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Marktentwicklung: Zigaretten, Tabak enthaltend (CN 240220) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Segment Zigaretten, Tabak enthaltend (CN 240220) für den Zeitraum 2015 bis 2025. Der CN-Code 240220 umfasst sowohl Nelkenzigaretten (24022010) als auch herkömmliche Tabakzigaretten (24022090), wobei letztere den weit überwiegenden Teil des Handelsvolumens ausmachen. Die EU ist bei Zigaretten grundsätzlich ein Nettoexporteur, doch die vergangene Dekade war von tiefgreifenden Strukturveränderungen geprägt: fallende Exportvolumina, steigende Preise, eine massive Neuausrichtung der Handelspartner sowie ein langfristiger Rückgang der inländischen Produktion. Die folgenden Abschnitte beleuchten die wichtigsten Dynamiken und ihre wahrscheinlichen Ursachen.

Überblick der Handelsentwicklung


1. Volumenrückgang und Preissteigerung: Weniger Zigaretten, höherer Stückwert

1.1 Die EU exportiert deutlich weniger Zigarettenmengen

Der auffälligste Trend im gesamten Zeitraum ist der dramatische Rückgang der Exportmengen. Die exportierte Menge sank von 138.497 Tonnen im Jahr 2015 auf 79.163 Tonnen im Jahr 2025 — ein Rückgang von 42,8 %. Die Exporte erreichten ihren Tiefpunkt mit 69.557 Tonnen im Jahr 2021, bevor sie sich in den Folgejahren leicht erholten. Trotz dieses Mengenrückgangs blieb der Exportwert mit 2,11 Mrd. EUR (2025) relativ stabil — einzig weil die durchschnittlichen Exportpreise im selben Zeitraum um 45,4 % stiegen (von 18.344 EUR/t auf 26.667 EUR/t).

Indikator 2015 2021 (Tiefpunkt) 2025 Veränderung 2015→2025
Exportwert (Mrd. EUR) 2,54 1,26 2,11 −16,9 %
Exportmenge (t) 138.497 69.557 79.163 −42,8 %
Exportpreis (EUR/t) 18.344 18.066 26.667 +45,4 %

Handelsentwicklung

1.2 Die EU-Produktion im Zigarettenbereich schrumpft langfristig

Der Rückgang der Exporte spiegelt sich in der inländischen Produktion wider. Die EU-Produktion an Zigaretten fiel volumenmäßig von 801,7 Mrd. Stück (2003) auf 525,5 Mrd. Stück (2024) — ein Rückgang von 34,5 % seit 2003. Noch deutlicher ist der Rückgang des Produktionswerts, der um 65,4 % sank (von 14,8 Mrd. EUR auf 5,1 Mrd. EUR). Dies deutet auf eine fundamentale Transformation der Tabakindustrie in der EU hin, die durch strengere Regulierung, sinkende Raucherquoten und Verlagerung von Produktionsstandorten in Drittländer getrieben wird.

Produktionsindikator 2003 2015 2024 Veränderung 2015→2024
Produktionsmenge (Mrd. Stück) 801,7 532,9 525,5 −1,4 %
Produktionswert (Mrd. EUR) 14,8 5,7 5,1 −10,6 %
Produktionspreis (EUR/Stück) 0,0185 0,0108 0,0097 −9,6 %

Die Produktion hat sich mengenmäßig seit 2020 bei rund 490–525 Mrd. Stück stabilisiert, nachdem der stärkste Rückgang in den 2010er-Jahren stattfand. Der kontinuierliche Rückgang des Produktionspreises steht im Gegensatz zu den steigenden Exportpreisen, was darauf hindeutet, dass sich die EU-Exporte zunehmend auf hochwertigere Markenprodukte konzentrieren.

