Marktentwicklung: Fischernetze (CN 5608) — 2015–2025
Einführung
Der Zolltarifcode 5608 umfasst geknüpfte Netze — in Stücken oder als Meterware — aus Bindfäden, Seilen oder Tauen sowie konfektionierte Fischernetze und andere konfektionierte Netze aus Spinnstoffen (ausgenommen Haarnetze und Sportnetze). Das Segment gliedert sich in drei Unterpositionen: synthetische/gekünstelte Spinnstoffnetze (560819), konfektionierte Fischernetze aus synthetischen Fasern (560811) sowie Netze aus pflanzlichen Spinnstoffen (560890).
Im Zeitraum 2015 bis 2025 hat sich der EU-Außenhandel mit diesem Produktsegment erheblich verändert. Sowohl Exporte als auch Importe verzeichneten überdurchschnittliche Zuwächse — wenngleich mit sehr unterschiedlichen Preis- und Mengendynamiken. Die EU blieb throughout den gesamten Zeitraum Nettoexporteur, doch der Handelsbilanzüberschuss schrumpfte deutlich. Gleichzeitig stiegen die inländischen Produktionsvolumina stark an, was auf eine expansive Entwicklung der europäischen Netzindustrie hindeutet.
1. Asymmetrisches Wachstum: Importmengen verdoppeln sich, Exportpreise steigen
1.1 Importe wachsen doppelt so stark wie Exporte
Im Zeitraum 2015–2025 stiegen die EU-Importe aus Drittländern um 76,1 % im Wert (von 118,2 Mio. EUR auf 208,1 Mio. EUR) und sogar um 107,3 % in der Menge (von 26.105 t auf 54.120 t). Demgegenüber vergrößerten sich die Exporte um 51,3 % im Wert (von 141,8 Mio. EUR auf 214,6 Mio. EUR) und um 23,4 % in der Menge (von 21.598 t auf 26.657 t). Die Differenz zwischen Import- und Exportwachstum führte zu einer spürbaren Erosion des Handelsbilanzüberschusses.
| Kennzahl | Exporte 2015 | Exporte 2025 | Veränderung | Importe 2015 | Importe 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Wert (Mio. EUR) | 141,8 | 214,6 | +51,3 % | 118,2 | 208,1 | +76,1 % |
| Menge (t) | 21.598 | 26.657 | +23,4 % | 26.105 | 54.120 | +107,3 % |
| Preis (EUR/t) | 6.566 | 8.046 | +22,5 % | 4.528 | 3.845 | −15,1 % |
1.2 Gegenläufige Preisentwicklungen deuten auf unterschiedliche Marktsegmente hin
Während die Exportpreise im Durchschnitt um 22,5 % stiegen (von 6.566 EUR/t auf 8.046 EUR/t), sanken die Importpreise um 15,1 % (von 4.528 EUR/t auf 3.845 EUR/t). Dieses Muster ist typisch für eine sich vertiefende komparative Arbeitsteilung: Die EU exportiert tendenziell hochwertigere, spezialisierte Netze zu höheren Preisen und importiert zunehmend standardisierte, preisgünstigere Massenware — insbesondere aus Asien.
1.3 Der Handelsbilanzüberschuss schwindet
Der Handelsbilanzüberschuss sank von 23,6 Mio. EUR im Jahr 2015 auf nur noch 6,5 Mio. EUR im Jahr 2025 — ein Rückgang um 72,7 %. Das Minimum wurde 2023 mit lediglich 0,4 Mio. EUR erreicht, als die Importe infolge der Nach-Corona-Nachfrage und gestiegener Energiekosten stark anstiegen. Der Handelsbilanzverlauf zeigt eine klare Tendenz zur Annäherung von Im- und Exportwerten.
| Kennzahl | 2015 | 2019 | 2020 | 2023 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Saldo (Mio. EUR) | +23,6 | k.A. | k.A. | +0,4 | +6,5 |
2. China als dominanter Zulieferer: Wachsende Konzentration der Importe
2.1 China hat seinen Marktanteil bei den Importen mehr als verdoppelt
China war bereits 2015 der wichtigste Importpartner der EU mit einem Anteil von 45,3 Mio. EUR und steigerte diesen Wert bis 2025 auf 115,6 Mio. EUR — ein Zuwachs von 155,5 %. Damit entfielen zuletzt über die Hälfte aller EU-Importe aus Drittländern auf China. Kein anderer Partner verzeichnete ein auch nur annähernd vergleichbares Wachstum.
