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Marktentwicklung: Zink in Rohform, nichtlegiert, mit einem Zinkgehalt von >= 99,99 GHT (CN 790111) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht untersucht die Entwicklung des EU-Außenhandels mit hochreinem Rohzink (CN 790111) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Analyse basiert auf den verfügbaren Handels- und Produktionsdaten der EU und beleuchtet die wichtigsten strukturellen Veränderungen, Partnerländer-Verschiebungen sowie auftretende Preisschocks. Die Periode ist von einer bemerkenswerten Transformation geprägt: Die EU hat sich von einem moderaten Nettoimporteur zu einem erheblichen Nettoexporteur entwickelt, verbunden mit einer deutlichen Diversifizierung der Exportmärkte und einer gleichzeitigen Konzentration der Importquellen.

Detaillierte Handelsübersichten und Zeitreihen finden sich im Trade Dashboard.


1. Von Nettoimporteur zu Nettoexporteur: Strukturelle Wende im EU-Zinkhandel

1.1 Exporte wachsen dynamischer als Importe

Im untersuchten Zeitraum hat sich das EU-Handelsvolumen mit Drittländern bei CN 790111 erheblich verändert. Die Exporte entwickelten sich dabei deutlich dynamischer als die Importe:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 469,6 Mio. € 849,6 Mio. € +80,9 %
Exportmenge 255.399 t 324.677 t +27,1 %
Exportpreis 1.839 €/t 2.617 €/t +42,3 %
Importwert 249,6 Mio. € 280,0 Mio. € +12,2 %
Importmenge 125.129 t 100.771 t −19,5 %
Importpreis 1.994 €/t 2.778 €/t +39,3 %

Quelle: Handelsübersicht

Während die Exporte sowohl mengen- als auch wertseitig zulegten, sank die Importmenge um fast ein Fünftel. Die Preise stiegen auf beiden Seiten des Handels — ein Ausdruck globaler Rohstoffpreisinflation, insbesondere im Zuge der Energiekrise 2022.

1.2 Handelsbilanz und Nettoimportabhängigkeit

Die Handelsbilanz der EU bei CN 790111 verbesserte sich von einem Überschuss von 220,1 Mio. € (2015) auf 569,6 Mio. € (2025), was einer Steigerung von 158,9 % entspricht. In Spitzenjahren wie 2018 (894,6 Mio. € Exportwert vs. 379,5 Mio. € Importwert) und 2024 (1.069,5 Mio. € vs. 289,6 Mio. €) betrug der Überschuss über 500 Mio. €.

Besonders signifikant ist die Entwicklung der Nettoimportabhängigkeit:

Jahr Nettoimport-abhängigkeit
2015 −1,7 %
2016 +10,0 %
2017 −1,1 %
2018 −9,0 %
2019 −10,7 %
2020 −13,2 %
2021 −5,8 %
2022 +20,6 %
2023 +0,1 %
2024 −38,4 %

Ein negativer Wert bedeutet, dass die EU Nettoexporteur ist. Abgesehen von den Jahren 2016 und 2022 — in denen temporäre Importanstiege (u. a. durch Kazachstan und India-Lieferungen) die Bilanz drehten — hat sich die EU kontinuierlich als Nettoexporteur etabliert. Im Jahr 2024 erreichte die Nettoimportabhängigkeit mit −38,4 % ihren niedrigsten Wert im gesamten Zeitraum.

1.3 Steigende Exportquote bei stabiler inländischer Produktion

Die EU-Produktion von Rohzink (alle Typen, Prodcom 24.43.12.30) lag mengenmäßig relativ stabil bei rund 1,6–1,8 Mrd. kg im Zeitraum 2015–2024 (Produktionsvolumen). Die Exportquote stieg jedoch drastisch an:

Jahr Exportquote (%)
2015 20,1 %
2018 29,0 %
2020 25,2 %
2022 15,9 %
2024 47,5 %

Die Exportquote hat sich damit mehr als verdoppelt. Dies deutet darauf hin, dass die EU trotz weitgehend stabiler Produktionsmengen einen wachsenden Anteil ihres hochreinen Zinks auf Drittmärkte absetzt. Die Handelsintensität (Exporte + Importe als Anteil der Produktion) stieg von 30,8 % (2015) auf 56,2 % (2024) — ein Zeichen zunehmender internationaler Verflechtung des EU-Zinksektors.


