Marktentwicklung: bearbeiteter Granit (CN 68029310) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) mit dem Zollprodukt CN 68029310 (Granit von beliebiger Form, poliert, verziert oder anders bearbeitet, jedoch ohne Bildhauerarbeit, mit einem Eigengewicht von ≥ 10 kg) über den Zeitraum von 2015 bis 2025. Der betrachtete Zeitraum zeigt eine deutliche Verschiebung in den Handelsströmen: Während die EU-Exporte stark rückläufig sind, blieben die Importe weitgehend stabil, was zu einem sich vertiefenden Handelsdefizit führt. Gleichzeitig hat sich die Zusammensetzung der Handelspartner verändert und die Abhängigkeit der EU von Importen ist gestiegen. Die folgende Analyse beleuchtet die wichtigsten Trends und deren Ursachen.
1. Struktureller Rückgang der Exporte und wachsendes Handelsdefizit
Die EU verzeichnete zwischen 2015 und 2025 einen erheblichen Rückgang ihrer Exporte von bearbeitetem Granit, während die Importe leicht zulegten. Dies führte zu einer Verdopplung des Handelsdefizits.
1.1. Einbruch der EU-Exporte in Wert und Menge
Der Exportwert der EU sank im gesamten Zeitraum um 45,4 % von ca. 279 Mio. EUR (2015) auf ca. 152 Mio. EUR (2025). Noch drastischer war der Rückgang der exportierten Menge, die um 53,5 % von ca. 383.000 Tonnen auf ca. 178.000 Tonnen schrumpfte (Übersicht der Handelsströme). Dies deutet auf einen nachhaltigen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit oder eine strukturelle Veränderung der Nachfrage auf den Exportmärkten hin.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung (%) |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 279,1 | 152,5 | -45,4 |
| Exportmenge (1.000 t) | 383,2 | 178,3 | -53,5 |
| Durchschnittlicher Exportpreis (EUR/t) | 728,4 | 855,3 | +17,4 |
1.2. Stabile Importe bei steigenden Preisen
Im Gegensatz zu den Exporten blieben die Importe in Wert und Menge relativ stabil. Der Importwert stieg sogar leicht um 3,6 % von ca. 390 Mio. EUR auf 403 Mio. EUR an, während die importierte Menge um 6,3 % von ca. 945.000 Tonnen auf ca. 885.000 Tonnen sank. Der durchschnittliche Importpreis stieg um 10,6 % an, was auf steigende Kosten oder eine Verschiebung zu höherwertigen Produkten hindeuten kann (Übersicht der Handelsströme).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung (%) |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. EUR) | 389,5 | 403,4 | +3,6 |
| Importmenge (1.000 t) | 945,0 | 885,2 | -6,3 |
| Durchschnittlicher Importpreis (EUR/t) | 412,2 | 455,7 | +10,6 |
1.3. Verdopplung des Handelsdefizits
Aufgrund des kontrastierenden Verlaufs von Exporten und Importen hat sich das Handelsdefizit der EU bei diesem Produkt mehr als verdoppelt. Es stieg von ca. -110 Mio. EUR (2015) auf ca. -251 Mio. EUR (2025). Das Defizit erreichte seinen Höhepunkt im Jahr 2023 mit ca. -334 Mio. EUR (Übersicht der Handelsströme). Dies unterstreicht die zunehmende Netto-Importabhängigkeit der EU in diesem Segment.
2. Diversifizierung der Importpartner und Spezialisierung innerhalb der EU
Die Struktur der Handelsbeziehungen hat sich deutlich verändert: Traditionelle Partner verloren an Bedeutung, während neue Lieferanten aufstiegen. Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Spezialisierung bei der Exportproduktion.
2.1. Verschiebung der Importquellen: Abkehr von China, Hinwendung zu Indien und neuen Märkten
China blieb zwar der größte Importpartner der EU, verlor aber massiv an Marktanteilen. Der Importwert aus China sank um 34,4 % von ca. 215 Mio. EUR auf ca. 141 Mio. EUR. Gleichzeitig stiegen die Importe aus Indien um 28,4 % auf ca. 190 Mio. EUR an, sodass Indien fast gleichauf mit China liegt. Besonders dynamisch entwickelten sich die Importe aus der Türkei (+1.381,8 %), Ägypten (+26.463,3 %) und Brasilien (+182,9 %) (Übersicht der wichtigsten Handelspartner).
| Importpartner | Wert 2015 (Mio. EUR) | Wert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung (%) |
|---|---|---|---|
| China | 215,0 | 141,1 | -34,4 |
| Indien | 148,2 | 190,3 | +28,4 |
| Türkei | 1,0 | 15,5 | +1.381,8 |
| Ägypten | 0,03 | 9,1 | +26.463,3 |
| Brasilien | 5,9 | 16,6 | +182,9 |
2.2. Geringere Konzentration der Importe (sinkender HHI)
Die Diversifizierung der Importquellen spiegelt sich im Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) wider. Der HHI für Importe nach Wert fiel von 4.542 (2015) auf 3.497 (2025), was einer Abnahme um 23 % entspricht. Dies zeigt eine geringere Konzentration und eine breitere Streuung der Importe (Konkonzentrationsanalyse). Die EU ist somit weniger von einzelnen Lieferanten abhängig geworden.