| Partner | Importwert 2015 (Mio. EUR) | Importwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 45,3 | 115,6 | +155,5 % |
| Türkei | 5,0 | 12,7 | +154,8 % |
| Marokko | 3,1 | 7,2 | +133,4 % |
| Indien | 5,3 | 8,5 | +60,9 % |
| Vietnam | 5,1 | 6,0 | +17,9 % |
| Philippinen | 2,2 | 2,4 | +8,8 % |
| Norwegen | 10,0 | 2,0 | −80,1 % |
2.2 Die Importkonzentration hat sich nahezu verdoppelt
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.726 auf 3.244 — ein Anstieg um 88 %. Ein HHI über 2.500 gilt als Indikator für einen hochkonzentrierten Markt. Diese Entwicklung ist fast ausschließlich auf die zunehmende Dominanz Chinas zurückzuführen. Für den Volumen-HHI gilt ein analoges Bild (von 2.053 auf 4.176, +103 %). Die Exportkonzentration blieb hingegen mit einem HHI von unter 800 moderat und weitgehend stabil.
| Kennzahl | HHI 2015 | HHI 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importe (Wert) | 1.726 | 3.244 | +88,0 % |
| Importe (Volumen) | 2.053 | 4.176 | +103,4 % |
| Exporte (Wert) | 689 | 769 | +11,6 % |
| Exporte (Volumen) | 719 | 659 | −8,3 % |
2.3 Norwegen als wichtigster Exportmarkt mit starker Volatilität
Norwegen war 2025 mit 46,4 Mio. EUR das größte Exportziel der EU — ein Zuwachs von 96,5 % gegenüber 2015. Die hohe Nachfrage spiegelt die Bedeutung der norwegischen Fischerei- und Aquakulturindustrie wider. Norwegen zeigt als Handelspartner eine relativ niedrige Volatilität (CV = 0,088), was auf stabile Lieferbeziehungen hindeutet. Demgegenüber weisen Handelspartner wie die Seychellen (CV = 0,40), Kanada (0,46) oder Russland (0,28) eine deutlich höhere Schwankungsbreite auf.
3. Produktionsdynamik und Spezialisierung innerhalb der EU
3.1 Die EU-Produktion hat sich mehr als verdoppelt
Die EU-Produktion von Netzen der Position 5608 stieg im Betrachtungszeitraum erheblich: Die Menge erhöhte sich um 101,2 % (von 70,7 Mio. kg auf 142,3 Mio. kg), der Produktionswert sogar um 132,0 % (von 315,5 Mio. EUR auf 731,9 Mio. EUR). Damit wuchs die Produktion deutlich stärker als die Exporte, was auf eine steigende inländische Nachfrage sowie eine zunehmende Integration der EU-Produktion in globale Lieferketten hindeutet.
3.2 Mittelmeerländer dominieren die Exporte, Osteuropa bei Importen
Innerhalb der EU zeigt sich eine klare regionale Arbeitsteilung. Spanien (54,5 Mio. EUR Exportwert, +62,2 %) und Litauen (50,0 Mio. EUR, +118,8 %) sind die beiden größten Exporteure. Litauens bemerkenswertes Wachstum spiegelt die Rolle des Landes als Produktionsstandort für synthetische Netze wider. Deutschland, Italien und Portugal runden die Liste ab.
Auf der Importseite führen Deutschland (44,0 Mio. EUR, +116,1 %), Italien (24,9 Mio. EUR, +76,4 %) und die Niederlande (22,7 Mio. EUR, +84,1 %). Bemerkenswert ist Polens Importwachstum von 226,8 % (von 3,9 Mio. EUR auf 12,7 Mio. EUR), was auf die zunehmende Verflechtung polnischer Fischereibetriebe mit globalen Lieferketten hindeutet.
