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Marktentwicklung: Eisen- und Stahlgusswaren (CN 732599) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 732599 erfasst gegossene Waren aus Eisen oder Stahl, die nicht anderweitig klassifiziert sind — ausgenommen Gusseisenwaren (nicht verformbar) sowie Mahlkugeln und ähnliche Mahlkörper. Damit handelt es sich um eine breite Restkategorie innerhalb der Position 7325, die sowohl Gusseisen- (Unterposition 73259910) als auch Stahlgusswaren (Unterposition 73259990) umfasst. Die Produkte finden vielfältige Anwendungen in der Industrie, im Maschinenbau, in der Infrastruktur und in der Energiewirtschaft.

Im Zeitraum von 2015 bis 2025 hat sich die Handelsbilanz der EU in diesem Segment grundlegend verschoben: War die EU zu Beginn des Betrachtungszeitraums nahezu ausgeglichen, ist sie bis 2025 zu einem erheblichen Nettoimporteur geworden. Der folgende Bericht analysiert die zugrundeliegenden Dynamiken anhand verfügbarer Handels-, Produktions- und Konzentrationsdaten und beleuchtet die wichtigsten strukturellen Veränderungen.

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1. Strukturelle Verschiebung: Vom Nettexporteur zum Nettimporteur

Die fundamentalste Entwicklung im betrachteten Zeitraum ist die rapide wachsende Importabhängigkeit der EU bei gleichzeitig schrumpfenden Exportmengen. Die Netto-Importabhängigkeit stieg von −5,3 % im Jahr 2015 auf 33,2 % im Jahr 2025 — ein Anstieg um über 700 Prozentpunkte.

Die Handelsbilanz hat sich dramatisch verschlechtert

Die EU verzeichnete 2015 ein Handelsdefizit von rund 153 Mio. € im Segment CN 732599. Bis 2025 wuchs dieses Defizit auf 454 Mio. € — eine Verschlechterung um fast 196 %. Besonders auffällig ist, dass das Defizit 2022 mit rund 512 Mio. € seinen Höhepunkt erreichte, bevor es sich in den Folgejahren leicht erholte.

Kennzahl 2015 2022 (Höhepunkt) 2025 Veränderung 2015–2025
Exportwert 319 Mio. € 346 Mio. € 337 Mio. € +5,7 %
Importwert 472 Mio. € 857 Mio. € 791 Mio. € +67,6 %
Handelsbilanz −153 Mio. € −512 Mio. € −454 Mio. € −195,9 %

Importmengen wachsen, Exportmengen schrumpfen

Die gegenläufige Dynamik von Importen und Exporten im Mengenbereich ist besonders bemerkenswert:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importmenge 199.140 t 337.748 t +69,6 %
Exportmenge 109.491 t 67.940 t −37,9 %

Während die Importe fast 70 % an Volumen gewannen, sanken die Exporte um mehr als ein Drittel. Die EU exportierte 2015 noch rund 55 % der importierten Menge; 2025 lag der Exportanteil bei nur noch rund 20 % der Importmenge.

Handelsintensität und Exportquote deuten auf strukturelle Veränderungen hin

Die Handelsintensität (Anteil von Im- und Exporten an der gesamten Produktion zuzüglich Nettoimporten) stieg von 46,7 % (2015) auf 61,6 % (2025). Gleichzeitig sank die Exportquote (Exporte als Anteil der Produktion) leicht von 32,2 % auf 30,8 %. Dies deutet darauf hin, dass die EU zwar weiterhin exportiert, der wachsende Binnenbedarf zunehmend durch Importe gedeckt wird.


2. Preisdynamik und Segmentverschiebung: Aufwertung der Exporte, Preisdruck bei Importen

Ein zentrales Merkmal der Marktentwicklung ist die zunehmende Preisdifferenz zwischen Exporten und Importen. Die EU exportiert offenbar zunehmend hochwertigere Gusswaren, während die Importe mengenorientiert und preisgünstig wachsen.

