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Marktentwicklung: Flaschen, Glasballons, Korbflaschen, Flakons, Krüge, Töpfe, Röhrchen und andere Behältnisse aus Glas, zu kommerziellen Transport- oder Verpackungszwecken und Konservengläser (ausg. Ampullen, Glaskolben für Behältnisse, mit Vakuumisolierung, Parfümzerstäuber sowie Flaschen, Flakons usw., für Zerstäuber) (CN 701090) — 2015–2025

Einleitung

Der Markt für Glasbehältnisse im Handelscode CN 701090 hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich gewandelt. Dieser Code umfasst ein breites Spektrum an Glasverpackungen – von Haushaltskonservengläsern über Flaschen für Nahrungsmittel, Getränke und pharmazeutische Erzeugnisse bis hin zu Glasballons, Flakons, Krügen und Röhrchen zu kommerziellen Verpackungszwecken. Im Untersuchungszeitraum stiegen die EU-Exporte in Drittländer von 1,14 Mrd. € auf 1,47 Mrd. € (+29,0 %), während die Importe aus Drittländern von 453 Mio. € auf 1,09 Mrd. € (+140,8 %) sprunghaft anstiegen (Handelsübersicht). Die EU blieb throughout den gesamten Zeitraum Nettexporteur, doch der Handelsüberschuss halzierte sich beinahe von 687 Mio. € auf 379 Mio. € (−44,8 %). Der folgende Bericht analysiert die zentralen Dynamiken dieses Marktes und gliedert sich in drei Abschnitte.


I. Strukturelle Handelsverschiebung: Importwachstum überholt Exportentwicklung

Der Handelsbilanzverlust als dominantes Strukturmerkmal

Das auffälligste Ergebnis des Untersuchungszeitraums ist die Asymmetrie zwischen Import- und Exportwachstum. Während die EU-Exporte in Drittländer nominal um 29,0 % stiegen, vervierten sich die Importe nahezu (Wert: +140,8 %, Menge: +78,5 %). Der Handelsüberschuss schrumpfte dadurch von 687 Mio. € im Jahr 2015 auf 379 Mio. € im Jahr 2025 — ein Rückgang um 44,8 %.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte (Wert, Mrd. €) 1,14 1,47 +29,0 %
Importe (Wert, Mrd. €) 0,45 1,09 +140,8 %
Exporte (Menge, Mio. kg) 1.176.402 1.207.157 +2,6 %
Importe (Menge, Mio. kg) 664.766 1.186.718 +78,5 %
Handelsüberschuss (Mio. €) 687 379 −44,8 %

Quelle: Handelsübersicht

Der Anstieg der Importpreise als Hinweis auf eine Qualitäts- und Kostenverschiebung

Besonders bemerkenswert ist, dass der Importpreis (Wert pro kg) von 681 €/t auf 919 €/t stieg (+34,9 %), während der Exportpreis von 969 €/t auf 1.218 €/t zulegte (+25,7 %). Die EU exportiert also weiterhin zu höheren Stückpreisen — ein Indiz für eine stärkere Spezialisierung auf hochwertigere Glasbehältnisse —, doch der Preisauftrieb bei den Importen deutet darauf hin, dass auch Drittländer ihre Produkte aufwerten. Gleichzeitig sank die Nettorelianz der EU auf Importe (gemessen als Saldo in Prozent der inländischen Produktion) von −8,9 % auf −2,9 %, was bedeutet, dass die EU zwar weiterhin Nettoexporteur blieb, der Abstand sich aber deutlich verringerte (Netto-Importrelianz).