| EU-Land | Rolle | Wert 2015 (Mio. EUR) | Wert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Spanien | Export | 33,6 | 54,5 | +62,2 % |
| Litauen | Export | 22,9 | 50,0 | +118,8 % |
| Deutschland | Export/Import | 21,2 / 20,4 | 19,8 / 44,0 | −6,5 % / +116,1 % |
| Italien | Export/Import | 9,5 / 14,1 | 18,3 / 24,9 | +92,9 % / +76,4 % |
| Polen | Import | 3,9 | 12,7 | +226,8 % |
3.3 Südeuropäische Länder weisen die höchste Spezialisierung auf
Der RCA-Index (Revealed Comparative Advantage) zeigt, dass Griechenland (RCA = 13,4), Litauen (7,1), Lettland (5,3) und Portugal (4,2) die stärkste Spezialisierung bei Netzen aufweisen. Diese Länder profitieren von einer langen Küstentradition und der Nähe zu wichtigen Fischereigebieten. Malta, Zypern und Irland sind am wenigsten spezialisiert, was mit der geringen Bedeutung der Fischerei in diesen Volkswirtschaften zusammenhängt.
3.4 Synthetische Netze dominieren das Segment mit unterschiedlichen Dynamiken
Die Unterposition 560819 (synthetische/gekünstelte Netze, ausgenommen Fischernetze) ist das mit Abstand größte Segment sowohl bei Im- als auch Exporten. Bei den Importen wuchs 560819 von 14.591 t (2015) auf 41.486 t (2025) — eine Verdopplung in der Menge. Die Importpreise für dieses Segment sanken von 5.029 EUR/t auf 3.990 EUR/t (−20,7 %), was auf intensiven Preiswettbewerb — insbesondere aus China — hindeutet.
Die Fischernetze (560811) verzeichneten bei den Importen ein moderateres Mengenwachstum (von 8.738 t auf 9.810 t, +12,3 %), während die Exportpreise stiegen (von 6.397 EUR/t auf 8.225 EUR/t, +28,6 %). Dies deutet auf eine qualitative Aufwertung europäischer Fischernetze hin.
| Segment | Beschreibung | Imp.-Menge 2015 (t) | Imp.-Menge 2025 (t) | Exp.-Preis 2015 (EUR/t) | Exp.-Preis 2025 (EUR/t) |
|---|---|---|---|---|---|
| 560819 | Synthetische Netze (ohne Fischernetze) | 14.591 | 41.486 | 6.789 | 7.865 |
| 560811 | Fischernetze, synthetisch | 8.738 | 9.810 | 6.397 | 8.225 |
| 560890 | Netze aus pflanzlichen Fasern | 2.776 | 2.824 | 5.755 | 8.221 |
Fazit
Der EU-Markt für geknüpfte Netze (CN 5608) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht gewandelt:
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Wachstumsmarkt mit steigender Importabhängigkeit: Sowohl Im- als auch Exporte verzeichneten kräftige Zuwächse. Die Importe wuchsen jedoch deutlich schneller — insbesondere in der Menge —, sodass der Handelsbilanzüberschuss von 23,6 Mio. EUR auf 6,5 Mio. EUR schrumpfte. Gleichzeitig stieg die Handelsintensität von 17 % auf 44 % und die Exportquote von 10 % auf 29 %, was auf eine zunehmende Integration der EU in globale Wertschöpfungsketten hindeutet.
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Zunehmende Konzentration auf China: Die Dominanz Chinas als Importquelle hat sich drastisch verstärkt. Der Import-HHI stieg von 1.726 auf 3.244 — ein Niveau, das als hochkonzentriert gilt. Dies birgt mittelfristig Lieferrisiken, sollte es zu Handelskonflikten oder Lieferunterbrechungen kommen.
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Starke inländische Produktionsbasis: Die EU-Produktion hat sich mehr als verdoppelt, sowohl mengen- als auch wertmäßig. Dies unterstreicht, dass die EU trotz steigender Importe weiterhin eine robuste eigene Industriebasis besitzt — insbesondere in süd- und osteuropäischen Küstenländern wie Spanien, Litauen, Griechenland und Portugal. Die Preisdifferenz zwischen Exporten (8.046 EUR/t) und Importen (3.845 EUR/t) legt nahe, dass die europäische Industrie sich zunehmend auf höherwertige Spezialprodukte konzentriert, während Standardware verstärkt aus Asien bezogen wird.