Marktentwicklung: Garn und Seilwaren (CN 5609) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union für den Zollcode 5609 (Waren aus Garnen, Streifen oder Seilen der Positionen 5404, 5405 oder 5607, anderweitig nicht genannt) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Betrachtung umfasst Importe und Exporte der EU mit Drittländern. Die Daten zeigen eine dynamische Veränderung der Handelsströme, die von einem starken Wachstum bei gleichzeitig strukturellen Verschiebungen und einer zunehmenden globalen Verflechtung der EU geprägt ist. Alle verwendeten Zahlen stammen aus dem bereitgestellten Datensatz.
1. Starkes Wachstum von Importen und Exporten bei wachsendem Handelsdefizit
Der Zeitraum 2015–2025 war für den Handel mit Garn- und Seilwaren (CN 5609) durch ein überproportionales Wachstum der Einfuhren gekennzeichnet, was zu einer deutlichen Ausweitung des Handelsdefizits führte.
Die Importe wuchsen stärker als die Exporte
Die Einfuhren in die EU stiegen im Wert von rund 45,9 Mio. EUR (2015) auf 118,9 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von 158,9 % entspricht. Das Importvolumen erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 119,4 %. Die Ausfuhren der EU wuchsen zwar ebenfalls kräftig, aber langsamer: Ihr Wert nahm um 124,5 % von 34,9 Mio. EUR auf 78,3 Mio. EUR zu. Dieses unterschiedliche Wachstumstempo führte zu einer Vergrößerung des Handelsdefizits von -11,0 Mio. EUR auf -40,6 Mio. EUR (Gesamtübersicht).
Die wichtigsten Handelspartner verschoben sich deutlich
Auf der Importseite blieb China der dominierende Lieferant mit einem Anstieg von 32,2 Mio. EUR auf 78,1 Mio. EUR (+142,3 %). Auffällig sind jedoch die enormen Wachstumsraten bei Importen aus Georgien (+2.879 %) und der Türkei (+727,4 %), die ihre Lieferpositionen massiv ausbauten. Der Importanteil der Vereinigten Arabischen Emirate ging dagegen stark zurück. Bei den Exporten wurde das Vereinigte Königreich mit 14,6 Mio. EUR (2025) zum größten Abnehmer, gefolgt von stark wachsenden Märkten wie Marokko (+926,3 %), Brasilien (+271,9 %) und den USA (+211,5 %). Die Exporte in die Russische Föderation brachen um 95,6 % ein (Top-Partner nach Wert).
Deutschland und die Niederlande waren die wichtigsten EU-Handelsknoten
Innerhalb der EU war Deutschland sowohl der größte Importeur (24,6 Mio. EUR in 2025) als auch der größte Exporteur (14,4 Mio. EUR). Die Niederlande verzeichneten mit +223,3 % das stärkste Wachstum bei den Importen. Bei den Exporten stachen Spanien (+251,9 %) und Italien (+433,6 %) mit überdurchschnittlichen Steigerungen hervor, was auf eine dynamische Verlagerung der Handelsaktivitäten innerhalb der EU hindeutet (Top-EU-Reporter nach Wert).
2. Strukturelle Umwälzungen: Produktionseinbruch und veränderte Spezialisierung
Hinter dem starken Handelswachstum verbergen sich fundamentale Veränderungen in der inländischen Produktion und der Spezialisierung der einzelnen EU-Länder.
Die EU-Produktion mengenmäßig stark eingebrochen, der Wert blieb stabil
Die produzierte Menge (in Kilogramm) fiel im Zeitraum dramatisch um 86,6 %, von 112 Mio. kg auf nur 15 Mio. kg. Gleichzeitig stieg der Produktionswert um 17,3 % von 102,3 Mio. EUR auf 120,0 Mio. EUR. Dies deutet auf eine fundamentale Strukturverschiebung hin: Die EU-Produktion verlagerte sich hin zu hochwertigeren, teureren Nischenprodukten, während die masseintensive Grundproduktion ins Ausland verlagert wurde (Produktionsvolumen).
