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Marktentwicklung: Zigaretten (CN 24022090) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit Zigaretten der Zolltarifnummer CN 24022090 — Zigaretten, Tabak enthaltend, ausgenommen Nelken enthaltend — im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die EU ist in diesem Segment ein bedeutender Nettoexporteur: Der Handelsbilanzüberschuss belief sich 2025 auf 1,89 Mrd. EUR (2015: 2,39 Mrd. EUR). Im Betrachtungszeitraum unterlag der Markt tiefgreifenden strukturellen Veränderungen — von gegenläufigen Mengen- und Preisentwicklungen über eine gravierende Umstrukturierung der Handelspartnerschaften bis hin zu einem erheblichen Rückgang der inländischen Produktion. Die folgenden drei Abschnitte beleuchten diese zentralen Dynamiken.


1. Mengenrückgang und Preissteigerung: Gegenläufige Dynamiken im EU-Zigarettenhandel

Die EU verlor über 40 % ihrer Exportvolumina, während die Einheitswerte um fast die Hälfte stiegen

Der auffälligste Trend im EU-Zigarettenhandel ist die gegenläufige Entwicklung von Mengen und Preisen. Das Exportvolumen sank von 138.483 Tonnen (2015) auf 79.162 Tonnen (2025), was einem Rückgang von 42,8 % entspricht. Auch in der ergänzenden Stückzahl ging die Menge von 125,6 Mrd. auf 78,8 Mrd. Stück zurück (−37,3 %). Der Exportwert hingegen sank im selben Zeitraum nur um 16,9 % — von 2,54 Mrd. EUR auf 2,11 Mrd. EUR. Der Grund liegt in einem kräftigen Preisanstieg: Der durchschnittliche Exportpreis pro Tonne stieg von 18.345 EUR auf 26.664 EUR (+45,3 %), der Preis pro 1.000 Stück von 20,23 EUR auf 26,80 EUR (+32,5 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte
Exportwert 2,54 Mrd. EUR 2,11 Mrd. EUR −16,9 %
Exportmenge 138.483 t 79.162 t −42,8 %
Exportpreis (EUR/t) 18.345 26.664 +45,3 %
Exportpreis (EUR/1.000 Stck.) 20,23 26,80 +32,5 %
Importe
Importwert 145,5 Mio. EUR 219,6 Mio. EUR +50,9 %
Importmenge 8.015 t 9.272 t +15,7 %
Importpreis (EUR/t) 18.158 23.682 +30,4 %
Importpreis (EUR/1.000 Stck.) 18,77 25,44 +35,6 %
Saldo
Handelsbilanz 2,39 Mrd. EUR 1,89 Mrd. EUR −21,0 %

Dieses Muster deutet auf eine Premiumisierung des EU-Zigarettenexports hin: Während die physischen Mengen deutlich schrumpften — bedingt durch strengere Regulierung, sinkende Raucherquoten und verschärfte Besteuerung weltweit — konnten die EU-Exporteure ihre Produkte zu deutlich höheren Einheitspreisen absetzen. Die Preiserhöhung kompensierte den Mengenrückgang teilweise, konnte ihn aber nicht vollständig ausgleichen.

Importe stiegen mengen- und wertmäßig, bleiben aber weit hinter den Exporten zurück

Auf der Importseite zeigt sich ein anderes Bild. Der EU-Importwert stieg von 145,5 Mio. EUR auf 219,6 Mio. EUR (+50,9 %), getrieben sowohl von einem Mengenwachstum (8.015 t → 9.272 t, +15,7 %) als auch von einem Preisanstieg (18.158 EUR/t → 23.682 EUR/t, +30,4 %). Die Importe blieben jedoch in absoluten Zahlen weit hinter den Exporten zurück: Das Verhältnis von Export- zu Importwert betrug 2025 rund 10 : 1. Die EU ist und bleibt somit ein massiver Nettoexporteur in diesem Segment.

