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Marktentwicklung: Ballons, Flaschen, Flakons und ähnl. Transportmittel oder Verpackungsmittel, aus Kunststoffen (CN 392330) — 2015–2025

Einleitung

Kunststoffverpackungen wie Flaschen, Flakons und Ballons (CN 392330) gehören zu den mengenmäßig am stärksten gehandelten Produkten der EU-Außenhandelsstatistik. Der Zollcode umfasst zwei Unterpositionen: Behälter mit einem Fassungsvermögen von ≤ 2 Litern (39233010) und solche mit mehr als 2 Litern (39233090). Im Zeitraum 2015–2025 vollzog sich im Handel der EU mit Drittländern ein bemerkenswerter Strukturwandel: Während Exporte und Importe jeweils nominal deutlich zulegten, kehrte sich die Handelsbilanz von einem Überschuss von rund 143 Mio. € (2015) in ein Defizit von rund 23 Mio. € (2025) um. Dieser Wandel wurde vor allem durch das rasante Importwachstum aus China, eine zunehmende Importkonzentration sowie mehrere markante Preisschocks — insbesondere im Jahr 2022 — geprägt. Der vorliegende Bericht analysiert die wesentlichen Dynamiken anhand der vorliegenden Daten.

Übersicht auf dem Trade Dashboard


1. Vom Überschuss zum Defizit: Das asymmetrische Wachstum von Exporten und Importen

1.1 Importe wachsen doppelt so stark wie Exporte

Die EU-Exporte von Kunststoffverpackungen stiegen von 757 Mio. € (2015) auf 1.010 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 33,4 % entspricht. Die Importe hingegen wuchsen im selben Zeitraum von 614 Mio. € auf 1.033 Mio. € — ein Zuwachs von 68,3 %. Damit haben sich die Importe in nur zehn Jahren mehr als verdoppelt, während die Exporte zwar ebenfalls stiegen, aber deutlich schwächer.

Kennzahl 2015 2022 (Höhepunkt) 2025 Veränderung 2015→2025
Exporte (Wert) 757 Mio. € 1.088 Mio. € 1.010 Mio. € +33,4 %
Importe (Wert) 614 Mio. € 1.038 Mio. € 1.033 Mio. € +68,3 %
Handelsbilanz +143 Mio. € +50 Mio. € −23 Mio. € −116,4 %

1.2 Mengenwachstum und Preisentwicklung divergieren

Das Mengenwachstum verlief unterschiedlich: Exportmengen stiegen lediglich um 7,5 % (von 207.018 auf 222.598 Tonnen), während die Importmengen um 32,4 % zunahmen (von 121.956 auf 161.431 Tonnen). Dies zeigt, dass der Importanstieg nicht nur ein Preisphänomen war, sondern auch reale Mengenverlagerungen widerspiegelt. Die Exportpreise stiegen um 24,0 % und die Importpreise um 27,1 % — beides Folge der allgemeinen Preissteigerungen bei Kunststoffen und Verpackungen nach der Covid-19-Pandemie und dem Ukraine-Krieg.

1.3 Das Jahr 2022 als Wendepunkt

Das Jahr 2022 markiert mit Exporten von 1.088 Mio. € und Importen von 1.038 Mio. € den absoluten Spitzenwert im gesamten Betrachtungszeitraum. In den Folgejahren 2023 und 2024 sanken die Exporte leicht, während die Importe 2025 erneut nahe an den 2022er-Höchststand heranreichten. Der Handelsüberschuss schmolz 2022 auf rund 50 Mio. € und kehrte 2025 erstmals ins Negative um.


2. China als strukturbestimmende Importquelle und zunehmende Konzentration

2.1 China verdreifacht seine Exporte in die EU

Die mit Abstand größte Veränderung auf der Importseite ist der Aufstieg Chinas: Die EU-Importe aus China stiegen von 155 Mio. € (2015) auf 391 Mio. € (2025) — ein Plus von 152 %. China hat damit seinen Anteil an den EU-Gesamtimporten von rund 25 % auf fast 38 % ausgebaut. Im Mengenausdruck stiegen die Importe aus China von 13.422 auf 33.489 Tonnen (+149 %). China ist damit heute der mit Abstand wichtigste Lieferant von Kunststoffverpackungen für die EU.

Top-Importpartner 2015 2025 Veränderung
China 155 Mio. € 391 Mio. € +152,0 %
Vereinigtes Königreich 120 Mio. € 179 Mio. € +50,0 %
Vereinigte Staaten 93 Mio. € 128 Mio. € +37,8 %
Schweiz 94 Mio. € 105 Mio. € +12,2 %
Türkei 12 Mio. € 33 Mio. € +168,0 %
Serbien 7 Mio. € 23 Mio. € +238,3 %
Norwegen 51 Mio. € 41 Mio. € −18,5 %

2.2 Importkonzentration steigt deutlich an

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.577 (2015) auf 2.045 (2025) — ein Anstieg von 29,7 %. Ein HHI über 2.000 gilt als Indikator für einen hochkonzentrierten Markt. Diese steigende Konzentration ist unmittelbar auf Chinas wachsenden Anteil zurückzuführen. Die Türkei (+168 %) und Serbien (+238 %) sind zwar mit deutlich kleineren Beträgen beteiligt, zeigen aber ebenfalls, dass neue Lieferanten aus der Region Osteuropa und Nahost an Bedeutung gewinnen.

