Marktentwicklung: Aluminiumfolie (CN 76071190) — 2015–2025
Einleitung
Der CN-Code 76071190 erfasst Aluminiumfolien und dünne Bänder ohne Unterlage, die ausschließlich gewalzt wurden, mit einer Dicke von 0,021 mm bis 0,2 mm — ausgenommen Prägefolien und Christbaumschmuck. Dieses Produkt ist ein zentraler Werkstoff für die Verpackungsindustrie, die Automobilzulieferung, die Elektrotechnik sowie den Bau- und Energiesektor. Die EU gehört zu den weltweit führenden Produzentinnen und Exporteurinnen von Aluminiumfolie; gleichzeitig ist der Markt in hohem Maße mit Drittstaaten verflochten.
Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Betrachtung umfasst Exporte und Importe gegenüber Drittländern, Verschiebungen bei den wichtigsten Handelspartnern, strukturelle Marktkonzentration sowie Schockereignisse und Anfälligkeitsindikatoren. Die Daten zeigen eine Branche, die insgesamt robust gewachsen ist, dabei jedoch erhebliche strukturelle Umbrüche erfahren hat — sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite.
1. Preisgetriebenes Wachstum: EU-Exporte übersteigen die Milliardenschwelle im Produktionswert
Die EU-Aluminiumfolienindustrie hat zwischen 2015 und 2025 ein deutliches Wachstum verzeichnet — sowohl in der Produktion als auch im Außenhandel. Bemerkenswert ist dabei, dass die Werterholung und -steigerung überwiegend durch steigende Preise und weniger durch Mengenausbau getrieben wurde.
Die Produktion wächst moderat, der Produktionswert stark
Die inländische Produktion von Aluminiumfolie (Prodcom 24.42.25.00) entwickelte sich wie folgt:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Produktionsmenge (Mrd. kg) | 0,94 | 1,05 | +11,3 % |
| Produktionswert (Mrd. EUR) | 3,76 | 5,00 | +33,1 % |
Der Produktionswert stieg damit rund dreimal so stark wie die physische Menge — ein klares Signal dafür, dass die Aluminiumpreise und Veredelungskosten im Betrachtungszeitraum erheblich zugelegt haben.
EU-Exporte: Wert stärker als Volumen gestiegen
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 270,8 | 455,7 | +68,3 % |
| Exportmenge (t) | 87.899 | 103.013 | +17,2 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 3.080 | 4.423 | +43,6 % |
Die Exporte legten im Zeitraum um 68,3 % an Wert zu. Gut zwei Drittel dieses Anstiegs lassen sich auf den Preiseffekt (+43,6 %) zurückführen; die reine Mengenausdehnung betrug lediglich 17,2 %. Der maximale Exportwert wurde 2022 mit rund 511 Mio. EUR erreicht — in jenem Jahr, als die globalen Aluminium- und Energiepreise infolge der Energiekrise ihren Höhepunkt erreichten. Die Exportmenge hingegen erreichte mit rund 109.191 t ihr Maximum ebenfalls 2022, sank danach jedoch leicht ab.
EU-Importe: stärkeres Mengenwachstum als bei Exporten
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. EUR) | 129,1 | 230,9 | +78,9 % |
| Importmenge (t) | 40.498 | 57.901 | +43,0 % |
| Importpreis (EUR/t) | 3.187 | 3.988 | +25,1 % |
Die Importe wuchsen sowohl mengen- als auch wertmäßig stärker als die Exporte — ein Indiz dafür, dass die EU-Binnennachfrage nach Aluminiumfolie überproportional zulegte. Der Importpreis stieg mit +25,1 % jedoch weniger stark als der Exportpreis (+43,6 %), was auf unterschiedliche Preisbildungsmechanismen und Qualitätsmischungen bei den Importquellen hindeutet.
Die EU bleibt Nettexporteur, doch die Handelsbilanz schwankt
Der Saldo der Handelsbilanz blieb über den gesamten Zeitraum positiv, schwankte jedoch erheblich:
| Jahr | Handelssaldo (Mio. EUR) |
|---|---|
| 2015 | 141,7 |
| 2018 | ≈ 71,5 (Minimum) |
| 2022 | ≈ 109,2 |
| 2025 | 224,8 (Maximum) |
Der Saldo sank zwischen 2015 und 2018 deutlich auf rund 71,5 Mio. EUR, da die Importe in dieser Phase stärker wuchsen als die Exporte. Ab 2019 setzte eine Gegenbewegung ein, die sich 2025 mit einem Rekordüberschuss von 224,8 Mio. EUR fortsetzte. Die Netto-Importabhängigkeit verbesserte sich von −37,4 % (2015) auf −10,7 % (2025). Die EU ist und bleibt somit Nettexporteurin, allerdings hat sich der relative Überschuss verringert — ein Zeichen für die wachsende Integration des EU-Binnenmarktes in globale Lieferketten.
