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Marktentwicklung: Flüssigbutan (CN 27111397) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollprodukt CN 27111397 — Butane, verflüssigt, mit einem Reinheitsgrad von ≤ 90 % (ausg. zur chemischen Umwandlung) — im Zeitraum von 2015 bis 2025. Das Produkt fällt unter die Überposition 2711 (Erdgas und andere gasförmige Kohlenwasserstoffe) und stellt einen Restposten innerhalb der Codierung 271113 (verflüssigtes Butan) dar, der solche Butangemische mit niedriger Reinheit abdeckt, die nicht der chemischen Umwandlung oder bevorzugten Verarbeitungsverfahren zugeordnet sind. Flüssigbutan dieser Art wird sowohl als Brennstoff als auch als Rohstoff in der petrochemischen Industrie verwendet und unterliegt den typischen Preis- und Angebotszyklen des globalen Energiemarktes.

Im analysierten Zeitraum zeigt sich ein komplexes Bild: Die EU ist grundsätzlich Nettoimporteur von Flüssigbutan, doch hat sich die Handelsbilanz zwischenzeitlich verbessert, bevor sie sich erneut verschlechterte. Gleichzeitig haben geopolitische Ereignisse — insbesondere der russische Angriffskrieg auf die Ukraine ab 2022 — die Lieferketten erheblich umstrukturiert. Der Bericht gliedert sich in drei Hauptabschnitte, die die wichtigsten Handelsströme, die Verschiebung der Partnerländer sowie die Volatilität und Schocks im Markt beleuchten.

Produktübersicht auf dem Trade Dashboard


1. Wachstum mit struktureller Handelsbilanzschwäche: Importe und Exporte im Trend

1.1 Der EU-Außenhandel ist über den gesamten Zeitraum gewachsen

Sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten sind die Werte (in EUR) zwischen 2015 und 2025 spürbar gestiegen. Die Einfuhren stiegen um 45,2 % von 486 Mio. EUR auf 706 Mio. EUR, die Ausfuhren um 42,7 % von 326 Mio. EUR auf 465 Mio. EUR. Auch die Handelsmengen (in Tonnen) entwickelten sich positiv — Importe um 16,2 % und Exporte um 22,0 % — wobei die Wertentwicklung jeweils stärker ausfiel als die Mengenentwicklung, was auf gestiegene Durchschnittspreise hindeutet.

Kennzahl Importe (Anfang) Importe (Ende) Veränderung Exporte (Anfang) Exporte (Ende) Veränderung
Wert (EUR) 486 Mio. 706 Mio. +45,2 % 326 Mio. 465 Mio. +42,7 %
Menge (t) 1.222.469 1.420.812 +16,2 % 830.949 1.013.722 +22,0 %
Preis (EUR/t) 397,58 496,64 +24,9 % 392,21 458,63 +16,9 %

Handelsübersicht

1.2 Die Handelsbilanz zeigt eine strukturelle Defizitposition — mit einer bemerkenswerten Zwischenphase

Die EU weist in den meisten Jahren ein negatives Handelsbilanzsaldo bei Flüssigbutan auf. Dieses Defizit verschärfte sich über den gesamten Zeitraum um 50,3 % — von −160 Mio. EUR auf −241 Mio. EUR. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Handelsbilanz im Minimum (also am günstigsten) bei −307 Mio. EUR lag, im Maximum hingegen bei +122 Mio. EUR einen Überschuss verzeichnete. Dies deutet darauf hin, dass es in mindestens einem Jahr gelang, die traditionelle Importabhängigkeit vorübergehend zu überwinden — möglicherweise in einer Phase niedriger globaler Gaspreise oder erhöhter europäischer Raffinerieproduktion.

1.3 Die Preise spiegeln die Energiepreiszyklen wider

Die durchschnittlichen Importpreise schwankten zwischen 322 EUR/t und 747 EUR/t, die Exportpreise zwischen 298 EUR/t und 697 EUR/t. Die Maximalwerte fallen in eine Phase globaler Energiepreisspitzen (2021/2022), die durch die Nach-COVID-Erholung und den Beginn des Ukraine-Krieges ausgelöst wurden. Die Preisunterschiede zwischen Import und Export sind dabei tendenziell gering, was auf einen weitgehend transparenten, marktbasierten Handel hindeutet.


