Marktentwicklung: Wasserstoffperoxid (CN 2847) — 2015–2025
Einleitung
Wasserstoffperoxid (CN 2847) ist ein vielseitiges Industriechemikalie, das in der Papier- und Zellstoffindustrie, bei der Wasserreinigung, in der Textilverarbeitung sowie in der chemischen Synthese verwendet wird. Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025. Dabei zeigt sich ein klares Bild: Die EU hat sich in diesem Zeitraum von einem moderaten Nettoexporteur zu einem deutlich exportorientierten Produzenten entwickelt. Gleichzeitig haben geopolitische Ereignisse — insbesondere der Brexit und die Sanktionen gegen Russland — die Handelsströme erheblich umstrukturiert. Die inländische Produktion ist gewachsen, die Preise sind gestiegen und die Handelsoffenheit hat spürbar zugenommen.
Weitere Informationen zu Produktabdeckung und Definitionen finden sich im Überblick auf dem Trade Dashboard.
1. Werthaltiges Wachstum trotz sinkender Exportvolumina
1.1 Die EU exportiert mehr Wert bei weniger Volumen
Die EU-Exporte von Wasserstoffperoxid entwickelten sich zwischen 2015 und 2025 gegenläufig in Wert und Menge. Der Exportwert stieg von 91,9 Mio. EUR auf 102,3 Mio. EUR (+11,3 %), während das Exportvolumen von 205.819 Tonnen auf 160.462 Tonnen sank (−22,0 %). Dies bedeutet, dass die EU weniger Mengen exportiert, dafür aber höhere Preise erzielt — ein Indiz für eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten oder Lieferverträgen mit stärkerer Preisgestaltungsmacht.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 91,9 | 102,3 | +11,3 % |
| Exportmenge (t) | 205.819 | 160.462 | −22,0 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 446 | 597 | +33,8 % |
1.2 Importpreise sind dagegen gesunken
Im Gegensatz zur Exportpreisentwicklung sind die durchschnittlichen Importpreise über den Zeitraum gesunken: von 1.015 EUR/t im Jahr 2015 auf 862 EUR/t im Jahr 2025 (−15,0 %). Die Importmenge stieg dabei von 16.880 Tonnen auf 20.276 Tonnen (+20,1 %). Der Importwert blieb mit 17,1 Mio. EUR auf 17,5 Mio. EUR nahezu stabil (+2,2 %). Die Differenz zwischen Import- und Exportpreisen (862 EUR/t vs. 597 EUR/t) legt nahe, dass importiertes Wasserstoffperoxid tendenziell hochwertigere Qualitäten oder spezialisiertere Anwendungen betrifft.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. EUR) | 17,1 | 17,5 | +2,2 % |
| Importmenge (t) | 16.880 | 20.276 | +20,1 % |
| Importpreis (EUR/t) | 1.015 | 862 | −15,0 % |
Details zu den Handelsströmen finden sich im allgemeinen Überblick.
1.3 Der Handelsbilanzüberschuss wächst stetig
Die EU erzielte im gesamten Zeitraum einen positiven Handelsbilanzüberschuss. Dieser stieg von 74,8 Mio. EUR (2015) auf 84,8 Mio. EUR (2025), wobei der Überschuss im Verlauf des Zeitraums schwankte — mit einem Tiefstwert von 37,9 Mio. EUR und einem Höchstwert von 120,1 Mio. EUR. Die Netto-Importabhängigkeit wurde im Zeitverlauf zunehmend negativ: von −4,2 % auf −14,6 %. Negative Werte bedeuten Nettoexport — die EU ist also nicht nur autark, sondern ein relevanter Exporteur auf dem Weltmarkt.
2. Geopolitische Umbrüche verändern die Handelspartnerschaften grundlegend
2.1 Norwegens Exporte in die EU kollabieren, während die USA an Bedeutung verlieren
Der mit Abstand auffälligste Strukturwandel bei den Importen betrifft die Herkunftsländer. Die USA waren 2015 mit 11,9 Mio. EUR der wichtigste Importpartner, sanken aber bis 2025 auf 7,7 Mio. EUR (−35,8 %). Gleichzeitig stiegen die Importe aus Norwegen sprunghaft von lediglich 242.000 EUR auf 3,3 Mio. EUR (+1.276 %). Die Schweiz verzeichnete ebenfalls ein starkes Wachstum von 820.000 EUR auf 1,6 Mio. EUR (+89,5 %).
| Importpartner | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | 11.930.642 | 7.659.631 | −35,8 % |
| Vereinigtes Königreich | 3.004.148 | 2.026.425 | −32,5 % |
| Norwegen | 241.643 | 3.325.886 | +1.276 % |
| Schweiz | 819.701 | 1.553.124 | +89,5 % |
| Israel | 377.339 | 698.121 | +85,0 % |
| Türkei | 213.081 | 426.236 | +100,0 % |
| Russland | 6.555 | 32.230 | +391,7 % |
Die Partnerländer-Übersicht zeigt die vollständige Entwicklung.
