Elastangewebe erheblich an Bedeutung — ein Indiz für die Ausweitung von Textil-Lieferketten in die europäische Peripherie.

2.2 Importseite: Türkei als neuer Hauptlieferant neben China

Auf der Importseite vollzieht sich eine bemerkenswerte Konzentration:

Importpartner 2015 2025 Veränderung
China 3,21 Mio. € 4,07 Mio. € +26,9 %
Türkei 1,32 Mio. € 4,30 Mio. € +225,4 %
Vereinigtes Königreich 3,04 Mio. € 2,79 Mio. € −8,3 %
Malaysia 0,22 Mio. € 0,49 Mio. € +123,1 %
Schweiz 1,61 Mio. € 0,50 Mio. € −69,1 %
USA 1,10 Mio. € 0,22 Mio. € −80,4 %

Importpartner nach Wert

Die Türkei entwickelte sich vom drittgrößten zum größten Importpartner der EU (+225,4 %) und hat China im Jahr 2025 als wichtigsten Lieferanten überholt. Gleichzeitig brachen die Importe aus der Schweiz (−69,1 %) und den USA (−80,4 %) ein, was auf eine regionale Neuausrichtung der Bezugsquellen hindeutet. Die Importe aus dem Vereinigten Königreich blieben nach dem Brexit relativ stabil, wenngleich ein signifikanter Preisschock im Jahr 2018 mit einer Abweichung von −36,3 % vom erwarteten Niveau festgestellt wurde.

2.3 Zunehmende Konzentration der Importe, Entkonzentration der Exporte

Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) bestätigen die geografische Verschiebung:

Indikator 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 1.802 2.424 +34,5 %
HHI Exporte (Wert) 2.174 872 −59,9 %

Konzentration (HHI)

Die Importe haben sich stärker konzentriert (HHI-Anstieg um 34,5 %), was die Abhängigkeit von wenigen Lieferländern — insbesondere der Türkei und China — unterstreicht. Die Exporte hingegen wurden deutlich diversifiziert: Der HHI sank von 2.174 auf 872, was bedeutet, dass die EU ihre Ausfuhren auf wesentlich mehr Märkte verteilt als noch 2015 — ein strukturell positiver Befund hinsichtlich der Exportresilienz.


3. Produktionsrückgang und steigende Handelsintensität — wachsende Verflechtung bei sinkender Eigenproduktion

Das Spannungsfeld zwischen rückläufiger inländischer Produktion und steigender Handelsintensität bildet den dritten zentralen Befund der Marktentwicklung. Die EU-Textilindustrie für Elastangewebe schrumpft, während die Volkswirtschaft gleichzeitig stärker in den internationalen Handel eingebunden wird.

3.1 Rückläufige EU-Produktion von Elastangewirken

Die EU-Produktionsdaten zeigen einen deutlichen Rückgang:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 360.895 t 280.115 t −22,4 %
Produktionswert 2.768 Mio. € 1.994 Mio. € −28,0 %

Die EU-Produktion von Gewirken und Gestricken insgesamt (Prodcom 13.91.19.10) ist im Betrachtungszeitraum um über ein Fünftel geschrumpft. Der Produktionswert fiel dabei stärker als die Menge, was auf sinkende Preise bzw. eine Verschiebung hin zu günstigeren Produktvarianten hindeutet. Dies unterstreicht den allgemeinen Trend der europäischen Textilverarbeitung, die unter dem Druck globaler Wettbewerbsfähigkeit und gestiegener Energiekosten steht.

3.2 Steigende Handelsintensität und Exportquote

Paradoxerweise nimmt die Bedeutung des Außenhandels für die EU bei CN 6002 zu, obwohl die Produktion schrumpft:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Handelsintensität 52,4 % 83,8 % +60,0 %
Exportquote 40,5 % 73,2 % +80,9 %

Handelsintensität | Exportquote

Die Handelsintensität — gemessen als Summe von Im- und Exporten relativ zum Produktionswert — stieg von 52,4 % auf 83,8 %. Noch auffälliger ist die Entwicklung der Exportquote, die sich von 40,5 % auf 73,2 % nahezu verdoppelte. Dies bedeutet, dass ein wachsender Anteil der EU-Produktion unmittelbar in den Export geht und die EU-Volkswirtschaft zunehmend in globale Lieferketten für dieses Produktsegment integriert ist.

3.3 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Analyse der komparativen Vorteile im Jahr 2025 zeigt eine heterogene Spezialisierung innerhalb der EU-Mitgliedstaaten:

Mitgliedstaat RSCA RCA Produktionsanteil
Griechenland 0,716 6,048 4,1 %
Österreich 0,607 4,094 13,5 %
Italien 0,588 3,858 30,9 %
Dänemark 0,554 3,483 6,0 %
Lettland 0,409 2,382 0,8 %

Italien dominiert die EU-Produktion von Elastangewirken mit einem Anteil von 30,9 % und besitzt gleichzeitig einen starken komparativen Vorteil (RCA von 3,86). Österreich (13,5 % Produktionsanteil) und Griechenland (RCA von 6,05 — dem höchsten Wert) ergänzen das Bild einer süd- und mitteleuropäischen Spezialisierung. Demgegenüber weisen Länder wie Finnland (RSCA −0,994), Estland (−0,987) und Rumänien (−0,960) keinerlei komparativen Vorteil auf, was die innergemeinschaftliche Arbeitsteilung in diesem Segment widerspiegelt.


Schlussfolgerung

Der Markt für Elastanbreitgewebe unter 30 cm (CN 6002) in der EU durchläuft im Zeitraum 2015–2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

Erstens hat sich die EU von einem Volumenexporteur zu einem Spezialanbieter gewandelt. Die Exportmengen halbierten sich fast, während die Exportpreise über 50 % stiegen — ein Indiz für die Konzentration auf hochwertige Nischenprodukte. Zweitens verschoben sich die Handelsströme geografisch massiv: Tunesien als einstiges Kernexportziel verlor fast seine gesamte Bedeutung, während die Türkei zum wichtigsten Importpartner aufstieg und die westlichen Balkanländer als Exportmärkte gewannen. Drittens schrumpfte die EU-Produktion um über 20 %, bei gleichzeitiger Verdopplung der Exportquote — die EU wird bei diesem Produkt somit zunehmend zur Drehscheibe im internationalen Textilhandel, weniger zum eigenständigen Produktionsstandort.

Für Marktteilnehmer und politische Entscheidungsträger ergibt sich daraus ein ambivalentes Bild: Einerseits profitiert die EU von einer Diversifizierung der Exportmärkte (sinkender HHI), andererseits wächst die Importabhängigkeit von wenigen Lieferanten — insbesondere der Türkei und Chinas. Die steigende Konzentration der Importe und der rückläufige Produktionswert werfen die Frage auf, inwieweit die EU ihre verbleibende Wertschöpfungskette in diesem Segment langfristig sichern kann.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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