2. Geopolitische Neuausrichtung der Lieferketten: Partnerschaften im Wandel

2.1 Traditionelle Lieferanten aus Russland und Zentralasien verlieren drastisch an Bedeutung

Die auffälligste Veränderung im Importpartnergefüge betrifft die Lieferanten aus dem postsowjetischen Raum. Die Importe aus der Russischen Föderation sanken um 70,6 % — von 43 Mio. EUR auf 13 Mio. EUR. Noch dramatischer fiel der Rückgang bei Kasachstan aus: −83,0 %, von 61 Mio. EUR auf nur noch 10 Mio. EUR. Diese Entwicklung korrespondiert mit den nach 2022 verhängten EU-Sanktionen und der strategischen Entscheidung, die Energieabhängigkeit von Russland und seinen Verbündeten zu reduzieren. Kasachstan, das 2015 noch der drittgrößte Lieferant war, hat seine Position fast vollständig eingebüßt.

2.2 Algerien und die USA füllen die Versorgungslücke

Als neue bzw. stark ausgeweitete Lieferanten treten insbesondere Algerien und die Vereinigten Staaten hervor. Die Importe aus Algerien stiegen um 375,2 % — von 15 Mio. EUR auf 72 Mio. EUR. Die US-amerikanischen Lieferungen verzeichneten sogar eine Steigerung um 1.217,6 %, von lediglich 7 Mio. EUR auf 91 Mio. EUR. Dies spiegelt die zunehmende Bedeutung von US-Flüssiggasexporten (LPG) auf dem europäischen Markt wider, die durch die Schiefergasrevolution und den Ausbau von Exportterminals ermöglicht wurde. Norwegen (+45,4 %) und das Vereinigte Königreich (+49,0 %) blieben als stabile, wenn auch weniger dynamisch wachsende Lieferanten bestehen.

Top-Handelspartner nach Wert

Partnerland (Importe) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 175 Mio. 261 Mio. +49,0 %
Norwegen 148 Mio. 215 Mio. +45,4 %
Vereinigte Staaten 7 Mio. 91 Mio. +1.217,6 %
Algerien 15 Mio. 72 Mio. +375,2 %
Russland 43 Mio. 13 Mio. −70,6 %
Kasachstan 61 Mio. 10 Mio. −83,0 %

2.3 Die Exportseite: Ukraine als neuer Hauptabnehmer, Nordafrika als Kernmarkt

Auf der Exportseite ist die Ukraine der mit Abstand dynamischste Abnehmer: Die Ausfuhren dorthin stiegen um beeindruckende 70.175 % — von weniger als 0,1 Mio. EUR auf 64 Mio. EUR. Diese Entwicklung ist aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Kriegssituation in der Ukraine bedingt, die eine alternative Energieversorgung notwendig machte. Marokko blieb mit 217 Mio. EUR (2025) der wichtigste Exportmarkt (+67,0 %), gefolgt von Tunesien (+89,7 %). Deutlich rückläufig waren hingegen die Lieferungen nach Ägypten (−99,7 %) und Libanon (−41,3 %).

Besonders hervorzuheben ist die Diversifizierung der EU-Lieferanten-Landschaft innerhalb der EU selbst: Kroatien (+664,4 %) und Rumänien (+100,6 %) entwickelten sich zu bedeutenden Exporteuren, während die Niederlande als traditioneller Re-Export-Hub 97,6 % ihres Exportvolumens einbüßten.

Top-Handelspartner nach Wert (Exporte)


3. Preisschocks und konjunkturelle Volatilität: Marktverwerfungen im Zeichen geopolitischer Krisen

3.1 Die Volatilität variiert stark je nach Handelspartner

Ein Blick auf den Variationskoeffizienten (CV) der jährlichen Handelswerte zeigt, dass die Preisschwankungen bei den einzelnen Partnern sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Auf der Importseite weisen Kasachstan (CV = 1,12), Belarus (CV = 1,35) und die Türkei (CV = 1,52) die höchsten Schwankungen auf — ein Indikator für instabile Lieferbeziehungen, die vermutlich durch geopolitische Umbrüche und Sanktionen bedingt sind. Auf der Exportseite fallen vor allem die Türkei (CV = 0,91), Ägypten (CV = 0,85) und Bosnien und Herzegowina (CV = 0,92) durch hohe Volatilität auf.