Exportpreise steigen deutlich, Importpreise bleiben stabil

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Durchschnittlicher Exportpreis 2.909 €/t 4.954 €/t +70,3 %
Durchschnittlicher Importpreis 2.370 €/t 2.341 €/t −1,2 %

Die EU exportierte 2025 durchschnittlich zu mehr als dem Doppelten des Preises, den sie für Importe zahlte (2,1:1-Verhältnis). Im Jahr 2015 lag dieses Verhältnis bei lediglich 1,2:1. Die Exportpreise erreichten 2022 mit 5.337 €/t ihren Höhepunkt.

Stahlgusswaren exportieren mit steigendem Preisniveau, Gusseisenimporte dominieren das Volumen

Die Produktsegment-Aufschlüsselung zeigt divergierende Entwicklungen der beiden Unterpositionen:

Importe nach Segment:

Segment 2015 Menge 2025 Menge 2015 Preis 2025 Preis
73259910 (Gusseisen) 121.483 t 258.375 t 1.351 €/t 1.525 €/t
73259990 (Stahl) 77.656 t 79.347 t 3.965 €/t 4.999 €/t

Exporte nach Segment:

Segment 2015 Menge 2025 Menge 2015 Preis 2025 Preis
73259990 (Stahl) 89.973 t 28.737 t 2.849 €/t 7.317 €/t
73259910 (Gusseisen) 19.519 t 39.203 t 3.187 €/t 3.222 €/t

Die Exportpreise für Stahlgusswaren stiegen von 2.849 €/t auf 7.317 €/t — ein Anstieg um 157 % —, während die exportierte Menge um 68 % sank. Dies deutet auf eine klare Strategie hin: Die EU konzentriert ihre Ausfuhren auf hochspezialisierte, wertschöpfungsintensive Stahlgusserzeugnisse. Im Gegenzug steigen die Gusseisenimporte (73259910) mengenmäßig stark an, was auf eine Verlagerung der Standardproduktion ins Ausland hindeutet.

Anstieg der Produktionswerte trotz leicht rückläufiger Mengen

Die EU-Produktion von CN 732599 verzeichnete zwischen 2015 und 2025 eine leicht rückläufige Menge (von 310 Mio. kg auf 298 Mio. kg, −3,6 %), während der Produktionswert um 139 % auf 1,02 Mrd. € stieg. Dies spiegelt die allgemeine Hochpreisentwicklung im Stahl- und Gusssektor wider — bedingt durch Energiekosten, Rohstoffpreise und den Übergang zu höherwertiger Produktion.


3. Partnerstruktur: Asien als Motor des Importwachstums, traditionelle Märkte bleiben bei Exporten dominant

China, Indien und die Türkei treiben das Importwachstum an

Die Top-Importpartner zeigen eine klare Konzentration auf drei Volkswirtschaften, die zusammen über 70 % des Importwachstums ausmachen:

Partner 2015 Importwert 2025 Importwert Veränderung Volatilität (CV)
China 203 Mio. € 303 Mio. € +49,8 % 0,11 (sehr stabil)
Indien 72 Mio. € 191 Mio. € +166,4 % 0,41
Türkei 55 Mio. € 120 Mio. € +118,9 % 0,41
Vereinigtes Königreich 35 Mio. € 50 Mio. € +40,4 % 0,50
Iran 2 Mio. € 10 Mio. € +376,6 % 0,62

China ist mit Abstand der größte Lieferant und zeichnet sich durch eine bemerkenswert geringe Volatilität aus (Variationskoeffizient von nur 0,11). Indien und die Türkei haben ihre Lieferungen jeweils mehr als verdoppelt. Iran zeigt das stärkste prozentuale Wachstum (+377 %), wenngleich der absolute Umfang mit 10 Mio. € noch gering bleibt. Die Konzentration der Importe (HHI) ging leicht von 2.464 auf 2.353 zurück, was eine marginal diversifiziertere Importstruktur anzeigt.

