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Marktentwicklung: Backwaren, auch kakaohaltig, Hostien, leere Oblatenkapseln der für Arzneiwaren verwendeten Art, Siegeloblaten, getrocknete Teigblätter aus Mehl oder Stärke und ähnl. Waren (ausg. Knäckebrot, Leb- und Honigkuchen und ähnl. Waren, Kekse und ähnl. Kleingebäck, gesüßt, Waffeln, Zwieback, geröstetes Brot und ähnl. geröstete Waren) (CN 190590) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 190590 umfasst ein breites Spektrum an Backwaren — von Matzenbrot und Hostien über Pizzas und Quiches bis hin zu gesüßten Torten und extrudierten Snacks. Es handelt sich dabei um einen Restposten-Code (residual), der alle Backwaren der Position 1905 erfasst, die nicht den spezifischen Untercodes 190510–190540 (Knäckebrot, Lebkuchen, gesüßte Kekse, Waffeln, Zwieback) zugeordnet sind. Der Zeitraum 2015 bis 2025 war geprägt von einem außergewöhnlichen Wachstum des EU-Außenhandels in dieser Warengruppe. Die EU hat sich in diesem Jahrzehnt von einem stark exportorientierten Markt mit moderatem Handelsvolumen zu einer globalen Handelsmacht mit nahezu verdoppeltem Exportvolumen entwickelt. Gleichzeitig haben sich die Importquellen gravierend verschoben: Während das Vereinigte Königreich 2015 noch über 60 % der EU-Importe stellte, sind neue Lieferanten aus Südosteuropa und Asien aufgestiegen. Dieser Bericht analysiert die drei zentralen Dynamiken dieses Zeitraums.


1. Explosives Exportwachstum und Dominanz des Vereinigten Königreichs als Handelspartner

Die EU exportiert mehr als das Vierfache des Importvolumens

Im Zeitraum 2015–2025 sind die EU-Exporte von CN 190590 um 125,0 % gestiegen — von 2,82 Mrd. € auf 6,34 Mrd. €. Im gleichen Zeitraum wuchsen die Importe um 82,2 % (von 809 Mio. € auf 1,47 Mrd. €). Der resultierende Handelsüberschuss verdoppelte sich von 2,01 Mrd. € auf 4,87 Mrd. €, was einem Zuwachs von 142,2 % entspricht.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte (Wert) 2,82 Mrd. € 6,34 Mrd. € +125,0 %
Importe (Wert) 809 Mio. € 1,47 Mrd. € +82,2 %
Handelsüberschuss 2,01 Mrd. € 4,87 Mrd. € +142,2 %
Exporte (Menge, t) 1.021.410 1.622.396 +58,8 %
Importe (Menge, t) 329.295 615.798 +87,0 %
Exportpreis (€/t) 2.759 3.907 +41,6 %
Importpreis (€/t) 2.456 2.394 −2,6 %

Quelle: Übersicht

Das Exportwachstum war dabei überwiegend preisgetrieben: Die Mengen stiegen um 59 %, die Preise hingegen um 42 %. Bei den Importen kehrte sich dieses Muster um: Hier wuchs die Menge schneller (+87 %) als die Preise (−3 %), was auf steigende Importvolumina zu relativ stabilen oder sogar fallenden Preisen hindeutet.

Das Vereinigte Königreich als dominierender Partner

Sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite ist das Vereinigte Königreich der mit Abstand wichtigste Handelspartner. 2025 entfielen 43,2 % der EU-Exporte (2,74 Mrd. €) und 45,1 % der EU-Importe (664 Mio. €) auf das Vereinigte Königreich.

Partnerland Exporte 2015 Exporte 2025 Veränderung Anteil 2025
Vereinigtes Königreich 1,30 Mrd. € 2,74 Mrd. € +110,8 % 43,2 %
Schweiz 282 Mio. € 542 Mio. € +92,1 % 8,5 %
Vereinigte Staaten 209 Mio. € 766 Mio. € +266,6 % 12,1 %
Norwegen 210 Mio. € 355 Mio. € +68,8 % 5,6 %
Russische Föderation 118 Mio. € 142 Mio. € +20,2 % 2,2 %
Australien 63 Mio. € 163 Mio. € +159,8 % 2,6 %
Japan 41 Mio. € 128 Mio. € +211,8 % 2,0 %

Quelle: Handelspartner nach Wert

Besonders auffällig ist das Wachstum der Exporte in die Vereinigten Staaten (+266,6 %) und nach Japan (+211,8 %). Diese überproportionale Expansion in Überseemärkte spiegelt die zunehmende globale Nachfrage nach europäischen Backwaren wider — insbesondere nach Pizzas und gesüßten Feingebäck.