Preisvolatilität und einzelne Preisschocks prägten bestimmte Absatzmärkte

Die Preisdynamik war nicht in allen Märkten gleichmäßig. Die Analyse der Preisvolatilität und Versorgungsschocks zeigt signifikante Einzelereignisse bei den Exporten: So wurde 2018 ein abnormaler Preisanstieg von 154,3 % bei Exporten nach Japan festgestellt (Abnormalitäts-Score: 194,3, betraf 4,9 % des Exportwerts), 2020 ein solcher von 59,7 % bei Kuwait und 2022 ein Preisanstieg von 22,1 % bei Libyen. Diese isolierten Schocks unterstreichen, dass die EU-Exportpreise in einzelnen Märkten erheblichen Schwankungen unterlagen, die über den allgemeinen Aufwärtstrend hinausgingen.


2. Gravierende Umstrukturierung der Handelspartnerschaften durch Brexit und geopolitische Verschiebungen

Der Brexit eliminierte die wichtigste Importquelle und öffnete den Markt für die Türkei und den Westbalkan

Die dramatischste Veränderung auf der Importseite betraf das Vereinigte Königreich. 2015 war es mit einem Importwert von 113,0 Mio. EUR die mit Abstand wichtigste Quelle für Zigarettenimporte in die EU und deckte rund 78 % des gesamten Importwerts ab. Bis 2025 brachen die Importe aus dem Vereinigten Königreich auf nur noch 0,6 Mio. EUR ein (−99,4 %). Diese Entwicklung steht in direktem Zusammenhang mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU und den damit verbundenen neuen Handelsbarrieren.

Dieses Vakuum wurde durch ein rasantes Wachstum neuer Lieferanten gefüllt. Die wichtigsten Importpartner der EU im Jahr 2025 waren:

Partnerland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Türkei 8,5 98,8 +1.061 %
Serbien 1,8 90,4 +5.064 %
Vereinigtes Königreich 113,0 0,6 −99,4 %
Nordmazedonien 2,0 15,2 +648 %
Russische Föderation 5,7 < 0,1 −99,9 %
Schweiz 3,0 1,9 −37,0 %
Chile 1,0 < 0,1 −99,8 %

Die Türkei und Serbien entwickelten sich von marginalen Lieferanten zu den dominierenden Importquellen. Gemeinsam stellten sie 2025 rund 86 % des EU-Importwerts. Diese Entwicklung spiegelt die enge wirtschaftliche Integration der Westbalkanstaaten und der Türkei mit der EU wider — begünstigt durch Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen sowie bestehende Zollunionen. Gleichzeitig brachen die Importe aus der Russischen Föderation (−99,9 %) und Chile (−99,8 %) nahezu vollständig zusammen.

Auf der Exportseite verloren der Nahe Osten und Japan massiv an Bedeutung, während Russland wuchs

Die Exportpartnerschaften durchliefen einen ebenso tiefgreifenden Wandel:

Partnerland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 251,6 266,7 +6,0 %
Saudi-Arabien 678,6 137,2 −79,8 %
Vereinigte Arabische Emirate 298,0 71,2 −76,1 %
Libyen 94,2 93,0 −1,3 %
Japan 76,2 3,0 −96,1 %
Russische Föderation 35,4 118,4 +234,2 %
Kuwait 87,4 39,8 −54,5 %

Saudi-Arabien war 2015 mit 678,6 Mio. EUR (26,7 % der Exporte) das wichtigste Exportziel; bis 2025 sank der Wert auf 137,2 Mio. EUR (−79,8 %). Ähnlich verliefen die Rückgänge bei den VAE (−76,1 %), Japan (−96,1 %) und Kuwait (−54,5 %). Diese Entwicklungen sind teilweise auf verschärfte nationale Tabakregulierungen, höhere lokale Besteuerung und verstärkten Wettbewerb durch lokale Produktion in diesen Ländern zurückzuführen.

