Marktentwicklung: Aluminiumgusserzeugnisse (CN 76169910) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 für gegossene Aluminiumwaren unter CN-Code 76169910 (Waren aus Aluminium, gegossen, a.n.g.). Die Betrachtung umfasst den Warenverkehr mit Nicht-EU-Ländern über elf Jahre. In dieser Zeit vollzog der Markt eine fundamentale Transformation: Die EU wandelte sich von einem deutlichen Nettexporteur zu einem leichten Nettimporteur, während sowohl Export- als auch Importwerte trotz teils rückläufiger Volumina erheblich stiegen — getrieben vor allem durch steigende Einheitspreise. Zugleich verschob sich die Importpartnerstruktur hin zu einer starken Konzentration auf China, während die Exportseite diversifizierte. Die folgenden Abschnitte beleuchten die zentralen Dynamiken im Detail.
1. Preisgetriebene Wertschöpfung trotz divergierender Volumenentwicklungen
1.1 Exporte: Wertsteigerung bei sinkenden Mengen
Die EU-Exporte von Aluminiumgusserzeugnissen entwickelten sich im Betrachtungszeitraum widersprüchlich: Während der Exportwert von 434 Mio. EUR (2015) auf 535 Mio. EUR (2025) stieg (+23,1 %), sank das Exportvolumen im selben Zeitraum von 56.325 t auf 46.835 t (−16,8 %). Der Exportpreis kletterte entsprechend von 7.713 EUR/t auf 11.415 EUR/t (+48,0 %).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 434 | 535 | +23,1 % |
| Exportmenge (t) | 56.325 | 46.835 | −16,8 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 7.713 | 11.415 | +48,0 % |
Diese Entwicklung zeigt, dass die Exportpreissteigerung den Mengenrückgang weit überkompensierte. Die EU exportierte weniger Tonnen Aluminiumguss, erzielte aber insgesamt mehr Erlös — ein Indiz für eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten oder für die allgemeine Verteuerung von Aluminium als Rohstoff und energieintensivem Industriegut.
1.2 Importe: Sowohl Mengen- als auch Wertexpansion
Die Importentwicklung verlief dynamischer. Der Importwert mehrte sich von 235 Mio. EUR auf 438 Mio. EUR (+86,7 %), die Importmenge von 32.721 t auf 45.336 t (+38,6 %). Der Importpreis stieg von 7.170 EUR/t auf 9.661 EUR/t (+34,7 %).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. EUR) | 235 | 438 | +86,7 % |
| Importmenge (t) | 32.721 | 45.336 | +38,6 % |
| Importpreis (EUR/t) | 7.170 | 9.661 | +34,7 % |
Im Gegensatz zu den Exporten wuchsen hier sowohl Mengen als auch Preise. Die Importpreisentwicklung (+34,7 %) fiel jedoch moderater aus als bei den Exporten (+48,0 %), sodass die Preisschere zwischen Export- und Importpreisen sich öffnete. Der Exportpreis lag 2015 nur 7,5 % über dem Importpreis; 2025 betrug der Abstand bereits 18,2 %. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend günstigere Importprodukte abnahm, während sie im Gegenzug hochwertigere Erzeugnisse exportierte — oder dass die Herkunftsländer der Importe (insbesondere China) strukturell niedrigere Preise bieten.
1.3 Preisschocks und Volatilität
Die Volatilitätsanalyse ergab mehrere bemerkenswerte Preisschocks:
| Schockereignis | Typ | Richtung | Zeitpunkt | Abnormalität | Wertanteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Mexiko | Preis | Export | 2022 | 117,9 | 5,0 % |
| Algerien | Preis | Export | 2022 | 9,6 | 3,4 % |
| Vereinigtes Königreich | Preis | Export | 2019 | 7,5 | 35,2 % |
Der Preisschock bei den Exporten nach Mexiko im Jahr 2022 mit einer Abnormalität von 117,9 war der am stärksten ausgeprägte Einzelereignis. Gleichzeitig war die Lieferbeziehung mit dem Vereinigten Königreich — dem mit Abstand wichtigsten Exportpartner — bereits 2019 einem erheblichen Preisschock (Abnormalität 7,5) ausgesetzt, zeitlich zusammenfallend mit der Phase der Brexit-Unsicherheit. Der hohe Variationskoeffizient (CV) der Exporte in das Vereinigtes Königreich (0,43) sowie nach Indien (0,77) und die Ukraine (0,60) unterstreichen die Instabilität dieser Handelsbeziehungen.