Exporte bleiben auf wenige Kernmärkte ausgerichtet

Bei den Top-Exportpartnern dominieren die Schweiz, das Vereinigte Königreich und die USA:

Partner 2015 Exportwert 2025 Exportwert Veränderung
Vereinigtes Königreich 81 Mio. € 76 Mio. € −6,0 %
USA 50 Mio. € 55 Mio. € +10,0 %
Schweiz 34 Mio. € 42 Mio. € +23,4 %
Norwegen 23 Mio. € 27 Mio. € +18,7 %
Türkei 6 Mio. € 13 Mio. € +120,2 %

Bemerkenswert ist der Einbruch der Exporte nach Algerien: von 15 Mio. € (2015) auf nur noch 1 Mio. € (2025), was auf einen extremen Schock im Jahr 2024 zurückzuführen ist, bei dem das Exportvolumen um über 99 % einbrach. Zuvor hatte es 2017 bereits einen Preisschock mit einer Preisexplosion von über 1.000 % gegeben.

Italien und Deutschland bleiben die wichtigsten EU-Importeure

Innerhalb der EU zeigt sich bei den importierenden Mitgliedstaaten:

Mitgliedstaat 2015 Importe 2025 Importe Veränderung
Italien 112 Mio. € 217 Mio. € +93,8 %
Deutschland 107 Mio. € 125 Mio. € +16,9 %
Spanien 59 Mio. € 84 Mio. € +42,5 %
Frankreich 32 Mio. € 80 Mio. € +153,8 %
Niederlande 29 Mio. € 57 Mio. € +94,7 %
Polen 15 Mio. € 30 Mio. € +105,8 %

Italien hat seinen Importbedarf nahezu verdoppelt und ist zum größten EU-Importeur aufgestiegen. Frankreich verzeichnete das stärkste relative Wachstum (+154 %). Spanien wiederum ist der spezialisierteste EU-Exporteur mit einem RSCA-Index von 0,59, gefolgt von Tschechien (0,37) und der Slowakei (0,23). Deutschland, traditionell der größte EU-Exporteur, verzeichnete einen Rückgang seines Exportwerts um 31 % — von 86 Mio. € auf 60 Mio. €.


Schlussfolgerung

Die Marktentwicklung von CN 732599 im Zeitraum 2015–2025 lässt sich als strukturelle Transformation des EU-Gusswarenhandels charakterisieren. Drei zentrale Trends dominieren:

  1. Zunehmende Importabhängigkeit: Die EU hat sich von einem nahezu ausgeglichenen Handelssaldo zu einem erheblichen Nettoimporteur entwickelt. Die Importe wuchsen mengen- und wertmäßig stark, während die Exporte mengenmäßig deutlich schrumpften.

  2. Preis- und Qualitätssegmentierung: Die EU verlagert ihre Exporte zunehmend auf hochwertige Spezialprodukte, insbesondere im Bereich Stahlguss (73259990), wo die Exportpreise auf 7.317 €/t stiegen. Gleichzeitig werden Standardprodukte, vor allem Gusseisenwaren (73259910), vermehrt aus Drittländern importiert — zu Preisen von rund 1.525 €/t.

  3. Geographische Konzentration der Lieferketten: China, Indien und die Türkei sind die dominierenden Importlieferanten, wobei China die bei Weitem größte und stabilste Quelle darstellt. Die EU-Exporte konzentrieren sich auf entwickelte Märkte (UK, USA, Schweiz). Diese Asymmetrie birgt sowohl Chancen — durch Spezialisierung und Wertschöpfung — als auch Risiken hinsichtlich der Abhängigkeit von wenigen Lieferanten für Grundgusserzeugnisse.

Für die EU-Gießereiindustrie deuten die Daten auf eine strategische Neuausrichtung hin: Weg von der Volumenproduktion hin zu hochwertigen, technisch anspruchsvollen Gussteilen. Ob diese Entwicklung nachhaltig ist, wird wesentlich von Energiekosten, Wettbewerbsfähigkeit der EU-Produktion und der Handelspolitik gegenüber den wichtigsten Lieferländern abhängen.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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