Marktentwicklung: Flüssigbutan (CN 27111391) — 2015–2025
Einleitung
Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit verflüssigtem Butan (CN 27111391, Reinheitsgrad > 90 % und < 95 %, ausgenommen chemische Umwandlung) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Auswertung umfasst Importe und Exporte der EU mit Drittländern und stützt sich ausschließlich auf vorliegende Handelsdaten. Im Mittelpunkt stehen die langfristigen Volumen- und Preisentwicklungen, die Veränderung der Handelspartnerstruktur sowie auftretende Schocks und Volatilitäten. Die Daten sind dem EU Trade Dashboard entnommen.
1. Strukturelle Schrumpfung bei steigenden Einheitspreisen
1.1 Ein deutlicher Rückgang der Handelsvolumina
Sowohl die Import- als auch die Exportmengen haben im Betrachtungszeitraum erheblich abgenommen. Die importierte Menge sank von 1.533.208 Tonnen (2015) auf 751.836 Tonnen (2025), was einem Rückgang von −51,0 % entspricht. Gleichzeitig fielen die Exportmengen von 617.400 Tonnen auf 287.979 Tonnen — ein Minus von −53,4 %.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importvolumen (t) | 1.533.208 | 751.836 | −51,0 % |
| Exportvolumen (t) | 617.400 | 287.979 | −53,4 % |
| Importwert (EUR) | 472.670.859 | 296.097.921 | −37,4 % |
| Exportwert (EUR) | 221.431.194 | 133.183.602 | −39,9 % |
Quelle: Overview-Daten
1.2 Steigende Preise als Gegenpol zum Mengenrückgang
Trotz der schrumpfenden Volumina sind die durchschnittlichen Einheitspreise gestiegen. Der Exportpreis erhöhte sich von 359 EUR/t (2015) auf 462 EUR/t (2025), ein Anstieg von +28,9 %. Die Importpreise entwickelten sich ähnlich: von 308 EUR/t auf 394 EUR/t (+27,7 %). Dies spiegelt die generell höhere Bewertung fossiler Kohlenwasserstoffe wider — ein Trend, der insbesondere durch die Energiepreiskrise 2021/2022 verstärkt wurde.
1.3 Der Handelsbilanzdefizit bleibt, verringert sich jedoch
Die EU weist im gesamten Zeitraum ein negatives Handelsbilanz bei CN 27111391 auf. Das Defizit verkleinerte sich jedoch von −251,2 Mio. EUR (2015) auf −162,9 Mio. EUR (2025), eine Verbesserung um +35,2 %. Diese Verbesserung ist primär auf den proportionell stärkeren Rückgang der Importwerte zurückzuführen.
2. Dramatische Umwälzung der Partner- und Lieferantenstruktur
2.1 Importe: Algerien wird zum dominanten Lieferanten, Russland und Norwegen fallen weg
Die Partneranalyse der Importe zeigt eine tiefgreifende Neuausrichtung der Bezugsquellen:
| Partnerland | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Algerien | 126.825.142 | 205.495.715 | +62,0 % |
| Vereinigtes Königreich | 112.917.212 | 41.113.952 | −63,6 % |
| Norwegen | 149.113.584 | 14.096.065 | −90,5 % |
| Vereinigte Staaten | 20.789.900 | 32.657.371 | +57,1 % |
| Russische Föderation | 47.474.625 | 2.617.965 | −94,5 % |
Algerien ist zum mit Abstand wichtigsten Importpartner aufgestiegen — trotz eines zwischenzeitlichen Ausreißers (der Maximalwert lag bei 239 Mio. EUR). Gleichzeitig haben die traditionellen europäischen Lieferanten Norwegen und das Vereinigte Königreich massiv an Bedeutung verloren. Der Import aus Russland brach um nahezu 95 % zusammen — ein Zusammenhang, der zeitlich mit den Sanktionen nach dem Angriff auf die Ukraine 2022 korreliert. Die USA gewinnen als alternativer LNG-/LPG-Lieferant an Bedeutung, wenngleich auf einem niedrigeren absoluten Niveau.