Produktionsvolumen

1.3 Die Importe wachsen von einem niedrigen Niveau aus

Im Gegensatz zu den Exporten sind die EU-Importe gestiegen. Der Importwert erhöhte sich von 145,9 Mio. EUR (2015) auf 219,7 Mio. EUR (2025), was einem Zuwachs von 50,6 % entspricht. Die importierte Menge stieg um 15,4 % (von 8.036 t auf 9.272 t), wobei auch hier die Preise (+30,5 %) einen erheblichen Teil der Wertsteigerung erklären. Dennoch bleiben die Importe nur etwa ein Zehntel des Exportwerts: Der EU-Handelsbilanzüberschuss betrug 2025 rund 1,89 Mrd. EUR.

Handelsstrom 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. EUR) 2,54 2,11 −16,9 %
Importwert (Mio. EUR) 145,9 219,7 +50,6 %
Handelsbilanz (Mrd. EUR) 2,39 1,89 −21,0 %
Nettoimportabhängigkeit (%) −2,8 −61,3 Verschärfung

Die Nettoimportabhängigkeit verschärfte sich signifikant: Von −2,8 % im Jahr 2015 auf −61,3 % im Jahr 2025, was bedeutet, dass die EU auch mengenmäßig weiterhin ein erheblicher Nettoexporteur ist, aber die relative Exportquote gegenüber der eigenen Produktion stark gestiegen ist. Die Exportneigung erhöhte sich von 5,9 % (2015) auf 40,8 % (2025).


2. Geopolitische Umwälzung: Brexit, Nahost-Rückgang und Aufstieg der Balkanroute

2.1 Brexit verändert die Importlandschaft radikal

Die bemerkenswerteste Handelspartner-Veränderung im Zeitraum ist das Verschwinden des Vereinigten Königreichs als Importquelle. 2015 importierte die EU Zigaretten im Wert von 113,0 Mio. EUR aus dem UK — dies machte mehr als drei Viertel aller EU-Importe aus. Bereits 2021 sank dieser Wert auf 1,6 Mio. EUR, und 2025 lag er bei nur noch 0,7 Mio. EUR (−99,4 %). Der Austritt des UK aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion führte zu einer vollständigen Neuordnung der Importströme.

Importquelle 2015 (Mio. EUR) 2021 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 113,0 1,6 0,7 −99,4 %
Türkei 8,5 36,4 98,8 +1.061 %
Serbien 1,8 14,7 90,4 +5.064 %
Nordmazedonien 2,0 0,005 15,2 +648 %
Russland 5,7 0,06 0,003 −99,9 %

Top-Importpartner nach Wert

2.2 Türkei und Serbien füllen die Lücke als Importpartner

Wo das UK wegfiel, traten die Türkei und Serbien als neue Hauptlieferanten auf. Die türkischen Importe stiegen von 8,5 Mio. EUR (2015) auf 98,8 Mio. EUR (2025), serbische Importe von 1,8 Mio. EUR auf 90,4 Mio. EUR. Zusammen machten diese beiden Länder 2025 bereits 86 % aller EU-Importe aus. Parallel dazu sind auch die Importe aus Nordmazedonien stark angestiegen (von 2,0 Mio. EUR auf 15,2 Mio. EUR). Diese Entwicklung spiegelt die zunehmende Integration westbalkanischer und türkischer Tabakproduzenten in die europäische Lieferkette wider. Ein bedeutender Teil dieser Importe dürfte über Rumänien und Österreich in die EU gelangen.

Die Konkonzentrationsindizes (HHI) bei den Importen bestätigen diesen Strukturwandel: Der HHI sank von 6.081 (2015) — als das UK dominierte — auf 4.063 (2025), als die Importe sich auf mehrere Balkanländer verteilten. Die Konzentration der Exporte verringerte sich ebenfalls von 1.135 auf 557, was auf eine zunehmende Diversifizierung der Absatzmärkte hindeutet.