Die Handelsintensität signalisiert eine zunehmende Verflechtung mit Drittmärkten

Die Handelsintensität (Handelvolumen in Relation zum inländischen Produktionswert) stieg von 12,0 % im Jahr 2003 auf 19,4 % im Jahr 2025 (+61,7 %). Dies zeigt, dass der EU-Markt für Glasbehältnisse zunehmend in globale Wertschöpfungsketten eingebunden ist. Auch die Exportquote (Exporte in Relation zum Produktionswert) erhöhte sich von 10,2 % auf 12,0 % (+18,0 %), wenngleich die Handelsintensität als dominanter Faktor mit einer Salienz von 92,3 gegenüber 56,0 für die Exportquote hervortritt (Handelsintensität).


II. Geopolitische Verwerfungen und Preisschocks: Eine Neuaufstellung der Handelspartner

China als dominierender Importpartner mit beispiellosem Wachstum

Die mit Abstand stärkste Verschiebung vollzog sich auf der Importseite: China steigerte seine Lieferungen in die EU von 79 Mio. € (2015) auf 322 Mio. € (2025) — ein Anstieg um 307,4 %. China ist damit mit großem Abstand der wichtigste Importpartner der EU für Glasbehältnisse, noch vor dem Vereinigten Königreich (213 Mio. €). Der Importpreis aus China stieg im selben Zeitraum von 1.494 €/t auf 1.986 €/t, was darauf hindeutet, dass die chinesischen Lieferungen nicht nur mengen-, sondern auch qualitätsseitig expandierten (Top-Partner nach Wert).

Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
China 79,2 322,4 +307,4 %
Vereinigtes Königreich 95,7 213,0 +122,5 %
Ukraine 54,6 136,3 +149,5 %
Türkei 14,5 126,6 +771,3 %
Moldau 17,7 50,8 +187,8 %

Der Ukraine-Krieg als Zäsur: Sanktionen gegen Russland, Preisschocks 2022

Das Jahr 2022 markierte einen Wendepunkt im Handel mit Glasbehältnissen. Die EU-Sanktionen gegen Russland nach dem Überfall auf die Ukraine führten zu einem vollständigen Zusammenbruch der Importe aus Russland: von 66 Mio. € (2021) auf praktisch null (2023–2025). Russland, das 2021 noch den fünftgrößten Importpartner darstellte, verschwand vollständig aus der Handelsstatistik. Die Daten zeigen einen ausgeprägten Preisschock: Der Importpreis aus Russland stieg 2023 auf 908 €/t (Baseline 2021–22: 346 €/t), gefolgt vom vollständigen Handelsausfall (Preisschock-Ereignisse).

Gleichzeitig erfassten Preisschocks auch andere Handelspartner im Jahr 2022:

Schock-Ereignis Typ Abweichung Preisveränderung Zeitpunkt
Ukraine (Importe) Preis 19,3σ +58,7 % 2022
Türkei (Importe) Preis 19,2σ +45,2 % 2022
Marokko (Exporte) Preis 190,3σ +40,2 % 2022
Vereinigtes Königreich (Exporte) Preis 155,3σ +20,5 % 2022

Quelle: Preisschock-Ereignisse

Diese simultanen Preissprünge spiegeln die Energiekrise 2022 wider, die die energieintensive Glasherstellung besonders hart traf. Die EU-Produktion blieb mengenäßig relativ stabil (85,9 Mrd. Stück 2025 vs. 77,6 Mrd. Stück 2015), doch der Produktionswert stieg um 58,5 % auf 12,8 Mrd. €, was die gestiegenen Energie- und Produktionskosten widerspiegelt (Produktionsvolumen).

Die Türkei als strategischer Aufsteiger

Die Türkei entwickelte sich zum am stärksten wachsenden Importpartner (+771,3 %). Die Importe stiegen von 14,5 Mio. € (2015) auf 126,6 Mio. € (2025). Besonders bemerkenswert ist das sprunghafte Wachstum ab 2018, als die Lieferungen von 36 Mio. € auf 84 Mio. € stiegen. Der türkische Zolltarif-Preisschock 2022 (+45,2 %) war nur vorübergehend; die mengenmäßigen Lieferungen stabilisierten sich danach auf hohem Niveau (ca. 260.000 t/Jahr). Die Volatilität der türkischen Lieferungen (CV = 0,56) ist jedoch überdurchschnittlich hoch, was auf eine gewisse Anfälligkeit dieser Handelsbeziehung hindeutet (Volatilitätsanalyse).