Die etablierten Partner Norwegen (Import CV = 0,31) und Marokko (Export CV = 0,16) zeigen demgegenüber eine deutlich stabilere Handelsdynamik.

Volatilitätsanalyse

3.2 Drei signifikante Preisschocks prägten den Marktzeitraum

Die Schockanalyse identifiziert drei besonders markante Ereignisse im Zeitraum:

Schock-Event Typ Richtung Abnormalität Preisänderung Anteil am Gesamtwert
Ägypten (2023) Preis Exporte 8,3 +389,1 % 6,8 %
Vereinigtes Königreich (2021) Preis Importe 5,9 +48,6 % 41,8 %
Vereinigte Staaten (2021) Preis Importe 5,2 +40,2 % 11,8 %

Der Ägypten-Schock von 2023 betraf die Exportseite: Die Exportpreise nach Ägypten stiegen sprunghaft um 389,1 % — bei gleichzeitigem Rückgang des Handelsvolumens auf fast null. Dies steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Devisenkrise in Ägypten, die zu Importbeschränkungen und drastischen Währungsabwertungen führte. Die Schocks bei den Importen aus dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten im Jahr 2021 fallen mit der globalen Energiepreisexplosion nach der COVID-19-Pandemie zusammen und betrafen mit einem kumulierten Anteil von über 53 % des Gesamtwerts einen erheblichen Teil des EU-Importmarktes.

Analyse der Versorgungsschocks

3.3 Die Marktkonzentration blieb moderat — die Diversifizierung nahm zu

Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) für den EU-Handel mit Flüssigbutan liegen sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten im Bereich moderater Konzentration (typischerweise zwischen 1.500 und 3.000). Der Import-HHI stieg von 2.478 auf 2.605 (+5,1 %), der Export-HHI von 2.053 auf 2.523 (+22,9 %). Die steigende Konzentration bei den Exporten spiegelt die zunehmende Bedeutung weniger Schlüsselmärkte (Marokko, Ukraine) wider. Auf der Volumenbasis war der Anstieg bei den Exporten mit +50,1 % noch deutlicher, was die Konzentration der Lieferströme zusätzlich unterstreicht.

Konzentrationsanalyse


Schluss

Der EU-Handel mit Flüssigbutan (CN 27111397) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend verändert. Zwar blieb die EU über den gesamten Zeitraum Nettoimporteur, doch verschob sich die Zusammensetzung der Lieferanten drastisch: Die traditionelle Abhängigkeit von Russland und Kasachstan wurde zugunsten von Lieferanten wie Algerien und insbesondere den Vereinigten Staaten aufgegeben — ein Prozess, der durch den Krieg in der Ukraine und die verhängten Sanktionen massiv beschleunigt wurde. Auf der Exportseite entwickelte sich die Ukraine zu einem der wichtigsten Abnehmer, was die strategische Bedeutung des Flüssigbutanhandels als Teil der europäischen Energiehilfe unterstreicht.

Die Marktvolatilität blieb insgesamt beherrschbar, doch einzelne Preisschocks — vor allem 2021 (globale Energiepreisexplosion) und 2023 (Ägypten-Krise) — zeigten die anhaltende Anfälligkeit des Marktes gegenüber geopolitischen und makroökonomischen Störungen. Die Marktkonzentration nahm leicht zu, was auf eine gewisse Verengung der Handelsbeziehungen hindeutet. Für die Zukunft ist zu beobachten, inwieweit die Diversifizierungsstrategien der EU nachhaltig greifen und ob die neuen Lieferantenstrukturen eine stabile Versorgung mit diesem wichtigen petrochemischen Grundstoff gewährleisten können.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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