Großproduzenten treiben den Export an

Aus Sicht der EU-Mitgliedstaaten sind Frankreich (1,12 Mrd. €), Deutschland (786 Mio. €), Italien (1,08 Mrd. €) und Belgien (708 Mio. €) die größten Exporteure. Italien verzeichnete mit +152,7 % das stärkste Wachstum, gefolgt von Irland (+267,4 %) und Spanien (+184,6 %). Irlands außergewöhnliche Steigerung ist teilweise durch die multinationale Konzernstruktur der Lebensmittelindustrie bedingt (viele internationale Backwarenfirmen haben ihre europäischen Niederlassungen in Irland).


2. Strukturelle Neuordnung der Importquellen: Südosteuropa und Asien auf dem Vormarsch

Abnehmende Konzentration der Importe

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 3.751 (2015) auf 2.239 (2025), was einem Rückgang von 40,3 % entspricht. Dies ist ein deutliches Signal für eine Diversifizierung der Importquellen: Die EU bezieht ihre Backwarenimporte zunehmend aus einer breiteren Basis von Lieferanten.

Zeitraum HHI (Importe, Wert) HHI (Exporte, Wert)
2015 3.751 2.394
2025 2.239 2.171
Veränderung −40,3 % −9,3 %

Quelle: Konzentration (HHI)

Aufstrebende Lieferanten

Hinter dem Rückgang der Konzentration verbergen sich dramatische Wachstumsraten bei einzelnen Lieferanten:

Lieferant Importe 2015 Importe 2025 Veränderung Anteil 2025
Vereinigtes Königreich 488 Mio. € 664 Mio. € +36,0 % 45,1 %
Türkei 37 Mio. € 127 Mio. € +242,0 % 8,6 %
China 37 Mio. € 83 Mio. € +123,7 % 5,7 %
Serbien 11 Mio. € 64 Mio. € +492,3 % 4,3 %
Thailand 22 Mio. € 48 Mio. € +115,9 % 3,2 %
Nordmazedonien 19 Mio. € 40 Mio. € +115,3 % 2,7 %
Vietnam 16 Mio. € 41 Mio. € +160,2 % 2,8 %

Quelle: Handelspartner nach Wert

Serbien (+492,3 %) und die Türkei (+242,0 %) sind die am schnellsten wachsenden Importquellen. Serbien hat sich von einem Nischenlieferanten (11 Mio. €, 2015) zum fünftgrößten Importpartner (64 Mio. €, 2025) entwickelt. Dieses Wachstum lässt sich durch die EU-Beitrittsverhandlungen und die zunehmende Integration serbischer Unternehmen in europäische Lieferketten erklären. Auch die Türkei profitiert von geografischer Nähe, Zollpräferenzen und wettbewerbsfähigen Produktionskosten.

Eine bemerkenswerte Sprunganomalie bei den Importmengen

Die Importmengen zeigen zwischen 2024 und 2025 einen sprunghaften Anstieg von 404.081 t auf 615.798 t (+52,4 %). Dieser außergewöhnliche Anstieg innerhalb eines Jahres tritt besonders bei Importen aus dem Vereinigten Königreich auf (von 162.638 t auf 354.577 t) und könnte auf Zollanpassungen, Lieferkettenumstellungen oder eine Statistikrevision nach dem Brexit-Übergang hindeuten.

Veränderungen bei der Konzentration der Exporte

Auch die Exportkonzentration zeigt leichte Veränderungen. Der HHI sank von 2.394 auf 2.171 (−9,3 %). Die Exporte werden zunehmend auf breitere Märkte verteilt — insbesondere profitieren Schwellenländer wie Marokko (3.381 t → 30.005 t), Saudi-Arabien und Israel von zunehmenden EU-Exporten.


3. Preisanstiege, geopolitische Schocks und die Produktionsstruktur der EU

Der Preisschock von 2021–2022 und seine Folgen

Die Daten zeigen eine klare Phase beschleunigter Preisanstiege bei den Exporten. Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 2.759 €/t (2015) auf 3.907 €/t (2025), wobei der stärkste Anstieg zwischen 2021 und 2022 zu verzeichnen war (+26,6 % auf Preisbasis, von 2.944 auf 3.405 €/t). Dies korrespondiert mit der globalen Inflationswelle, der Energiekrise und den Lieferkettenstörungen im Zuge des Ukrainekriegs.

Der Importpreis verhielt sich dagegen bemerkenswert stabil: Er schwankte zwischen 2.366 und 3.362 €/t und lag 2025 bei 2.394 €/t — nahezu unverändert gegenüber 2015. Dies deutet darauf hin, dass die Importmärkte einen stärkeren Wettbewerbsdruck aufweisen, während die EU-Exporteure Preisanstiege an Drittmärkte weitergeben konnten.