Konzentrationsindikator 2015 2025 Veränderung
Import-HHI (Wert) 1.577 2.045 +29,7 %
Export-HHI (Wert) 1.346 1.084 −19,5 %

2.3 Exportseite zeigt Gegenbewegung: Diversifizierung und neue Märkte

Während die Importseite sich stärker konzentriert, vollzog sich bei den Exporten eine leichte Entkonzentration: Der Export-HHI sank von 1.346 auf 1.084 (−19,5 %). Das Vereinigte Königreich blieb mit 240 Mio. € (2025) der größte Exportmarkt, gefolgt von der Schweiz (148 Mio. €). Besonders dynamisch wuchsen die Exporte nach Norwegen (+82,9 %), in die USA (+59,9 %), in die Ukraine (+151,7 %) und nach Marokko (+196,7 %). Die Exporte nach Russland sanken hingegen um 18,6 % — ein Trend, der sich seit 2022 im Zuge der Sanktionspolitik abzeichnete.

Innerhalb der EU waren Deutschland (214 Mio. €), Frankreich (104 Mio. €) und Österreich (105 Mio. €) die größten Exportmitgliedstaaten. Bei den Importen stachen Italien (+129 %, von 84 auf 193 Mio. €) und Irland (+124 %, von 42 auf 95 Mio. €) mit besonders starkem Wachstum hervor.


3. Preisschocks, Volatilität und strukturelle Verwundbarkeiten

3.1 Der Preisschock 2022: Pandemie-Nachwirkungen und Energiekrise

Im Jahr 2022 wurden bei mehreren Handelspartnern signifikante Preisschocks festgestellt, die auf die anhaltenden Nachwirkungen der Covid-19-Pandemie und die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Energiekrise zurückzuführen sind. Bei den Importen betraf dies vor allem:

  • Norwegen: Die Importpreise stiegen gegenüber dem Vor-Covid-Niveau (2020–2021) um 69,7 % auf 5.763 €/t, während die Mengen gleichzeitig um 40,4 % einbrachen.
  • China: Die Importpreise stiegen um 37,5 % auf 13.777 €/t, die Mengen blieben jedoch relativ stabil (+9,6 %), was die Preiselastizität der chinesischen Lieferungen unterstreicht.

Preisschocks auf dem Trade Dashboard

Auch bei den Exporten fielen 2022 mehrere Preisschocks auf: Bosnien und Herzegovina (+43,4 %), Norwegen (+36,0 %), Island (+58,3 %) und Albanien (+37,6 %). Diese Schocks deuten darauf hin, dass die europäischen Hersteller ihre gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten an die Abnehmer weitergaben.

3.2 Volatilitätsprofile unterscheiden sich je nach Partner

Die Volatilität (gemessen am Variationskoeffizienten) zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Handelspartnern:

Partner CV Importmengen CV Exportmengen
Ukraine 0,45 0,49
Vereinigtes Königreich 0,43 0,13
Norwegen 0,32 0,27
China 0,27
Russland 0,39
Angola 1,09
Schweiz 0,07 0,11

Ursachen der Volatilität auf dem Dashboard

Die Ukraine und Russland weisen bei den Exporten hohe Volatilität auf — ein direktes Spiegelbild der geopolitischen Unsicherheit seit 2022. Die Exporte in die Ukraine stiegen 2022 sprunghaft auf 48,5 Mio. € (von 15,5 Mio. € im Vorjahr) und sanken 2025 wieder auf 18,8 Mio. €. Angola zeigt mit einem CV von 1,09 die höchste Volatilität aller Partner, bedingt durch stark schwankende und mengenmäßig rückläufige Lieferungen.

3.3 Produktionswachstum und zunehmende Handelsintensität

Die EU-Produktion von Kunststoffverpackungen (CN 392330) stieg mengenmäßig von rund 76,5 Mrd. Stück (2003) auf rund 124,9 Mrd. Stück (2024), wertmäßig von 6,1 Mrd. € auf 11,6 Mrd. €. Damit wuchs die Produktion um 63 % (Menge) bzw. 90 % (Wert) — ein Hinweis auf steigende Wertschöpfung und Qualitätsverbesserungen.

Produktionsvolumen auf dem Dashboard

Gleichzeitig stieg die Handelsintensität von 12,5 % (2015) auf 15,9 % (2025), und die Netto-Importabhängigkeit verbesserte sich von −2,6 % auf −0,4 %. Die EU ist damit zwar weiterhin Nettoexporteur bei diesem Produkt, aber nur noch knapp. Angesichts der stark steigenden Importe aus China und der zunehmenden Konzentration ist das Potenzial für eine vollständige Umkehr der Handelsbilanz in den kommenden Jahren gegeben.


Schlussfolgerung

Der EU-Außenhandel mit Kunststoffverpackungen (CN 392330) hat sich zwischen 2015 und 2025 in drei zentralen Dimensionen gewandelt:

Erstens hat sich die EU von einem komfortablen Nettoexporteur (Handelsbilanz +143 Mio. €) zu einem nahezu ausgeglichenen, leicht defizitären Marktteilnehmer entwickelt. Dieser Wandel wurde durch ein überproportionales Importwachstum (+68 %) bei gleichzeitig moderatem Exportwachstum (+33 %) getrieben.

Zweitens ist China zur dominierenden Importquelle aufgestiegen und hat seinen Anteil an den EU-Importen von einem Viertel auf über ein Drittel ausgebaut. Dies hat die Importkonzentration signifikant erhöht (HHI-Anstieg um 30 %), während sich die Exportseite im Gegenteil diversifizierte.

Drittens haben die Jahre 2022 und 2023 gezeigt, dass der Markt anfällig für Preisschocks ist — bedingt durch Energiepreissteigerungen, Lieferkettenunterbrechungen und geopolitische Spannungen. Die steigende Handelsintensität und die zunehmende Abhängigkeit von wenigen Lieferanten machen den EU-Markt für Kunststoffverpackungen anfälliger für externe Störungen, als es noch vor einem Jahrzehnt der Fall war.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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