Irland als Sonderfall: Pharma-Getriebene Transformation

Irland zeigt eine bemerkenswerte Sonderentwicklung: Die Importe stiegen von 52 Mio. € auf 188 Mio. € (+264,4 %), und die Exporte explodierten von 3,4 Mio. € auf 127,7 Mio. € (+3.705 %). Irland hat damit den größten prozentualen Anstieg aller EU-Länder sowohl bei Importen als auch bei Exporten verzeichnet. Diese Dynamik ist wahrscheinlich auf die Expansion der Pharmaindustrie in Irland zurückzuführen, die große Mengen an Glasverpackungen sowohl importiert als auch — nach Befüllung — wieder exportiert. Irland weist allerdings auch die niedrigste Spezialisierung aller EU-Länder in der Glasherstellung auf (RSCA = −1,996), was die Interpretation als reines Pharma-Durchlaufzentrum bestätigt (Spezialisierungskarte).


III. Produktions- und Marktstrukturwandel: Konzentration, Spezialisierung und Segmente

Zunehmende Importkonzentration trotz wachsender Partnerdiversifizierung

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importkonzentration nach Wert stieg von 1.168 (2015) auf 1.649 (2025) — ein Anstieg um 41,2 %. Ein HHI über 1.500 gilt als moderat konzentriert. Diese zunehmende Konzentration widerspricht auf den ersten Blick der wachsenden Diversität der Importpartner, erklärt sich aber durch das überproportionale Wachstum weniger Schlüssellieferanten — insbesondere Chinas, dessen Anteil an den Gesamtimporten von 17,5 % auf 29,6 % stieg. Die Exportkonzentration blieb demgegenüber relativ stabil (HHI: 1.062 → 1.212, +14,1 %) (Konzentrationsanalyse).

Produktionsverschiebung: Mengenstabilität bei starkem Wertwachstum

Die EU-Produktion von Glasbehältnissen (gemessen in Gewicht) wuchs zwischen 2015 und 2025 nur moderat von 77,6 Mrd. auf 85,9 Mrd. kg (+10,7 %). Der Produktionswert hingegen stieg im selben Zeitraum von 8,5 Mrd. € auf 12,8 Mrd. € (+50,3 %). Dieser deutliche Preiseffekt — der durchschnittliche Produktionspreis stieg von 0,110 €/kg auf 0,149 €/kg — reflektiert sowohl die Energiekostensteigerungen als auch eine mögliche Verschiebung hin zu höherwertigen Glasbehältnissen. Besonders stark war der Wertanstieg 2023 mit einem Produktionswert von 15,0 Mrd. € (Höchststand), was den verzögerten Preistransmissionseffekt der Energiekrise 2022 zeigt (Produktionswert).

Spezialisierungsmuster innerhalb der EU: Eine zweigeteilte Industrie

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 offenbart eine klare Zweiteilung innerhalb der EU:

Stark spezialisierte Länder (hohe RCA):

Land RCA RSCA Produktionsanteil
Kroatien 8,69 0,79 3,5 %
Portugal 7,12 0,75 9,8 %
Bulgarien 6,28 0,73 4,0 %
Slowenien 3,74 0,58 3,8 %
Estland 1,83 0,29 0,6 %

Nicht spezialisierte Länder (niedrige RCA):

Land RCA RSCA Produktionsanteil
Irland 0,002 −1,00 0,004 %
Finnland 0,006 −0,99 0,006 %
Zypern 0,019 −0,96 0,0006 %
Griechenland 0,111 −0,80 0,07 %
Schweden 0,111 −0,80 0,27 %

Quelle: Spezialisierungskarte

Die großen Volkswirtschaften Deutschland (RCA = 1,04), Frankreich (1,09), Italien (1,55) und Spanien (1,14) bewegen sich nahe dem Durchschnitt, was auf eine ausgewogene Produktions-Handels-Struktur hindeutet. Deutschland dominiert mit einem Produktionsanteil von 22,1 % die EU-Produktion, gefolgt von Italien (12,4 %), Frankreich (8,5 %) und Portugal (9,8 %).