2.3 Rückgang der Nahost-Exporte und Verschiebung in neue Märkte

Auf der Exportseite ist der stärkste Einbruch in den traditionellen Nahost-Märkten zu beobachten. Saudi-Arabien, einst der größte Einzelabnehmer mit 678,6 Mio. EUR (2015), importierte 2025 nur noch 137,2 Mio. EUR (−79,8 %). Die Vereinigten Arabischen Emirate sanken von 298,0 Mio. EUR auf 71,2 Mio. EUR (−76,1 %), Japan von 76,2 Mio. EUR auf 3,0 Mio. EUR (−96,1 %). Diese Rückgänge sind wahrscheinlich auf lokale Produktionsausbau, strengere Importregulierungen und steigende E-Zigaretten-Nutzung in diesen Ländern zurückzuführen.

Gleichzeitig sind neue Märkte gewachsen. Russland wurde mit 118,4 Mio. EUR zum zweitwichtigsten Exportpartner (2025), nachdem die Exporte von 35,4 Mio. EUR (2015) um 234,2 % stiegen. Libya blieb mit 93,0 Mio. EUR ein stabiler Abnehmer. Auch Albanien und Kosovo entwickelten sich als konsistente Absatzmärkte im Westbalkan.

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 251,6 266,7 +6,0 %
Saudi-Arabien 678,6 137,2 −79,8 %
VAE 298,0 71,2 −76,1 %
Libyen 94,2 93,0 −1,3 %
Japan 76,2 3,0 −96,1 %
Russland 35,4 118,4 +234,2 %
Kuwait 87,4 39,8 −54,5 %
Sonstige 1.019,1 1.381,7 +35,6 %

Top-Exportpartner nach Wert

2.4 Preischocks und Handelsvolatilität bei Schlüsselpartnern

Die Analyse der Handelsvolatilität zeigt, dass bestimmte Partner deutlich höhere Schwankungen aufweisen als andere. Bei den Exporten war Japan mit einem Variationskoeffizienten (CV) von 1,09 der volatilste Partner, gefolgt von den VAE (0,78) und Saudi-Arabien (0,65). Bei den Importen weisen Nordmazedonien (CV 1,35), die Russische Föderation (1,25) und das UK (1,24) die höchste Volatilität auf.

Volatilitätsanalyse

Drei bemerkenswerte Preischocks wurden im Export identifiziert:

  1. Japan 2018: Der Exportpreis stieg um 154,3 % gegenüber der Baseline, bei gleichzeitigem Rückgang der Mengen auf 85 % des Baseline-Niveaus. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu hochwertigen Spezialmarken hin, bevor der Handel danach weitgehend zusammenbrach.
  2. Kuwait 2020: Trotz der Pandemie stieg der Exportwert stark an — die Mengen verdoppelten sich auf 208 % der Baseline bei gleichzeitigem Preisanstieg auf 160 %.
  3. Saudi-Arabien 2018: Die Exportmengen sanken auf 19 % der Baseline, was den dramatischen Rückgang des wichtigsten Nahost-Marktes einleitete.

Preischocks bei Exporten


3. Strukturwandel innerhalb der EU: Polens Aufstieg und Deutschlands Bedeutungsverlust

3.1 Polen wird zum dominanten EU-Zigarettenexporteur

Innerhalb der EU hat sich die Rangfolge der exportierenden Mitgliedstaaten grundlegend verschoben. Deutschland, 2015 mit 1,31 Mrd. EUR der mit Abstand größte Exporteur (über 50 % des EU-Totalwertes), verlor diese Position und exportierte 2025 nur noch 420,5 Mio. EUR (−67,9 %). An seine Stelle trat Polen, dessen Exporte von 180,9 Mio. EUR (2015) auf 562,1 Mio. EUR (2025) stiegen (+210,7 %). Polen ist damit 2025 der größte einzelne Exporteur von Zigaretten innerhalb der EU.