2.2 Der Exportmarkt wird durch den Brexit und Russland-Sanktionen neu geordnet
Auf der Exportseite zeigen sich noch dramatischere Verschiebungen. Der Export nach Norwegen — 2015 mit 39,8 Mio. EUR der größte Einzelmarkt — brach bis 2025 auf 4,7 Mio. EUR ein (−88,2 %). Gleichzeitig wurde das Vereinigte Königreich zum wichtigsten Exportziel: Die Ausfuhren dorthin stiegen von 5,3 Mio. EUR auf 30,9 Mio. EUR (+478,1 %). Dies ist sehr wahrscheinlich eine direkte Folge des Brexit (Ende 2020): Waren, die zuvor innerhalb des EU-Binnenmarktes nach Großbritannien und Nordirland flossen, werden seit 2021 als Drittlandsexporte erfasst.
| Exportpartner | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 5.338.720 | 30.861.192 | +478,1 % |
| Türkei | 5.015.443 | 10.859.191 | +116,5 % |
| Schweiz | 6.401.256 | 12.555.831 | +96,1 % |
| Israel | 771.717 | 4.486.468 | +481,4 % |
| Norwegen | 39.762.367 | 4.693.068 | −88,2 % |
| Ägypten | 4.079.765 | 1.478.001 | −63,8 % |
| Russland | 4.815.662 | 1.122 | −100,0 % |
Besonders bemerkenswert ist der vollständige Kollaps der Exporte nach Russland: von 4,8 Mio. EUR auf praktisch null. Dies ist eine klare Auswirkung der EU-Sanktionen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022. Die Partnerländer-Exportübersicht dokumentiert diesen Einbruch eindrücklich.
2.3 Belgien dominiert den EU-Export, während die Importlandschaft fragmentierter wird
Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Spezialisierung der Mitgliedstaaten. Belgien war 2015 und 2025 mit großem Abstand der größte Exporteur (34,1 Mio. EUR bzw. 38,6 Mio. EUR), gefolgt von den Niederlanden und Deutschland. Auf der Importseite war Irland 2015 der größte Importeur (12,4 Mio. EUR), sank aber bis 2025 auf 6,6 Mio. EUR (−46,9 %). Schweden verzeichnete den stärksten Anstieg bei den Importen: von 347.000 EUR auf 2,9 Mio. EUR (+748 %).
| EU-Exportländer | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) |
|---|---|---|
| Belgien | 34.106.215 | 38.642.121 |
| Niederlande | 12.090.928 | 16.436.869 |
| Deutschland | 12.349.261 | 13.288.145 |
| Schweden | 23.293.426 | 14.969.357 |
| Spanien | 7.738.444 | 4.030.213 |
Die Reporterspezifische Übersicht liefert weitere Details zu den einzelnen Mitgliedstaaten.
3. Wachsende Produktion, zunehmende Spezialisierung und höhere Handelsoffenheit
3.1 Die EU-Produktion von Wasserstoffperoxid ist gewachsen
Die EU-Produktion von Wasserstoffperoxid (gemessen in kg H₂O₂) stieg von 887,6 Mio. kg auf rund 1.000 Mio. kg (+12,7 %). Noch deutlicher fiel der Anstieg des Produktionswerts aus: von 454,5 Mio. EUR auf 724,5 Mio. EUR (+59,4 %). Dieser Unterschied zwischen mengen- und wertmäßiger Zunahme spiegelt die bereits bei den Exporten beobachtete Preissteigerung wider — auch in der Produktion erzielt die EU höhere Erlöse pro Einheit.
| Produktionskennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Menge (Mio. kg H₂O₂) | 887,6 | 1.000,0 | +12,7 % |
| Wert (Mio. EUR) | 454,5 | 724,5 | +59,4 % |
Details zur Produktionsentwicklung sind im Dashboard verfügbar.