Geopolitische Schocks: Russland und Ukraine

Die Exporte in die Russische Föderation stiegen bis 2021 auf 184 Mio. €, brachen danach jedoch auf 117 Mio. € (2024) ein — ein Rückgang von 36,4 %. Die importierten Mengen sanken sogar drastischer: von 63.025 t (2019) auf 19.590 t (2025), was einem Rückgang von 68,9 % entspricht. Parallel dazu stiegen die Exportpreise nach Russland stark an (von 2.668 €/t 2015 auf 7.155 €/t 2025), was die verbleibenden Handelsströme verteuerte.

Gleichzeitig profitierte die Ukraine als Importquelle: Die EU-Importe aus der Ukraine wuchsen von 1.781 t (2015) auf 14.191 t (2025), ein Anstieg von +696 % — ein Ergebnis der EU-Handelsliberalisierung als Unterstützungsmaßnahme.

Produktionsstruktur: Pizzas dominieren den Export

Die Aufschlüsselung nach Untercodes zeigt, dass Pizzas und Quiches (CN 19059080) mit 2,40 Mrd. € und 37,8 % der Exporte das dominierende Segment bilden, gefolgt von gesüßten Backwaren wie Torten und Panettone (CN 19059070, 2,28 Mrd. €, 36,0 %). Gemeinsam machen diese beiden Kategorien über 73 % der Exporte aus.

Untertitel Beschreibung Exporte 2025 Anteil
19059080 Pizzas, Quiches, <5 % Zucker 2,40 Mrd. € 37,8 %
19059070 Torten, Panettone, ≥5 % Zucker 2,28 Mrd. € 36,0 %
19059030 Brot (ohne Zusätze) 670 Mio. € 10,6 %
19059055 Extrudierte/expandierte Backwaren 669 Mio. € 10,5 %
19059045 Kekse, ungesüßt 227 Mio. € 3,6 %
19059010 Matzen (ungesäuertes Brot) 74 Mio. € 1,2 %
19059020 Hostien, Oblatenkapseln 22 Mio. € 0,3 %

Quelle: Produktsegmente

Bei den Importen hingegen dominieren Pizzas und Quiches (CN 19059080, 497 Mio. €) und gesüßte Backwaren (CN 19059070, 419 Mio. €), gefolgt von extrudierten Produkten (CN 19059055, 245 Mio. €). Bemerkenswert ist, dass die Brot-Unterkategorie (CN 19059030) bei den Importen mit einer explosionsartigen Mengensteigerung auffällt: von 65.401 t (2015) auf 273.994 t (2025) — ein Plus von 319 %, vermutlich getrieben durch den Import günstiger Brotprodukte aus Drittländern.

EU-Produktion und Handelsautonomie

Die EU-Produktion von Backwaren im weiteren Sinne (CN 190590) lag 2024 bei 28,0 Mrd. t (Menge) bzw. 77,0 Mrd. € (Wert). Der Nettorelianz-Indikator (Importüberschuss als Anteil der Produktion) lag 2025 bei −6,6 %, was bedeutet, dass die EU netto weiterhin ein Exporteur ist — und die Autonomie in diesem Segment sogar gestiegen ist (2015: −1,7 %). Gleichzeitig stieg die Exportneigung von 2,5 % auf 7,9 % — ein Indiz für eine zunehmende Integration der EU-Backwarenindustrie in globale Märkte.


Schluss

Der EU-Handel mit Backwaren (CN 190590) hat sich im Zeitraum 2015–2025 dynamisch und resilient entwickelt. Drei zentrale Ergebnisse prägen die Bilanz:

  1. Robustes Exportwachstum — mit einer Verdopplung des Exportvolumens auf über 6 Mrd. €, getrieben durch steigende Preise und expandierende Übersemärkte (USA, Japan, Australien). Das Vereinigte Königreich bleibt trotz Brexit der mit Abstand wichtigste Handelspartner.

  2. Diversifizierte Importquellen — die Konzentration der Importe (HHI) sank um 40 %. Neue Lieferanten aus der Türkei, Serbien und Südostasien haben an Bedeutung gewonnen, während die traditionelle Abhängigkeit vom Vereinigten Königreich prozentual zurückging.

  3. Geopolitische Anpassungsfähigkeit — die EU hat die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts (Rückgang der Exporte nach Russland um 69 % mengenseitig) kompensiert, u. a. durch verstärkte Exporte in die Ukraine und verstärkte Handelsliberalisierungen. Preisanstiege bei Exporten (+42 %) standen dabei relativ stabilen Importpreisen (−3 %) gegenüber.

Insgesamt zeigt sich ein Marktsegment, das von der EU-dominierten Wertschöpfungskette der Lebensmittelindustrie profitiert und dessen internationale Wettbewerbsfähigkeit trotz geopolitischer und makroökonomischer Herausforderungen gestärkt wurde.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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