2.2 Exporte: Nordafrika bleibt das Kernziel, aber mit sinkenden Volumina
Die Exportpartneranalyse zeigt, dass Marokko und Tunesien die wichtigsten Exportziele bleiben:
| Partnerland | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Marokko | 67.953.230 | 44.329.817 | −34,8 % |
| Tunesien | 64.059.972 | 62.684.144 | −2,1 % |
| Vereinigtes Königreich | 19.429.425 | 7.213.285 | −62,9 % |
| Ägypten | 18.093.950 | 11.513 | −99,9 % |
| Türkei | 11.942.183 | 684 | −100,0 % |
| Serbien | 6.773.463 | 4.669 | −99,9 % |
Während Tunesien als Abnehmer weitgehend stabil blieb, verschwanden die Exporte in die Türkei, nach Ägypten und Serbien nahezu vollständig. Dies deutet auf veränderte Handelsbedingungen, lokale Produktionskapazitäten oder politische Umbrüche in diesen Märkten hin.
2.3 EU-interner Handel: Frankreich als dominanter Akteur
Innerhalb der EU ist Frankreich mit großem Abstand der wichtigste Handelstreiber:
- Importe: Frankreich importierte 2025 Flüssigbutan im Wert von 263,6 Mio. EUR (−26,9 % gegenüber 2015) — das entspricht ca. 89 % aller EU-Importe.
- Exporte: Frankreich exportierte 105,2 Mio. EUR (−33,6 %) — ebenfalls der größte Anteil.
- Die Niederlande verloren bei Importen stark (−80,7 %) und bei Exporten praktisch vollständig (−99,2 %).
- Belgien und Deutschland sind bei Importen marginal geworden (Rückgänge von 96,5 % bzw. 90,5 %).
2.4 Zunehmende Konzentration der Handelsbeziehungen
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) bestätigt eine erheblich höhere Konzentration zum Ende des Betrachtungszeitraums:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI Importe (Wert) | 2.409 | 5.154 | +114,0 % |
| HHI Importe (Volumen) | 2.472 | 5.529 | +123,6 % |
| HHI Exporte (Wert) | 2.014 | 3.392 | +68,4 % |
| HHI Exporte (Volumen) | 2.096 | 3.645 | +73,9 % |
Ein HHI über 2.500 gilt als hoch konzentriert. Die Importe haben diesen Schwellenwert 2015 noch knapp unterschritten und ihn 2025 deutlich überschritten — die EU ist bei Flüssigbutan zunehmend von wenigen Lieferanten abhängig geworden.
3. Preisschocks und volatility als Spiegel geopolitischer Unsicherheit
3.1 Hohe Volatilität bei wechselnden Handelspartnern
Die Volatilitätsanalyse zeigt beträchtliche Schwankungsbreiten bei den bilateralen Handelsströmen. Besonders bemerkenswert sind die Variationskoeffizienten (CV) ausgewählter Partner:
Importseitig am volatilsten:
| Partnerland | Variationskoeffizient (CV) |
|---|---|
| Russische Föderation | 1,20 |
| Vereinigte Staaten | 0,87 |
| Norwegen | 0,66 |
| Vereinigtes Königreich | 0,50 |
| Algerien | 0,11 |
Algerien zeigt als Hauptlieferant die geringste Volatilität — ein Hinweis auf eine stabile Lieferbeziehung. Im Gegensatz dazu schwankten die russischen und norwegischen Importströme überproportional stark, was auf plötzliche Unterbrechungen hindeutet.