2. Verschiebung der Handelspartner: Türkei und Südostasien gewinnen, China verliert an Bedeutung
Die Struktur der wichtigsten Handelspartner hat sich zwischen 2015 und 2025 zum Teil erheblich verschoben. Besonders auffällig ist der Aufstieg der Türkei zur dominierenden Importquelle, der Bedeutungsverlust Chinas sowie das rasante Wachstum südostasiatischer Lieferanten.
Importpartner: Türkei übertrifft China als Hauptlieferant
| Partnerland | Importwert 2015 (Mio. EUR) | Importwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Türkei | 43,4 | 128,8 | +196,9 % |
| China | 36,3 | 25,2 | −30,5 % |
| Norwegen | 17,1 | 22,7 | +33,0 % |
| Malaysia | 0,18 | 11,3 | +6.211,9 % |
| Japan | 21,0 | 15,7 | −25,5 % |
| Armenien | 0,06 | 0,46 | +709,3 % |
| Russische Föderation | 0,32 | 0,36 | +12,9 % |
Die Türkei hat sich im Betrachtungszeitraum zum mit Abstand wichtigsten Importpartner der EU entwickelt. Mit einem Importwert von 128,8 Mio. EUR im Jahr 2025 lag sie weit vor China (25,2 Mio. EUR). Die türkische Aluminiumindustrie profitiert von niedrigeren Energiekosten, geografischer Nähe zur EU sowie bestehenden Zollpräferenzen. Der maximale Importwert aus der Türkei wurde 2022 mit rund 158,7 Mio. EUR erreicht.
China hingegen verlor deutlich an Boden. Nach einem Höchststand von rund 124,0 Mio. EUR (vermutlich im Zeitraum 2021/2022) sanken die Importe auf 25,2 Mio. EUR. Diese Entwicklung dürfte mit den EU-Handelsschutzmaßnahmen (Antidumpingzölle auf chinesische Aluminiumfolie) zusammenhängen, die seit 2021 gelten und die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Lieferungen erheblich einschränken.
Malaysia verzeichnete das mit Abstand prozentual stärkste Wachstum (+6.211,9 %). Der Importwert stieg von lediglich 180.000 EUR auf 11,3 Mio. EUR. Dieses rasante Wachstum deutet darauf hin, dass Malaysia — möglicherweise auch als Umgehungspunkt für chinesische Ware — zunehmend als Lieferant für den EU-Markt fungiert.
Norwegen blieb als EFTA-Partner mit 22,7 Mio. EUR ein stabiler Zulieferer (+33,0 %), profitiert von der Zollfreiheit innerhalb des EWR und der Nähe zu skandinavischen Verarbeitern.
Exportpartner: Nordamerika als stärkstes Wachstumsfeld
| Partnerland | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Schweiz | 76,4 | 126,2 | +65,1 % |
| Vereinigte Staaten | 42,2 | 135,3 | +220,4 % |
| Vereinigtes Königreich | 53,7 | 54,4 | +1,4 % |
| Kanada | 16,3 | 59,7 | +267,0 % |
| Türkei | 7,5 | 14,9 | +97,3 % |
| Serbien | 5,2 | 13,8 | +165,3 % |
| Algerien | 5,3 | 8,8 | +65,3 % |
Die Schweiz blieb mit 126,2 Mio. EUR der größte einzelne Exportmarkt der EU — erwartbar angesichts der engen Wirtschaftsverflechtung und des bilateralen Freihandelsabkommens.
Die mit Abstand dynamischste Entwicklung verzeichneten die Vereinigten Staaten: Der Exportwert vervierfachte sich nahezu auf 135,3 Mio. EUR (+220,4 %). Die USA sind damit von Platz drei (2015) zum wichtigsten Exportmarkt der EU aufgestiegen. Diese Entwicklung spiegelt die steigende US-Nachfrage nach hochwertiger europäischer Aluminiumfolie wider, verstärkt durch Handelsverschiebungen infolge der US-Sanktionen gegen russische Lieferungen und der gestiegenen Qualitätsanforderungen.