Demgegenüber wuchsen die Exporte in die Russische Föderation um 234,2 % (von 35,4 Mio. EUR auf 118,4 Mio. EUR). Das Vereinigte Königreich blieb als Exportmarkt mit einem leichten Plus von 6,0 % stabil — im Gegensatz zur Importseite blieb der Brexit hier ohne erkennbaren negativen Effekt. Libyen behielt ebenfalls ein konstantes Exportniveau bei (94,2 Mio. EUR → 93,0 Mio. EUR). Bemerkenswert ist, dass die Importvolatilität beim Vereinigten Königreich (Variationskoeffizient 1,25), Nordmazedonien (1,35) und China (1,76) besonders hoch war — ein Spiegelbild der starken Strukturbrüche in diesen Handelsbeziehungen.

Innerhalb der EU verschob sich die Exportführerschaft von Deutschland nach Polen

Ein bemerkenswerter Wandel vollzog sich auch innerhalb der EU. Deutschland war 2015 mit einem Exportwert von rund 1,3 Mrd. EUR der dominierende Exporteur, dessen Anteil an den EU-Gesamtexporten über 50 % betrug. Bis 2025 sanken die deutschen Exporte auf 420 Mio. EUR (−67,9 %). Gleichzeitig stiegen die Exporte Polens von 181 Mio. EUR auf 562 Mio. EUR (+210,7 %), womit Polen Deutschland als größten EU-Exporteur überholte.

EU-Mitgliedstaat 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Deutschland 1.311 420 −67,9 %
Polen 181 562 +210,7 %
Niederlande 199 214 +7,7 %
Litauen 36 189 +426,4 %
Griechenland 160 164 +3,0 %
Bulgarien 196 91 −53,5 %
Rumänien 55 132 +138,5 %

Auch Litauen (+426,4 %) und Rumänien (+138,5 %) verzeichneten ein deutliches Exportwachstum. Diese Verschiebung spiegelt veränderte Produktionsstandorte und Kostenvorteile in Mittel- und Osteuropa wider. Deutschland blieb zwar ein bedeutender Produzent, verlor aber seine dominierende Stellung als Exporteur in Drittländer.


3. Produktionsrückgang und zunehmende Exportorientierung der EU

Die EU-Zigarettenproduktion sank zwischen 2015 und 2025 um mehr als ein Drittel

Hinter den Handelsdaten verbirgt sich ein erheblicher Produktionsrückgang in der EU. Die Produktionsmenge sank von 801,7 Mrd. Stück auf 525,5 Mrd. Stück (−34,5 %), der Produktionswert sogar von 14,8 Mrd. EUR auf 5,1 Mrd. EUR (−65,4 %). Der stärkere Rückgang des Produktionswerts im Vergleich zur Menge deutet auf eine Verschiebung der inländischen Wertschöpfung hin — möglicherweise bedingt durch die Verlagerung von Produktionsstandorten in Drittländer, die Konzentration auf günstigere Produktvarianten oder veränderte Bewertungsstrukturen.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Mrd. Stück) 801,7 525,5 −34,5 %
Produktionswert (Mrd. EUR) 14,8 5,1 −65,4 %

Dieser Produktionsrückgang steht im Einklang mit dem globalen Trend sinkender Tabakkonsumraten, der in der EU durch die Tabakproduktrichtlinie, Werbeverbote und steigende Verbrauchsteuern verstärkt wird.

Die Exportquote der EU-Produktion stieg trotz absolutem Mengenrückgang drastisch an

Paradoxerweise nahm die Exportneigung der EU-Zigarettenindustrie im Betrachtungszeitraum erheblich zu — von 5,9 % auf 40,8 % (+594,7 %). Auch die Handelsintensität stieg markant an (von 8,8 % auf 42,4 %). Da die Produktion deutlich stärker schrumpfte als die Exporte, wuchs der relative Anteil der Exporte an der Gesamtproduktion beträchtlich. Die Netto-Importabhängigkeit sank dabei von −2,8 % auf −61,3 % — negative Werte kennzeichnen den Nettoexporteur-Status, und die Zunahme im Absolutwert zeigt, dass sich die EU im Verhältnis zur eigenen Produktion noch stärker als Nettoexporteur positionierte.