EU-Mitgliedstaat 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Deutschland 1.311,1 420,5 −67,9 %
Polen 180,9 562,1 +210,7 %
Niederlande 198,6 213,9 +7,7 %
Litauen 35,8 188,5 +426,4 %
Griechenland 159,6 164,4 +3,0 %
Bulgarien 195,7 91,0 −53,5 %
Rumänien 55,2 131,6 +138,5 %

Top-Exportländer innerhalb der EU

3.2 Spezialisierungsmuster bestätigen den Osteuropa-Fokus

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) für 2025 zeigt, dass die osteuropäischen EU-Staaten die höchste komparative Spezialisierung im Zigarettenexport aufweisen:

Rang Land RSCA RCA Produktionsanteil
1 Litauen 0,789 8,47 5,3 %
2 Portugal 0,758 7,26 10,0 %
3 Polen 0,719 6,13 40,7 %
4 Rumänien 0,594 3,92 6,5 %
5 Griechenland 0,538 3,33 2,2 %

Polen allein produziert 40,7 % der EU-Zigarettenexporte und weist den höchsten absoluten Produktionsanteil auf. Litauen hat trotz kleinerer absoluter Mengen die höchste Spezialisierung (RCA 8,47). Im Gegensatz dazu weisen Länder wie Italien (RSCA −1,00), Dänemark (−0,999), Frankreich (−0,998) und Schweden (−0,990) eine extrem niedrige Spezialisierung auf.

Spezialisierungskarte

3.3 Österreich und Rumänien werden zu neuen Import-Drehkreuzen

Auf der Importseite sind zwei EU-Staaten besonders hervorgetreten. Österreichs Importe stiegen von lediglich 131.886 EUR (2015) auf 56,0 Mio. EUR (2025) — ein Anstieg von über 42.000 %. Rumänien steigerte seine Importe von 8,6 Mio. EUR auf 94,9 Mio. EUR (+1.006 %). Diese Entwicklung steht im direkten Zusammenhang mit dem Aufstieg der Türkei, Serbiens und Nordmazedoniens als Importquellen: Österreich und Rumänien fungieren als geografische Tore für Zigaretten aus diesen Ländern in den EU-Binnenmarkt.

EU-Importland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Rumänien 8,6 94,9 +1.006 %
Österreich 0,13 56,0 +42.337 %
Bulgarien 1,1 23,0 +2.067 %
Frankreich 30,3 11,0 −63,8 %
Deutschland 16,9 9,2 −45,7 %
Spanien 20,3 0,001 −100,0 %
Irland 18,9 0,2 −98,7 %

Top-Importländer innerhalb der EU

Frankreich, Deutschland und insbesondere Spanien und Irland haben dagegen ihre Importe drastisch reduziert, was mit der Abkehr vom UK als Lieferanten nach dem Brexit zusammenhängt.


Fazit

Der EU-Zigarettenhandel (CN 240220) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Drei zentrale Dynamiken prägen die Entwicklung:

Erstens vollzieht sich ein struktureller Übergang zu höherwertigen Exporten. Die Exportmengen sind um fast 43 % gesunken, doch die Preise sind um 45 % gestiegen, sodass der Exportwert nur moderat zurückging. Gleichzeitig ist die EU-Produktion mengen- und wertmäßig rückläufig, was auf eine Konsolidierung der Industrie und den Wandel hin zu weniger, aber teureren Zigaretten hindeutet.

Zweitens hat der Brexit die Handelsströme grundlegend umgezeichnet. Das Vereinigte Königreich war 2015 die dominierende Importquelle der EU; heute ist es praktisch bedeutungslos. Die Türkei und Serbien haben diese Rolle übernommen und sich zu den wichtigsten Nicht-EU-Lieferanten entwickelt — mit Österreich und Rumänischen als neuen Einfuhrdrehkreuzen.

Drittens haben sich die Exportmärkte verschoben. Traditionelle Nahost-Märkte wie Saudi-Arabien und die VAE haben stark an Bedeutung verloren, während Russland und der Westbalkan gewachsen sind. Innerhalb der EU hat sich die Exportführerschaft von Deutschland auf Polen verlagert, was den Trend zur Industrialisierung Osteuropas im Tabaksektor widerspiegelt. Die Handelsvolatilität bei mehreren Partnern und die identifizierten Preischocks deuten darauf hin, dass dieser Markt weiterhin anfällig für geopolitische und regulatorische Störungen ist.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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