Segmentanalyse: Getränkeflaschen als Kern des Handels

Die detaillierte Aufschlüsselung nach Produktsegmenten zeigt, dass Flaschen für Nahrungsmittel und Getränke den Handel dominieren. Im Importsektor waren 2025 die drei größten Segmente:

Segment (Importe 2025) Menge (t) Wert (Mio. €) Preis (€/t)
70109053 – Gefärbte Flaschen 0,33–1 l 239.614 148,4 619
70109043 – Ungefärbte Flaschen 0,33–1 l 210.512 149,3 709
70109010 – Konservengläser 130.635 79,0 605
70109045 – Ungefärbte Flaschen 0,15–0,33 l 135.975 84,5 621
70109091 – Sonstige ungefärbte Behältnisse <2,5 l 73.069 165,4 2.264

Quelle: Produktsegmentvergleich

Auffällig ist, dass Segment 70109091 (sonstige ungefärbte Behältnisse, nicht für Lebensmittel oder Pharmazeutika) mit Abstand den höchsten Durchschnittspreis aufweist (2.264 €/t vs. 600–700 €/t bei Standardflaschen), was auf spezialisierte industrielle Anwendungen hindeutet.

Im Exportsektor dominieren die gleichen Getränkeflaschen-Segmente, ergänzt durch pharmazeutische Glasbehältnisse (70109071: >0,055–2,5 l, 67.638 t, 107,0 Mio. €, 1.583 €/t) und die hochpreisigen sonstigen Behältnisse (70109091: 47.930 t, 184,3 Mio. €, 3.845 €/t). Die EU exportiert also überproportional hochwertigere und spezialisiertere Glasbehältnisse — ein klares Muster der vertikalen Spezialisierung in der Wertschöpfungskette.


Fazit

Der EU-Markt für Glasbehältnisse (CN 701090) durchlebte zwischen 2015 und 2025 eine tiefgreifende Transformation. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

Erstens eine strukturelle Handelsverschiebung: Die Importe wuchsen mit +140,8 % weit schneller als die Exporte (+29,0 %), wodurch sich der Handelsüberschuss nahezu halbierte. Die EU bleibt zwar Nettoexporteur, doch die Abhängigkeit von Drittlandsimporten — insbesondere aus China (+307 %), der Türkei (+771 %) und der Ukraine (+150 %) — ist deutlich gestiegen.

Zweitens eine geopolitische Neuaufstellung: Der Ukraine-Krieg 2022 führte zum vollständigen Handelsausfall mit Russland, während gleichzeitig massive Preisschocks den gesamten Markt erfassten. Die Energiekrise trieb die Produktionskosten in die Höhe und verursachte Preisanstiege von 20–60 % bei vielen Handelspartnern.

Drittens eine Qualitäts- und Segmentverschiebung: Bei mengenmäßig relativ stabiler Produktion (+10,7 %) stieg der Produktionswert um über 50 %. Die EU spezialisiert sich zunehmend auf hochwertigere Glasbehältnisse (Durchschnittspreise von 3.845 €/t bei Sonderbehältnissen vs. 600 €/t bei Standardflaschen), während Drittländer zunehmend auch in mittlere Preissegmente vordringen. Die erhöhte Importkonzentration (HHI +41,2 %) birgt mittelfristig strategische Risiken, insbesondere im Verhältnis zu China als dominierendem Lieferanten.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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