2. Strukturelle Verschiebung: Vom Nettexporteur zum Nettimporteur
2.1 Einbruch des Handelsbilanzüberschusses
Die Handelsbilanz verschlechterte sich fundamental. Der Überschuss schrumpfte von 200 Mio. EUR (2015) auf 97 Mio. EUR (2025), ein Rückgang von 51,6 %. In absoluten Zahlen sank der Überschuss von 240 Mio. EUR (Maximum) auf einen Tiefpunkt von 91 Mio. EUR.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Handelsbilanz (Mio. EUR) | 200 | 97 | −51,6 % |
| Netto-Importabhängigkeit (%) | −10,4 | +2,5 | — |
| Handelsintensität (%) | 42,0 | 58,1 | +38,3 % |
| Exportneigung (%) | 30,0 | 40,2 | +33,8 % |
Besonders signifikant ist die Verschiebung der Netto-Importabhängigkeit von −10,4 % (2015) auf +2,5 % (2025). Negative Werte kennzeichnen einen Nettexporteur — die EU war also 2015 noch klar selbstversorgend. Der Übergang in den positiven Bereich markiert den Punkt, an dem die EU erstmals mehr Aluminiumguss importierte als exportierte. Die Handelsintensität stieg von 42 % auf 58 %, was bedeutet, dass der Außenhandel für diesen Markt anteilig deutlich wichtiger wurde.
2.2 Steigende Importkonzentration auf China
Auf der Importseite verfestigte sich China als dominierender Lieferant. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe verdoppelte sich nahezu — von 1.614 auf 3.196 (+98,0 %) — und signalisiert eine markante Konzentrationszunahme.
| Partnerland | Importwert 2015 (Mio. EUR) | Importwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 74 | 230 | +212,2 % |
| Türkei | 42 | 78 | +85,4 % |
| Vereinigtes Königreich | 18 | 20 | +8,5 % |
| Indien | 13 | 17 | +31,6 % |
| Tunesien | 6 | 8 | +38,8 % |
| Schweiz | 24 | 14 | −40,3 % |
| Malaysia | 4 | 5 | +14,3 % |
China stellte 2025 mit 230 Mio. EUR mehr als die Hälfte des gesamten EU-Importwerts dar. Dieses exponentielle Wachstum (+212 %) erklärt fast vollständig den Anstieg der Importkonzentration. Parallel dazu verlor die Schweiz als traditioneller Handelspartner an Bedeutung (−40,3 %). Die Türkei festigte ihre Position als zweitwichtigster Lieferant mit einem Plus von 85,4 %.
2.3 Diversifizierung der Exportmärkte
Im Gegensatz zur Importseite diversifizierten die EU-Exporte. Der HHI sank von 1.837 auf 1.074 (−41,5 %), was einer gleichmäßigeren Verteilung der Exportströme entspricht.
| Partnerland | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 160 | 98 | −38,3 % |
| Vereinigte Staaten | 65 | 115 | +77,6 % |
| Schweiz | 57 | 61 | +6,6 % |
| Russische Föderation | 21 | 2 | −90,0 % |
| Algerien | 8 | 20 | +165,5 % |
| China | 25 | 30 | +24,1 % |
| Serbien | 6 | 15 | +162,8 % |
Zwei gegenläufige Entwicklungen bestimmten die Exportlandschaft: Das Vereinigte Königreich — 2015 mit 160 Mio. EUR der mit Abstand wichtigste Abnehmer — verlor 38 % seines Importwerts aus der EU. Gleichzeitig stiegen die USA von 65 Mio. EUR auf 115 Mio. EUR (+77,6 %) zum wichtigsten Wachstumsmarkt auf. Der Export in die Russische Föderation brach um 90 % ein (von 21 Mio. EUR auf nur noch 2 Mio. EUR), was auf die nach 2022 verhängten Sanktionen zurückzuführen ist. Neue Wachstumsmärkte wie Algerien (+165,5 %) und Serbien (+162,8 %) kompensierten diese Verluste teilweise.
3. Produktionswachstum und regionale Spezialisierung innerhalb der EU
3.1 Deutliche Produktionsausweitung
Die EU-Produktion von Aluminiumgusserzeugnissen unter der zugeordneten Prodcom-Kategorie 25.99.29.55 verzeichnete ein außerordentliches Wachstum. Die Produktionsmenge stieg von rund 542 Mio. kg (2015) auf 14,7 Mrd. kg (2025), der Produktionswert von 2,48 Mrd. EUR auf 5,70 Mrd. EUR (+129,5 %).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Produktionsmenge (Mrd. kg) | 0,54 | 14,7 | +2.620 % |
| Produktionswert (Mrd. EUR) | 2,48 | 5,70 | +129,5 % |
Die enorme Diskrepanz zwischen dem Anstieg der Produktionsmenge (+2.620 %) und dem Produktionswertes (+129,5 %) legt nahe, dass die Datenlage hier durch methodische Anpassungen — etwa eine Erweiterung des Prodcom-Codes oder eine Revision der Erfassungsmethoden — beeinflusst sein könnte. Dennoch unterstreicht die Verdopplung des Produktionswertes ein reales Wachstum der europäischen Aluminiumgussindustrie.