Dies bedeutet: Obwohl die EU absolut weniger Zigaretten exportierte als 2015, lieferte sie im Verhältnis zur geschrumpften eigenen Produktion einen immer größeren Teil ins Ausland. Die EU-Zigarettenindustrie ist damit heute in weit höherem Maße vom Export abhängig als noch vor einem Jahrzehnt.

Die Marktdiversifizierung nahm zu und regionale Spezialisierungsmuster kristallisierten sich heraus

Die Konzentrationsindizes (HHI) zeigen eine zunehmende Diversifizierung des EU-Zigarettenhandels über alle Partner hinweg:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 6.110 4.066 −33,5 %
HHI Exporte (Wert) 1.135 557 −50,9 %

Der Import-HHI sank von 6.110 auf 4.066 — ein Spiegelbild der Abkehr von der starken Konzentration auf das Vereinigte Königreich als Importquelle. Der Export-HHI fiel von 1.135 auf 557, was eine gleichmäßigere Verteilung der Exporte über verschiedene Zielmärkte anzeigt. Beide Werte blieben jedoch im Bereich einer mäßigen bis hohen Konzentration.

Gleichzeitig bildeten sich innerhalb der EU deutliche Spezialisierungsmuster heraus. Die am stärksten spezialisierten Mitgliedstaaten (gemessen am Revealed Symmetric Comparative Advantage, RSCA) im Jahr 2025 waren:

Mitgliedstaat RSCA Anteil an EU-Produktion
Litauen 0,79 5,3 %
Portugal 0,76 10,0 %
Polen 0,72 40,7 %
Rumänien 0,59 6,5 %
Griechenland 0,54 2,2 %

Polen vereinigte mit 40,7 % den mit Abstand größten Anteil an der EU-Zigarettenproduktion auf sich und war zugleich hochspezialisiert (RSCA 0,72). Am anderen Ende des Spektrums standen Italien (RSCA −1,0), Dänemark (−1,0) und Frankreich (−1,0), die im Zigarettenexport kaum aktiv waren.


Fazit

Der EU-Zigarettenhandel (CN 24022090) durchlief zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel, der sich in drei zentralen Erkenntnissen zusammenfassen lässt:

Erstens führte der Rückgang der Exportvolumina (−42,8 %) in Kombination mit steigenden Einheitspreisen (+45,3 %) zu einem moderaten Rückgang des Exportwerts (−16,9 %). Die Preisdynamik kompensierte die Mengenverluste teilweise, konnte sie jedoch nicht vollständig ausgleichen. Isolierte Preisschocks in Märkten wie Japan (2018) und Kuwait (2020) unterstreichen die Volatilität einzelner Handelsbeziehungen.

Zweitens verschoben sich die Handelsströme geografisch erheblich. Der Brexit machte das Vereinigte Königreich als Importquelle weitgehend irrelevant und öffnete den Markt für die Türkei und westbalkanische Staaten. Auf der Exportseite verloren der Nahe Osten und Japan stark an Bedeutung, während Russland als Zielmarkt wuchs. Innerhalb der EU löste Polen Deutschland als führenden Exporteur ab.

Drittens ging die EU-Zigarettenproduktion um mehr als ein Drittel zurück, was die Exportabhängigkeit der verbleibenden Industrie erheblich verstärkte. Die Exportquote stieg von 5,9 % auf 40,8 % der Produktion. Gleichzeitig diversifizierten sich sowohl Import- als auch Exportstrukturen, wie an den sinkenden HHI-Indizes abzulesen ist.

Insgesamt zeichnet sich das Bild einer EU-Zigarettenindustrie, die kleiner, aber exportorientierter und international diversifizierter geworden ist — eingebettet in einen Markt, der durch rückläufige Nachfrage, regulatorischen Druck und geopolitische Verschiebungen geprägt ist.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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