Dänemark und baltische Länder entwickelten sich zu spezialisierten Exporteuren
Die Analyse der Spezialisierung (RCA) für das Jahr 2025 zeigt, dass Dänemark (RCA 5,31) und Lettland (RCA 4,52) eine überproportionale Exportkompetenz in diesem Segment aufwiesen. Portugal folgte mit einem RCA von 4,0. Im Gegensatz dazu weisen große Volkswirtschaften wie Irland (RCA 0,005) und Deutschland (im Vergleich zu seinem Gesamthandel) eine unterdurchschnittliche Spezialisierung auf. Dies unterstreicht, dass die Produktion und der Export von CN-5609-Waren innerhalb der EU nicht mehr von den traditionellen Industriemächten dominiert wird (Spezialisierung).
Der Markt ist auf der Exportseite fragmentierter geworden
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte nach Wert sank von 991 auf 795, was eine De-Konzentration bedeutet. Der Exportmarkt verteilte sich 2025 gleichmäßiger auf mehr Partnerländer als 2015. Auf der Importseite blieb die Konzentration auf hohem Niveau (HHI 4.629), wobei China nach wie vor der dominanteste Lieferant war. Dies verdeutlicht die anhaltende Abhängigkeit der EU von einzelnen asiatischen Zulieferern (Konzentrationsindizes).
3. Zunehmende globale Verflechtung und neue Anfälligkeit
Das rasante Handelswachstum ging mit einer stärkeren Integration der EU in globale Wertschöpfungsketten einher, erhöhte aber auch die Verwundbarkeit gegenüber externen Schocks.
Handelsintensität und Exportneigung haben sich mehr als verdreifacht
Die Nettoimportabhängigkeit stieg von 6,2 % auf 24,3 %, was die gewachsene Importabhängigkeit quantifiziert. Noch deutlicher waren die Anstiege bei der Handelsintensität (von 30,0 % auf 81,1 %) und der Exportneigung (von 14,9 % auf 63,1 %). Diese Kennzahlen zeigen, dass CN-5609-Produkte 2025 eine wesentlich größere Rolle im gesamten EU-Außenhandel spielten als 2015. Der Markt ist eng mit der Weltwirtschaft verflochten (Verwundbarkeitsindikatoren).
Die Handelsströme weisen eine heterogene Volatilität auf
Ein Blick auf die Variationskoeffizienten (CV) der Handelswerte mit verschiedenen Partnern zeigt unterschiedliche Risikoprofile. Besonders volatil waren die Exporte nach Algerien (CV 1,25) und Tunesien (CV 1,79). Auf der Importseite wiesen Lieferungen aus der Türkei (CV 0,71) und Georgien (CV 0,54) eine hohe Schwankungsbreite auf. Die Handelsströme mit dem Vereinigten Königreich waren sowohl bei Importen (CV 0,32) als auch bei Exporten (CV 0,15) relativ stabil (Volatilitätsanalyse).
Identifizierbare Handelsschocks deuten auf punktuelle Störungen hin
Das System markierte mehrere signifikante Preisschocks. Der auffälligste war ein Preisanstieg bei Exporten nach Senegal im Jahr 2020 (+509,8 %, abnormale Abweichung 34,8). Ein ähnlicher, wenn auch schwächerer Schock trat 2019 bei Exporten nach Norwegen auf. Solche episodischen Ereignisse können auf plötzliche Nachfrageverschiebungen, logistische Störungen oder politische Entscheidungen in den Partnerländern zurückzuführen sein (Erkannte Schocks).
Schluss
Zwischen 2015 und 2025 durchlief der EU-Markt für Garn- und Seilwaren (CN 5609) eine tiefgreifende Transformation. Das Handelsvolumen wuchs insgesamt stark, wurde aber von den Importen dominiert, was zu einem erheblichen und sich vertiefenden Handelsdefizit führte. Gleichzeitig erlebte die EU-Produktion einen mengenmäßigen Einbruch bei steigenden Werten, was auf eine Verlagerung hin zu hochwertigen Spezialprodukten hindeutet. Der Exportmarkt diversifizierte sich, während die Importe weiterhin stark auf China konzentriert blieben. Die wichtigste Triebfeder dieser Dynamik war die massiv gestiegene globale Verflechtung der EU in diesem Sektor, wie die sprunghaft angestiegene Handelsintensität und Exportneigung belegen. Diese Integration brachte zwar Wachstum, erhöhte aber auch die Anfälligkeit für volatile Handelsströme und punktuelle externe Schocks. Für die Zukunft bedeutet dies, dass eine resiliente Versorgungskette sowohl eine Diversifizierung der Importquellen als auch die Stärkung der hochwertigen inländischen Produktion erfordert.