Marktentwicklung: Glasbehälter (CN 701090) — 2015–2025
Einführung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Glasbehältnissen (Zolltarifnummer 701090) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Warensparte umfasst Flaschen, Glasballons, Korbflaschen, Flakons, Krüge, Töpfe, Röhrchen und andere Behältnisse aus Glas zu kommerziellen Transport- oder Verpackungszwecken sowie Konservengläser — ausgenommen Ampullen, Glaskolben mit Vakuumisolierung, Parfümzerstäuber und Zerstäuberflaschen. Der Markt für Glasbehälter ist eng mit der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, dem Pharmasektor sowie der Kosmetik- und Chemiebranche verknüpft und bildet somit einen bedeutenden Querschnitt der europäischen Verpackungswirtschaft ab. Die analysierten Daten beziehen sich auf den Gesamtüberblick der EU-Außenhandelsstatistik mit Drittländern.
1. Wachstum um jeden Preis — Importboom und schrumpfender Handelsüberschuss
Die EU-Importe haben sich in der Dekade mehr als verdoppelt
Die dynamischste Entwicklung im Markt für Glasbehälter zwischen 2015 und 2025 war das außergewöhnliche Wachstum der EU-Importe aus Drittländern. Der Einfuhrwert stieg von 453 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 1.092 Mio. EUR im Jahr 2025, was einer Steigerung von 141 % entspricht. Die importierte Menge wuchs im gleichen Zeitraum von 664.766 t auf 1.186.725 t (+78,5 %). Besonders auffällig war der Sprung zwischen 2020 und 2022, als der Importwert von 826 Mio. EUR auf 1.314 Mio. EUR kletterte — ein Höchststand im gesamten Betrachtungszeitraum. Die Entwicklung von Exporten und Importen zeigt, dass sich die EU-Importe im Zeitverlauf den Exporten kontinuierlich angenähert haben.
| Kennzahl | 2015 | 2020 | 2022 (Peak) | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. EUR) | 453 | 826 | 1.314 | 1.092 | +141 % |
| Importmenge (t) | 664.766 | 1.074.898 | 1.544.571 | 1.186.725 | +78,5 % |
| Importpreis (EUR/t) | 682 | 769 | 851 | 920 | +35,0 % |
Chinas Glasbehälter-Exporte in die EU haben sich vervierfacht
Die Hauptlieferanten nach Wert zeigen ein differenziertes Bild. China wurde mit Abstand der größte Drittland-Lieferant der EU: Der Einfuhrwert stieg von 79 Mio. EUR (2015) auf 322 Mio. EUR (2025), ein Plus von 307 %. Die Ukraine, die 2015 nur 55 Mio. EUR an Glasbehältern in die EU lieferte, erreichte 2025 einen Wert von 136 Mio. EUR (+150 %). Besonders bemerkenswert ist der Aufstieg der Türkei, deren Exporte in die EU von 15 Mio. EUR auf 127 Mio. EUR (+771 %) explodierten. Der russische Markt hingegen brach nach 2022 vollständig zusammen — von einem Höchststand von 66 Mio. EUR auf praktisch null im Jahr 2025, ein direktes Ergebnis der Sanktionen nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine.
| Lieferant | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 79 | 322 | +307 % |
| Vereinigtes Königreich | 96 | 213 | +123 % |
| Ukraine | 55 | 136 | +150 % |
| Türkei | 15 | 127 | +771 % |
| Moldau | 18 | 51 | +188 % |
| Russland | 10 | 0 | −100 % |
| VAE | 31 | 18 | −42 % |
Der Handelsüberschuss der EU ist um fast die Hälfte geschrumpft
Die asymmetrische Dynamik — stark steigende Importe bei moderat wachsenden Exporten — führte zu einer erheblichen Erosion des Handelsbilanzüberschusses. Dieser sank von 687 Mio. EUR (2015) auf 379 Mio. EUR (2025), ein Rückgang von 44,8 %. Der Tiefpunkt wurde 2022 mit nur 372 Mio. EUR erreicht, als die Importe ihren Höchststand verzeichneten und die Energiekrise die Produktionskosten in der EU in die Höhe trieb. Die Netto-Importabhängigkeit blieb zwar durchgehend negativ (die EU ist also Nettexporteur), verbesserte sich aber von −8,9 % auf −2,9 % — ein Zeichen dafür, dass die Eigenversorgung schwindet.