2. Umstrukturierung der Handelspartnerschaften: Diversifizierung der Exportmärkte, Konzentration der Importquellen

2.1 Exporte: Neuausrichtung auf Türkei, Nahost und Südostasien

Die Exportpartner der EU haben sich im Betrachtungszeitraum erheblich verschoben. Die Top-Exportpartner nach Werten zeigen folgende Dynamik:

Partnerland 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Türkei 50,2 215,5 +328,9 %
USA 189,4 3,7 −98,0 %
Ägypten 25,4 80,0 +214,6 %
Singapur 0,2 80,5 +51.652,8 %
VAE 13,8 61,7 +345,9 %
UK 39,6 29,8 −24,9 %
China 0,2 2,9 +1.180,1 %

Quelle: Top-Partner

Drei Entwicklungen stechen hervor:

  1. Die Türkei ist zum mit Abstand wichtigsten Exportmarkt aufgestiegen (von 50,2 auf 215,5 Mio. €) und hat die USA als Hauptabnehmer abgelöst. Die Lieferungen nach Türkiye stiegen mengenmäßig von 26.124 t (2015) auf 83.677 t (2025).

  2. Die USA verloren ihre dominante Stellung: von 189,4 Mio. € (2015) auf nur noch 3,7 Mio. € (2025). Bereits 2016 brachen die Lieferungen auf 0,7 Mio. € ein und erholten sich nur kurzfristig. Dies kann mit Handelspolitik, Zöllen oder veränderten Bezugsquellen der US-Industrie zusammenhängen.

  3. Singapur und die VAE entwickelten sich zu bedeutenden Umschlagplätzen und Abnehmern. Singapur war 2015 praktisch irrelevant (0,2 Mio. €), nahm 2023–2024 aber Lieferungen im Wert von 191,8 bzw. 259,2 Mio. € ab — was auf eine Rolle als asiatischer Handelsknotenpunkt hindeutet.

Die Exportkonzentration (HHI) sank von 1.952 (2015) auf 1.010 (2025), was eine deutliche Diversifizierung der Absatzmärkte bedeutet (Konzentrationsanalyse).

2.2 Importe: Konzentration auf Norwegen und Peru, Rückgang traditioneller Quellen

Auf der Importseite vollzog sich eine gegenläufige Entwicklung — die Quellen wurden konzentrierter:

Herkunftsland 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Norwegen 42,1 138,0 +228,0 %
Peru 34,9 120,5 +245,5 %
Namibia 83,8 0,6 −99,3 %
Kasachstan 3,5 3,4 −4,1 %
Mexiko 20,1 8,1 −59,7 %
Indien 2,0 1,3 −33,6 %
UK 46,7 0,2 −99,7 %

Quelle: Top-Partner

Norwegen und Peru sind die beiden dominanten Importquellen geworden, mit zusammen 258,5 Mio. € im Jahr 2025 (rd. 92 % des Gesamtimportwerts). Norwegen profitiert dabei von geographischer Nähe und etablierten Lieferbeziehungen, Peru von seinen reichen Zinkvorkommen.

Demgegenüber brachen die Lieferungen aus Namibia (von 83,8 Mio. € auf 0,6 Mio. €) und dem Vereinigten Königreich (von 46,7 Mio. € auf 0,2 Mio. €) ein. Der Rückgang der UK-Lieferungen korreliert klar mit dem Brexit und den damit verbändten Handelsbarrieren. Namibia verlor seine Stellung möglicherweise durch Minen- oder Produktionsprobleme.

Der HHI für Importe stieg von 2.101 (2015) auf 4.297 (2025) — eine Verdopplung, die auf eine steigende Abhängigkeit von wenigen Lieferanten hindeutet (Konzentrationsanalyse). Obwohl die EU insgesamt Nettoexporteur ist, besteht bei den verbleibenden Importen ein Konzentrationsrisiko.

2.3 Innerhalb der EU: Spanien dominiert den Export, Niederlande den Import

Betrachtet man die EU-Mitgliedstaaten als Reporter, zeigt sich eine klare Spezialisierung:

EU-Land Rolle Export 2025 (Mio. €) Import 2025 (Mio. €)
Spanien Exporteur Nr. 1 565,4 15,3
Belgien Export + Import 123,2 53,5
Bulgarien Exporteur 62,3
Niederlande Import + Export 35,4 139,6
Deutschland Import + Export 30,9 6,6
Italien Importeur 1,5 44,3

Spanien exportierte 2025 Zink im Wert von 565,4 Mio. € und dominiert damit den EU-Export (rd. 67 % des Gesamtwerts). Im Spezialisierungs-RSCA-Index weist Spanien einen Wert von 0,30 auf, Finnland sogar 0,86 und Bulgarien 0,68 (Spezialisierungsanalyse).

Die Niederlande fungieren als Handelsdrehscheibe: Sie sind mit 139,6 Mio. € größter EU-Importeur und gleichzeitig relevanter Exporteur (35,4 Mio. €). Belgien hat eine ähnliche Doppelfunktion, mit starkem Exportwachstum (+153,7 %).