Kanada verzeichnete das stärkste prozentuale Wachstum aller Exportpartner (+267,0 %) und erreichte 59,7 Mio. EUR. Auch hier dürften Umstrukturierungen der nordamerikanischen Lieferketten eine Rolle spielen.
Das Vereinigte Königreich stagnierte hingegen praktisch bei 54,4 Mio. EUR (+1,4 %) — möglicherweise eine Folge des Brexits und der damit verbundenen neuen Handelsbarrieren.
Die EU-Länder als Produzenten: Deutschland und Italien führen
Innerhalb der EU konzentriert sich die Aluminiumfolienproduktion auf wenige Kernländer:
| EU-Mitgliedstaat | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 90,6 | 152,6 | +68,4 % |
| Italien | 57,7 | 123,0 | +113,0 % |
| Griechenland | 31,9 | 45,6 | +43,0 % |
| Schweden | 31,1 | 40,0 | +28,8 % |
| Slowenien | 12,4 | 27,9 | +125,5 % |
Deutschland und Italien sind die unangeführten Produktions- und Exporthubs der EU. Italien verzeichnete mit +113,0 % das stärkste Wachstum unter den großen Produzenten und näherte sich damit dem deutschen Niveau an. Griechenland und Slowenien sind aufgrund ihrer hohen Spezialisierungsindizes (RSCA von 0,94 bzw. 0,82) besonders stark auf Aluminiumfolie als Exportprodukt ausgerichtet, auch wenn ihr absoluter Anteil am EU-Gesamtexport kleiner ist.
3. Wachsende Konzentration und preisgetriebene Schocks im Jahr 2022
Neben den Mengen- und Strukturverschiebungen zeigt die Analyse zwei weitere bedeutsame Dynamiken: eine zunehmende Konzentration der Importseite sowie das Auftreten erheblicher Preisschocks, insbesondere im Jahr 2022.
Importkonzentration nimmt deutlich zu
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) misst die Konzentration der Importquellen:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI Importe (Wert) | 2.373 | 3.431 | +44,6 % |
| HHI Importe (Volumen) | 2.739 | 3.746 | +36,7 % |
| HHI Exporte (Wert) | 1.597 | 1.996 | +25,0 % |
| HHI Exporte (Volumen) | 1.710 | 1.965 | +14,9 % |
Der HHI der Importe nach Wert stieg von 2.373 auf 3.431 — ein Anstieg um 44,6 %. Ein HHI über 2.500 gilt gemeinhin als hochkonzentriert; der aktuelle Wert von 3.431 signalisiert eine erhebliche Abhängigkeit der EU von wenigen Importquellen. Dies ist vor allem auf den Aufstieg der Türkei zurückzuführen, die 2025 allein mehr als die Hälfte der EU-Importe nach Wert stellte.
Die Exportkonzentration ist ebenfalls gestiegen (+25,0 %), jedoch auf einem niedrigeren Niveau (HHI 1.996), was auf eine breitere Streuung der Exportmärkte hindeutet.
Preisschocks 2022: Energiekrise schlägt auf den Markt durch
Die Schockanalyse identifizierte mehrere signifikante Preisereignisse im Jahr 2022:
| Handelsstrom | Partner | Abnormalität | Preissprung | Anteil am Gesamtwert |
|---|---|---|---|---|
| Exporte | Kanada | 18,2 | +68,3 % | 6,9 % |
| Exporte | Türkei | 6,5 | +48,9 % | 4,0 % |
| Importe | Norwegen | 4,8 | +51,6 % | 12,5 % |
Diese Preisschocks fallen in die Zeit der europäischen Energiekrise 2022, die durch den russischen Überfall auf die Ukraine und die nachfolgenden Gasknappheiten ausgelöst wurde. Aluminium ist ein energieintensives Produkt; die Verhüttung und Weiterverarbeitung erfordern erhebliche Mengen an Strom und Erdgas. Die Preissprünge bei den Exporten nach Kanada (+68,3 %) und in die Türkei (+48,9 %) sowie bei den Importen aus Norwegen (+51,6 %) spiegeln die Durchschlagseffekte gestiegener Energiekosten wider.