2. Preisrevolution und Schockjahr 2022 — Inflation trifft auf geopolitische Umbrüche
Die Preise für Glasbehälter sind im gesamten Zeitraum kräftig gestiegen
Sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite sind die Durchschnittspreise zwischen 2015 und 2025 signifikant gestiegen. Der Exportpreis (pro Tonne) erhöhte sich von 969 EUR/t auf 1.218 EUR/t (+25,7 %), der Supplementärpreis pro Stück sogar um 40,9 % (von 0,153 EUR/st auf 0,216 EUR/st). Auf der Importseite lag der Preisanstieg bei 35 % (von 682 EUR/t auf 920 EUR/t) bzw. 38,7 % pro Stück. Die Beschleunigung der Preissteigerung trat besonders zwischen 2020 und 2022 in Erscheinung, als Energie-, Rohstoff- und Transportkosten gleichzeitig in die Höhe schossen. Die Preisentwicklung zeigt, dass die Preise seit 2023 zwar leicht nachgaben, aber deutlich über dem Vorkrisenniveau verharrten.
| Kennzahl | 2015 | 2020 | 2022 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|
| Exportpreis (EUR/t) | 969 | 1.028 | 1.405 | 1.218 | +25,7 % |
| Exportpreis (EUR/stück) | 0,153 | 0,178 | 0,234 | 0,216 | +40,9 % |
| Importpreis (EUR/t) | 682 | 769 | 851 | 920 | +35,0 % |
| Importpreis (EUR/stück) | 0,128 | 0,113 | 0,178 | 0,177 | +38,7 % |
Das Jahr 2022 markierte einen Wendepunkt mit markanten Preisschocks
Im Jahr 2022 wurden drei signifikante Preisschocks identifiziert, die das Schock-Panel belegt. Der stärkste Schock betraf die Exportpreise nach Marokko (Abnormalitäts-Score: 190,3, Preisverschiebung: +40,2 %), gefolgt von einem starken Preissprung bei EU-Exporten in das Vereinigte Königreich (Score: 155,3, Verschiebung: +20,5 %) — hier waren 26,5 % des gesamten EU-Exportwerts betroffen. Auf der Importseite stiegen die Preise aus der Ukraine sprunghaft um 58,7 % (Abnormalitäts-Score: 19,3), was bei einem Anteil von 16,5 % am Importwert erhebliche Kostensteigerungen nach sich zog. Diese Schocks sind konsistent mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine und den damit verbundenen Energiepreissteigerungen, die die energieintensive Glasproduktion weltweit trafen.
Die Volatilität variiert je nach Handelspartner erheblich
Die Volatilitätsanalyse zeigt ein heterogenes Bild. Importseitig weist Russland mit einem Variationskoeffizienten (CV) von 0,92 die höchste Volatilität auf, was den vollständigen Handelszusammenbruch nach 2022 widerspiegelt. Belarus (CV: 0,76) zeigt ein ähnliches Muster. Auf der Seite der EU-Exporte war die Türkei mit CV = 0,18 und Russland mit CV = 0,43 die volatilsten Märkte. Im Gegensatz dazu waren die Handelsströme mit der Schweiz (CV = 0,08 Export, 0,34 Import), Norwegen (CV = 0,08 Export) und Moldau (CV = 0,24 Import) bemerkenswert stabil. Die geringe Volatilität bei den Exporten in die Schweiz und nach Norwegen deutet auf langfristig verlässliche Handelsbeziehungen hin, während die Importseite stärker von geopolitischen Ereignissen und konjunkturellen Schwankungen geprägt wird.
3. Produktionsmacht Europa — Spezialisierung, Strukturwandel und Segmentverschiebungen
Die EU-Glasproduktion ist mengenmäßig moderat, wertmäßig aber stark gewachsen
Die EU-Produktionsdaten zeigen eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen mengen- und wertmäßiger Entwicklung. Die Produktionsmenge in Stück stieg von 81,6 Mrd. (2015) auf 85,9 Mrd. (2025), also nur um 5,3 %. Der Produktionswert hingegen explodierte von 8,09 Mrd. EUR auf 12,82 Mrd. EUR (+58,5 %). Der Höchststand wurde 2022 mit 95,8 Mrd. Stück und 15,03 Mrd. EUR erreicht. Diese Entwicklung spiegelt die Preissteigerungen wider, ist aber auch Ausdruck einer Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten — etwa pharmazeutischen Behältnissen und Spezialflaschen mit höherem Stückpreis. Die Handelsintensität stieg im gleichen Zeitraum von 12,0 % auf 19,4 % (+61,7 %), was darauf hindeutet, dass der Markt zunehmend international verflochten ist.
Kroatien und Portugal sind die spezialisiertesten Produzenten, Irland das Gegenteil
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt ein deutliches Muster: Kleinere süd- und osteuropäische Staaten haben eine ausgeprägte Spezialisierung auf Glasbehälter entwickelt. Kroatien führt mit einem RSCA-Wert von 0,79 und einem RCA von 8,69, dicht gefolgt von Portugal (RSCA: 0,75, RCA: 7,12) und Bulgarien (RSCA: 0,73, RCA: 6,28). Diese Länder verfügen über eine überproportional starke Glasindustrie relativ zu ihrer Gesamtwirtschaft. Am anderen Ende des Spektrums steht Irland mit einem RSCA von −0,996 und einem RCA von nur 0,002 — ein Land, das trotz eines erheblichen Handelsvolumens in diesem Segment praktisch keine eigene Glasbehälterproduktion besitzt. Die enorme Steigerung der irischen Exporte (von 3,4 Mio. EUR auf 127,7 Mio. EUR, +3.705 %) und Importe (von 51,6 Mio. EUR auf 188,1 Mio. EUR, +264 %) ist daher vermutlich auf die Aktivitäten multinationaler Unternehmen im Pharmasektor zurückzuführen, die in Irland verpacken oder umschlagen.