3.2 Zentrale Rolle der großen EU-Volkswirtschaften
Betrachtet man die EU-Mitgliedstaaten als Importeure, dominieren Deutschland, Polen und Frankreich:
| Mitgliedstaat | Importe 2015 (Mio. EUR) | Importe 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 74 | 102 | +37,8 % |
| Polen | 33 | 47 | +41,5 % |
| Frankreich | 23 | 65 | +185,0 % |
| Niederlande | 9 | 22 | +161,8 % |
| Ungarn | 6 | 32 | +433,4 % |
| Rumänien | 15 | 25 | +65,5 % |
| Italien | 11 | 21 | +89,2 % |
Auffällig ist das Wachstum in Ungarn (+433 %) und Frankreich (+185 %). Ungarns Importe explodierten förmlich, was auf die expandierende Automobilindustrie und verstärkte Lieferkettenintegration in Mitteleuropa hindeuten könnte.
Auf der Exportseite blieben Deutschland (116 Mio. EUR), Italien (98 Mio. EUR) und Spanien (69 Mio. EUR) die führenden Exporteure, gefolgt von Frankreich (53 Mio. EUR) und Polen (46 Mio. EUR). Tschechien verzeichnete mit +127,3 % das stärkste relative Wachstum unter den bedeutenden Exporteuren.
3.3 Spezialisierungsmuster: Österreich und Italien führen
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt ein klares Muster: Österreich (RSCA: 0,529) und Italien (RSCA: 0,502) weisen die höchsten Spezialisierungsindizes auf, gefolgt von Kroatien, Portugal und Ungarn.
| Mitgliedstaat | RCA | RSCA | Anteil Produktion | Anteil Handel |
|---|---|---|---|---|
| Österreich | 3,24 | 0,529 | 10,7 % | 3,3 % |
| Italien | 3,01 | 0,502 | 24,1 % | 8,0 % |
| Kroatien | 2,29 | 0,392 | 0,9 % | 0,4 % |
| Portugal | 2,16 | 0,367 | 3,0 % | 1,4 % |
| Ungarn | 2,11 | 0,358 | 5,7 % | 2,7 % |
Italien produziert mit 24,1 % den größten Anteil der EU-weiten Menge und verfügt über eine ausgeprägte Spezialisierung — ein Spiegelbild der traditionsreichen italuminiumgussindustrie. Am unteren Ende der Skala stehen Irland (RSCA: −1,000) und Griechenland (RSCA: −0,979), die in diesem Segment praktisch keine nennenswerte Produktion aufweisen.
Fazit
Der EU-Markt für Aluminiumgusserzeugnisse (CN 76169910) durchlief zwischen 2015 und 2025 eine tiefgreifende Transformation auf mehreren Ebenen:
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Preisdominanz über Volumen: Sowohl Export- als auch Importwerte stiegen deutlich — getrieben vor allem durch steigende Preise (+35–48 %). Die EU exportierte zwar weniger Mengen, erzielte aber mehr Erlös, während die Importe sich sowohl in Preis als auch Volumen ausdehnten.
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Erosion des Handelsbilanzüberschusses: Der einst kräftige Überschuss von 200 Mio. EUR schmolz auf unter 100 Mio. EUR. Die EU wechselte 2025 erstmals in den Status eines leichten Nettimporteurs — ein historischer Wendepunkt, der die wachsende Abhängigkeit von Drittland-Lieferungen markiert.
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China als struktureller Machtfaktor: Mit einem Importanteil von über 50 % und einem Wachstum von 212 % hat China die Importlandschaft dominiert und die Konzentration verdoppelt. Dies birgt Abhängigkeitsrisiken, die in geopolitischen Krisenzeiten relevant werden. Die gleichzeitige Diversifizierung der Exportseite (HHI −41 %) kompensiert dieses Ungleichgewicht auf der Ausfuhrseite, verstärkt aber die Asymmetrie der Handelsströme.
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Schockresilienz und geopolitische Umbrüche: Preisschocks in Schlüsselmärkten (Mexiko, Algerien, Vereinigtes Königreich) und der Zusammenbruch des Russland-Handels (−90 %) zeigen die Verwundbarkeit einzelner Handelsbeziehungen. Die EU reagierte teilweise mit der Erschließung neuer Märkte, doch die Konzentration auf der Importseite blieb hoch.
Insgesamt deutet die Entwicklung darauf hin, dass der europäische Aluminiumgussmarkt zwar wertschöpfungsseitig robust blieb, strukturell jedoch in eine größere Abhängigkeit von Drittland-Importen — insbesondere aus China — geriet. Für politische Entscheidungsträger stellt sich die Frage, wie die Handelsresilienz gestärkt werden kann, ohne die offene Marktposition der EU aufzugeben.