3. Preisschocks, Volatilität und geopolitische Einflüsse

3.1 Das Jahr 2022 als Wendepunkt: Energiekrise und Preisspitzen

Das Jahr 2022 markiert einen deutlichen Einschnitt im EU-Zinkhandel. Die EU-Energiekrise im Gefolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine trieb die Zinkpreise weltweit in die Höhe — Zinkproduktion ist energieintensiv. Die Daten zeigen bei mehreren Handelspartnern extreme Preisschocks in 2022 (Preisschocks):

Partner Fluss Preisschock 2022 (Abnormalität) Preisabweichung vs. Basis
China Export 32,2 +140,5 %
Brasilien Export 22,5 +177,7 %
Singapur Export 12,9 +80,8 %
VAE Export 9,7 +125,0 %
Saudi-Arabien Export 4,5 +66,3 %

Auffällig ist, dass die Preisspitzen bei Exporten oft mit drastischen Mengeneinbrüchen einhergingen. So sanken die EU-Exporte nach China 2022 auf lediglich 1,87 t (bei einem durchschnittlichen Preis von 5.302 €/t), nach VAE auf 10,76 t und nach Saudi-Arabien auf 31,29 t. Dies deutet darauf hin, dass die EU-Produzenten angesichts hoher Energiekosten die Exporte drosselten und verbleibende Lieferungen nur zu stark erhöhten Preisen erfolgten.

3.2 Die Importseite: Indien als Extremfall

Der spektakulärste Einzel-Schock trat 2020 bei Importen aus Indien auf: Der Preis stieg auf 51.000 €/t bei einer Menge von praktisch null Tonnen (Abnormalität: 81,8). Dies dürfte sich um eine Kleinstlieferung oder eine Sondersituation handeln, die keinen strukturellen Einfluss hatte. Interessanterweise exportierte Indien 2022 mit 415,1 Mio. € den höchsten Wert aller Importpartner — ein Anstieg, der mit der Importkonzentration in diesem Jahr zusammenhängt (Volatilitätsanalyse).

Kasachstan zeigt ebenfalls extreme Schwankungen (Variationskoeffizient: 1,18): Nach einem Einbruch 2019–2020 (111 bzw. 106 t) stiegen die Lieferungen 2022 sprunghaft auf 59.778 t an, bevor sie 2024 wieder auf 1.299 t fielen.

3.3 Geringe Volatilität bei Kernpartnern, hohe bei peripheren Handelsbeziehungen

Die Volatilitätsanalyse zeigt ein klares Muster: Partnerschaften mit langfristigen Handelsbeziehungen weisen eine geringe Schwankung auf, während periphere oder neue Handelsverbindungen stark schwanken.

Kategorie Beispiele Variationskoeffizient (Menge)
Stabile Importe Norwegen (0,30), Peru (0,40), Mexiko (0,40) 0,3–0,4
Instabile Importe Indien (2,67), Japan (2,13), Korea (1,66) >1,5
Stabile Exporte Serbien (0,18), Algerien (0,35), Marokko (0,31) <0,4
Instabile Exporte China (2,01), Singapur (1,85), USA (1,48) >1,4

Insbesondere die Exporte nach China und Singapur sind durch extreme Sprünge gekennzeichnet — ein Hinweis darauf, dass es sich hier um sporadische Großtransaktionen oder Umschlaggeschäfte handelt, nicht um gleichmäßige Handelsströme.


Schlussfolgerung

Der EU-Zinkmarkt (CN 790111) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental gewandelt:

  1. Die EU ist ein gewachsener Nettoexporteur. Mit einer Nettoimportabhängigkeit von −38,4 % (2024) und einer Exportquote von 47,5 % setzt die EU einen wachsenden Teil ihrer Produktion auf Weltmärkten ab, bei gleichzeitig weitgehend stabiler inländischer Produktion.

  2. Die Exportlandschaft hat sich radikal verändert. Die Türkei, Ägypten, Singapur und die VAE haben die USA als wichtigsten Exportmarkt abgelöst. Die Exportkonzentration ist gesunken — die EU ist weniger abhängig von einzelnen Absatzmärkten geworden.

  3. Die Importquellen haben sich konzentriert. Norwegen und Peru dominieren die Zufuhr, während traditionelle Lieferanten wie Namibia und das Vereinigte Königreich an Bedeutung verloren haben. Die Importkonzentration (HHI) hat sich verdoppelt — ein potenzielles Lieferkettenrisiko.

  4. Das Jahr 2022 war ein Krisenjahr. Die Energiekrise führte zu Preisspitzen bei vielen Handelspartnern und temporären Handelsverschiebungen. Die EU-Lieferungen in mehrere Märkte brachen mengenmäßige ein, während die Preise stiegen.

  5. Spanien ist der unbestrittene Exportmotor der EU, gefolgt von Belgien und Bulgarien. Die Niederlande und Italien sind die wichtigsten Importeure innerhalb der EU.

Für die Zukunft ist die steigende Importkonzentration ein Überwachungspunkt, insbesondere angesichts geopolitischer Unsicherheiten. Gleichzeitig bietet die Exportdiversifizierung der EU eine gewisse Resilienz gegenüber Absatzmarktrisiken.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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