| Land | RSCA | RCA | Produktionsanteil |
|---|---|---|---|
| Kroatien | 0,794 | 8,693 | 3,5 % |
| Portugal | 0,754 | 7,117 | 9,8 % |
| Bulgarien | 0,725 | 6,284 | 4,0 % |
| Slowenien | 0,578 | 3,744 | 3,8 % |
| Irland | −0,996 | 0,002 | 0,004 % |
Getränkeflaschen dominieren das Segment, aber pharmazeutische Behältnisse gewinnen an Bedeutung
Die Produktsegmentaufschlüsselung zeigt, dass Flaschen aus gefärbtem und ungefärbtem Glas für Lebensmittel und Getränke das Import- und Exportgeschäft dominieren. Auf der Importseite waren 2025 die drei größten Segmente:
- Gefärbte Glasflaschen 0,33–1 l (70109053): 239.614 t / 148 Mio. EUR — rückläufig gegenüber dem Spitzenjahr 2022 (418.863 t / 214 Mio. EUR)
- Ungefärbte Glasflaschen 0,33–1 l (70109043): 210.512 t / 149 Mio. EUR
- Haushaltskonservengläser (70109010): 130.635 t / 79 Mio. EUR
Bemerkenswert ist der Anstieg der Importe von pharmazeutischen Behältern aus ungefärbtem Glas (70109091): von 31.740 t (2015) auf 73.069 t (2025), bei einem Wertanstieg von 64 Mio. EUR auf 165 Mio. EUR. Der durchschnittliche Preis für dieses Segment lag 2025 bei 2.264 EUR/t — fast viermal so hoch wie bei Standard-Getränkeflaschen. Die Exportseite zeigt ein ähnliches Bild, wobei die Exportentwicklung nach Segment belegt, dass die EU insbesondere bei pharmazeutischen Behältnissen (70109071: Exportpreis 2025 = 1.583 EUR/t) und Spezialgefäßen (70109091: Exportpreis 2025 = 3.845 EUR/t) hochpreisige Nischen besetzt.
Die Konzentration der Importquellen hat stark zugenommen, Exportmärkte blieben breiter gestreut
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.168 (2015) auf 1.649 (2025), ein Anstieg von 41,2 %. Dies bedeutet eine deutlich höhere Konzentration auf wenige Lieferländer — ein potenzielles Risiko für die Versorgungssicherheit. Das Volumen-basierte HHI bestätigt diesen Trend (1.286 → 1.693, +31,6 %). Im Gegensatz dazu blieb die Exportkonzentration relativ stabil: Der HHI nach Wert stieg nur von 1.062 auf 1.212 (+14,1 %), was auf eine diversifizierte Abnehmerstruktur hindeutet. Die zunehmende Importkonzentration spiegelt das rappe Wachstum weniger Lieferanten wider — insbesondere Chinas und der Türkei — und birgt das Risiko einer einseitigen Abhängigkeit. Die Konzentrationsanalyse unterstreicht die Notwendigkeit, die Lieferbasis breiter aufzustellen.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Glasbehälter (CN 701090) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:
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Strukturelle Importabhängigkeit: Die EU-Importe haben sich mehr als verdoppelt, getrieben durch das explosive Wachstum chinesischer, türkischer und ukrainischer Lieferungen. Der einst kräftige Handelsüberschuss ist um fast die Hälfte geschmolzen, und die Netto-Importabhängigkeit hat sich von −9 % auf −3 % angenähert. Die EU produziert zwar nach wie vor erheblich — der Produktionswert lag 2025 bei 12,8 Mrd. EUR —, doch der inländische Bedarf wird zunehmend durch Importe gedeckt.
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Preisinflation und geopolitische Schocks: Das Jahr 2022 markierte einen Wendepunkt, als Energiekrise, Ukraine-Krieg und Lieferkettenstörungen gleichzeitig auf den Markt trafen. Die Preise erreichten Rekordhöhen, bevor sie sich 2023–2025 wieder moderat normalisierten, aber deutlich über dem Vorkrisenniveau verharrten. Der vollständige Wegfall Russlands als Handelspartner und die zunehmende Konzentration der Importquellen stellen strategische Verwundbarkeiten dar.
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Aufwertung statt Volumenwachstum: Die EU-Glasbehälterindustrie hat sich von einem mengenorientierten zu einem wertorientierten Modell gewandelt. Die Produktionsmenge wuchs nur um 5 %, der Produktionswert aber um fast 59 %. Hochwertige Segmente — insbesondere pharmazeutische Behältnisse und Spezialglas — gewinnen an Gewicht, während Standard-Getränkeflaschen zunehmend importiert werden. Dieser Strukturwandel spiegelt Europas komparative Vorteile im Hochpreissegment wider, birgt aber die Gefahr, dass das Volumengeschäft an kostengünstigere Drittländer verlagert wird.