3.2 Skandinavische Länder und Belgien weisen die stärkste Spezialisierung auf
Die Analyse der komparativen Vorteile (RSCA-Index) zeigt, dass Schweden (RSCA = 0,68), Finnland (0,64) und Slowenien (0,50) die stärkste Spezialisierung bei der Produktion von Wasserstoffperoxid aufweisen. Belgien (0,48) und Österreich (0,45) folgen. Am anderen Ende der Skala stehen Rumänien, Estland und Dänemark mit RSCA-Werten nahe −1, die auf eine praktisch fehlende Spezialisierung hindeuten. Diese Verteilung spiegelt die Konzentration der chemischen Industrie in Nordeuropa wider.
| Stärkste Spezialisierung | RSCA | RCA |
|---|---|---|
| Schweden | 0,68 | 5,28 |
| Finnland | 0,64 | 4,49 |
| Slowenien | 0,50 | 3,02 |
| Belgien | 0,48 | 2,87 |
| Österreich | 0,45 | 2,66 |
Zur vollständigen Spezialisierungsübersicht.
3.3 Die Konzentration der Handelsströme hat abgenommen
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) misst die Konzentration der Handelsströme auf wenige Partner. Sowohl bei Importen als auch bei Exporten ist die Konzentration im Zeitverlauf deutlich gesunken. Der HHI der Importe nach Wert fiel von 5.199 auf 2.564 (−50,7 %), der der Exporte von 2.091 auf 1.292 (−38,2 %). Dies bedeutet, dass die EU ihre Handelsströme breiter diversifiziert hat — ein Zeichen für zunehmende Resilienz.
| HHI (Wert) | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importe | 5.199 | 2.564 | −50,7 % |
| Exporte | 2.091 | 1.292 | −38,2 % |
Die Konzentrationsanalyse liefert weitere Einblicke.
3.4 Preis- und Versorgungsschocks unterstreichen die Notwendigkeit der Diversifizierung
Im Zeitraum 2015–2025 wurden mehrere signifikante Handelsschocks identifiziert. Der auffälligste betraf die Exportpreise in die Schweiz im Jahr 2022: Der Preis stieg um 63,9 % über den erwarteten Wert hinaus (Abnormalitäts-Score: 485,1). Ebenfalls 2022 verzeichneten die Exportpreise in die Ukraine einen ungewöhnlichen Anstieg (+55,8 %). Beide Ereignisse fallen in das Jahr des Beginns des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, der Energiepreissteigerungen und Lieferkettenstörungen auslöste. Bereits 2018 war ein signifikanter Preisschock bei Importen aus den USA zu beobachten (+119,9 %).
| Schockereignis | Jahr | Typ | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exporte in die Schweiz | 2022 | Preis | +63,9 % |
| Exporte in die Ukraine | 2022 | Preis | +55,8 % |
| Importe aus den USA | 2018 | Preis | +119,9 % |
Zur Volatilitäts- und Schockanalyse.
3.5 Die Handelsoffenheit der EU bei Wasserstoffperoxid hat spürbar zugenommen
Die Handelsintensität (Exporte + Importe als Anteil der Produktion) stieg von 9,5 % auf 16,6 % (+75,1 %). Die Exportquote wuchs sogar von 6,9 % auf 14,8 % (+114,8 %). Diese Zahlen zeigen, dass die EU ihren Wasserstoffperoxid-Markt zunehmend international ausrichtet. Die inländische Produktion deckt zwar weiterhin den Großteil des Bedarfs, aber der Anteil der grenzüberschreitenden Aktivitäten ist erheblich gestiegen. Die Handelsintensität und Exportquote sind im Dashboard detailliert dargestellt.
Fazit
Der EU-Markt für Wasserstoffperoxid (CN 2847) hat sich zwischen 2015 und 2025 in drei wesentlichen Dimensionen verändert:
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Werthaltigkeit statt Mengenwachstum: Die EU exportiert weniger Tonnen, erzielt aber insgesamt mehr Umsatz. Sowohl Exportpreise als auch Produktionswerte sind überproportional gestiegen, was auf eine Qualitäts- oder Wertschöpfungsobergrenze hindeutet.
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Geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme: Der Brexit hat das Vereinigte Königreich vom Binnenmarkt-Partner zum wichtigsten Drittlandsexportmarkt gemacht. Die Sanktionen gegen Russland haben die Exporte dorthin vollständig zum Erliegen gebracht. Gleichzeitig haben sich neue Handelsbeziehungen — insbesondere mit Norwegen, der Schweiz und Israel — verstärkt.
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Zunehmende Diversifizierung und Offenheit: Die Konzentration der Handelsströme hat abgenommen, die Handelsintensität ist gestiegen und die EU hat ihren Nettoexportstatus ausgebaut. Die Produktion ist gewachsen, gestützt durch eine starke Spezialisierung in Skandinavien und Benelux.
Insgesamt zeigt der Markt für Wasserstoffperoxid eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit an geopolitische Umbrüche. Die EU positioniert sich als stabiler und zunehmend diversifizierter Exporteur, wobei steigende Preise und eine breitere Partnerbasis auf eine robuste Marktposition hindeuten.