Volatilität variiert stark je nach Partner
Der Variationskoeffizient (CV) als Maß für die Schwankungsintensität der Handelswerte zeigt ein differenziertes Bild:
| Partnerschaft | CV (Importe) | Partnerschaft | CV (Exporte) |
|---|---|---|---|
| Türkei | 0,21 | Schweiz | 0,06 |
| Norwegen | 0,37 | Vereinigtes Königreich | 0,17 |
| China | 0,46 | Algerien | 0,20 |
| Malaysia | 0,53 | Vereinigte Staaten | 0,25 |
| Russische Föderation | 0,60 | Türkei | 0,29 |
| Japan | 0,70 | Serbien | 0,31 |
| Armenien | 1,39 | Brasilien | 0,42 |
Auf der Exportseite ist die Schweiz der stabilste Handelspartner (CV 0,06), was die Funktion der Schweiz als zuverlässigen Dauerkunden der EU-Aluminiumfolie unterstreicht. Die Vereinigten Staaten weisen trotz des enormen Wachstums eine moderate Volatilität auf (CV 0,25), was auf ein breit diversifiziertes und wachsendes Geschäft hindeutet.
Auf der Importseite sind die etablierten Lieferanten relativ stabil (Türkei CV 0,21; Norwegen CV 0,37), während kleinere und neuere Partner wie Armenien (CV 1,39) eine sehr hohe Schwankungsintensität aufweisen — ein typisches Muster für Nischenlieferanten mit sporadischen Lieferungen.
Spezialisierung: Griechenland und Slowenien als Nischenführer
Die Spezialisierungsanalyse (RSCA-Index, 2025) zeigt, dass die Aluminiumfolienproduktion innerhalb der EU stark ungleich verteilt ist:
| EU-Mitgliedstaat | RSCA | RCA | Anteil an EU-Produktion |
|---|---|---|---|
| Griechenland | 0,94 | 31,0 | 20,9 % |
| Slowenien | 0,82 | 9,9 | 9,9 % |
| Bulgarien | 0,79 | 8,6 | 5,4 % |
| Schweden | 0,57 | 3,7 | 8,8 % |
| Italien | 0,23 | 1,6 | 12,7 % |
| Deutschland | — | — | — |
Griechenland und Slowenien sind die am stärksten spezialisierten EU-Länder; Aluminiumfolie macht dort jeweils rund 21 % bzw. 10 % der gesamten Produktion aus. Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Länder wie Irland (RSCA −0,99), Rumänien (−0,99) und Litauen (−0,99), die praktisch keine Aluminiumfolie produzieren.
Fazit
Die EU-Aluminiumfolienindustrie (CN 76071190) hat sich zwischen 2015 und 2025 als wachstumsstark erwiesen. Der Handelswert stieg sowohl bei Exporten (+68,3 %) als auch bei Importen (+78,9 %) erheblich, wobei steigende Preise — verstärkt durch die Energiekrise 2022 — der wichtigste Treiber waren. Die EU blieb durchgehend Nettexporteurin, auch wenn sich der Überschuss im Verhältnis zur Gesamthandelsintensität verringerte.
Strukturell hat sich die Zusammensetzung der Handelspartner signifikant verschoben. Die Türkei hat China als wichtigste Importquelle abgelöst, während die USA und Kanada zu den dynamischsten Exportmärkten aufstiegen. Parallel dazu hat sich die Importseite stärker konzentriert (HHI +44,6 %), was die EU potenziell anfälliger für Lieferunterbrechungen aus einzelnen Quellländern macht.
Das Jahr 2022 markierte einen Wendepunkt: Die europäische Energiekrise führte zu erheblichen Preissprüngen in mehreren Handelsbeziehungen und unterstrich die Sensibilität der aluminiumintensiven Folienproduktion gegenüber Energiepreisschwankungen. Die anschließende Entspannung (2023–2025) brachte zwar eine Normalisierung der Preise, aber auch eine leichte Korrektur der Handelsmengen.
Für die Zukunft sind drei Entwicklungen besonders relevant: erstens die weitere Ausgestaltung der EU-Handelsschutzmaßnahmen gegenüber China; zweitens die Frage, ob das rasante Wachstum südostasiatischer Lieferanten (insbesondere Malaysias) auf nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit oder auf Handlumlenkungseffekten beruht; und drittens die Resilienz der europäischen Produktion angesichts anhaltend hoher Energiekosten im Vergleich zu türkischen und asiatischen Wettbewerbern.