2.3. Spezialisierung bei EU-Exporten: Italien und Portugal führen
Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Spezialisierung bei der Exportproduktion. Im Jahr 2025 wiesen Italien (RSCA: 0,73) und Portugal (RSCA: 0,65) die höchsten Spezialisierungsindizes auf, was ihre starke Position als Exporteure von bearbeitetem Granit belegt (Spezialisierungsanalyse). Allerdings sanken die Exportwerte dieser Länder im Zeitraum: Italiens Exporte fielen um 50,1 %, Portugals sogar um 71,0 %. Dies steht im Einklang mit dem allgemeinen Exportrückgang der EU.
3. Zunehmende Verwundbarkeit und Preisvolatilität
Die Marktanalyse zeigt eine gestiegene Handelsintensität und Importabhängigkeit der EU. Gleichzeitig waren bestimmte Handelsbeziehungen durch hohe Preisvolatilität und einzelne Schocks gekennzeichnet.
3.1. Steigende Netto-Importabhängigkeit und Handelsintensität
Die Netto-Importabhängigkeit der EU wandelte sich von -9,0 % (2015, Nettoexporteur) zu +11,3 % (2025, Nettoimporteur). Parallel dazu stieg die Handelsintensität (Anteil von Importen und Exporten an der Produktion) von 21,2 % auf 35,8 % an (Verwundbarkeitsindikatoren). Dies bedeutet, dass der EU-Markt stärker in den globalen Handel eingebunden ist und gleichzeitig anfälliger für externe Lieferunterbrechungen wurde.
3.2. Hohe Preisvolatilität und identifizierte Schocks
Einige Handelsbeziehungen zeigten eine hohe Preisvolatilität (gemessen am Variationskoeffizienten, CV). Besonders auffällig waren die Exportpreise in die Vereinigten Arabischen Emirate (CV: 1,22) und Algerien (CV: 1,37) sowie die Importpreise aus Ägypten (CV: 1,16) und der Türkei (CV: 1,05) (Volatilitätsanalyse). Im Jahr 2022 wurden zwei bedeutende Preisschocks identifiziert:
- Indien (Importe): Ein Preisanstieg von 35,1 % (Abnormalität: 3,3), der fast die Hälfte des EU-Importwertes betraf.
- Tunesien (Exporte): Ein Preisanstieg von 36,8 % (Abnormalität: 11,3) (Analyse von Schocks).
3.3. Starker Rückgang der EU-Produktion
Der beobachtete Exportrückgang steht in direktem Zusammenhang mit einem erheblichen Schrumpfen der EU-Produktion. Die Produktionsmenge (in Kilogramm) sank um 55,5 % von ca. 6,7 Milliarden kg auf ca. 3,0 Milliarden kg. Der Produktionswert fiel um 46,2 % von ca. 3,0 Milliarden EUR auf ca. 1,6 Milliarden EUR (Produktionsvolumen). Dies weist auf eine schwächere Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie im Vergleich zu Drittländern hin.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für bearbeiteten Granit (CN 68029310) durchlebte zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Der Kern dieser Entwicklung ist ein massiver Rückgang der EU-Exporte (-45 %) bei gleichzeitig stabiler Importnachfrage, was zu einer Verdopplung des Handelsdefizits führte. Dieser Trend wird durch einen drastischen Einbruch der inländischen EU-Produktion (-56 %) untermauert. Auf der Angebotsseite zeigt sich eine Diversifizierung der Importquellen weg von China hin zu Indien, der Türkei und anderen aufstrebenden Anbietern, was die Lieferbasis breiter aufstellt. Dennoch ist die EU heute stark netto-importabhängig geworden, was ihre Verwundbarkeit gegenüber externen Schocks, wie beispielsweise den beobachteten Preisspitzen im Jahr 2022, erhöht. Für die Zukunft der europäischen Granitverarbeitungsindustrie sind Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit entscheidend, um dem anhaltenden Importdruck standzuhalten.