Exportseitig am volatilsten:
| Partnerland | Variationskoeffizient (CV) |
|---|---|
| Türkei | 1,63 |
| Serbien | 1,54 |
| Ägypten | 1,34 |
| Nigeria | 1,20 |
| Libanon | 0,83 |
Die extrem hohe Volatilität bei der Türkei, Serbien und Ägypten erklärt sich durch den vollständigen bzw. nahezu vollständigen Wegfall der Exporte in diese Länder.
3.2 Identifizierte Preisschocks im Zeitraum 2021–2022
Die Schockerkennung identifiziert drei signifikante Preisschocks, die sich allesamt auf den Zeitraum 2021–2022 konzentrieren:
| Handelsstrom | Partnerland | Schocktyp | Zeitpunkt | Preisänderung | Abnormalität | Anteil am Gesamthandel |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Exporte | Tunesien | Preis | 2021 | +40,1 % | 4,8σ | 38,6 % |
| Importe | Algerien | Preis | 2022 | +51,1 % | 3,9σ | 49,0 % |
| Exporte | Vereinigtes Königreich | Preis | 2021 | +54,5 % | 3,8σ | 11,7 % |
Diese Schocks fallen in die Phase der globalen Energiepreiskrise 2021/2022. Der Algerien-Import-Schock von 2022 — mit einer Abnormalität von 3,9 Standardabweichungen und einem Anteil von 49 % am Gesamtimportwert — ist besonders bemerkenswert, da Algerien gleichzeitig der wichtigste und stabilste Lieferant ist. Dies deutet darauf hin, dass selbst die Kernlieferbeziehung von der Energiemarktturbulenz nicht verschont blieb.
3.3 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass sich die Handelsaktivität bei CN 27111391 auf wenige westeuropäische Mitgliedstaaten konzentriert:
| EU-Mitgliedstaat | RSCA-Spezialisierungsindex | Produktionsanteil an EU-Exporten |
|---|---|---|
| Frankreich | 0,669 | 39,4 % |
| Niederlande | 0,433 | 36,7 % |
| Belgien | 0,198 | 12,6 % |
| Portugal | 0,019 | 1,4 % |
| Tschechien | −0,142 | 3,6 % |
Demgegenüber weisen osteuropäische Mitgliedstaaten wie Rumänien, Kroatien, Estland und Lettland praktisch keine Spezialisierung auf (RSCA nahe −1,0). Dies unterstreicht die geografische Konzentration des Flüssigbutanhandels in den küstennahen, raffineriestarken Regionen Westeuropas.
Fazit
Der EU-Markt für Flüssigbutan (CN 27111391) hat sich im Zeitraum 2015–2025 in drei zentralen Dimensionen gewandelt:
-
Volumenrückgang zu höheren Preisen: Die Handelsmengen halbierten sich nahezu, während die Einheitspreise um rund 28–29 % stiegen. Die EU ist heute ein deutlich kleinerer, aber teurerer Markt für dieses Produkt.
-
Konzentration und geopolitische Neuausrichtung: Algerien hat sich als dominanter Importeur etabliert, während russische und norwegische Lieferungen drastisch zurückgingen. Der Importmarkt ist dabei hochgradig konzentriert (HHI > 5.000). Auf der Exportseite bleiben Nordafrika (Marokko, Tunesien) die wichtigsten Zielmärkte, doch einst bedeutsame Handelsbeziehungen mit der Türkei, Ägypten und Serbien sind fast vollständig eingebrochen.
-
Energieschocks als Wendepunkt: Die identifizierten Preisschocks von 2021 und 2022 markieren eine Zäsur in der Preisentwicklung. Sie spiegeln die globale Energiekrise wider und betrafen sowohl die Import- als auch die Exportseite. Die Schocks trafen zentrale Handelspartner und trugen möglicherweise zur anschließenden strukturellen Anpassung bei.
Die Entwicklung legt nahe, dass die EU bei Flüssigbutan in eine Phase höherer Abhängigkeit von weniger Lieferanten eingetreten ist — ein Umstand, der angesichts der geopolitischen Lage weiterer Aufmerksamkeit bedarf.